{"id":6874,"date":"2012-08-16T00:07:18","date_gmt":"2012-08-15T22:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6874"},"modified":"2019-10-05T14:51:45","modified_gmt":"2019-10-05T12:51:45","slug":"die-wortspielerin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/16\/die-wortspielerin\/","title":{"rendered":"Die Wortspielerin"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>R\u00e4tsel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soviel Anfang war selten, denkt man hoffnungsfroh immer wieder, wenn die neue Saison beginnt. Soviel Anfang ist meist, mahnt dann die Erinnerung, und auch die Hoffnungstr\u00e4ger sind oftmals dieselben. Theater ist f\u00fcr mich deshalb so faszinierend, weil es noch im Scheitern viele R\u00e4tsel aufgibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/kappe899.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-6875\" title=\"kappe899\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/kappe899.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"184\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/kappe899.jpg 306w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/kappe899-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/kappe899-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a>Christine Kappe studierte in Hannover Geschichte und Sprachwissenschaft, danach in Leipzig am deutschen Literaturinstitut (was man ihrem Schreiben im Gegensatz zu anderen dort verbildeten Autoren nicht anmerkt). Sie schreibt Gedichte, Essays und Theaterst\u00fccke, bei denen sie dem Prinzip der autonomen Stimmen folgt. Dabei kommt es oft zu leicht abwegigen Fragestellungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie lebt es sich auf einem Schachbrett? Sind k\u00fcnstliche Menschen gl\u00fccklicher? Kann man mit einem Kinderwagen in die Stadt fahren? Und schlie\u00dflich: Wie entsorgt man ein totes Kaninchen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf eigene Faust<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_6916\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/265px-Schwitters_Platte_Hannover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6916\" class=\"size-thumbnail wp-image-6916\" title=\"265px-Schwitters_Platte_Hannover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/265px-Schwitters_Platte_Hannover-150x150.jpg\" alt=\"Bodenrelief von Siegfried Neuenhausen mit dem Gedicht in Hannover, Knochenhauerstra\u00dfe (Altstadt)\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a><p id=\"caption-attachment-6916\" class=\"wp-caption-text\">Bodenrelief von Siegfried Neuenhausen mit dem Gedicht in Hannover, Knochenhauerstra\u00dfe (Altstadt)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denk ich an Hannover in der Nacht, kommt mir als erstes <em>Hangover<\/em> in den Sinn. Und damit sind wir sogleich beim bedeutendsten Schriftsteller der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt&nbsp;\u2013 und was f\u00fcr einer: Kurt Schwitters. Christine Kappe scheint mir eine Verwandte im Geiste zu sein, auch wenn nach eigener Aussage, in den \u203ahermetischen Welten\u2039 meistens der Regisseur fehlt. Im Mittelpunkt steht bei Kappe der Mensch. Und damit der Schauspieler. Es gibt eine ganze Riege von Schauspielern, die sich in dem offenen Rahmen, den ihnen einige Regietheaterregisseure bieten, zu K\u00fcnstlern von gro\u00dfer Eigenst\u00e4ndigkeit entwickelt haben. Sie sind nicht nur gro\u00dfe Schauspielk\u00fcnstler, davon gibt es im deutschen Theater weit mehr, als man annimmt. Kappes Protagonisten m\u00fcssen sich auf eigene Faust durch die Kuriosa des Lebens schlagen. Dabei kommt es&nbsp; zu allerlei \u00fcberraschenden Wendungen. Wendungen, die oftmals in g\u00e4nzlich unerwartete Richtungen f\u00fchren und den Zuh\u00f6rer augenzwinkernd und nachhaltig wortreich auf die F\u00e4hrten jenseits der gewohnten und festgelegten Regie-Anweisungen des Lebens locken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/blumenschmal1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6877\" title=\"blumenschmal\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/blumenschmal1-63x300.jpg\" alt=\"\" width=\"63\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/blumenschmal1-63x300.jpg 63w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/blumenschmal1-216x1024.jpg 216w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/blumenschmal1.jpg 648w\" sizes=\"auto, (max-width: 63px) 100vw, 63px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kern des Realismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Theater ist f\u00fcr Kappe nicht der einzige Ort, das Leben zu \u00fcberleben, dies zeigen die Texte auf ihrer <span style=\"color: #000080;\"><a href=\"http:\/\/www.christine-k.de\"><span style=\"color: #000080;\">Website<\/span><\/a><\/span> oder die <span style=\"color: #000080;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=22\"><span style=\"color: #000080;\">Essays<\/span><\/a><\/span> bei KUNO. Es braucht keine R\u00fcckkehr zur gro\u00dfen Erz\u00e4hlung, ihre Texte leben nicht von Homestorys oder dem Hohelied der Theorie. Die ungebrochene Aktualit\u00e4t der griechischen Trag\u00f6die ist gleichzeitig ein Klischee und ein Faktum. Zweieinhalbtausend Jahre trennen uns von Euripides, der dem Mythos eine bleibende Form gab und dessen <em>Medea<\/em> bis heute, in Adaptationen oder im Original, zu den meistgespielten St\u00fccken der klassischen Antike geh\u00f6rt. Angesichts der Integrationsprobleme in unserer globalisierten Zeit wirken Medea, die Kolchierin, und Jason, der Grieche, wie traurige Modellf\u00e4lle: Die kulturelle Kluft zwischen Kolchis und Korinth entspricht derjenigen zwischen Dritter und Erster Welt. Doch aufgepa\u00dft. Mythische Figuren lassen sich nicht ungestraft vereinnahmen, auch wenn, wie bei Euripides, ihre Psychologie f\u00fcr uns Sp\u00e4tmoderne nachvollziehbar ist. Bei Kappe lesen wir, wie der Einzelne leidet, auch wenn das Subjekt nur konstruiert und ohne Kern sein soll. Im Schmerz sp\u00fcrt man sich, wenn man es nicht schafft, sich wegzutr\u00e4umen und selbst zu bel\u00fcgen. Der Kern des Realismus ist die Trag\u00f6die des gew\u00f6hnlichen Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Christine Kappe,<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><strong>Du tropfes Tier,<\/strong><br \/>\n<strong>Ich&#8212;&#8212;-liebe&#8212;&#8212;-Dir!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00e4tsel Soviel Anfang war selten, denkt man hoffnungsfroh immer wieder, wenn die neue Saison beginnt. Soviel Anfang ist meist, mahnt dann die Erinnerung, und auch die Hoffnungstr\u00e4ger sind oftmals dieselben. 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