{"id":68495,"date":"2011-07-26T00:01:00","date_gmt":"2011-07-25T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68495"},"modified":"2023-05-08T15:03:54","modified_gmt":"2023-05-08T13:03:54","slug":"eine-poetologische-perspektive-der-novelle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/07\/26\/eine-poetologische-perspektive-der-novelle\/","title":{"rendered":"Eine poetologische Perspektive auf die Novelle"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Man sollte in die literarische Weite der Novelle gleichsam einzutauchen und sich lesend, schauend und staunend gleichsam auf dem Kamm der Welle treiben zu lassen.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div id=\"attachment_97847\" style=\"width: 206px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97847\" class=\"wp-image-97847 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/VignettenCover-196x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-97847\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Schreibstab von Peter Meilchen<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Novelle ist eine Prosaerz\u00e4hlung geschlossener Form und mittlerer L\u00e4nge mit vorgeblichem Anspruch auf Faktenwahrheit bei gleichzeitiger \u00c4sthetisierung. Die Edition Das Labor misst die Spannungsbreite der Gattungsgrenzen aus. Zwischen dem gattungsbildenden romanischen Muster von Giovanni Boccaccios <em>Decameron<\/em> und A.J. Weigonis <em>Vignetten<\/em> liegen sieben Jahrhunderte. Dazwischen liegen aber auch thematische Welten sowie diverse \u00e4sthetisch-konzeptionelle Ver\u00e4nderungen. Gemeinsam ist beiden Texten die Zuschreibung der Gattungsbezeichnung &#8222;Novelle&#8220;. Man sollte dem Goethe-Wort widersprechen, wonach es sich bei der \u201eNovelle\u201c um eine \u201eRubrik\u201c handlet, \u201eunter welcher gar vieles wunderliches Zeug kursiert\u201c. Zugleich zeigt ein Blick in die Buchhandlungen und Bibliotheken, dass novellistisches Erz\u00e4hlen \u00fcber Jahrhunderte hinweg einen festen Anteil am literarischen Markt f\u00fcr sich behaupten konnte, nicht zuletzt, da ein Diktum Friedrich Schlegels bis dato f\u00fcr die fluide, f\u00fcr gestalterische Innovationen offene Gattung gilt:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die Kunst gut zu erz\u00e4hlen.<\/span><\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ungewisse und oft r\u00e4tselhafte Verh\u00e4ltnis von n\u00fcchterner Wirklichkeit und poetisch \u00fcberh\u00f6hter Wahrheit verleiht dieser Novellen-Lekt\u00fcre ihren besonderen Reiz. Die \u201eVignetten\u201c sind eine zyklische Erz\u00e4hlweise und eine geregelte Ganz- beziehungsweise Geschlossenheit der Erz\u00e4hlorganisation. Das novellistisches Erz\u00e4hlen geschieht hier zugleich mit und ohne Rahmenerz\u00e4hlung. Neben dem Verzicht auf wunderbare Elemente f\u00e4llt vor allem die stoffliche Orientierung an der Lebenswelt im Rheinland und \u00c4gypten auf, zudem die Konzentration auf die poetische Stilisierung mittels der Symbolik eine Spannung zwischen thematischer Allt\u00e4glichkeit und literarischer Inszenierung er\u00f6ffnet wird, es ist \u2013 wie kann es anders bei Weigoni sein &#8211; experimentelles Erz\u00e4hlen, sebstverst\u00e4ndlich vor dem Horizont von Naturalismus, Symbolismus und Expressionismus. Sp\u00e4tens hier stellt sich die Frage:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Spoileralarm: Gibt es \u00fcberhaupt eine <em>echte<\/em> Novellenform?<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eVignetten\u201c stellen eine Gattungsinnovationen dar, zugleich stellt sich die ungebrochene Attraktivit\u00e4t des novellistischen Erz\u00e4hlens im 21. Jahrhundert vor, da die Variationsbreite zu den konstituierenden Eigenschaften der Novelle z\u00e4hlt, die seit dem 14. Jahrhundert angelegt ist und sich seither differenziert hat. Man bekommt eine, das Denken anregende Geschichte erz\u00e4hlt, die \u201eeine sich ereignete unerh\u00f6rte Begebenheit\u201c kunstvoll gestaltet. Dass Novellen\u00a0 inzwischen mehr sind als Erz\u00e4hlungen mittlerer L\u00e4nge sind, zeigt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34359\"><em>Cyberspasz, a real virtuality, <\/em><\/a>das im kommenden Jahr erscheint.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vignetten<\/strong>, Novelle von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2009.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchend \u2192 <\/strong>Constanze Schmidt zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/18\/wellenbewegungen\/\">Novelle<\/a> und zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Label<\/a>. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/18\/literaturgeografie\/\">Nachwort<\/a> von Enrik Lauer. KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/09\/09\/bruchstuckhafte-morsezeichen\/\">Lyrikwelt<\/a> und aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/09\/lachfalten-im-gesicht-der-zeit\/\">Poetenladen<\/a>. Betty Davis konstatiert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/06\/18\/ein-fein-gesponnenes-psychogramm\/\">ein fein gesponnenes Psychogramm<\/a>. Aus Sicht von Margaretha Schnarhelt sind sie verdichtet, streng <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/05\/03\/durchkomponiert-und-durchrhythmisiert\/\">durchkomponiert und durchrhythmisiert<\/a>. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/18\/novelle_revisited\/\">Reanimierung<\/a> der Gattung Novelle und die Weiterentwicklung zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a> einen Essay. Ein H\u00f6rprobe findet sich <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/630.html\">hier<\/a>. Mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermontage: Jesko Hagen<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Vorschau auf <strong>Cyberspasz, a real virtuality<\/strong>, Novellen von A. J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2012.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt Artikel von Jo Wei\u00df aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a>, von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/09\/alles-klappt-in-ihrem-leben-doch-nichts-gluckt\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Christine Kappe<\/span><\/span> <span data-offset-key=\"cphj4-0-0\">aus der vom Netz gegangenen<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt-2\/\">fixpoetry<\/a>. Betty Davis sieht in <em>Cyberspasz<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/26\/eine-ebenso-poetische-wie-praezise-geschichtsprosa\/\">pr\u00e4zise Geschichtsprosa<\/a>. Margaretha Schnarhelt erkennt in der <em>real virtuality<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/30\/cyberzomb\/\">hybride Prosa<\/a>. Enrik Lauer deutet diese Novellen als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/01\/der-cyberspace-als-wille-und-vorstellung\/\">Schopenhauer<\/a>s Nachwirken im Internet. In einem Essay betreibt KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\">dystopische Zukunftsforschung<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man sollte in die literarische Weite der Novelle gleichsam einzutauchen und sich lesend, schauend und staunend gleichsam auf dem Kamm der Welle treiben zu lassen. Eine Novelle ist eine Prosaerz\u00e4hlung geschlossener Form und mittlerer L\u00e4nge mit vorgeblichem Anspruch auf Faktenwahrheit&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/07\/26\/eine-poetologische-perspektive-der-novelle\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":211,"featured_media":97847,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,2686],"class_list":["post-68495","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-jutta-ludwig"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68495","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/211"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68495"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68495\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104673,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68495\/revisions\/104673"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97847"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68495"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68495"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68495"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}