{"id":6881,"date":"2018-12-21T00:01:00","date_gmt":"2018-12-20T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6881"},"modified":"2022-02-22T18:19:40","modified_gmt":"2022-02-22T17:19:40","slug":"copy-right-oder-copy-left","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/21\/copy-right-oder-copy-left\/","title":{"rendered":"Copy right oder copy left"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Es gibt f\u00fcr das eigene Leben kein Copyright, aber es ist leichter, sich mit allerlei missbr\u00e4uchlichen Aneignungen abzufinden, wenn es irgendwo den eigenen Text gibt, auf den man zeigen kann.<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jan Philipp Reemtsma<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6950\" style=\"width: 143px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6950\" class=\"wp-image-6950 size-full\" title=\"Logo\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Logo.jpg\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"133\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6950\" class=\"wp-caption-text\">Erste Logo-Entwurf von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut des Online-Lexikons <em>Wikipedia<\/em> stellt das Copyrightzeichen im Markenrecht ein Symbol zu Kennzeichnung eines bestehenden Schutzes dar, wobei es zwei Varianten davon gibt: \u2117 und \u00a9<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u00a9 hebt hierbei den Anspruch an den Urheberrechten der gekennzeichneten Marke hervor. Der Grossbuchstabe \u201eC\u201c innerhalb des Kreises stammt von dem englischen Begriff Copyright.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vervorhebenswert<\/strong>: In Kontinentaleuropa ist die Verwendung dieses Zeichens rechtlich irrelevant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der K\u00fcnstler Nils Pooker hat das Richard-Wagner-Portr\u00e4t des Reiss-Engelhorn-Museums, auf das das Museum Bildrechte geltend macht, verpixelt abgemalt und der Wikimedia-Stiftung geschenkt. Die Wikipedia darf das Gem\u00e4lde nach eine Klage des Museums nicht abbilden. Im Blog des Marta-Museums <a href=\"https:\/\/marta-blog.de\/wem-gehoeren-die-bilder-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">begr\u00fcndet<\/a> Pooker, warum die Monopolisierung einer Reproduktion auf ein rechtefreies Bild durch ein der \u00d6ffentlichkeit verpflichtetes Museum ein Skandal f\u00fcr ihn ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die willk\u00fcrliche Interpretation des Gesetzestextes hat aus meiner Sicht nichts mit dem Werkcharakter der Reproduktion, nichts mit der Funktion des fotografischen Werkes und nichts mit dem beruflichen Selbstverst\u00e4ndnis des dokumentierenden Fotografen zu tun, sondern allein mit dem Kontrollverlust \u00fcber das Bild selbst. Ich sehe die Gefahr einer Wiederkehr historischer Bildverbote, lediglich neu interpretiert dank der Freir\u00e4ume einer b\u00fcrgerlichen und aufgekl\u00e4rten Rechtsauffassung, die geschaffen wurden, um derartige Instrumentalisierungen f\u00fcr immer hinter sich zu lassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann trotzdem einiges gegen ein Copyright sagen, meinte j\u00fcngst ein melancholisch gestimmter Tim Parks im <a href=\"http:\/\/www.nybooks.com\/blogs\/nyrblog\/2012\/aug\/14\/does-copyright-matter\/\">Blog<\/a> der New York Review of Books. Zum Beispiel, dass es &#8222;bei Autoren eine bourgeoise Lebenseinstellung f\u00f6rdert, wo Schreiben ein Job mit Einkommen ist &#8230; Copyright h\u00e4lt den Autor in der Polis, und es ist doch wirklich bemerkenswert, wie selten kreatives Schreiben heute wahrhaft revolution\u00e4r ist&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und genau deshalb wird das Copyright wohl auch im digitalen Zeitalter \u00fcberleben, meint Parks: Weil wir am liebsten B\u00fccher lesen, die ohne Copyright nicht geschrieben w\u00fcrden, Harry Potter oder die Millenium-Trilogie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Forderung nach einem Copyright folgt nicht notwendig aus \u00dcberlegungen zu Gerechtigkeit oder Theorien \u00fcber Eigentum, sondern aus der Vorliebe einer Kultur f\u00fcr bestimmte literarische Formen. Wenn die Menschen nur Gedichte lesen w\u00fcrden &#8211; an deren Produktion man Dichter nie hindern kann, selbst wenn man ihnen nichts bezahlt &#8211; dann w\u00fcrden die Copyrightgesetze im Nu verschwinden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Behaltet eure DVD-Player, ruft Tilman Baumg\u00e4rtel in der <i>Zeit<\/i>. Wer Filmklassiker sehen will, kommt ohne nicht aus. Die gro\u00dfen Streamingdienste haben ein winziges Angebot und Klassiker sind praktisch gar nicht darunter. Wer Orson Welles&#8216; &#8222;Citizen Kane&#8220; sehen will oder Francesco Rosis &#8222;Wer erschoss Salvatore G.?&#8220; oder John Fords &#8222;My Darling Clementine&#8220; ist aufgeschmissen: &#8222;Was bei <i>Netflix<\/i> und Co. nicht zu haben ist, wird schon bald nicht mehr existieren &#8211; jedenfalls f\u00fcr eine Generation, die mit Film-Streams aus dem Internet aufw\u00e4chst. Nischenanbieter wie <i>Mubi<\/i>, <i>realeyz<\/i> oder <i>Alleskino<\/i> haben zwar ein ambitioniertes, aber doch begrenztes Angebot; was das Repertoire und vor allem das Marketing und die technische Infrastruktur betrifft, k\u00f6nnen sie dem gegenw\u00e4rtig entstehenden Duopol von Amazon und Netflix jedoch nichts entgegensetzen. Als Alternative bleiben bis auf Weiteres die physischen Medien DVD und Blu-ray, auf denen dann doch noch fast jeder Film und jede Serie ver\u00f6ffentlicht wird.&#8220; (Was Baumg\u00e4rtel in seinem Artikel nicht erw\u00e4hnt ist, welche Rolle bei dem schlechten Angebot das Urheberrecht spielt, das zum Teil angeblich noch auf Stummfilmen liegt, die immer wieder aus <i>Youtube<\/i> entfernt werden.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgerechnet im Zeitalter der Aufkl\u00e4rung wurde der Begriff des &#8222;Geistigen Eigentums&#8220; gepr\u00e4gt, <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/debatte\/urheberrecht-statt-geistiges-eigentum-1.17503146\">schreibt<\/a> der Sankt Gallener Informationsrechtler Florent Thouvenin: &#8222;Inhaltlich zielt die Lehre vom geistigen Eigentum damals wie heute darauf ab, die Vervielf\u00e4ltigung von Werken &#8211; durch aufwendigen Nachdruck ebenso wie durch einfache elektronische Kopie &#8211; mithilfe der Analogie von k\u00f6rperlichem und geistigem Eigentum als Diebstahl zu qualifizieren. Die intuitive \u00dcberzeugungskraft des Begriffs hat dem geistigen Eigentum wirkungsgeschichtlich einen geradezu \u00fcberw\u00e4ltigenden Erfolg beschert. Einer n\u00e4heren Pr\u00fcfung h\u00e4lt die Lehre allerdings nicht stand.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Leitstern ist Walter Benjamin, der sich von der Montage und Konstellation von Zitaten nicht nur eine neue Kunstform, den Funken der Erkenntnis, sondern eine Art von Erl\u00f6sung der Vergangenheit versprach, indem er ihre Tradierbarkeit durch ihre Zitierbarkeit ersetzte \u2013 so sehr, dass er an eine Buchpublikation aus lauter Zitaten dachte. Das Subjekt des Autors geht in die Form und Substanz seines Materials ein \u2013 was sich die Entsagungsbereitschaft von Herausgebern kategorisch versagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Du schreibst das Leben&#8220;, hat Veza Canetti 1948 ihrem Mann Elias geschrieben, &#8222;aber wenn Du lebst, verschreibst Du Dich.&#8220; Das eigene Leben ist kein Nachschlagewerk, in dem man nach Belieben herumbl\u00e4ttert, kein fertiges Manuskript, das man jederzeit ver\u00f6ffentlichen kann! Veza Canetti nimmt damit das postmoderne Konzept einer Autorschaft vorweg, demzufolge der Schriftsteller nicht mehr zu schreiben hat, sondern sich schreiben l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Adept von Johannes Gensfleisch borge ich mir seine beweglichen Metall-Lettern. Nie habe ich etwas Eigenes geschrieben, alles ist compiliert. Ich bin ein melancholischer Schrotth\u00e4ndler: Aus Abf\u00e4llen zimmere ich meine Ansichten. Alles ist drin, aber nichts passt zusammen. Die Sprache hinkt und klemmt an allen Ecken und Enden. Das ist ein trauriges, aber mein liebstes Spiel. Ein Spiel fast ohne Regeln. Wie bei jedem Spiel ist das einzig Wahre das Spiel selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO zeigt den Zwiespalt auf, in dem sich die Kunst befindet. Sie kommt nicht an der Wirklichkeit vorbei, aber sie kann sie nicht mehr schlicht reproduzieren. In in diesem Onlinemagazin arbeiten wir an der m\u00f6glichst exakten Rekonstruktion zur Bewahrung des kulturellen Erbes. Die Frage f\u00fcr die Artisten des in 1989 gegr\u00fcndeten Projekts<em> Das Labor<\/em> lautet nicht, wie das \u201eNeuland\u201c Internet das Denken ver\u00e4ndert, sondern wie das k\u00fcnstlerische Denken das Netz formt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98176\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Logo.jpg\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"133\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ausf\u00fchrliche Chronik des Projekts <em>Das Labor<\/em> lesen sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?page_id=314\">hier<\/a>. Diese Ausgrabungsst\u00e4tte f\u00fcr die Zukunft ist seit 2009 ein Label, die <em>Edition Das Labor<\/em>. Diese Edition arbeitet ohne Kapital, aber manchmal mit Kapit\u00e4lchen, sie befindet sich in der Situation des Baron von M\u00fcnchhausen und muss sich mit samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die in diesem <em>Labor<\/em> seither realisierten K\u00fcnstlerb\u00fccher, B\u00fccher und H\u00f6rb\u00fccher finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P.S.<\/strong> Die Paris Review stellt ein von Ronald Christ gef\u00fchrtes Gespr\u00e4ch mit Jorge Luis Borges <a href=\"http:\/\/www.theparisreview.org\/interviews\/4331\/the-art-of-fiction-no-39-jorge-luis-borges#.T7a9iGaEDBg.twitter\">online<\/a>. Borges erkl\u00e4rt, wann er im Kino weint:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;For example, there are many people who go to the cinema and cry. That has always happened: It has happened to me also. But I have never cried over sob stuff, or the pathetic episodes. But, for example, when I saw the first gangster films of Joseph von Sternberg, I remember that when there was anything epic about them &#8211; I mean Chicago gangsters dying bravely &#8211; well, I felt that my eyes were full of tears.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt f\u00fcr das eigene Leben kein Copyright, aber es ist leichter, sich mit allerlei missbr\u00e4uchlichen Aneignungen abzufinden, wenn es irgendwo den eigenen Text gibt, auf den man zeigen kann. Jan Philipp Reemtsma Laut des Online-Lexikons Wikipedia stellt das Copyrightzeichen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/21\/copy-right-oder-copy-left\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98176,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2309,1085,2311,1067,2310,428],"class_list":["post-6881","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-johannes-gensfleisch","tag-jorge-luis-borges","tag-nils-pooker","tag-tim-parks","tag-veza-canetti","tag-walter-benjamin"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6881"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6881\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99514,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6881\/revisions\/99514"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98176"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6881"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}