{"id":66268,"date":"2011-06-22T00:01:00","date_gmt":"2011-06-21T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=66268"},"modified":"2024-02-15T09:06:43","modified_gmt":"2024-02-15T08:06:43","slug":"der-neil-young-des-social-beat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/06\/22\/der-neil-young-des-social-beat\/","title":{"rendered":"Der Neil Young des Social Beat"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Eine Erinnerung an die \u201e<\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/09\/11\/dirty-speech\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Dirty Speech<\/span><\/a><span style=\"color: #999999;\">\u201c-Bewegung in der BRD, die 1969 mit der Rolf Dieter Brinkmanns \u201eAcid\u201c zu verorten ist. Es war eine Anthologie amerikanischer Beatliteratur, gesammelt und damit den Versuch er\u00f6ffnend, auch in der deutschen Dichtung die b\u00fcrgerliche Moral zu br\u00fcskieren, lyrische Formen zu banalisieren, den Alltag zum Thema zu machen und Sex, Brutalit\u00e4t, Perversion als Sujets zu akzeptieren.<\/span><\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich Robsie Richter zu ersten Mal auf der B\u00fchne sah, spielte er Gitarre in der Romones-Tribute-Band <em>The Acid Eaters<\/em>. Ich f\u00fchlte ich mich nicht nur wegen des Flanelhemdes an Neil Young erinnert. Der aus Straubing stammende Hanauer hat eine abgehangene L\u00e4ssigkeit, die ihn von allen Social Beatlern unterschied.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wie nehmen wie Ungerechtigkeiten wahr, mit denen wir tagt\u00e4glich konfrontiert sind?<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Ber\u00fchrung mit seinen Gedichten erfolgte fr\u00fch \u2013 Sie werden es nicht glauben &#8211; auf einem Wohngemeinschaftsklo lag ein Band der Anthologie <em>Die Ruhezeit ist abgelaufen<\/em>. Darin enthalten das Gedicht <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/08\/15\/kriegslied-2\/\">Kriegslied<\/a>. <\/em>Wie ich sp\u00e4ter erfuhr war es der erste Text Richters, der in Buchform ver\u00f6ffentlicht wurde. Er ist in einer Gesellschaft voller Ungleichheiten aufgewachsen, und die Konsequenzen solcher krassen so\u00adzia\u00adlen Unterschiede besch\u00e4ftigen ihn. F\u00fcr diesen Autor ist es nicht m\u00f6glich, sein Schreiben von dem zu trennen, was in der Welt um ihn herum passiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Soziale Schieflagen in der alten BRD und dem neuen Deutschland<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch einen Zufall erhielt ich 1992 die Anthologie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/25\/schwanzlutscher\/\">Downtown Deutschland<\/a>, die im Isabel Rox Verlag erschien, die auch Texte von Richter enthielt. <em>Downtown Deutschland<\/em> wird als die Geburtsstunde des Social Beat angesehen. Das darin dokumetierte Schreiben ist Metakognition, schreibend gewinnen die Social Beatler den Mindestabstand zu sich selbst. Richter dagegen ist dem Alltag und damit auch den sozialen Tatsachen in den kommenden Jahren immer nah gebleiben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Robsie Richter hat sich vormals als Punk-Dichter einen Namen gemacht. Er gibt seit langer Zeit das Fanzine f\u00fcr Hardcore-Poesie und Metal-Lyrik KOPFZERSCHMETTERN, heraus, das f\u00fcr viele nachgewachsene Undergroundzeitschriften vom Inhalt und Layout her richtungsweisend ist.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Hadayatullah H\u00fcbsch<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gern las ich in den folgenden Jahren auch in dem von Richter herausgegebenen Literatur-Fanzine <em>Kopfzerschmettern &#8211; Fanzine f\u00fcr Hardcore Poesie und Metallyrik<\/em>, das f\u00fcr viele andere <em>Social-Beat-<\/em> und Literatur-Fanzines richtungsweisend war und in dem er sich die Frage stellte, wie man von den \u00fcbelen Dingen erz\u00e4hlen kann, oh\u00adne da\u00df die Lekt\u00fcre zur Qual wird. Deshalb nennt z.B. Daniel Beskos, der Gr\u00fcnder und Betreiber des mairisch Verlags, Richter als entscheidenden Einflu\u00df. Verst\u00e4ndlich, denn seine Wut bleibt jung.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Der einsame Mann von nebenan, der zum perversen M\u00f6rder wird, die mysteri\u00f6se Filmgesellschaft, die Verlierer, die um den Kiosk herumstehen oder in die Kanalisation abgetaucht sind, ein blauer Fleck, der sich bedrohlich ausbreitet, eine m\u00f6rderische Liebhaberin, Erinnerungen, Zukunftsvisionen, Tr\u00e4ume und Alptr\u00e4ume und schlie\u00dflich ein Kriminalfall f\u00fcr den Privatdetektiv Rick Xaver Morton &#8211; das alles sind Richters Stoffe, die nicht von weit hergeholt werden m\u00fcssen, sondern oft sehr nahe liegen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Isabel Rox<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Richter ist ein gro\u00dfer Man der kleinen Dinge. Sein Schreiben ist eine Selbsterm\u00e4chtigung mit einem ausgesprochenen Faible f\u00fcr das Biografische, als Autor interessiert er sich f\u00fcr Menschen und ihre Lebenswege, vorzugsweise der &#8222;kleinen Leute&#8220;, Menschen, die versuchen, sich aus der selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit zu befreien. Dieser Autor hat immer die soziale Klasse im Blick. Wie kein zweiter verk\u00f6rpert er den Geist des <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Social Beat<\/a><\/em>.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"225\" class=\"wp-image-66273 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Downtown_Cover.jpg\" alt=\"\" \/>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p>Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a>. Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a>.<\/p>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Erinnerung an die \u201eDirty Speech\u201c-Bewegung in der BRD, die 1969 mit der Rolf Dieter Brinkmanns \u201eAcid\u201c zu verorten ist. Es war eine Anthologie amerikanischer Beatliteratur, gesammelt und damit den Versuch er\u00f6ffnend, auch in der deutschen Dichtung die b\u00fcrgerliche Moral&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/06\/22\/der-neil-young-des-social-beat\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98312,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[249,2629,1999,1838],"class_list":["post-66268","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-hadayatullah-hubsch","tag-isabel-rox","tag-michael-schoenauer","tag-robsie-richter"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66268"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105264,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66268\/revisions\/105264"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98312"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}