{"id":66204,"date":"2021-07-14T00:01:00","date_gmt":"2021-07-13T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=66204"},"modified":"2021-07-14T07:12:39","modified_gmt":"2021-07-14T05:12:39","slug":"die-koliken-von-narnia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/14\/die-koliken-von-narnia\/","title":{"rendered":"Die Koliken von Narnia"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">(Nachtschicht mit Diktatoren)<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr kurze Schl\u00fcsse ist es schon zu zweit, und es gibt jetzt keinen Nahen Osten mehr, der das hier alles buchstabieren kann. (Den Halbmond \u2013 noch schaukelt er mit seinen N\u00e4chten unterm tierkundigen Himmel \u2013 lie\u00dfen die Diebe im Fenster zur\u00fcck.) Die Kinder der Ziegenmenschen brachten Fingeropfer, in Festmetern abgetr\u00e4umte Beschneidungen, mit Ehrenrunden f\u00fcr Kalifen, Haarvergoldung und Moscheereport, auch nach ruhenden B\u00e4llen. Zum Abend folgte irgend\u00adetwas mit Beton und Hass, Wadi-Tour und Kismet: das gab die richtigen Bilder. Alter Mann und Alter Ego konnten da nur die Stra\u00dfenseite wechseln und einen grimmen Blick zur\u00fcckwerfen auf Ditib-Katarakte, Ofenbeichten, Palm\u00f6l in Gromb\u00fchl, den \u00fcberdehnten Schlie\u00dfmuskel-Bosporus am Fu\u00df des Berges Erdogan. Die Archen des B\u00f6sen erschreien dort den Ararat (sagt man), und der G\u00fclenmond zeigt seine R\u00fcckfront, wenn es d\u00f6nert in Antalya und der Himmel Wolken rupft vor leeren Sonnenb\u00e4nken. Die jetzt noch kommen, fallen hin und denken gleich, sie seien wirklich da, nippeln Bahamas aus Zahnfugen und Lipgloss, und nur das provisorische Rauschen des Regens \u00fcber Lesbos f\u00e4rbt ihre Gespr\u00e4chspausen heiter. (Es hie\u00dfe zum Salz greifen von dieser Orchidee in barem Ernst zu sprechen.) Junge Russen trinken Suizid aus Schnabeltassen, der Wolkenlaich zieht weiter, in talmudische Talmulden (wer das wei\u00df), darunter regnet es verhalten Sultank\u00f6pfe und Kamelle. Sie lachen, aber lass sie. Es sind nur medinische Heiden, an ihren Str\u00e4nden herrscht l\u00e4ngst Clubmoral, Gleitsicht vor Nachsicht f\u00fcr alle \u00fcber f\u00fcnfzig, und die Entartung der Ungeheuer ist f\u00fcr zwei Martinis ausgesetzt. Kein T\u00fcrke mehr im T\u00fcrkismeer, die Wellen geschlichtet zu R\u00fcschen und Galenen. Miesmuscheln liegen laubstumm am Erholungsufer, <em>wie Telleraugenringe<\/em>. Auf Bojen hockend, schleudern Minarette traurige Vokabel-Lassos \u00fcber \u00f6sterliches Fleckvieh, und Iblis zieht ver\u00e4chtlich seinen Kolben durchs Revier. Steigerungsstufe: Gnom. Bemerkenswert: die Zeiger r\u00fccken r\u00fcckw\u00e4rts, doch die Zeit r\u00fchrt sich nicht von der Stelle. Dieser Ruhepuls befremdet, alles andere auch. Schnelle Schalte zu den Tagesthemen, zu Nachrichten von W\u00fcstenateliers und Derwisch-Landungsbr\u00fccken, wo Glossen mit dem n\u00e4chsten Anschlag zielen. Wir k\u00f6nnen es einrichten, wenn wir wollen. Wenn. Wenn Blut tr\u00e4umt, ist es dann Wasser?<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mehrwegballaden<\/strong>. Neue Spektakel und Dioramen von Ralph Pordzik. \u00c9cole Noire, 2020<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_65660\" style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65660\" class=\"wp-image-65660\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Mehrwegballaden-696x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"256\" \/><p id=\"caption-attachment-65660\" class=\"wp-caption-text\">\u00c9cole Noire, 2020. Cover \u00a9 Koshiro Onchi.<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den<em> Aufzeichnungen<\/em> von Ralph Pordzik findet sich eine Poesie, die man von den japanischen Haiku kennt, sie scheint auf besondere Weise verf\u00fcgbar und dienstbar zu sein. Diese Notate entsprechen der Denkgenauigkeit der Sp\u00e4tmoderne, es ist <em>Twitteratur<\/em> im besten Sinn. \u2013 Lesen Sie auch einen Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits von seinem ersten Band<strong> Verabredung mit meinem Publikum<\/strong> war KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14498\">angetan<\/a>. Auf KUNO lesen Sie auch einen Rezensionsessay von Holger Benkel \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>\u00a0 \u2013 Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Nachtschicht mit Diktatoren) F\u00fcr kurze Schl\u00fcsse ist es schon zu zweit, und es gibt jetzt keinen Nahen Osten mehr, der das hier alles buchstabieren kann. 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