{"id":65283,"date":"2007-09-16T00:18:41","date_gmt":"2007-09-15T22:18:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65283"},"modified":"2022-02-27T11:44:57","modified_gmt":"2022-02-27T10:44:57","slug":"popliteraturgeschichten-im-heine-institut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/09\/16\/popliteraturgeschichten-im-heine-institut\/","title":{"rendered":"Popliteraturgeschichte(n) im Heine-Institut"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In D\u00fcsseldorf startet heute September das Projekt \u201cPop am Rhein\u201d. Gruppiert um je eine Ausstellung im Heine-Institut und im K\u00f6lnischen Stadtmuseum werden rund 60 Veranstaltungen aus Kunst, Musik, Literatur, Theorie und Film stattfinden. Den Auftakt macht das D\u00fcsseldorfer Heine-Institut mit der Ausstellung \u201ePop am Rhein: Popliteraturgeschichte(n) 1965 \u2013 2007.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignright size-large\">\r\n<div id=\"attachment_13483\" style=\"width: 128px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13483\" class=\"wp-image-13483\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Rdb.selfmade.100607.wisc_.jpg\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"159\" \/><p id=\"caption-attachment-13483\" class=\"wp-caption-text\">The Notorious RDB<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Viel wurde in den letzten Jahren \u00fcber Popliteratur geredet und geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, dass ma\u00dfgebliche Impulse f\u00fcr die Entstehung der Popliteratur vom Rheinland ausgingen. Ganz am Anfang standen die Autoren und \u00dcbersetzer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/23\/flickenteppich-%e2%88%99-blicke-auf-brinkmann\/\">Rolf Dieter Brinkmann<\/a> und Ralf-Rainer Rygulla, die ab Mitte der 60er-Jahre in K\u00f6ln lebten und der amerikanischen Beat- und UntergrundLiteratur deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafften. Einige der einschl\u00e4gigen Publikationen erschienen schon damals im K\u00f6lner Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch, der es immer wieder erfolgreich verstand, Literatur unter dem Siegel des Pop zu vermarkten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Einen anderen Entwurf pr\u00e4sentierte Ferdinand Kriwet mit seinen hochkomplexen \u201eRundscheiben\u201c, die schon durch ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/29\/rotor\/\">Visualit\u00e4t<\/a> als vorherrschendem Ausdrucksbestandteil Anteil am Pop-Diskurs nahmen. Ganz und gar gilt das f\u00fcr ein Projekt wie Kriwets fr\u00fche Mediencollage \u201eApollo Amerika\u201c, die Unmengen zeitgen\u00f6ssischer Statements zu visuell-poetischen, akustischen und filmischen Umsetzungen verarbeitete. Auch Hansj\u00fcrgen Bulkowski brachte mit seiner Aktionsliteratur (\u201eBett auf der Buchmesse\u201c) und seinen literarischen Happenings unter anderem im D\u00fcsseldorfer \u201eCreamcheese\u201c einen eigenen Pop-Aspekt ins Spiel. Sein Mikrofilm-Roman sowie seine \u201eAusz\u00fcge aus der Biografie Wieners\u201c als Lochstreifentext sind ebenfalls in diesem Kontext zu nennen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Bulkowski ist auch ein Bindeglied zur D\u00fcsseldorfer Szene der 80er-Jahre: Akteure wie Peter Glaser, Niklas Stiller und Hubert Winkels traten auf den Plan, mit Bulkowski gestalteten sie zum Beispiel die literarische Kolumne \u201eV\u00f6llig aus dem Nichts\u201c der jungen Stadtzeitung \u201e\u00dcberblick\u201c. Glaser und Stiller ver\u00f6ffentlichten das stiltypische Zeitdokument \u201eDer gro\u00dfe Hirnriss\u201c, ein Buch, das zu Unrecht in vielen Popliteratur-R\u00fcckblicken unterschlagen wird. Winkels, damals eher Autor als Kritiker, ver\u00f6ffentlichte zwei Erz\u00e4hlungsb\u00e4nde \u201eLiebesexpress\u201c und \u201eAusnahmezustand\u201c. Am st\u00e4rksten aber erscheint der Pop-Anspruch in der von Glaser herausgegebenen Anthologie \u201eRawums\u201c, die unter anderem Texte der SPEX-Begr\u00fcnder enth\u00e4lt, aber auch Rainald Goetz\u2019 ber\u00fcchtigten Klagenfurt-Text sowie eine Erz\u00e4hlung Joachim Lottmanns. Dieser ver\u00f6ffentlichte sp\u00e4ter \u201eMai, Juni, Juli\u201c, ein Buch, das heute von vielen als Vorl\u00e4ufer der 90er-Jahre-Popliteratur betrachtet wird. In den 80er-Jahren waren aber besonders Neue-Deutsche-Welle-Bands <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/27\/die-neue-deutsche-wanderdune-attrappe-einer-kulturgeschichte-von-neulich\/\">die Vorreiter neuer Sprach- und Sprechformen<\/a>, \u201eFehlfarben\u201c mit ihrem un\u00fcbertroffenem Album \u201eMonarchie &amp; Alltag\u201c, \u201eMittagspause\u201c oder \u201eS.Y.P.H.\u201c \u2013 hier wurden deutsche Texte mit Witz und R\u00e4tsel formuliert, die bis heute G\u00fcltigkeit besitzen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-48066\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Jaguar_Cover.jpeg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"254\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Jaguar_Cover.jpeg 714w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Jaguar_Cover-211x300.jpeg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Anfang der 90er-Jahre waren auch \u2013 inzwischen arrivierte \u2013 Autoren wie Marcel Beyer und Norbert Hummelt noch vom Pop-Virus angesteckt. Im Umkreis des K\u00f6lner KRASH-Verlags entwickelten sich neue literarische Cross-Over-Formen, Objektb\u00fccher, tEXtile tEXte, Performance-Literatur, insbesondere die so genannte <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/11\/perlen-des-trash-%c2%b7-revisited\/\">Gossenheftreihe<\/a><\/em>, die der Verlag gemeinsam mit dem D\u00fcsseldorfer Autor A.J. Weigoni entwickelte; hier wurde innovative Literatur im Schmuddelheftchen-Outfit pr\u00e4sentiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Auch Spoken-Word-Literaturformen wurden im KRASH-Umfeld erprobt: 1993 wurde mit der 1. Deutschen Literaturmeisterschaft \u201eDichter in den Ring!\u201c im K\u00f6lner Rhenania der erste Poetry Slam auf deutschem Boden veranstaltet. Diese Wettbewerbe grassierten in der Folge auch in anderen St\u00e4dten. Besonders lange schon (n\u00e4mlich bis in die heutige Zeit) tobt im D\u00fcsseldorfer ZAKK die \u201ePoesieschlacht\u201c. Zudem ist sp\u00e4testens seit Mitte der 90er-Jahre in den Clubs der rheinischen Gro\u00dfst\u00e4dte eine lebendige Live-Literaturszene am Werke, die in dieser Dichte nur noch in den Millionenst\u00e4dten Hamburg und Berlin zu finden ist. Autoren wie Marc Degens, Pamela Granderath, stan lafleur, Thorsten Nesch, Philipp Schiemann oder Tom de Toys haben mit ihren Texten, Kleinstpublikationen und Veranstaltungsreihen der literarischen Szenerie ihren Stempel aufgedr\u00fcckt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Die Ausstellung im Heine-Institut will diese popliterarischen Szenen zwischen Over- und Underground mit Objekten, Plakaten, Flyern, Fotos, Audio- und Videoclips nachvollziehen \u2013 ein Zeitpanorama durch das Vergr\u00f6\u00dferungsglas der regionalen Perspektive, die eine gr\u00f6\u00dfere Tiefensch\u00e4rfe bei der Betrachtung der Ph\u00e4nomene zul\u00e4sst.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Pop am Rhein<\/strong>: Popliteraturgeschichte(n) 1965 \u2013 2007. Texte, Schriften, Bilder. Vom 16. September bis 4. November 2007.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6265\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/FM-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"256\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/FM-682x1024.jpg 682w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/FM-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/FM.jpg 1704w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/>\r\n<figcaption>Frank Michaelis<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Die Ausstellung \u201cPop am Rhein\u201d zeigt Exponate von und \u00fcber: J\u00fcrgen Becker, Yola Berbesz, Roland Berg\u00e8re, Marcel Beyer, Franz Bielmeier, Nicolas Born, Rolf Dieter Brinkmann, Hansj\u00fcrgen Bulkowski, Campino, Marc Degens, Karin Dreier, Fehlfarben, Peter Glaser, ar\/gee gleim, Pamela Granderath, Hadayatullah H\u00fcbsch, Jens Hagen, Peter Hein, Guy Helminger, Norbert Hummelt, Hannes J\u00e4hn, Kiepenheuer &amp; Witsch, Kiosque GmbH, Martin Kippenberger, Walter K\u00f6nig, Ferdinand Kriwet, Stan Lafleur, J\u00f6rn Loges, Henry Maitek, Frank Michaelis, Thorsten Nesch, Pietro Pellini, Dietmar Pokoyski, Harry Rag, Ralf-Rainer Rygulla, Xao Seffcheque, Niklas Stiller, S.Y.P.H., Tom de Toys, A.J. Weigoni, Gunda Wienke, Hubert Winkels, Christof Wolff, Harald Sack Ziegler u.a.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Ein Video von Frank Michaelis und A.J. Weigoni aus der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_xE7BPCey68\">Schwebebahn<\/a> findet sich neben dem <em>Schland<\/em> aus <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SMFU2_5xl-E\">Herdringen<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In D\u00fcsseldorf startet heute September das Projekt \u201cPop am Rhein\u201d. Gruppiert um je eine Ausstellung im Heine-Institut und im K\u00f6lnischen Stadtmuseum werden rund 60 Veranstaltungen aus Kunst, Musik, Literatur, Theorie und Film stattfinden. 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