{"id":67731,"date":"2009-01-16T00:01:58","date_gmt":"2009-01-15T23:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=67731"},"modified":"2022-02-27T12:11:43","modified_gmt":"2022-02-27T11:11:43","slug":"wortnetze-und-versnetze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/16\/wortnetze-und-versnetze\/","title":{"rendered":"Wortnetze und Versnetze"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wortnetze II<\/em> hei\u00dft die 1990 erschienene, Hans Bender und Rolf Dieter Brinkmann gewidmete Anthologie, die die erste Anthologie ist, in der Lyrik von mir erschien: Auf Seite 111 stehen die beiden Gedichte, gleichsam poten\u00adzierte Schnaps\u00adzahl, der Frohsinn konnte also auf den frostigen H\u00f6hen\u00adz\u00fcgen des Rheinlands seinen Lauf nehmen. Auch heute freue ich mich, wenn ich in einem interes\u00adsanten Sammelband vertreten bin, aber was war das f\u00fcr ein Jubel damals: Ich konnte es kaum fassen, hier neben Gr\u00f6\u00dfen wie Hans Bender und Erich Fried zu stehen. Die meisten anderen Autoren kannte ich nicht, und die Mehrzahl von ihnen treffe ich seit Jahren nicht mehr in Lyrik\u00adantho\u00adlogien an. Es ist ein Kommen und Gehen in den Antho\u00adlogien \u2013 ganz wie im richtigen Leben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas differenzierter betrachtet, denke ich, da\u00df die sp\u00e4ten achtziger und die fr\u00fchen neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts auch in der Lyrikwelt echte Wendezeiten waren: Nach Jahren der eher laueren Winde begannen die Gedichte wieder h\u00f6here Wellen zu schlagen, und viele Stimmen, deren Originalit\u00e4t und Qualit\u00e4t den nun deutlich ansteigenden Erwartungen, von Vork\u00e4mpfern wie Thomas Kling, Bert Papenfu\u00df, Durs Gr\u00fcnbein unmi\u00df\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich manifestiert, nicht stand\u00adhielten, verschwanden auf Nimmer\u00adwiedersehen im Orkus der Lyrikgeschichte. \u2026<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div id=\"attachment_99899\" style=\"width: 128px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-99899\" class=\"wp-image-99899 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Rolf-Dieter-Brinkmann.jpg\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"159\" \/><p id=\"caption-attachment-99899\" class=\"wp-caption-text\">The Notorious RDB<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">2008\/2009 hat Axel Kutsch, Autor von herrlich humor\u00advollen, doppel\u00adb\u00f6digen, in elf schlag\u00adkr\u00e4f\u00adtigen Lyrik\u00adb\u00e4nden ver\u00ad\u00f6ffent\u00adlichten Gedichten, gleich dreimal zuge\u00adschlagen: <strong>An Deutschland gedacht<\/strong><em>. Lyrik zur Lage des Landes<\/em>, <strong>Versnetze<\/strong>. <em>Das gro\u00dfe Buch der neuen deutschen Lyrik <\/em>und <strong>Vers\u00adnetze_zwei<\/strong>. <em>Deutsch\u00adsprachige Lyrik der Gegen\u00adwart <\/em>stellen \u2013 exem\u00adpla\u00adrisch\u00a0\u2013 die farben\u00adreiche Palette deutsch\u00adsprachigen Lyrik\u00adschaffens mit bekannten und weniger bekannter Auto\u00adrin\u00adnen und Autoren aus Augsburg, Berlin, Castrop-Rauxel, Dortmund, Essen, Frankfurt und vielen, vielen, vielen anderen gro\u00dfen und kleinen Orten im deutschen Sprachraum dar (der j\u00fcngste, Leander Beil, ist Jahr\u00adgang 1990, der \u00e4lteste, Hans Bender, Jahrgang 1919) \u2013 so, wie wir es von Axel Kutsch, dem vielleicht kennt\u00adnis\u00adreichsten Herausgeber deutscher Lyrik, seit 1983 kennen: In 27 Antho\u00adlogien lese ich die rasante Ent\u00adwicklung und Lage der Lyrik in den letzten Jahrzehnten nach (zwischen Gedichten der 1980er Jahre und solchen von heute liegen \u2013 \u2013 \u2013 Welten) \u2013 darunter, nicht zu vergessen, die drei brillan\u00adten Anthologien <em>Blitz\u00adlicht. Kurzlyrik aus 1100 Jahren<\/em>, <em>Rei\u00dft die Kreuze aus der Erden!<\/em> sowie <em>Der Mond ist auf\u00adgegangen<\/em>, in denen sich auch Gedichte aus alten Zeiten finden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>im vorderhaus ficken die pfirsiche<\/em> legt Konstantin Ames im fulmi\u00adnanten Auftakt\u00adgedicht zu <em>Versnetze_zwei<\/em> gleich vehement los (es kommt noch toller), doch gleich auf der n\u00e4chsten Seite schaltet Ulrike Almut Sandig in ihren sehr sch\u00f6nen Gedichten mehr als einen Gang zur\u00fcck: <em>eben noch radio geh\u00f6rt. du schaust geradeaus. der Motor macht leise ger\u00e4usche<\/em>. W\u00e4hrend die Mehrzahl der Menschheit die Stuben\u00adfliege achtlos totschl\u00e4gt, erweckt Rolly Brings sie in <em>Musca domestica<\/em> erst richtig zum Leben: ein dolles Ding. Bei Marianne Gla\u00dfer ist <em>die Stille befahrbar<\/em>. Franz Hodjak blendet mich mit <em>grellem Neonlicht<\/em>, jagt mir den dumpfen L\u00e4rm der <em>Abri\u00dfbirne<\/em> in die Ohren, bei Kathrin Schmidt <em>lief eine zweifach gebeutelte asyl\u00adw\u00f6lfin durch die bild\u00adlichtung<\/em>, bei Armin Steigenberger stehe ich <em>im widerschein dahin\u00adbrausender end\u00adsilben<\/em>. \/<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"298\" class=\"wp-image-12865\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Versnetze_zwei-200.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Versnetze_zwei.<\/strong> <em>Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart<\/em> von 197 Autorinnen und Autoren, darunter Konstantin Ames, Joseph Buhl, Manfred Chobot, Richard Dove, Peter Ettl, Karin Fellner, Claudia Gabler, Simone Heembrock, J\u00fcrgen Israel, Angelika Janz, Matthias Kehle, Swantje Lichtenstein, Marie T. Martin, Gisela Noy, Irmhild Oberth\u00fcr, Rolf Persch, Lothar Quinkenstein, Lars Reyer, Peter Salomon, Thien Tran, Beate \u00dcnver, G\u00fcnter Vallaster, Michael Wildenhain und Barbara Zeizinger, 318 Seiten, Broschur; Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2009.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Blick ins KUNO-Archiv: Lesen Sie auf KUNO eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/04\/16\/34716\/\">Betrachtung<\/a> der Jugends\u00fcnden des RDB. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/25\/aufzeichnungen-eines-abgeschriebenen\/\">Aufzeichnungen eines Abgeschriebenen<\/a> von Jamal Tuschik. Einen Besuch des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/04\/23\/orte-5-rdb-haus-koeln\/\">RDB-Haus<\/a>es, von Enno Stahl. Auch Sophie Reyer hat sich in der Domstadt auf die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/03\/30\/fur-rolf-dieter-brinkmann-2\/\">Spuren von RDB<\/a> begeben. Einen Artikel \u00fcber <em>Das wild gefleckte Panorama eines anderen Traums<\/em><strong>,<\/strong> Rolf Dieter Brinkmanns <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/04\/16\/brinkmann-revisited\/\">sp\u00e4tes Romanprojekt<\/a>, von Roberto Di Bella. Und die Beantwortung der Frage: \u201eWer hat Angst vor RDB? <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/06\/25\/wer-hat-angst-vor-rdb\/\">durch<\/a> Axel Kutsch. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wortnetze II hei\u00dft die 1990 erschienene, Hans Bender und Rolf Dieter Brinkmann gewidmete Anthologie, die die erste Anthologie ist, in der Lyrik von mir erschien: Auf Seite 111 stehen die beiden Gedichte, gleichsam poten\u00adzierte Schnaps\u00adzahl, der Frohsinn konnte also&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/16\/wortnetze-und-versnetze\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":99899,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[104,241,84],"class_list":["post-67731","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-axel-kutsch","tag-rolf-dieter-brinkmann","tag-theo-breuer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67731","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67731"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67731\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100972,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67731\/revisions\/100972"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99899"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67731"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67731"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67731"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}