{"id":65797,"date":"2001-04-01T00:01:00","date_gmt":"2001-03-31T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65797"},"modified":"2022-03-12T07:54:27","modified_gmt":"2022-03-12T06:54:27","slug":"nonkonformistische-literatur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/","title":{"rendered":"Nonkonformistische Literatur"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Nonkonformisten reagieren mit Unglauben auf das, was alle zu Glauben scheinen, und sie machen sich \u00fcber Handlungsmaximen lustig, die nach allgemeiner Auffassung die soziale Ordnung begr\u00fcnden. Sie akzeptieren die stillen Annahmen der seri\u00f6s daherkommenden Urteile nicht, und drehen sich auf dem gesellschaftlichen Parkett einfach anders herum.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Heinz Bude<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO ist eine Agora f\u00fcr nonkonformistische K\u00fcnstler, sie erz\u00e4hlen Gegengeschichten zu den offiziellen Darstellungen der Realit\u00e4t. Obwohl die nonkonformistische Literatur ehrlich und transparent zugleich sein wollte, war gegen Ende der 1960er nur schwer zu fassen,die Redaktion entdeckt die Keimzelle des Nonkonformismus in der die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/12\/10\/die-keimzelle-des-nonkonformismus\/\">Romantiker-WG in Jena<\/a>. Wir machen einen zeitlichen Sprung mit dem Versuch einer Rekonstruktion des flatterhaften Jahrzehnts zwischen 1967 und 1977. Auf den Spuren des legend\u00e4ren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a> hatten die Autoren keine festen Strukturen, sie agierten dezentral und f\u00fcr ein zahlenm\u00e4\u00dfig sehr kleines, und meist gleichgesinntes Publikum. Was die Protagonisten miteinander verband, war ihre nonkonformistische Haltung gegen\u00fcber dem vorherrschenden Literatur-Betrieb. Sie erz\u00e4hlen von der Sprachlosigkeit und der Unf\u00e4higkeit zur Trauer im Nachkriegsdeutschland und sind dabei in lauter Ambivalenzen verstrickt, die zwischen \u201eWissen und gleichzeitigem Nicht-Wahrhaben-Wollen\u201c switchen. Scham- und Schuldgef\u00fchle sowie gesellschaftliche Tabus sind Themen der nonkonformistischen Literatur. Trotz der Entnazifizierung sehen sich diese Freaks mit einem \u00a0vulg\u00e4ren Chauvinismus verbunden mit einem Alltagsantisemitismus konfrontiert, der wieder zum Vorschein kommt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Aufstand der nonkonformistischen Au\u00dfenseiter<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Untergrund-K\u00fcnstler waren oft eng verbunden mit anarchischen Denkern, sie einte Nicht\u00fcbereinstimmung der individuellen Haltung mit dem dr\u00f6gen Realismus der Kahlschlagliteratur. Es ging ihnen darum, den Gutmenschen ihren zivilisatorischen Hochmut auszutreiben. Die nonkonformistische Literatur entstand au\u00dferhalb der gewohnten Formen, aber innerhalb der literarischen Regeln, so entstand ein dichtes Flechtwerk aus Ideen. Bereits 1966 hatte Peter Handke in Princeton die Gruppe 47 wegen ihrer &#8222;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nooCY4MMO9Y\">Beschreibungsimpotenz<\/a>&#8220; als &#8222;eine v\u00f6llig l\u00e4ppische und idiotische Literatur\u201c \u00a0verurteilt. Die Nonkonformisten verzichteten auf gesellschaftliche Anerkennung und nahmen stattdessen viele Entbehrungen in Kauf. Sie lehnten die Werke der Gruppe 47 als &#8222;Spie\u00dferliteratur&#8220; ab und deren Autoren als geltungsgeil und kommerziell, Identit\u00e4t gilt den Nonkonformisten als so genanntes &#8222;Plastikwort&#8220;. Auch wandte sich die Provo-Bewegung gegen die hegemoniale Dominanz der &#8222;Politischen Korrektheit&#8220; und wurden aus der offiziellen Literatur-Betriebskantine wie dem VS ausgeschlossen. Die Zeit zwischen 1967 \u2013 1977 erweist sich als ein rebellisches Jahrzehnt mit dem melancholischen Flair der Vergeblichkeit.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die als Hort aller Unzufriedenheit, als Born der Zersetzung verschrieene Gruppe 47 ist nicht einmal ein Papiertiger, sondern ein Scho\u00dfhund.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p class=\"rez\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Karl Markus Michel<\/span><\/p>\r\n<div id=\"attachment_65501\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-image-65501 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-260x374.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-160x230.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg 383w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-caption-text\">Josef \u201eBiby\u201c Wintjes Portr\u00e4t: Bruno Runzheimer<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">War die die sogenannte 1968er-Studentenrevolte die \u201eMinderheit einer Minderheit\u201c, so hat sie doch in die erste H\u00e4lfte der 1970er Jahre einen Eindruck hinterlassen. Die Minderheit von eben dieser Minderheit findet sich nicht zuletzt als Spurenelement in der Literatur und im Literaturbetrieb. Den <em>Neckermann der Subkultur<\/em> hat man Josef \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/09\/24\/bye-bye-biby\/\">Biby<\/a>\u201c Wintjes genannt, er vertrieb die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/07\/zentralorgane-des-undergrounds\/\">Zentralorgane des Undergrounds<\/a>. Die sogenannte &#8222;Alternativpresse&#8220; erlebt einen Boom, es gr\u00fcnden sich Mags wie <em>Gasolin 23 <\/em>oder<em> Der fr\u00f6hliche Tarzan<\/em><em>.<\/em> Im Januar 1970 erschein der erste offizielle Titel im Maro Verlag. \u201eUnd\u201c hei\u00dft die Publikation, sie erschein in einer 200er-Auflage. Autoren der ersten Ausgabe sind unter anderem Guntram Vesper und Heike Doutin\u00e9, sp\u00e4ter schreiben auch J\u00f6rg Fauser und F. C. Delius f\u00fcr \u201eUnd\u201c. Mit dem Maro verbindet allem den Namen Charles Bukowski. Benno K\u00e4smayr ver\u00f6ffentlicht 1974 dessen ersten Lyrikband auf Deutsch \u201eGedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang\u201c. In den Siebzigern geh\u00f6rt Maro neben Melzer, M\u00e4rz und Kiepenheuer &amp; Witsch zu den Verlagen, die den US-Underground in Deutschland f\u00f6rdern. Autorinnen und Autoren wie Anne Waldman, Al Masarik, Jack Kerouac, John Fante und La Loca ver\u00f6ffentlichen in den Folgejahren bei Maro. War das damals tats\u00e4chlich eine gravierende Umw\u00e4lzung oder nur der \u00fcbliche Aufstand der Jungen gegen die Alten beziehungsweise lediglich ein spontaner Aufbruch gegen den eingefahrenen Literatur-Betrieb?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Nonkonformisten sind meistens Au\u00dfenseiter, aber nicht jeder Au\u00dfenseiter ist Nonkonformist. Dieser Unterschied liegt in dem Umstand begr\u00fcndet, dass der Au\u00dfenseiter erst dann nonkonformistisch wird, wenn er sein Au\u00dfenseitertum, seine Abweichung von der konformen Meinung begr\u00fcndet. Und zwar nicht blo\u00df als Ausdruck seines psychologisch-kognitiven Andersseins, sondern als ein Argument, das auf Dauer nicht blo\u00df f\u00fcr seinen Sprecher gilt. <\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Karl Heinz Bohrer<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Matrix-28-U1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5438 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Matrix-28-U1-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"300\" \/><\/a>Es gilt es auch einen weiteren Irtum auszur\u00e4umen, es herrscht die Annahme, das <em>Netzwerk<\/em> sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. In den fr\u00fchen 1970ern explodierte der Markt der Literaturzeitschriften, insbesondere im deutschsprachigen Raum: nonkonformistische Debattentr\u00e4ger sind hier rar, zudem war die in Deutschland sehr breite Studentenschaft ein wichtiger Adressat &#8211; mit ihr wurden Literaturzeitschriften ein Gegenstand breiten allgemeinen Interesses, dem wiederum durch eine fortschreitende Verbreiterung der Themenwahl Rechnung zu tragen war. Viele dieser Studenten und Intellektuellen schrieben f\u00fcr Literaturzeitschriften oder gaben sp\u00e4ter sogar selbst Titel heraus. KUNO konsultiert den Wert des Analogen und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25201\">dokumentierte<\/a> den Grenzverkehr im Dreil\u00e4ndereck. Wir stellen in diesem Online-Magazin hin und wieder Literaturzeitschriften vor, z.B. die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=24175\">Matrix<\/a>. KUNO interessiert sich auch daf\u00fcr, wie Karl Kraus \u201eDie Fackel\u201c <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/11\/15\/die-fackel-mehr-als-eine-literaturzeitschrift\/\">entz\u00fcndete<\/a>. Ein weiterer Klassiker ist <i><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/09\/02\/der-ziegelbrenner\/\">Der Ziegelbrenner<\/a>,<\/i> die Lit.-ZS erschien am 1. September 1917. Einen anderen Weg betrat <em>Social Beat SLAM!poetry 1, <\/em>sie wird als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Rote Bibel<\/a> des Social Beat bezeichnet. Zur f\u00fcnften Ausgabe des zweisprachigen Literaturmagazins <em>The Transnational<\/em> bat den Herausgeber Ren\u00e9 Kanzler um einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/02\/10\/ueber-leistungen-eines-kunstwerkes\/\">Einblick<\/a> in die redaktionelle Arbeit. Gern weisen wir auch auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/03\/10\/laborbefund\/\"><em>LaborBefund\u00a0\u2013 Literatur aus der Wirklichkeit <\/em><\/a>hin. Diese Lit.-ZS wartet mit Informationen, Deutungsm\u00f6glichkeiten und Handlungsoptionen auf, der den Zustand der Unsicherheit einer Welt gegen\u00fcber zeigt, die sich dem Verst\u00e4ndnis entzieht. Wie es bei einer Literaturzeitschrift des 21. Jahrhunderts zugeht, beleitet eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/04\/05\/monsieur-le-gourmet-de-la-litterature-aux-serpents\/\">kritische Spiegelung<\/a> des Verlegers und Herausgebers Peter Valentin in Briefen und Mails. Eine der \u00e4ltesten Literaturzeitschriften der alten BRD ist der <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/06\/22\/10-jahre-dichtungsring\/\">Dichtungsring<\/a><\/em>. Mitherausgeber ist Ulrich Bergmann, den KUNO auch als Autor sch\u00e4tzt. Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das analoge Internet ging per Schneckenpost in die Vernetzung, seine Name: Ulcus Molle Info. Es wurde herausgegeben von Biby Wintjes\u2026 Und es war immer ein kleines Fest, wenn eine Ausgabe des Ulcus Molle Info im Briefkasten lag. So hatte man selbst in der tiefsten Provinz den Eindruck an eine Szene angeschlossen zu sein.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">A.J. Weigoni<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div id=\"attachment_11299\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11299\" class=\"wp-image-11299 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni-1024x682.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11299\" class=\"wp-caption-text\">Andr\u00e1s (A. J.) Weigoni (* 18. Januar 1956 in Budapest\/Ungarn, Flucht mit den Eltern nach dem Volksaufstand; \u2020 26. Januar 2021 in D\u00fcsseldorf)<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Urzelle der <em>Nonkonformistischen Literatur<\/em> in der BRD ist das INFO. Von 1969 bis 1990 gab Josef \u201eBiby\u201c Wintjes erst monatlich, die l\u00e4ngste Zeit dann jedoch zweimonatlich, die Zeitschrift <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/11\/11\/das-analoge-internet-wird-eingestellt\/\">Ulcus Molle Info<\/a><\/em> heraus, die sich als Mitteilungsblatt und Diskussionsforum der literarischen, spirituellen und politischen Gegenkulturszene verstand. Die Ver\u00e4nderung der Wahrnehmungsschemata bildeten die Kennzeichen der Zeitschrift. \u00c4hnlich wie das \u201eKursbuch\u201c wollen auch diese Autoren eine \u201eGegen\u00f6ffentlichkeit\u201c herstellen, die \u201eder ver\u00f6ffentlichten Meinung Alternativen der Weltwahrnehmungen entgegensetzen wollte\u201c und die sich als Ziel setzte, ein Licht auf bisher vernachl\u00e4ssigte Bereiche der Realit\u00e4t zu werfen. Diese Publikationen strebten eine Ver\u00e4nderung der Wahrnehmungsschemata an. In der Bonner Republik geht es darum Meinungsvielfalt zu wagen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die vielgestaltigen Texte der nonkonformistischen Autoren bewegten sich zwischen radikaler Subjektivit\u00e4t und europ\u00e4ischer Geschichte, zwischen Depression und Aggression. Sie betrieben eine intellektextuelle Dekontamination.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Texte hatten etwas Rettendes, weil Grenz- und Klassen\u00fcberschreitendes, ihr utopisches Potential war das Universalinstrument gegen gesellschaftliche Codes und Normen. Statt einer Dialogizit\u00e4t und Zuwendung herrschte in den Texten der 68er, so bei Peter Schneider, ein k\u00e4mpferischer Code. Brinkmanns Roman <em>Keiner wei\u00df mehr<\/em> steht daf\u00fcr, da\u00df Ende der 1960er-Jahre k\u00fcnstlerische oder intellektuelle Arbeit strikt antagonistisch zur Vater- und Familienrolle des Mannes begriffen wurde. &#8222;Dabeisein und Dagegensein ist das Problem.&#8220;, beschriebt Bernd Cailloux in seinem Roman &#8222;Das Gesch\u00e4ftsjahr 1968\/69&#8220; mit heiterer Lakonie die Alltagsprofanit\u00e4ten. Auch Bernward Vespers &#8222;Reise&#8220;, hielt am erz\u00e4hlenden Anspruch fest. Im gro\u00dfen Romanessay &#8222;Die Reise&#8220; treffen Kreativit\u00e4t und Tragik des revolution\u00e4ren Bewu\u00dftseins zusammen. Es erschien zu Anfang der 1970er-Jahre, ediert von J\u00f6rg Schr\u00f6der aus dem Nachlass des Autors, der sich 1969 in der Psychtarie das Leben genommen hatte. In der &#8222;Reise&#8220; laufen die verschiedenen Str\u00f6mungen der Protestbewegung zusammen und erzeugen eine einzigartige Konstellation aus Vergangenheitsbew\u00e4ltigung und Zukunftsvision, aus Aufkl\u00e4rung und Romantik, aus politischem und \u00e4sthetischem Denken. Als <em>Nonkonformismus<\/em> wurden in der Bonner Republik pers\u00f6nliche Haltungen oder Einstellungen, individuelle Handlungen oder philosophische Positionen bezeichnet, die nicht in \u00dcbereinstimmung mit den allgemein anerkannten Ansichten, der g\u00fcltigen Etikette, dem vorherrschenden Lebensstil oder dem kulturellen Mainstream stehen. Bei ihrem zeitraubenden Gang durch die Sekund\u00e4rliteratur war den Nonkonformisten keine Theorie noch so verstiegen. Auf den Spuren von Walter Benjamin waren sie wagemutig und gingen den verstiegendsten Dinge nach, etwa den erotischen Fragmenten einer Theorie der Text-Erotik; Weiblichkeitsrollen trafen auf M\u00e4nnlichkeitsstudien. Auf dem Weg von der Dystopie zur Utopie zur Dystopie hatte Wintjes auch andere Lekt\u00fcren in seiner Versandbuchhandlung auf Vorrat, B\u00fccher und Zeitschriften, die keiner der gegens\u00e4tzlichen Lesarten entsprachen und an Formen der Rationalit\u00e4t jenseits instrumenteller Vernunft sowie der Bedeutung politischer Theorie festhielten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Akte des zivilen Ungehorsams<\/span><\/p>\r\n<div id=\"attachment_12970\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Helferlein1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12970\" class=\"size-full wp-image-12970\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Helferlein1.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Helferlein1.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Helferlein1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12970\" class=\"wp-caption-text\">Das kleine Helferlein, Xerographie von Klaus Urbons<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Nicht-systemkonforme <em>graue Literatur<\/em> wurde \u00fcber nichtoffizielle Kan\u00e4le, zum Beispiel durch Abschreiben mit der Hand oder der Schreibmaschine mit Hilfe von der Hektografie (sp\u00e4ter die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/31\/allseits-vernetzte-gemeinschaft\/\">Copy-Art,<\/a> die uns auf eine allseits vernetzte Gemeinschaft vorbereitete) das Weitergeben der so produzierten Exemplare. Es wurden Aufnahmen von Lesungen mitgeschnitten und im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/01\/kassettenuntergrund\/\"><em>Kassettenuntergrund<\/em><\/a> weiterverbreitet. Im kulturellen Kontext spricht man von Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gegenkultur oder \u201eUnderground\u201c-Bewegung, im politischen von Dissidententum. Die Zersplitterung in K-Gruppen erzeugte eine neue \u00dcbersichtlichkeit, lesenswert in diesem Zusammenhang der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/23\/blicke-auf-brinkmann\/\">Zeitzeuge<\/a> Rolf Dieter Brinkmann. Das Ideal der fr\u00fchen 1970er waren selbstst\u00e4ndige und selbstbestimmte Subjekte als literatische Akteure, die neue Identit\u00e4ten und Loyalit\u00e4ten jenseits des \u00fcberkommenen Literatur-Betriebs ergr\u00fcnden wollten. Dabei erwiesen sich alle neoliberalen und neomarxistischen Utopien als irref\u00fchrend. Ab 1987 legte Wintjes mit Bruno Runzheimer die ebenfalls zweimonatlich (sp\u00e4ter viertelj\u00e4hrlich) erscheinende Zeitschrift <em>Impressum<\/em> vor, die sich in erster Linie der F\u00f6rderung von Nachwuchsautoren verschrieben hatte. Daneben stemmte Wintjes auch noch die Herausgabe verschiedener Anthologien zur Underground- und Alternativpresse der 1970er Jahre (<em>Szene-Reader<\/em> 1972 ff.).<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Anthologie, ein unweigerlich unentbehrlicher Steitenstrang der nonkonformistischen Literatur<br \/><\/span><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n\r\n\r\n<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/versnetze5-2004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12154 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/versnetze5-2004.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/versnetze5-2004.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/versnetze5-2004-198x300.jpg 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Zu diesen hererogenen Zusammenstellungen von h\u00f6chst diversen Stimmen z\u00e4hlt KUNO im weiteren Sinne auch <span data-offset-key=\"e5gtm-0-0\">Lyrik-<\/span>Anthologien, sie sind eigenwillig, sperren sich dem summarischen Urteil, weil ihre Einheit bloss eine \u00e4u\u00dferliche, nicht die inhaltlicher Koh\u00e4renz ist. Von der gehefteten Brosch\u00fcre bis zum gebundenen Buch finden sich alle Verarbeitungsformen seit Gutenberg.\u00a0 Lyrik ist nie homogen, resultiert sie doch aus zahllosen Stimmen und Stilen, die in eine Reihe von Ber\u00fchrungspunkte aufweisen, dort aber auch kaum eine \u00c4hnlichkeit aufweisen. Den 50.000 ernsthaft um eigene Lyrik bem\u00fchten Autoren stehen vielleicht 500 Lesern gegen\u00fcber, die Lyrikb\u00e4nde k\u00e4uflich erwerben \u2013 und zwar jeweils nur den besten eines Jahrgangs. Gottfried Benn hat behauptet, von seinen Einnahmen aus der Lyrik habe er die Kosten f\u00fcr seine Z\u00fcndh\u00f6lzer bestritten. Um Geld kann es also nicht gehen. Eine <a href=\"http:\/\/www.bookrix.de\/_title-de-matthias-hagedorn-lyrik-als-zusammenfuehrungskunst\">W\u00fcrdigung<\/a> des Herausgebers und Lyrikers Axel Kutsch im Kreise von Autoren. Michael Gratz, ein G\u00f6nner der Verschreibkunst, k\u00fcndigte den Lyriker Theo Breuer in der <a href=\"http:\/\/lyrikzeitung.com\/\">Lyrikzeitung<\/a> in seiner Funktion als Essayist als THE Breuer an. Wir sind froh, da\u00df dieser Kenner der deutschsprachigen Literatur bei <em>Kulturnotizen<\/em> den ein oder anderen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/02\/the-breuer-eine-verneigung\/\">Essay<\/a> geschrieben hat. Sein kundiger <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/25\/die-literaturzeitschrift-%e2%80%a2-revisited-%e2%80%a2-poet-%e2%80%a2-das-dutzend-ist-voll\/\">Artikel<\/a> \u00fcber Literaturzeitschriften ist gleichfalls eine lesenswerte Kulturnotiz.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>In der Menschheitsgeschichte ging die Entwicklung der Technik bislang mit der des Geistes einher.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Dr. Enrik Lauer<\/span><\/p>\r\n<div id=\"attachment_35574\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1998\/12\/2016-haimo-handy-133.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-35574\" class=\"wp-image-35574 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1998\/12\/2016-haimo-handy-133-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1998\/12\/2016-haimo-handy-133-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1998\/12\/2016-haimo-handy-133-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-35574\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerb\u00fccher von Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der nonkonformistische Literatur messen wir axiologischen Wert zu, sie steht diametral einer dominant nach literarischen Werten operierende Wertungspraxis der sogenannten H\u00f6henkammliteratur gegen\u00fcber. Kleinverlage sind l\u00e4ngst nicht mehr im Kerngebiet des literarischen Feldes; sie sind strategisch weniger darauf ausgerichtet, literarisches Leben, Literaturbetrieb oder Verlagslandschaft zu f\u00f6rdern, als vielmehr diese innerhalb des \u00fcbergeordneten Feldes der Kreativ\u00f6konomie zu positionieren. Dies gilt im besonderen f\u00fcr <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/04\/11\/kunstlerbucher\/\">K\u00fcnstlerb\u00fccher<\/a>,<\/em> die via V.O. Stomps auf den Mainzer Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg zur\u00fcckreichen. Die Mainzer Minipressen-Messe, begr\u00fcndet 1970 vom Drucker Norbert Kubatzki, hat sich aus bescheidenen Anf\u00e4ngen zur Internationalen Kleinverlagsmesse entwickelt. In der MMPM versammelten sich Menschen, die ihre Ideen verhandeln wollen, einen konstruktiven Dialog zu dr\u00e4ngenden Fragen beginnen und sich auf Augenh\u00f6he auch mit anderen Perspektiven auseinandersetzen. Die auf dieser Messe pr\u00e4sentierten handgefertigten Exemplare erinnern uns daran, da\u00df B\u00fccher ein Medium waren, denen, im wahrsten Sinne des gedruckten Wortes mehr, als \u00a0Potentiale waren, denen die Digitalisierung als Content f\u00fcr kreative Inhalte nutzen m\u00f6chte, um neue Gesch\u00e4ftsfelder zu erschliessen. KUNO verweigert konsequent die \u00dcberlagerung des literarischen mit dem kreativ\u00f6konomischen Feld.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Kein positives Werk noch Tat kann also die allgemeine Freiheit hervorbringen; es bleibt ihr nur das negative Tun; sie ist nur die Furie des Verschwindens.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Friedrich Hegel<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans Magnus Enzensberger, immer bei jeden neuen Welle als Nummer Zwei zu Stelle, griff den Ausdruck 1980 auf, um einen Gedichtband entsprechend zu betiteln. Er wollte damit die Zeit der trockenen \u00dcbungen der Agit-Prop-Lyrik oder des Dokumentartheaters und der biederen Verarbeitungserz\u00e4hlungen der 1970er-Jahre \u00fcberwinden. Daneben verabschiedeten sich auch Peter Hamm, Hans Magnus Enzensberger, Karl Markus Michel, Walter Boehlich und Yaak Karsunke von der Idee einer klassenlosen Kunst als b\u00fcrgerliche Ideologie und untersuchten den &#8222;Warencharakter&#8220; von Literatur und Kritik. Im letzten Gedicht des Enzensberger-Bandes wird Hegels Gedanke aufgegriffen: Der Furie f\u00e4llt dort an Historischem zu:<\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>was zun\u00e4chst unmerklich, \/ dann schnell, rasend schnell f\u00e4llt [\u2026]; sie allein bleibt, ruhig, \/ die Furie des Verschwindens.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Fanzines_Cover_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-65586 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Fanzines_Cover_-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Fanzines_Cover_-201x300.jpg 201w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Fanzines_Cover_-260x388.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Fanzines_Cover_-160x239.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Fanzines_Cover_.jpg 334w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a>Diese Analyse gilt insbesondere f\u00fcr die erste H\u00e4lfte der 1970er Jahre, dann fegte der Punk alldies hinweg, wie Peter Glaser in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/27\/die-neue-deutsche-wanderdune-attrappe-einer-kulturgeschichte-von-neulich\/\">Attrappe einer Kulturgeschichte von neulich<\/a> \u00fcberzeugend darlegt. Sogleich folgte eine Fanzine-Szene, wie sich in einem weiteren Kollegengespr\u00e4ch \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/08\/09\/der-otto-versand-der-subkultur\/\">Otto-Versand der Subkultur<\/a> erschlie\u00dfen l\u00e4\u00dft. F\u00fcr den punktbefeuerten Nonkonformismus ist die Vorstellung typisch, dass etwas Altes zugrunde gehen muss, damit etwas Neues entstehen kann. Der Weg in eine bessere Zukunft f\u00fchrt durch individuelle oder kollektive Katastrophen. In diesen photokopierten Fanzines betraten junge Schriftsteller die literarische Szene und setzen die nonkonformistische Literatur auf ihre Art fort. Sie und ihre literarischen Figuren standen au\u00dferhalb der b\u00fcrgerlichen Ordnung, rebellierten betont jugendlich gegen die Welt der V\u00e4ter und aller autorit\u00e4ren Repr\u00e4sentanten des patriarchalischen Systems. Sie brachen auf aus erstarrten, leblosen Konventionen und begaben sich, auf die Suche nach anderen Formen sozialer Gemeinschaft, nach neuen Arten des Erlebens, der Wahrnehmung und des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Parallel dazu entwickelte sich in klandestinen Zirkeln die multimediale Verbreitungsidee des <em>Trash<\/em>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der online-Duden definiert <i>Trash<\/i> als eine \u201e<em>Richtung in Musik, Literatur und Film, f\u00fcr die bewu\u00dft banal, trivial oder oder primitiv wirkende Inhalte und eine billige Machart typisch sind<\/em>\u201c.<\/span> <sup id=\"cite_ref-1\"><\/sup><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Jaguar_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-48066 size-medium alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Jaguar_Cover-211x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Jaguar_Cover-211x300.jpeg 211w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Jaguar_Cover.jpeg 714w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a>KUNO versteht\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Trash<\/a> als einen subjektiven Wahrnehmungsmodus von \u00fcberindividueller, kollektiver Bedeutung im Sinne des kulturellen Ged\u00e4chtnisses, der sich auf verschiedenste Ph\u00e4nomene beziehen kann. Dies umfa\u00dft sowohl Personen, Figuren, Ereignisse, Orte als auch Konzepte, Ideen und Institutionen. In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso ausdr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Ebenso eindr\u00fccklich verwiesen sei auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44449\">Trash-Lyrik<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em><span id=\"Heutige_Archive_des_Samisdat\" class=\"mw-headline\">Unverzichtbare Archive des Samisdat<\/span><\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;Ulcus Molle-Info&#8220; wurde am 11. November 1990 eingestellt und der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/11\/13\/die-eroberung-die-blogosphaere\/\">Blog<\/a> ging kurz darauf online. Der Nachlass von Josef \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/09\/24\/bye-bye-biby\/\">Biby<\/a>\u201c Wintjes, bildet den Grundstock f\u00fcr das ,<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/07\/zentralorgane-des-undergrounds\/\">Archiv f\u00fcr Alternativkultur<\/a>\u201c am Institut f\u00fcr Europaeische Ethnologie der Humboldt-Universit\u00e4t. \u00dcber weitere Best\u00e4nde von nichtkonformistischen Samisdat-Zeitschriften der DDR verf\u00fcgen u. a. das aus der Umwelt-Bibliothek Berlin hervorgegangene Matthias-Domaschk-Archiv in der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., Berlin, das <a href=\"http:\/\/www.thueraz.de\">Th\u00fcringer Archiv f\u00fcr Zeitgeschichte<\/a> in Jena, das Deutsche Literaturarchiv Marbach, die Deutsche Nationalbibliothek Leipzig und die S\u00e4chsische Landesbibliothek. Digitalisiert wurden literarische und k\u00fcnstlerische Samisdatzeitschriften durch die TU Dresden, eine Digitalisierung der Samisdatzeitschriften aus dem Spektrum der Oppositions- und B\u00fcrgerrechtsgruppen wie <i>Grenzfall<\/i>, <i>Grubenkante<\/i>, <i>Kopfsprung<\/i>, <i>Lausitzbotin<\/i>, <i>Plattform<\/i>, <i>Umweltbl\u00e4tter<\/i> ist in Vorbereitung. Wichtig erscheint das, weil sie aufgrund ihrer schlechten Papierqualit\u00e4t schon bald unlesbar zu werden drohen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>R\u00fcckblick auf die Spielwiese der Avantgarde<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Entwicklungen fa\u00dft Hadayatullah H\u00fcbsch, der Urvater des <em>Social-Beat<\/em>, im Reader <em>Little mag<\/em>s zusammen. Er empfiehlt sich f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Little mags<\/strong>. Unabh\u00e4ngige Literaturzeitschriften, von Hadayatullah H\u00fcbsch. Autorenhaus-Verlag Manfred Plinke, Berlin 2001.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-85404\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften.jpg 229w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften-196x300.jpg 196w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften-160x245.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/><\/a><\/strong><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nonkonformisten reagieren mit Unglauben auf das, was alle zu Glauben scheinen, und sie machen sich \u00fcber Handlungsmaximen lustig, die nach allgemeiner Auffassung die soziale Ordnung begr\u00fcnden. 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