{"id":65518,"date":"1990-11-11T00:01:39","date_gmt":"1990-11-10T23:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65518"},"modified":"2022-03-15T09:13:23","modified_gmt":"2022-03-15T08:13:23","slug":"das-analoge-internet-wird-eingestellt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/11\/11\/das-analoge-internet-wird-eingestellt\/","title":{"rendered":"Das analoge Internet  wird eingestellt"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Der Ulcus Molle Informationsdienst wurde mit dieser Doppelnummer (Nr. 10\/12) nach 21 Jahren eingestellt. Trennung f\u00e4llt immer schwer &#8211; aber es gibt unaufschiebbare Entscheidungen (..), da\u00df sich ein eigenst\u00e4ndiger Vertrieb, der mit dem Ulcus Molle Info verbunden war, nicht mehr rechnet. Was unsere stetig sinkenden Umsatzzahlen beweisen\u201c<\/em>.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Josef \u201eBiby\u201c Wintjes<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Da\u00df er das v\u00f6llig undogmatisch, fast chaotisch macht, mag seine Nachteile haben, aber es k\u00f6nnte auch der richtige N\u00e4hrboden f\u00fcr Vorl\u00e4ufiges, Versuchsweises und eben erst Entstehendes sein, das sonst nirgendwo eine Chance hat, Beachtung zu finden<\/em>\u201c<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">J\u00fcrgen Ploog<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUlcus Molle Info\u201c erschien anfangs monatlich, ab Nr. 4\/5-1972 zweimonatlich und zuletzt ab 1987 viertelj\u00e4hrlich. Es verstand sich als \u00d6ffentlichkeits- und Publikationshilfe f\u00fcr junge Autoren und Kleinverlage. Die Zeitschrift wurde zu einem wichtigen Diskussionsforum der literarischen, spirituellen und politischen Gegenkultur. Der Name der Zeitschrift leitet sich von der Geschlechtskrankheit \u201eUlcus molle\u201c ab, auch als \u201eWeicher Schanker\u201c bekannt. Mit einem Umfang von 16 DIN A4-Seiten und einem Vertriebsangebot von \u00fcber f\u00fcnfzig Publikationen sowie Buchank\u00fcndigungen und -besprechungen von Klein- und Selbstverlagen erschien 1970 die Nr. 10 mit einer Auflage von 2.500 Exemplaren; weitere Auflagen erschienen dann in H\u00f6he von 1.200 und mit 200 Abonnenten. Auf seinem H\u00f6hepunkt hatte das <em>Ulcus Molle Info<\/em> 2.500 Abonnenten. Der <em>Ulcus Molle Info\u2212Dienst<\/em> war zusammen mit der Aktion Feuerzeichen der bekannteste Buch- und Zeitschriftenversand f\u00fcr Alternativliteratur in Deutschland.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das analoge Internet ging von dort per Schneckenpost in die Vernetzung, seine Name: Ulcus Molle Info. Es wurde herausgegeben von Biby Wintjes\u2026 Und es war immer ein kleines Fest, wenn eine Ausgabe des Ulcus Molle Info im Briefkasten lag. So hatte man selbst in der tiefsten Provinz den Eindruck an eine Szene angeschlossen zu sein.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">A.J. Weigoni<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab Mitte der 1980er Jahre wurde die alternative Literatur in der BRD \u201egesellschaftsf\u00e4hig\u201c und Gro\u00dfverlage nahmen die <em>Au\u00dfenseiterliteratur<\/em> in ihr Verlagsprogramm auf. Alternative Buchl\u00e4den, Buchvertriebe wie <em>Rotation<\/em> drangen an die \u00d6ffentlichkeit. Mit dem Aufkommen der Yuppies und dem Ende der <em>Gegenbuchmesse<\/em> (Frankfurt\/M.) und der <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Mainzer Minipressenmesse<\/a><\/em> interessierten sich auch immer weniger Leser f\u00fcr das <em>Ulcus Molle Info<\/em> mit seinen subkulturellen Publikationen in nicht selten un\u00fcbersichtlichem Layout. So musste Wintjes denn auch notgedrungen einr\u00e4umen:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>In der Tat hatte ich als Herausgeber bereits 1987 die Lust an Ulcus Molle verloren (..), weil es heute weder eine eigenst\u00e4ndige Alternativpresse mehr gibt noch in irgendeiner Form von Untergrundliteratur die Rede sein kann<\/em>.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ulcus Molle Info Nr. 10\/12 1990<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zeitungssterben, das in den 1980ger Jahre begann, ist auch an der Alternativpresse nicht vorbeigegangen. Dabei war das <em>Ulcus Molle Info<\/em> sp\u00e4testens Anfang 1986 um ein \u00fcbersichtlicheres Layout bem\u00fcht und suchte sich dem neuen Trend auch insofern anzupassen, als Wintjes neben der <em>Au\u00dfenseiterliteratur<\/em> nun auch Rezensionen zu Werken etablierter Autoren aus Gro\u00dfverlagen wie z.\u00a0B. Stephen King, Henry Miller und Patrick S\u00fcskind in das <em>Ulcus Molle Info<\/em> integrierte und diese Titel ebenfalls in seinem Versandbuchhandel zur Bestellung anbot. Die Anzahl der Abonnenten sank dennoch von 2.500 auf 500. Gr\u00f6\u00dfere Druckereischulden, private Krisen und eine nicht gelungene Spendenaktion im Herbst 1989 lie\u00dfen den <em>\u201eW\u00fcrger von Bottrop\u201c<\/em>, wie er ironisch von seinen Freunden genannt wurde, dem <em>Informationsdienst<\/em> ein Ende setzen. Heute erschien die letzte Ausgabe des <em>Ulcus Molle Info<\/em>s.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_65501\" style=\"width: 297px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-image-65501\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg\" alt=\"\" width=\"287\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg 383w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-260x374.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-160x230.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><p id=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-caption-text\">Josef &#8222;Biby Wintjes. Portr\u00e4t: Bruno Runzheimer<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p>\r\n\r\n\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ulcus Molle Informationsdienst wurde mit dieser Doppelnummer (Nr. 10\/12) nach 21 Jahren eingestellt. 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