{"id":65361,"date":"2003-06-18T00:01:00","date_gmt":"2003-06-17T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65361"},"modified":"2023-12-09T07:53:49","modified_gmt":"2023-12-09T06:53:49","slug":"exil-und-sprachheimat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/06\/18\/exil-und-sprachheimat\/","title":{"rendered":"Exil und Sprachheimat"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A text that alludes to Eliot\u2019s Waste Land,<br \/>was set to music by Tom T\u00e4ger,<br \/>using minimalist techniques and sound effects<br \/>like the rustle of paper. <\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Judith Ryan \u00b7 The Long German Poem in the Long Twentieth Century<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihren poetopathologischen Aufzeichnungen k\u00e4mpft die Patientin Jo Chang gegen das Vergessen, das Verlassen\u2013Werden, die Gesellschaft, Gott, und den Tod. Ihr ist das Leben entglitten. Sie versucht es auf dem Papier mit Kanjis wieder zu ordnen. Versucht das, was wir alle tun, dem Leben, wenn es schon keinen Sinn hat, wenigstens eine erz\u00e4hlerische Ordnung zu geben. Die seelischen Grenz\u00fcberschreitungen, die das lyrische Monodram thematisiert, vollzieht es formal in der Aufhebung der Gattungsgrenzen nach. Es wird ganz ohne Psychologie erz\u00e4hlt, eher als Status quo eines Experiments. Jo Chang ist auf der Suche nach ihrem Ursprung und findet Einzelteile einer versprengten Existenz.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Monodram Unbehaust ist der Versuch, ganz nahe an der Leere, am Unpers\u00f6nlichen vorbeizugehen. Unterst\u00fctzt wird der H\u00f6rspielmacher von der Schauspielerin Bibiana Heimes. Das Sprechen hat hier seine Selbstverst\u00e4ndlichkeit verloren, es hat wenig mit Zwerchfell, Stimmband oder Resonanzraum zu tun. Jo Chang hat ihre Rede nicht. So geht viel, fast alles, verloren. Ihre Verweigerung ist konfrontativ, sie spielt auf mit entt\u00e4uschter Erwartung und liefert sich der fremden Sph\u00e4re komplexer Geistigkeit aus. Ein delirantes Bewu\u00dftseinsprotokoll wird zum Soziogramm einer gefesselten Gesellschaft. F\u00fcr den passenden Ton sorgt der H\u00f6rspielkomponist Tom T\u00e4ger, der eine Komposition erstellt hat, die ausschlie\u00dflich aus Papierger\u00e4uschen besteht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Unbehaust II ein kammermusikalisches Glanzlicht, das gepr\u00e4gt ist von zarten Rhythmen,<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In &#8222;Unbehaust II&#8220; begleitet der Komponist Frank Michaelis die Schauspielerin Marion Haberstroh auf einer Introspektion. Die klanglichen Improvisationen spiegeln die Verunsicherungen der dargestellten Figur. Es ist eine elektronische Komposition von geringer harmonischer Komplexit\u00e4t, die sich im Rahmen einer modalem Tonalit\u00e4t bewegt und Dissonanzen sparsam verwendet. Das polyrythmische Element ist repetetiv. Michselis verwendet ein einfaches Grundmuster und variiert st\u00e4ndig mit leichten Variationen. Die entspricht dem Um-Sich-Kreisen\u00a0der\u00a0Figur.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend sich in \u00bbUnbehaust I\u00ab die Frage nach dem Tod stellt, befragt \u00bbUnbehaust II\u00ab das Leben; das eigene und die Verantwortung f\u00fcr ein <br \/>Werdendes. Unsere Hingabe an die Sexualit\u00e4t ist Hingabe an unseren K\u00f6rper. Sexualit\u00e4t ist das stille Einverst\u00e4ndnis, dass wir sterben m\u00fcssen. Da aber gerade in diesem Moment zwei Menschen eins werden und ein neues Leben entstehen kann, fallen Leben und Tod in der Liebe zusammen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Stichwort Monolog (griechisch: monologos, &#8222;allein redend&#8220;, &#8222;mit sich redend&#8220;) findet sich im Nachschlagewerk folgende Anmerkung: &#8222;In der antiken Tradition gewann der Monolog vor allem mit dem Zur\u00fccktreten des Chors an Bedeutung.&#8220; Dauert das Zur\u00fccktreten des Chors\u00a0im\u00a021.\u00a0Jahrhundert\u00a0noch\u00a0an?<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unbehaust<\/strong>, K\u00fcnstlerbuch von Haimo Hieronymus und A.J. Weigoni. ur\u00e4us-Handpresse, Halle 2003<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die H\u00f6rspielumsetzung von <em>Unbehaust<\/em> durch den Komponisten Tom T\u00e4ger ist erh\u00e4ltlich auf dem H\u00f6rbuch: <strong>Gedichte<\/strong> von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2015<\/p>\r\n<div id=\"attachment_10799\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Parlandos.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10799\" class=\"wp-image-10799 size-medium\" title=\"Parlandos\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Parlandos-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Parlandos-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Parlandos-683x1024.jpg 683w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Parlandos.jpg 1530w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10799\" class=\"wp-caption-text\">Original Holzschnitt auf das Cover gedruckt von Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Band aus dem <em>Schuber<\/em> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. KUNO fa\u00dft die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A text that alludes to Eliot\u2019s Waste Land,was set to music by Tom T\u00e4ger,using minimalist techniques and sound effectslike the rustle of paper. 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