{"id":68691,"date":"2020-09-24T00:01:00","date_gmt":"2020-09-23T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68691"},"modified":"2022-02-23T14:15:00","modified_gmt":"2022-02-23T13:15:00","slug":"supkultur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/24\/supkultur\/","title":{"rendered":"Der Babst der Supkultur"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Zum 25. Todestag erinnert KUNO an Josef &#8222;Biby Wintjes. Er hat im Alleingang die Alternativ-Literatur begr\u00fcndet.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Inspiriert durch das Dreigestirn der amerikanische Beat-Generation, Jack Kerouac, Lawrence Ferlinghetti und Allen Ginsberg, schrieb Josef \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/09\/24\/bye-bye-biby\/\">Biby<\/a>\u201c Wintjes selbst Gedichte und bekam so Kontakt mit der deutschsprachigen &#8222;Untergrundliteratur&#8220; der 1960er Jahre, was ihn in seiner Motivation eine Informations- und Kommunikationszeitschrift zu gr\u00fcnden, best\u00e4rkte. Gemeinsam mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">Hadayatullah H\u00fcbsch<\/a> bildet Wintjes die Trias der &#8222;nonkonformistischen&#8220; Literatur der alten BRD. Diese Szene tendierte jedoch ganz offen in Richtung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/23\/neue-subjektivitat\/\">Wimmelbild<\/a>, allzu Disparates, Gegens\u00e4tzliches oder schlicht Nebeneinanderherlaufendes, lies sich nur additiv zum Sammelsurium <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/07\/zentralorgane-des-undergrounds\/\">Underground<\/a> f\u00fcgen. Dieses vielf\u00e4ltige Gewusel konnte man kaum in einem Text, einem Narrativ oder einem Gedicht einfangen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Von Selbstzweifeln geplagt h\u00f6rte Josef Wintjes fr\u00fch damit auf, seine lyrischen Ambitionen in Verse umzusetzen&#8230; Er resignierte nicht einfach, sondern fand eine andere und wirksamere Methode literarischen Engagements: Er wurde Zeitschriftenh\u00e4ndler.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Helmut Loeven<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem Mittelalter hat der vestische Hellweg die Verbindung zwischen den westf\u00e4lischen St\u00e4dten und den Rheinland hergestellt. &#8222;Biby&#8220; Wintjes, der Zeitschriftenverleger der &#8222;Gegenkultur&#8220;-Szene der 1970er und 1980er Jahre, war <em>die<\/em> Schaltstelle der Szene, die sich seit 1968 mit der Kommune- und Frauenbewegung, aber auch mit Esoterik und Anarchie befa\u00dfte. Themen, die damals sonst nur sehr geringe Chancen auf \u00d6ffentlichkeit hatten. Die BRD der sechziger Jahre war unter anderem gekennzeichnet durch das Entstehen einer au\u00dferparlamentarischen Opposition. Literatur versteht sich in diesem Zusammenhang als Beitrag der forschenden Praktiker zu einer politischen Weltsicht, in der sich die Einheit von Technik und Natur durch Experiment, Kausalanalyse und quantitative Modellierung erschlie\u00dft. Die Alternativbewegung setzt sich aus verschiedenen Str\u00f6mungen und heterogenen Gruppierungen zusammen. Zu ihr geh\u00f6ren die neben \u00d6kologisten, die Frauenbewegung, die Kernkraftgegner, autonome Gruppen, die Homosexuellenbefreiungsbewegung usw., Minderheiten und weitere Randgruppen, die sich in dieser Gesellschaft benachteiligt f\u00fchlen &#8211; und die Willens waren, dieser Benachteiligung entgegenzutreten. Ihr Widerstand gegen die Pressekonzentration, die daraus resultierende Bereitschaft <em>Gegen\u00f6ffentlichkeit<\/em> herzustellen, und das Bestreben verschwiegene und unterbliebene Nachrichten publik zu machen, sind die Voraussetzung f\u00fcr das Entstehen einer sogenannten &#8222;Alternativpresse&#8220;. Auf die <em>Literarische Alternativpresse<\/em> folgte das Entstehen der <em>Gegenbuchmesse<\/em> und die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Mainzer Minipressenmesse<\/a><\/em>. Das Selbstverst\u00e4ndnis dieser Presse, wie sie sich finanziert, ihr Verh\u00e4ltnis zur Werbung, der innere Aufbau und die \u00e4u\u00dfere Gestaltung unterscheiden sie von der \u00fcbrigen Presse.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das analoge Internet ging von dort per Schneckenpost in die Vernetzung, seine Name: Ulcus Molle Info. Es wurde herausgegeben von Biby Wintjes\u2026 Und es war immer ein kleines Fest, wenn eine Ausgabe des Ulcus Molle Info im Briefkasten lag. So hatte man selbst in der tiefsten Provinz den Eindruck an eine Szene angeschlossen zu sein.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">A.J. Weigoni<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Von 1969 bis 1990 gab Wintjes erst monatlich, die l\u00e4ngste Zeit dann jedoch zweimonatlich, die Zeitschrift <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/11\/11\/das-analoge-internet-wird-eingestellt\/\">Ulcus Molle Info<\/a><\/em> heraus, die sich als Mitteilungsblatt und Diskussionsforum der literarischen, spirituellen und politischen Gegenkulturszene verstand. Zu Beginn der 1970ger Jahre wird ein Spielraum freigesetzt, den den das demokratische Deutschland moralisch ben\u00f6tigte, um mit dem Fortschritt loszulegen und im Ruhrgebiet befindet sich die Herzkammer dieser Bewegung. Die Bedeutung des Polit-Begriffs f\u00fcr die Literatur hatte sich angesichts der vorherschenden Zeitstr\u00f6mung entfaltet. Diese Texturen der Wirklichkeit waren in erster Linie Reflexionen \u00fcber die Eigendynamik, die in jedem Akt des Lebens und Schreibens beziehungsweise des Erz\u00e4hlens von Geschichten fast wie zwangsl\u00e4ufig sich entwickelt, ein unaufh\u00f6rliches Wechselspiel zwischen Sich-Einlassen auf die Welt und Distanz-Wahren zur Wirklichkeit. Die literarische Sprache degenerierte nach den 1960ger Jahren zum neuen Instrument der Wirklichkeitsbeschreibung, f\u00fcr die die beobachtbaren Ph\u00e4nomene nur noch angen\u00e4herte F\u00e4lle waren. Die erste H\u00e4lfte der 1970ger Jahre ist durchwirkt von Begriffen wie Wirkungsgeschichte, Toposforschung, Sp\u00e4tzeitbewusstsein, kulturelles Ged\u00e4chtnis, Erinnerungskultur. Herausgekommen ist dabei lediglich \u201eHalbzeugs\u201c. Es ist bis zur Mitte der 1970er Jahre eine Wirklichkeit, die man als Kontrast statt Konsistenz benennen k\u00f6nnte, als das f\u00fcr das Subjekt Nicht-mehr-Verf\u00fcgbare. Den\u00a0<em>Neckermann der Subkultur<\/em>\u00a0hat man Josef \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/09\/24\/bye-bye-biby\/\">Biby<\/a>\u201c Wintjes scherzhaft genannt hat, er vertrieb die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/07\/zentralorgane-des-undergrounds\/\">Zentralorgane des Undergrounds<\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Im &#8222;Info&#8220; schrieben Autoren auf der H\u00f6he der Gegenwartsliteratur, subtil und malizi\u00f6s zu gleichen Teilen.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der sich als &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Alternativ<\/a>&#8220; verstehenden Literaturszene der 1970er und 1980er Jahre galt Wintjes vielen als Integrationsfigur, bildete er doch mit seinem Versanddienst eine wichtige Anlaufstelle f\u00fcr ihre vielf\u00e4ltigen Angebote und gro\u00dfen Nachfragen. Daneben stemmte der unerm\u00fcdliche Wintjes auch noch die Herausgabe verschiedener Anthologien zur Underground- und Alternativpresse der 1970er Jahre (<em>Szene-Reader<\/em> 1972 und folgende). Lesen wir diese Texte im Nachgang, so erfahren wir viel \u00fcber das Verschwinden der alten BRD, das Verschwinden der Sprache und \u00fcber das Verschwinden der Erinnerungen. Das <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/11\/11\/das-analoge-internet-wird-eingestellt\/\">Ulcus Molle Info<\/a><\/em> verstand sich als \u00d6ffentlichkeits- und Publikationshilfe f\u00fcr junge Autoren und Kleinverlage. Die Zeitschrift wurde zu einem wichtigen Diskussionsforum der literarischen, spirituellen und politischen Gegenkultur. Wir werden zu Zeugen f\u00fcr die stattfindende Abwicklung vom \u00dcberkommenen. Im Ruhrgebiet wohnen wir einer tabula rasa bei, die vor dem Sch\u00f6nen und Erhabenen keinen Halt macht. Banalit\u00e4t und Barbarei, hier geistig-\u00e4sthetischer Natur, sind auf dem Vormarsch. Eine kleine Lust am Untergang bem\u00e4chtigt sich der Einwohner, wenn sich Bergsch\u00e4den bemerkbar machen. Wintjes versuchte den Lesern hier Identifikationsangebote machen w\u00fcrde. Das Gef\u00fchl der Freiheit, das die Menschen in jenen Tagen des Aufbruchs in eine neue, demokratische Epoche ergriff, vergl\u00fchte jedoch schnell, sp\u00e4testens nach dem Terroranschlag auf die israelische Mannschaft und dem j\u00e4hen Ende der &#8222;heiteren Spiele von M\u00fcnchen&#8220;. Nach dem Verfliegen der politischen Utopie drohte ihnen nichts Schlimmeres als eine auseinanderdriftender Alltag. Der lange Marsch der Boh\u00e9miens war bereits lange vor <em>TuNix<\/em> &#8222;im Arsch&#8220;. Das Zeitungssterben, das in den 1980ger Jahre begann, ist auch an der Alternativpresse nicht spurlos vorbeigegangen. Die \u00c4ra <em>Ulcus Molle-Info<\/em> neigte sich dem Ende zu, ab 1987 legte Wintjes gemeinsam mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Bruno Runzheimer<\/a> die ebenfalls zweimonatlich (sp\u00e4ter viertelj\u00e4hrlich) erscheinende Zeitschrift <em>Impressum<\/em> vor, die sich in erster Linie der F\u00f6rderung von Nachwuchsautoren verschrieben hatte. Wo, wenn nicht hier, hatte die Unzeitgem\u00e4\u00dfheit in diesen Zeiten ihren Platz?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">War das damals tats\u00e4chlich eine gravierende Umw\u00e4lzung oder nur der \u00fcbliche Aufstand der Jungen gegen die Alten beziehungsweise lediglich ein spontaner Aufbruch gegen den eingefahrenen Literatur-Betrieb?<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <em>R\u0004uhrgebeat<\/em> \u0004in \u0004der \u0004Gegenwartsliteratur\u0004 bestand zwischen 1969 &#8211; 1990\u00a0 eben nicht nur aus der dr\u00f6gen &#8222;Literatur der Arbeitswelt&#8220;. In der Abraumhalde finden sich nach wie vor Relikte einer verwehten Gegenwart, wie sie aus dem Tr\u00f6delladen der alten BRD allzu bekannt sind: die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">Cranger Kirmes<\/a>, synthetische Aromen, Cocktailkirschen. \u00dcber ganz bestimmte \u201eMomente, die das Leben beherrschen\u201c, schrieb der Dortmunder Hartmuth Malorny in seinen ersten Roman <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/09\/die-schwarze-ledertasche\/\">Die schwarze Ledertasche<\/a><\/em>. Er schrieb damit die Coverversion des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Trash<\/a>-Klassikers <em>Der Mann mit der Ledertasche<\/em> von Charles Bukowski, der 1971 erschienen ist. Malorny arbeitet bei diesem Remake wie ein Sample-Spezialist, er sucht sich eine Reihe von charakteristischen Themen und Motiven und remixed sie so, da\u00df ein spezieller <em>Ruhrgebeat<\/em> entsteht. Dieses Medley spielt am Schmutzrand der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Die Bildhauerin Pia Bohr aus Dortmund sch\u00e4lt das Holz mit einem Stechbeitel, welcher auf direktem Wege das Geheimnis freilegt. Analog zu ihrer Arbeit als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/02\/12\/an-der-verletzbaren-aussenhaut-zur-welt\/\">Musikerin<\/a> lauscht sie in das Material hinein, als sei es ein Gef\u00e4\u00df, in dem sich die Energien bereits gesammelt haben. Der Bottroper Thomas N\u00f6ske ver\u00f6ffentlichte zahlreiche Publikationen \u00fcber Themen der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/01\/02\/pop-schamanismus\/\">Kunst<\/a>, Popkultur, Alternativliteratur, kritischen Theorie, Niklas Luhmanns Systemtheorie und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/01\/fortschrittspessimisten\/\">Science-Fiction<\/a>. Der Duisburger Tom Liwa spielte sich mit seinen famousen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/10\/das-hungertuch-fuer-tom-liwa\/\">Flowerpornoes<\/a> in die Kritikerherzen, als die Begr\u00fcnder der so genannten Hamburger Schule noch im Kindergarten tobten. Der in &#8222;Bad&#8220; M\u00fclheim aufgewachsene Helge Schneider ist wahrscheinlich der bislang einzige Solo-K\u00fcnstler, der gleich mit seiner ersten Platte den Titel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/04\/01\/die-singende-herrentorte\/\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em> gab<\/a>. Begleitet wurde er bei den Aufnahmen durch Tonmeister Tom T\u00e4ger im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26948\">Tonstudio an der Ruhr<\/a>. Die KUNO-Redaktion verlieh Herrn Nipp aus Neheim an der Ruhr den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/04\/20\/fluffige-literatur\/\">Twitteraturpreis 2017<\/a>. Der Name des Verlags, den der Gladbecker <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/06\/25\/lost-books-next-generation\/\">Dietmar Pokoyski<\/a> und der Rheinhausener <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/11\/14\/hungertuch-2015-fuer-die-kategorie-literatur-enno-stahl\/\">Enno Stahl<\/a> 1988 begr\u00fcndeten, war Programm: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/19\/ein-hauch-von-ewigkeit\/\">KRASH<\/a>. Seine Existenzberechtigung lag in einer konsequenten Fortf\u00fchrung der Moderne: von Dada und Surrealismus, den Experimenten von Laut- und visueller Poesie zur Postmoderne. Eva Kurowski aus Oberhausen-Eisenheim ist eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/02\/eva-kurowski-last-den-ruhr-ge-beat-swingen-2\/\">Kartographin des Ruhrgebiets<\/a>, das sie so detailgetreu nachzeichnet, da\u00df das Abbild mit der Wirklichkeit deckungsgleich wird, um alsbald in dieser zu zerfallen. Der Oberhausener Christoph Schlingensief war ein Vision\u00e4r, dessen H\u00f6lle in Flammen stand, ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/21\/club-69\/\">Polit-Clown<\/a> den man gerne eingeladen hat, weil man wu\u00dfte, dann passiert was und das ist irgendwie Unterhaltung. Aber er wurde nicht wirklich ernst genommen. <em class=\"\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\">Trash<\/a><\/em> bezeichnet Ph\u00e4nomene und Objekte, die der ernsthaften Kunst quasi ein Schnippchen schlagen mit verspielten Formen und Verfahren. Nicht zu verwechseln Pop-Art, die sich ja quasi von oben herab mit popul\u00e4rer Kultur auseinandersetzt, indem sie profane Objekte der Alltagskultur kopiert oder ins Museum stellt, erwirkt sie eine Art ironischer Sakralisierung. Der Bottroper Wintjes lenkte sowohl den Blick in Richtung Regionalit\u00e4t als auch in Richtung &#8222;internationale Solidarit\u00e4t&#8220; und stellt die Grenzen des f\u00fcr die traditionelle Literaturgeschichtsschreibung so wichtigen Bezugsrahmens &#8222;H\u00f6henkammliteratur&#8220; v\u00f6llig infrage, und zwar in territorialer ebenso wie in sprachlicher Hinsicht. Von &#8222;daheraus&#8220; (Hub Stevens) muss eine k\u00fcnftige Literaturgeschichtsschreibung ihre Konzepte jenseits solcher profanen Binarismen wie Globalit\u00e4t versus Lokalit\u00e4t und Zentrum versus Peripherie entwickeln.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr KUNO ist Josef \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/09\/24\/bye-bye-biby\/\">Biby<\/a>\u201c Wintjes so bedeutungsvoll und \u00fcberaus einpr\u00e4gsam, da\u00df ihn die Redaktion auch nach 25 Jahren nicht vergessen hat.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_65501\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-image-65501 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-260x374.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-160x230.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg 383w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><p id=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-caption-text\">Josef &#8222;Biby Wintjes. Portr\u00e4t: Bruno Runzheimer<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 25. Todestag erinnert KUNO an Josef &#8222;Biby Wintjes. Er hat im Alleingang die Alternativ-Literatur begr\u00fcndet. Inspiriert durch das Dreigestirn der amerikanische Beat-Generation, Jack Kerouac, Lawrence Ferlinghetti und Allen Ginsberg, schrieb Josef \u201eBiby\u201c Wintjes selbst Gedichte und bekam so Kontakt&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/24\/supkultur\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":98394,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1118,2651,1611,54,92,973,249,2635,59,2598,1334,2674,2585,2608,133,241,2668,122,35,1063],"class_list":["post-68691","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-barbara-ester","tag-bruno-runzheimer","tag-christoph-schlingensief","tag-dietmar-pokoyski","tag-enno-stahl","tag-eva-kurowski","tag-hadayatullah-hubsch","tag-hartmuth-malorny","tag-helge-schneider","tag-helmut-loeven","tag-herr-nipp","tag-hub-stevens","tag-josef-wintjes","tag-ni-gudix","tag-pia-lund","tag-rolf-dieter-brinkmann","tag-thomas-noeske","tag-tom-liwa","tag-tom-tager","tag-victor-otto-stomps"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68691"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68691\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99903,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68691\/revisions\/99903"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98394"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}