{"id":68008,"date":"2009-08-08T00:01:00","date_gmt":"2009-08-07T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68008"},"modified":"2021-01-08T18:21:49","modified_gmt":"2021-01-08T17:21:49","slug":"krisenbewaeltigung-auf-kulturpolitisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/08\/08\/krisenbewaeltigung-auf-kulturpolitisch\/","title":{"rendered":"Krisenbew\u00e4ltigung auf Kulturpolitisch"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">SchuldenKrisen (wie unsere derzeitige irgendwie noch immer nicht beendete) gef\u00e4hrden einmal mehr die kommunale Kunst- und Kulturf\u00f6rderung. \u00d6ffnungszeiten und Programme \u00f6rtlicher Kunstgalerien und B\u00fcchereien werden eingeschr\u00e4nkt, manche \u201eKulturtempel\u201c werden gar geschlossen. Viele Programme werden vorwiegend von Ehrenamtlern bew\u00e4ltigt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und f\u00fcr freie K\u00fcnstler gibt es immer weniger \u00f6ffentliche Gelder. Aussagen ihrer Bilder, B\u00fccher und Darstellungen lassen h\u00e4ufiger das notwendig Provozierende vermissen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch an Kunst muss sich der Leser und Betrachter reiben k\u00f6nnen. Kompromisse sind bereits zu glatt geschliffen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kulturpolitik muss offenbar Kompromissloses durch Kompromisse realisieren. Und das nicht zu letzt, da vor allem in Deutschland zurzeit alles auf Konsens aus ist und selbst ehemalige Wahlk\u00e4mpfer eher das Gemeinsame suchen. So sind sich offenbar Politiker aller Parteien , ohne es auszusprechen, einig:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kulturpolitik ist Sparpolitik.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon Theodor Heuss kannte die Schwierigkeit, mit Kultur Politik zu machen. Allerdings hielt er, Politik ohne Kultur nicht f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in Demokratien gew\u00e4hlte Form der Kunstf\u00f6rderung sollte daher folgerichtig auf die Freiheit von Kunst und K\u00fcnstlern und nicht vor allem auf die Freiheit des Marktes setzen. Nur so kann kompromisslos frei bleiben, was kompromisslos frei sein muss.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der durch quotenabh\u00e4ngige Massenmedien beeinflusste Geschmack der Mehrheiten bestimmt, was sich an Kunst (Marktgesetzen folgend) massenhaft an Massen verkaufen l\u00e4sst. Kompromisslose Kunst aber trifft gerade nicht den Massengeschmack und ben\u00f6tigt daher kompromisslos \u00f6ffentliche F\u00f6rderung. Das trifft selbstverst\u00e4ndlich auch Kulturinitiativen, die sich um Migrantenkunst bem\u00fchen, die selten den deutschen Massengeschmack bedienen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Einsparungen in der kommunalen Bildungs- und Kulturpolitik werden immer weniger Menschen immer weniger an anspruchsvoll originelle Kunst und kulturelle Bildung herangef\u00fchrt. K\u00fcnstler unterwerfen sich, um erfolgreich ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, dem Markt, dem (billigen) Massengeschmack und\/oder den Erwartungen reicher Kunstsammler.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kompromisslos frei k\u00f6nnen K\u00fcnstler unter solchen Bedingungen kaum arbeiten und Kunst kann somit der Gesellschaft immer seltener den notwendig provozierenden Spiegel vorhalten, um gesellschaftliche Reflexionen anzuregen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Politik ist Umgang mit Macht. Ver\u00e4nderungen bedeuten Machtverluste f\u00fcr jene, die im sicheren Besitz der Macht bleiben wollen. Kreative Kunstideen wirken subversiv sowie subtil und folgen kaum jener Logik, die zwecks Machterhalt zu (machtpoltischer) Vernunft erkl\u00e4rt wird. Nicht von ungef\u00e4hr waren einst machthungrige Kriegsf\u00fcrsten selten der Kunst und Kultur zugetan, taten sich aber als Pl\u00fcnderer und Eroberer von Kunstsch\u00e4tzen hervor, da sie ausschlie\u00dflich der materielle Wert dieser Sch\u00e4tze interessierte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch heute sind Kunstwerke sichere Wertanlagen, sicherer als jene zinsarmen Anlageformen, zu denen Banken raten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Betriebswirte, Stadtmarketing, Wirtschaftssoziologen und Kulturpolitiker streiten dar\u00fcber, ob Kultur nun harter oder weicher Standortfaktor sei. Zum Gl\u00fcck sehen manche Manager in h\u00f6heren Etagen gr\u00f6\u00dferer Unternehmen bei allem \u00d6konomismus Kunst nicht nur als finanzielle Wertanlage sondern haben auch ideele Anspr\u00fcche an die Kunstszene. Und die Kommunen brauchen f\u00fcr Unternehmensansiedlungen so genanntes hochwertiges Humankapital, sprich qualifizertes Personal. Das aber hat kulturelle Anspr\u00fcche. Daher gilt dem kommunalen Wirtschafts- und Kulturpolitiker Kunst und Kultur wenigstens als weicher Standortfaktor. Dass im Bereich Kunst auch Arbeitspl\u00e4tze (als harter Standortfaktor) zu vergeben sind, spricht sich immer noch sehr langsam herum.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcnstler und kunstnah T\u00e4tige sollten lieber das Klischee weltfremder Idealisten bedienen. Als solche k\u00f6nnen sie kaum Einfluss auf die harte (Macht-)Realit\u00e4t nehmen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kapitalismus ger\u00e4t zurzeit immer mehr in de Ruf, inhuman zu sein. Er soll daher ein menschliches Anlitz zeigen. Das er\u00f6ffnet Chancen. Kommunale Kunst- und Kulturpolitik k\u00f6nnte der gescheiterten Wirtschafts- und Finanzpolitik ein notwendiges Gegengewicht entgegensetzen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere derzeitigen Krisen sind nur vordergr\u00fcndig finanzielle. Eigentlich sind sie allesamt Teile einer kulturellen Wertekrise.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Geld d\u00fcrfen Menschlichkeit und die Freundschaft eben gerade nicht aufh\u00f6ren. Und wenn, dann nur, weil sie mit Geld ohnehin nicht zu bezahlen sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht Geld ist unmoralisch. Allein die Art damit umzugehen kann h\u00f6chst inhuman sein. Kunst und Kultur sind gefragt, menschliche Werte zu entwickeln und zu vermitteln, die offenbar an B\u00f6rsen und in Banken verspielt wurden. Eine entsprechend gezielte kommunale Kulturpolitik w\u00e4re somit ein wesentlicher Beitrag zur einer humanen, demokratischen und integrationswilligen Gesellschaft.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"160\" height=\"160\" class=\"wp-image-20822\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Feldkamp.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Feldkamp.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Feldkamp-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch seine glossierende Anmerkung \u00fcber Twitteratur:<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21804\">Kurz knackig einf\u00fchlsam<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; SchuldenKrisen (wie unsere derzeitige irgendwie noch immer nicht beendete) gef\u00e4hrden einmal mehr die kommunale Kunst- und Kulturf\u00f6rderung. \u00d6ffnungszeiten und Programme \u00f6rtlicher Kunstgalerien und B\u00fcchereien werden eingeschr\u00e4nkt, manche \u201eKulturtempel\u201c werden gar geschlossen. 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