{"id":68666,"date":"2020-08-01T00:01:00","date_gmt":"2020-07-31T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68666"},"modified":"2023-08-27T07:34:45","modified_gmt":"2023-08-27T05:34:45","slug":"das-prinzip-der-verwertung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/01\/das-prinzip-der-verwertung\/","title":{"rendered":"Das Prinzip der Verwertung"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>mp3<\/em> ist ein Verfahren zur verlustbehafteten Kompression digital gespeicherter Audiodaten. Dadurch wird, bei kaum verringert wahrgenommener Audioqualit\u00e4t, eine starke Reduktion der Datenmenge m\u00f6glich.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor 25 Jahren wurde ein Format eingef\u00fchrt, das erstmals keine Verbesserung des Musik- und H\u00f6rbuchgenusses oder der k\u00fcnstlerischen M\u00f6glichkeiten darstellte. Stellte der \u00dcbergang von Schellack zur Vinyl-Schallplatte und &#8211; eine klanglicher Vertiefung zur CD &#8211; sowohl eine technische als auch eine k\u00fcnstlerische Weiterentwicklung dar, so hat die Hegelsche &#8222;Furie des Verschwindens&#8220;, die mit dem Fortschritt eng verwandt ist, nach der Einf\u00fchrung der Abspielm\u00f6glichkeit <em>mp3<\/em> fast alle diese Errungenschaften aus unserem Leben gerissen. Ihr Assoziationsprinzip ist expansiv und potenziell unendlich, und bei der Menge an Titeln, mit denen die bekannten Kan\u00e4le im www \u00fcber den Kunden herfallen kann, droht schnell \u00dcberforderung und Beliebigkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em> Erfinden ist g\u00f6ttlich, Multiplizieren ist menschlich.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Man Ray<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine &#8222;Ewige Wiederkunft&#8220; des gleichen &#8222;Content&#8220;. Die Macher dieser &#8222;Videospielmusik&#8220; (es reicht nicht mehr Musik zu h\u00f6ren, man muss sie auch sehen!) nutzen das Internet prim\u00e4r als Distributionsmedium, an Inhalt und Form des Dargebotenen \u00e4ndert sich kaum etwas. Es geht lediglich um eine &#8222;Wertabsch\u00f6pfung&#8220;, an der Komponisten und Interpreten kaum beteiligt sind. Beim diesem Leben gibt es kein Copyright. Der wahre Charakter dieses Sounds ist ihr Warencharakter. Technologie ist ein Bestandteil des Alltags geworden. Die Verbraucher nutzen WhatsApp, um sich f\u00fcr ein Date zu verabreden. Konferenzen finden via Zoom statt. Aber bringt Hightech die &#8222;Kunden&#8220; tats\u00e4chlich zusammen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Was im analogen Zeitalter die <em>compact cassette<\/em> darstelle, ist in der digitalen Dekade die <em>mp3<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss den gegenw\u00e4rtigen Tendenzen und nachfolgenden Entwicklungen nicht kulturpessimistisch entgegenstehen, und doch ist es geradezu markersch\u00fctternd, wie das vornehmlich j\u00fcngere Publikum diesen R\u00fcckschritt an Klang\u00e4sthetik klaglos hinnimmt und sich mit rabiat nach vorn gemischten Tracks quasi wieder im Extrem-<em>Mono<\/em> befindet. Wir leben in einem Zeitalter, in dem die bekannten Unternehmen bestimmen, welche Daten den Kunden in welchem Mix zug\u00e4nglich gemacht werden. Das sogenannte &#8222;Strea\u00adming&#8220; treibt das auf die Spitze, es geht nicht mehr um klang\u00e4sthetischen Genuss sondern um Bequemlichkeit, d.h. um Faulheit der Leute sich mit k\u00fcnstlerischen Inhalten auseinanderzusetzen. Kaum jemand m\u00f6chte mehr eine quadratische Verpackung in der Hosentasche herumschleppen oder sich mittels Konzeptalben mit k\u00fcnstlerischen Ideen auseinandersetzen, bei einer Oper ein Textbuch mitlesen oder bei einem H\u00f6rspiel, das mit Kunstkopf-Stereophonie produziert wurde, die Kopfh\u00f6rer aussetzen und einfach h\u00f6ren, zuh\u00f6ren. Nur Nostalgiker und Sammler halten noch an dieser Silberscheibe fest, an diesem Relikt aus der beginnenden digitalen Zeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wahrgenommen durch den Instagramfilter sind Kl\u00e4nge nur noch ein gelenktes Ger\u00e4usch<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Begegnen wir der Logik des neuen Mediums, so finden sich erstmals keine Spurenelemente von k\u00fcnstlerischer Innovation, dieser &#8222;Vaporwave&#8220; setzte sich nur noch aus Samples und Loops zusammen. Bisher gab es in der Mediengeschichte ein wechselseitiges Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis von Kunst und Publikum. Nun ist der Erkenntnishorizont erheblich eingeengt. Streams und <em>mp3<\/em> haben Kl\u00e4nge, Melodien und Sprache zu etwas Fl\u00fcchtigem gemacht, fr\u00fcher nannte man diese akustische Tapete treffend &#8222;Fahrstuhlmusik&#8220;. W\u00e4hrend zu Zeiten von LP oder CD der <em>Sound<\/em> klang\u00e4sthetisch stereophon aufbereitet wurde, ist es seit 25 Jahren als <em>mp3<\/em> nur noch ein gelenktes Ger\u00e4usch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"aligncenter size-large\">\r\n<div id=\"attachment_47037\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47037\" class=\"wp-image-47037\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"547\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1.jpeg 800w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1-300x205.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1-768x525.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><p id=\"caption-attachment-47037\" class=\"wp-caption-text\">Tonstudio an der Ruhr, historische Aufnahme \u2013 Das Urheberrecht f\u00fcr dieses Photo liegt Andreas Mangen.<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Vielleicht sollte man nicht immer nur auf &#8222;Markttauglichkeit&#8220; spekulieren, sondern auch auf die K\u00fcnstler h\u00f6ren.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem &#8222;kleinen gallischen Dorf&#8220; gibt es auch \u201eBad\u201c M\u00fclheim im <em>Ruhrgebeat<\/em>. Hier finden sich noch der k\u00fcnstlerische Willen zur Aufs\u00e4ssigkeit. Die\u00a0<em>Edition Das Labor<\/em>\u00a0lanciert auf der Plattform\u00a0<em>vordenker.de<\/em>\u00a0mit\u00a0<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon_konzept.htm\">MetaPhon<\/a> eine Reihe, in der Facetten der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8121\">multimedialen Kunst<\/a>\u00a0und des\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuchs<\/a>\u00a0zug\u00e4nglich gemacht werden, die nach den herk\u00f6mmlichen Marktgesetzen unerschlossen bleiben. Der <em>Markt<\/em>\u00a0wird entmystifiziert. Das aufgekl\u00e4rte Publikum erwartet K\u00fcnstler, die den Vorhang aufrei\u00dfen, um in anderen Formen zu erz\u00e4hlen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<dl>\r\n<dt>\r\n<div class=\"wp-caption alignright\">\r\n<p class=\"wp-caption-text\">\u00a0<\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"attachment_100697\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-100697\" class=\"wp-image-100697 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Home_taping_is_killing_music1.png\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"182\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Home_taping_is_killing_music1.png 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Home_taping_is_killing_music1-160x132.png 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><p id=\"caption-attachment-100697\" class=\"wp-caption-text\">Home Taping Is Killing Music war eine Kampagne der British Phonographic Industry. Der Slogan war meist als Aufkleber auf Plattencovern zu finden.<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Laut Deutschlandfunk sind Tapes \u201eHipper als Vinyl\u201c. Lesen Sie dazu auch den einf\u00fchrenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40989\">Essay<\/a> aus dem KUNO-Archiv.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Herr Nipp erhebt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/10\/04\/schallplattenspieler\/\">Einspruch<\/a>, 1986 wurden zum ersten Mal mehr CDs als Schallplatten gekauft. Nun hat Vinyl die CD wieder \u00fcberholt. Die Redaktion l\u00e4\u00dft nach diesem Pro auch ein Contra <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/12\/10\/press-play-25-jahre-literaturclips\/\">zu Wort kommen<\/a>.<\/p>\r\n<\/dt>\r\n<\/dl>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192\u00a0<\/strong>In D\u00fcsseldorf betrieben A. J. Weigoni und Frank Michaelis im Akademie-Umfeld mit der Literatur eine multimediale H\u00f6rspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung. Bereits 1991 legte dieses Duo die zum Schlagwort gewordenen\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/01\/18\/literaturclips-2\/\"><em>Literaturclips<\/em><\/a>\u00a0vor (der Claim f\u00fcr <em>Klangb\u00fccher<\/em> war noch nicht abgesteckt). Den H\u00f6rbuchpionieren kommt damit das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.<\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mp3 ist ein Verfahren zur verlustbehafteten Kompression digital gespeicherter Audiodaten. Dadurch wird, bei kaum verringert wahrgenommener Audioqualit\u00e4t, eine starke Reduktion der Datenmenge m\u00f6glich. Vor 25 Jahren wurde ein Format eingef\u00fchrt, das erstmals keine Verbesserung des Musik- und H\u00f6rbuchgenusses oder der&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/01\/das-prinzip-der-verwertung\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":100697,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1152,1289,1151,35],"class_list":["post-68666","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-frank-michaelis","tag-kai-monnich","tag-marion-haberstroh","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68666"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104919,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68666\/revisions\/104919"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100697"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}