{"id":67697,"date":"2002-09-02T00:21:51","date_gmt":"2002-09-01T22:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=67697"},"modified":"2022-03-03T16:35:23","modified_gmt":"2022-03-03T15:35:23","slug":"orten-vernaehte-alphabetien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/09\/02\/orten-vernaehte-alphabetien\/","title":{"rendered":"orten vern\u00e4hte alphabetien"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Buch \u201eorten vern\u00e4hte alphabetien\u201c wird uns die Autorin Angelika Janz vor allem mit Arbeiten aus den letzten Jahren pr\u00e4sentiert. Erreichte die Autorin vor allem durch die Mitarbeit an der Suche nach neuen literarischen Verfahren und deren Erprobung einen gewissen, wenn auch eng umgrenzten Bekanntheitsgrad, so hat sich der Schwerpunkt in der letzten Zeit etwas verlagert:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eMeine Texte sind konkreter geworden\u201c.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gewonnene stilistische Freiheit kommt in pers\u00f6nlicheren Texten zur Geltung. Faszinierend die Leichtigkeit, mit der die Texte oft selbst sperrige Themen aufnehmen. \u201eDie Implodierten\u201c zum Beispiel ist ein Text, den man geradezu verschlingen kann, auch wenn er einen weiten Bogen von Sprachgewohnheiten von bestimmten Ostdeutschen \u00fcber Mangelwirtschaft und Utopief\u00e4higkeit bis hin zu Platon schl\u00e4gt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat man sich so auf die Autorin eingeschossen, findet man oft in den Gedichten leicht und mit Grazie etwas ausgesprochen, was man selbst h\u00f6chstens stockend und in mehreren Anl\u00e4ufen andeuten k\u00f6nnte. Aber Vorsicht, man f\u00fchlt sich auch verarscht, die Grenzen zur Ironie sind flie\u00dfend, ich wei\u00df oft nicht wie&#8217;s gemeint ist, ob \u00fcberhaupt irgendwie gemeint wurde oder zun\u00e4chst erst einmal hingeschrieben. \u201eMich bewegte das Zett\u201c, was der Leser davon mitvollzieht, wird egal, alles falsche Wohlwollen, hat man das Gef\u00fchl, soll fortgeschreckt werden, die Texte wollen f\u00fcr sich stehen, auch gegen den Leser.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gew\u00e4hlten Mittel sind vielf\u00e4ltig. Neben Prosa gibt es flie\u00dfende Texte mit Zeilenbruch (die mir im ganzen am meisten behagen), solche im Telegrammstil, Substantivkaskaden, dialogisch Montiertes und immer wieder spielt das Lautliche sein Spiel. Es entstehen sehr verschiedenartige Texte. Auff\u00e4llig ist, dass Nahes und Fernes, Gesellschaftliches, Allt\u00e4gliches und das Nachdenken \u00fcber Sprache und andere letzte Dinge zu einem Gedankengang verschmelzen k\u00f6nnen. Die Texte streifen nicht in einem Lager exotisch duftender Dinge aus aller Herren L\u00e4nder herum, sondern jeder Text findet und umspielt, so k\u00f6nnte man sagen, seinen eigenen Gegenstand von sehr fester Konsistenz. Dieser Gegenstand wird aus dem uns\u00e4glichen Alltag des t\u00e4glichen miteinander Redens in den Bereich der Sagbarkeit gehoben, zum Teil blo\u00dfgestellt oder belacht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Oft schleicht sich mir ein gewisses Unwohlsein ein. Wie in einem Zerrspiegel scheinen menschliche Fratzen auf, auch die eigene. Die Texte kommen daher wie Aussagen und sind oft ganz sch\u00f6n b\u00f6se, aber sie erbitten nichts, fordern nichts und drohen nicht. (Oder nur selten). Was ist das &#8211; kann man denn lediglich noch \u00fcbereinander hinweg reden? Will ich die schreckliche Nachricht nur nicht erhalten?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man die Autorenintention egal sein l\u00e4sst, (wie der Leser die Texte wenig k\u00fcmmert) kann man viele schlagende Formulierungen herausklauben und mit sich herumtragen \u201eDie Sprache ist schon zugefallen&#8230;;\u201c \u201e&#8230;Und sehr dahinter prosten sich \/ &#8211; die Sekten knallen &#8211; norm\u00fcberwachte Damen zu:&#8230; ;\u201c \u201eEin Winter war\/ und sie verlosten Schneeskulpturen&#8230;\u201c sind allein 3 Zitate aus einem Gedicht (Gedicht f\u00fcr die Alte aus Litauen), f\u00fcr die mir sofort einige Anwendungsm\u00f6glichkeiten einfallen w\u00fcrden, manchmal sind sogar ganze Gedichte benutzbar: \u201eTote Stimmen die Wilden&#8230;\u201c; oder \u201eDas sch\u00f6ne Gebrechen\u201c z.B. k\u00f6nnte man zu einigen Gelegenheiten auf den Lippen f\u00fchren.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>orten vern\u00e4hte alphabetien <\/strong>Texte von Angelika Janz. Verlag Wiecker Bote, Greifswald 2002.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"104\" height=\"157\" class=\"wp-image-67700\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Cover_orten.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36409\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a>, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz \u00fcber den Zyklus <em>fern, fern<\/em> gef\u00fchrt hat. Vertiefend ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber ihre interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin<\/em>. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/asthetische-prothetik\/\">Ann\u00e4herung<\/a> an die visuellen Arbeiten von Angelika Janz. Und nicht zuletzt, Michael Gratz \u00fcber Angelika Janz\u2018<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/freiraum\/\"> tEXt bILd<\/a><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Mit dem Buch \u201eorten vern\u00e4hte alphabetien\u201c wird uns die Autorin Angelika Janz vor allem mit Arbeiten aus den letzten Jahren pr\u00e4sentiert. 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