{"id":66140,"date":"1997-01-05T00:14:00","date_gmt":"1997-01-04T23:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=66140"},"modified":"2022-02-28T18:54:40","modified_gmt":"2022-02-28T17:54:40","slug":"bewegung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/","title":{"rendered":"Teil einer Bewegung sein"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Es hat wahrscheinlich keine Jugendbewegung gegeben, die ihre Leidensarroganz besser zu Schau gestellt hat<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66141\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Slam-poetr_Covery.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Slam-poetr_Covery.jpg 353w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Slam-poetr_Covery-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Slam-poetr_Covery-260x368.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Slam-poetr_Covery-160x226.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 177px) 100vw, 177px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Literatur und Subkultur &#8211; nur ein Zeitgef\u00fchl?&#8220; Der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\"><em>Social Beat<\/em><\/a> ist eine Grenzg\u00e4nger-Literatur: die Grenzen zwischen Ich-Erz\u00e4hler und Autor, zwischen Fiktion und Realit\u00e4t verschwimmt, man kann sie als \u201aBekenntnis\u2018-Literatur bezeichnen. Wie jede Jugendbewegung seit den <em>Wanderv\u00f6geln<\/em> im 19. Jahrhundert sind diese Typen (zumeist junge wei\u00dfe M\u00e4nner) auf der Sinnsuche eines modernen \u201eGeworfenen\u201c. Betrachtet man die Geschichte der Jugendbewegungen, so folgten den Riots in den englischen Vorst\u00e4dten, in Hamburg bei Rock-&#8217;n&#8216;-Roll-Konzerten von Bill Haley, die &#8222;Schwabinger Krawalle&#8220; Anfang der sogenannten Sixties, vor Paris oder anderswo, Tumulte im Z\u00fcrich der achtziger Jahre &#8211; Emp\u00f6rung nicht nach dem Schema Rassismus\/Ausgrenzung\/Diskriminierung, sondern mit der Lust am eigenen Irresein, an der Noch-nicht-Eingepasstheit der Erwachsenen mit der Ungewissheit an der eigenen Perspektive, dies gerade im <em>L\u00e4ndle<\/em>. Diese Jungm\u00e4nner erz\u00e4hlen gern breit von ihren Schw\u00e4chen und S\u00fcchten, meist in Verbindung mit Alkohol. Wenn Frauen bekennen, geht es dagegen meist um Sex. Von daher mag man es bedauern, da\u00df der Social Beat sowenig Autorinnen hervorgebracht hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Social Beat SLAM!poetry 1<\/em> wird als &#8222;Rote Bibel&#8220; des Social Beat bezeichnet<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das kleine Rote Buch <\/em>von Mao Tsetung, war in den 1960ger Jahren als <em>Rote Bibel <\/em>gel\u00e4ufig. Dieses Buch eines Diktators stellt ein Referenzwerk f\u00fcr die literarische Str\u00f6mung des Social Beat dar. Das von Michael Sch\u00f6nauer herausgegebene <em>Social Beat SLAM!poetry 1<\/em> versteht sich als eine szene-relevante Recherche mit Beitr\u00e4gen von 74 Autoren und Autorinnen. Man kann im <em>L\u00e4ndle<\/em> den Hunger nach k\u00fcnstlerischem Aufbegehren und Innovation ahnen. Sich schreibend mit der eigenen Biografie auseinanderzusetzen, hat f\u00fcr diese Autoren etwas Eitles. Diese Jungm\u00e4nner formulieren ein Bed\u00fcrfnis nach Abgrenzung, Rebellion und dem Wunsch <em>Teil einer Bewegung sein<\/em>, wie die Tocos formulierte. Zu lesen ist ein Konformismus der Resignation, eine l\u00e4hmende linke Melancholie-Routine, die Autoren des <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/06\/24\/was-ist-social-beat\/\">Social Beat<\/a><\/em> formulierten Hilflosigkeit und Tristesse. Die Anzahl der sprachlichen Mittel ist beschr\u00e4nkt. Fast ausschlie\u00dflich die rhetorischen Figuren der Wiederholung scheinen es den Autoren, (oder sollte man besser vom Textproduzenten sprechen?), angetan zu haben und sie wiederholen sich stetig. Diese Off-Szene wagte den Bruch mit den Br\u00e4uchen ohne \u00fcber die literarischen M\u00f6glichkeiten zu verf\u00fcgen eine neue Tradition zu begr\u00fcnden.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Social Beat SLAM!poetry<\/strong> <strong>1<\/strong>, Killroy Media, 1995<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98312\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/social-beat-umschlag.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/social-beat-umschlag.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/social-beat-umschlag-160x224.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat wahrscheinlich keine Jugendbewegung gegeben, die ihre Leidensarroganz besser zu Schau gestellt hat &#8222;Literatur und Subkultur &#8211; nur ein Zeitgef\u00fchl?&#8220; Der Social Beat ist eine Grenzg\u00e4nger-Literatur: die Grenzen zwischen Ich-Erz\u00e4hler und Autor, zwischen Fiktion und Realit\u00e4t verschwimmt, man kann&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":98312,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1999],"class_list":["post-66140","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-michael-schoenauer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66140"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66140\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101318,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66140\/revisions\/101318"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98312"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}