{"id":65469,"date":"1996-06-01T00:01:00","date_gmt":"1996-05-31T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65469"},"modified":"2022-04-11T11:27:35","modified_gmt":"2022-04-11T09:27:35","slug":"tief-im-westen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/01\/tief-im-westen\/","title":{"rendered":"Tief im Westen"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das Bewu\u00dftsein-Gebiet ist der neue Westen<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Rolf Dieter Brinkmann<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reihe mit B\u00fcchern des Rhein-Eifel-Mosel-Verlag, in der insgesamt 680 Autoren aus den Rheinlanden (und gelegentlich dar\u00fcber hinaus) vorgestellt werden, darf bundesweit als einzigartig f\u00fcr das Feld der auf das Regionale bezogenen Literatur bezeichnet werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: justify;\">Die KUNO-Redaktion blendet zur\u00fcck:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>junger westen <\/em>war eine deutsche K\u00fcnstlergruppe. Die Maler Emil Schumacher, Thomas Grochowiak, Heinrich Siepmann, Hans Werdehausen, Gustav Deppe sowie der Bildhauer Ernst Hermanns gr\u00fcndeten die Gruppe <em>junger westen<\/em> 1948 in Recklinghausen mit der Absicht, den in der Zeit des Nationalsozialismus verlorenen Anschluss an die Kunst der Moderne wiederherzustellen und in diesem Rahmen eigene k\u00fcnstlerische Ausdrucksformen zu finden, die in der industriell gepr\u00e4gten Region des Ruhrgebiets verwurzelt sein sollten. Auch die F\u00f6rderung des Erfahrungsaustausches unter K\u00fcnstlern wurde als Ziel gesehen; diesem Zweck dienten auch die Ausstellungen der Gruppe, zu denen zahlreiche K\u00fcnstler eingeladen wurden, darunter Georg Meistermann, Hann Trier und Fritz Winter.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: justify;\">Und nun:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Junger Westen&#8220; nennt sich eine von Jochen Arlt herausgegebene Jubil\u00e4umsanthologie, die Erstver\u00f6ffentlichungen von 122 meist j\u00fcngeren AutorInnen aus dem Rheinland und im weitesten Sinne angrenzenden Kommunen versammelt. Damit hat der Herausgeber mit seinem elften Band die Summe einer einzigartigen Edition f\u00fcr das Feld der auf das Regionale bezogenen Literatur vorgelegt. Waren die bisherigen Leseb\u00fccher jeweils einer bestimmten Region (z.B. die Domstadt, die Eifel, der <em>Niederrhein<\/em> &#8211; womit aus der weltsicht des Herausgebers die Landshauptstadt D\u00fcsseldorf gemeint ist!) gewidmet, so sind im vorliegenden Band alle bisherigen Regionen mit jeweils elf AutorInnen f\u00fcr die bisher erschienenen Leseb\u00fccher vertreten und zus\u00e4tzlich auch noch das <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/23\/die-queen-of-ruhrgebeat-trash\/\">Ruhrgebeat<\/a><\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in <em>Junger Westen 11<\/em> vertretenen literarischen Texte spiegeln nahezu die gesamte Bandbreite der Literturformen wider. Das Spektrum der vertretenen AutorInnen reichen von modernen Klassikern wie J\u00fcrgen Becker \u00fcber Bestsellerautoren (z.B. Petra Hammesfahr), JournlistInnen, Kabarettisten, Musiker bis zu Mundartdichtern oder ambitionierten Jungautoren, z.T. noch ohne Buchver\u00f6ffentlichung bis hin zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/07\/die-meta-ebene-zu-metaphon\/\">H\u00f6rspielmacher<\/a> A.J. Weigoni. Dementsprechend unterschiedlich sind die Themen und Ausdrucksmittel. Es gibt Feuilletons \u00fcber rheinische Lebensart, Social-Beat-Texte, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\">Trash-Literatur<\/a>, Lyrik und Prosa.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedenkt man, wie vernichtend negativ die neuere deutsche Literatur von Chefkritikern in einschl\u00e4gigen Feuilletons oder bestimmten Fernsehsendungen beurteilt wird, so kann man sich nur fragen, ob die betreffenden Kritiker der Vergangenheit nachtrauern oder den Blick f\u00fcr die Gegenwart verloren haben. Talente in gro\u00dfer Zahl sind in der Anthologie versammelt. Hier sieht man die ganze Spannbreite der Ausdrucksm\u00f6glichkeiten vertreten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lesen Roland Koch aus der Domstadt, er beschreibt in &#8222;Mostly Blues&#8220; mit hintergr\u00fcndigem Humor die Bekanntschaft eines Jungautors mit einem \u00e4lteren misanthropischen Schriftsteller, der von seinem Beruf und seinen Kollegen ern\u00fcchtert ist: &#8222;Es sind alles Arschl\u00f6cher, &#8230; die dort nach oben gekommen sind, &#8230; alles nur Geier und W\u00f6lfe.&#8220; Durch seine \u00dcberzeichnungen wirkt die Erz\u00e4hung komisch, wobei jedoch auch ernste Kritik sichtbar wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer \u00e4hnlichen l\u00e4ssigen Erz\u00e4hlhaltung schreibt Jochen Schimmang in &#8222;Metaphysik der Geschlechtsliebe&#8220; \u00fcber einen Gesch\u00e4ftsmann und Philosophen f\u00fcr den Privatgebrauch, der nach einer durchzechten Nacht von seinem Freund vor der Ausn\u00fcchterungszelle bewahrt wird. Peter O. Chotjewitz ereifert sich in &#8222;Zaun drum und Eintritt nehmen&#8220; \u00fcber K\u00f6lner Polizisten und die Lokalpresse.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Lesepeispiel. Frank Festa ist mit &#8222;Minutenleben&#8220; eine gekonnte Parabel \u00fcber die Befreiung vom Zeitdruck und das Verfolgt-werden von der ablaufenden Zeit gegl\u00fcckt. Locker wird das Thema angepackt und mit sicherer \u00d6konomie die Schwere des Gegenstands leicht dargeboten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In &#8222;London&#8220; beschreibt Dietmar Sous den Arbeitstag eines Mannes, der Wohnungen von Verstorbenen leerr\u00e4umt. Anschaulich werden heutige Arbeitsverh\u00e4ltnisse und der Verlust von gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfigen Bindungen protokolliert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies sind nur einige der gelungenen Texte. Insgesamt sind alle der abgedruckten Texte lesenswert. Neben pr\u00e4zisen Prosaminiaturen (z.B. Thorsten Kr\u00e4mer, Alexander Bach, Christina G\u00fcnther) gibt es auch viele gelungene Gedichte (z.B. Sabine Schiffner, Ute-Christine Krupp, Doroth\u00e9e Haeseling) oder markante Kindheitserinnerungen von Alfred Miersch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zus\u00e4tzlich wird jede Region eingeleitet mit einem informativen Interview. Darin erf\u00e4hrt man z.B., wie Dieter M. Gr\u00e4f in K\u00f6ln heimisch geworden ist, wie Gisbert Haefs beleidigt ist \u00fcber die Kritik an der \u00dcbersetzung seines Bruders von Norfolks Roman &#8222;Lempri\u00e9res W\u00f6rterbuch&#8220; oder wie Roland Adelmann <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/05\/trash-lyrik\/\">Social Beat<\/a> versteht und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/15\/social-beat-bukowski-oder-wochenendpenner\/\">Charles Bukowski<\/a> glorifiziert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles in allem ist <em>Junger Westen 11<\/em> eine gelungene und empfehlenswerte Edition, die Vorbild sein sollte f\u00fcr andere Regionen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"92\" height=\"136\" class=\"wp-image-65476\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Westen_Cover.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Junger Westen 11<\/strong>, Lesebuch, herausgegeben von Jochen Arlt, Rhein-Eifel-Mosel-Verlag, Abtei Braunweiler, 1996<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die neuen technologischen M\u00f6glichkeiten nutzend ist einer Teilauflage eine CD mit Lesungen und Kurzh\u00f6rspielen beigef\u00fcgt, die als Zugabe die Vor-und Nachteile einer akustischen Literaturvermittlung dokumentiert und somit einen Einblick in die Audio-Art der 1990-er Jahre liefert. Dokumentiert wird an anderer Stelle, was in diesen Jahren begann, auf der Plattform <em>vordenker.de<\/em> mit der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon_konzept.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bewu\u00dftsein-Gebiet ist der neue Westen Rolf Dieter Brinkmann Die Reihe mit B\u00fcchern des Rhein-Eifel-Mosel-Verlag, in der insgesamt 680 Autoren aus den Rheinlanden (und gelegentlich dar\u00fcber hinaus) vorgestellt werden, darf bundesweit als einzigartig f\u00fcr das Feld der auf das Regionale&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/01\/tief-im-westen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":100099,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[674],"class_list":["post-65469","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-jochen-arlt"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65469"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65469\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101321,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65469\/revisions\/101321"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100099"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}