{"id":68092,"date":"2021-02-02T00:01:25","date_gmt":"2021-02-01T23:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68092"},"modified":"2021-01-26T19:28:15","modified_gmt":"2021-01-26T18:28:15","slug":"eiskeller","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/02\/02\/eiskeller\/","title":{"rendered":"EISKELLER"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Eiskeller, der sich nur noch durch die altert\u00fcmliche Aufschrift EISKELLER \u00fcber einem mit Abfall verstopften Kellerschacht in Erinnerung bringt, f\u00fchrt die Stra\u00dfe parallel zu den Stra\u00dfenbahngleisen in Kurven abw\u00e4rts und f\u00e4llt j\u00e4h ins Gr\u00fcne ein. Eine breite, gut ausgebaute, selten befahrene Allee teilt das verwilderte Zechengel\u00e4nde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Seiten brechen Bunkerst\u00fccke aus dem Gestr\u00fcpp, zusammengenagelte Buden, mit Warnschildern versehen, zwischen Schotteraufw\u00fcrfen und unkenntlichen Ger\u00e4tschaften aufs Gel\u00e4nde verteilt \u00fcberall, und ferner, auf einmal vorl\u00e4ufigen Anh\u00f6hen, erstrecken sich verfallene Fabrikgeb\u00e4ude, manchmal doppelt durch Stachel z\u00e4une gesichert. In Schlammulden sammelt sich Ger\u00fcmpel, das jegliche Verbindlichkeit zu der Gegend ausschlie\u00dft. Unvermutet f\u00fchren ausgetretene Wege hinauf zu den G\u00e4rten der Wohnsiedlung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">An den Abenden treten h\u00e4ufiger Schmerzen auf, deren Ort unauffindbar bleibt. Es sind Schmerzen, die keine Zutat bilden, sondern ein Fehlen signalisieren. Dieses Fehlen f\u00fchlt sich besetzt von Stichworten, die nicht mehr fallen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen dr\u00e4ngt sich auf, was sich gleichbleibt: das Bild der aufs Haus zustrebenden Stra\u00dfe, die ins Wahllose deutende Anh\u00f6he, die Zeichenlosigkeit hinter erleuchteten Fenstern, das Zurechtgeschnittene lautlosen Schauens. St\u00fcnden hier B\u00e4ume, lie\u00dfe sich in der D\u00e4mmerung dahinter etwas vermuten, das in kurzer Zeit erreichbar w\u00e4re, auch ohne das Haus zu verlassen. Oder man w\u00fcrde das Haus verlassen bis zu einer gew\u00fcnschten Entfernung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel trinkt und raucht sie am liebsten alleine, weil sie sich dann vor sich sicher wei\u00df. Sie kann ihren immer d\u00fcsterer werdenden Neigungen nachgehen, indem sie sie in dem Bewusstsein, ausgesetzt jeder Willk\u00fcr, beseitigt. Unter Beseitigen versteht sie, was das Wort mein: was f\u00fcr sie seitlich ist, ist das, was sie grenzt und damit vorl\u00e4ufig sichert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Delta<\/strong> &#8230; als sei ihre Unsichtbarkeit nichts weiter, von Angelika Janz 2021<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Delta-1024x1024.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Delta-1024x1024.jpg\" width=\"256\" height=\"256\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Angelika Janz erz\u00e4hlt im <em>Delta<\/em> ganz aus der Innenperspektive und schafft eine leicht verfremdete Atmosph\u00e4re. Mit sezierendem Blick und literarisch sehr eigenwillig zeigt sie eine soziale Gemeinschaft und eine Gesellschaft, die sich selbst zersetzen. \u00dcber eine zusammenh\u00e4ngende Folge hinweg wird die Geschichte durch die vielen kleinen redundanten Bewu\u00dftseinsstr\u00f6me in Offene gef\u00fchrt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36409\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a>, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz \u00fcber den Zyklus <em>fern, fern<\/em> gef\u00fchrt hat. Vertiefend ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber ihre interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin<\/em>. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/asthetische-prothetik\/\">Ann\u00e4herung<\/a> an die visuellen Arbeiten von Angelika Janz. Und nicht zuletzt, Michael Gratz \u00fcber Angelika Janz\u2018<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/freiraum\/\"> tEXt bILd<\/a><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Vom Eiskeller, der sich nur noch durch die altert\u00fcmliche Aufschrift EISKELLER \u00fcber einem mit Abfall verstopften Kellerschacht in Erinnerung bringt, f\u00fchrt die Stra\u00dfe parallel zu den Stra\u00dfenbahngleisen in Kurven abw\u00e4rts und f\u00e4llt j\u00e4h ins Gr\u00fcne ein. 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