{"id":65208,"date":"2022-01-21T00:01:21","date_gmt":"2022-01-20T23:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65208"},"modified":"2022-02-17T13:35:49","modified_gmt":"2022-02-17T12:35:49","slug":"die-sekunde-des-ballspielers-oder-der-gegenfuessler-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/21\/die-sekunde-des-ballspielers-oder-der-gegenfuessler-2\/","title":{"rendered":"Die Sekunde des Ballspielers oder Der Gegenf\u00fc\u00dfler"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em>Solang du Selbstgeworfnes f\u00e4ngst, ist alles <br \/>Geschicklichkeit und l\u00e4\u00dflicher Gewinn -; <br \/>erst wenn du pl\u00f6tzlich F\u00e4nger wirst des Balles, <br \/>den eine ewige Mit-Spielerin <br \/>dir zuwarf, deiner Mitte, in genau <br \/>gekonntem Schwung, in einem jener B\u00f6gen <br \/>aus Gottes gro\u00dfem Br\u00fccken-Bau: <br \/>erst dann ist Fangen-K\u00f6nnen ein Verm\u00f6gen, &#8211; <br \/>nicht deines, einer Welt. <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em>Und wenn du gar <br \/>zur\u00fcckzuwerfen Kraft und Mut bes\u00e4\u00dfest, <br \/>nein, wunderbarer: Mut und Kraft verg\u00e4\u00dfest <br \/>und schon geworfen h\u00e4ttest&#8230;.. (wie das Jahr <br \/>die V\u00f6gel wirft, die Wandervogelschw\u00e4rme, <br \/>die eine \u00e4ltre einer jungen W\u00e4rme <br \/>hin\u00fcberschleudert \u00fcber Meere -) erst <br \/>in diesem Wagnis spielst du g\u00fcltig mit\u2026\u2026<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em>R.M. Rilke 21.1.1922<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dies ist die kurze Geschichte einer lebenslangen Spur, <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>fixiert an einem beliebigen Peripheriepunkt des Ged\u00e4chtnisses, <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>gespiegelt zum immer genau gegen\u00fcberliegenden Erinnerungsort der kreat\u00fcrlichen Welt.\u00a0 <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Immer ist es die Spur, deren Herkunft sich aus Vergangenem n\u00e4hrt und formt. <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Spur, die zu etwas anderem wird, heute in diese Geschichte geschickt. <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Angestrahlt bleiben die vom heftigen Suchen gel\u00f6schter Spuren entstellten Kopien jener Personen, deren Originale in abgedunkelten Gelassen eingefroren, <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>vor schwer belastenden Erfahrungen und Erwartungen gesch\u00fctzt sind, <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>bis die von ihnen ausgel\u00f6ste L\u00f6schung auch sie erreicht hat.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dies ist die Ablichtung des Selbstbespiegelten, der das Gleichgewicht seiner Freiheiten ausbalanciert.\u00a0 <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der ein\u00a0 Ball schlagender Spieler deiner Geschichte, meiner Geschichte,\u00a0 ohne Ende ist. Denn sein Ende ist so offen wie die Freiheit. <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein in trockener K\u00e4lte zersplitternder Wintertag im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends: Das <em>Inbild<\/em> des Ballspielers auf dem Hartplatz, dem Aschenplatz ist bestrahlt, umh\u00fcllt, durchflutet und gek\u00fcsst von Morgensternen, Mittagsnebeln, Abendsonnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem roten Ziegelterrain trainiert er; misst mit seiner Sprungkraft den Platz aus: im isabellfarbenen Licht desfr\u00fchen Morgens. Federndes Leichtgewichtspiel in gut gepolstertem Schuhwerk.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Von ferne sieht man ihn tanzen mit seinem Ball. Der, noch von Zauderhand gegen den roten Grund geschlagen, ins Fangen einer Zauberhand zur\u00fcckspringt. Liebebed\u00fcrftiges Tierchen, das sich durch nur kurze F\u00fchlungnahme der N\u00e4he <em>seines<\/em> Menschen versichert.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Spieler ist allein, er fragt nicht nach den Anderen. Schl\u00e4friges Funktionieren. Noch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis jetzt hat er noch nicht <em>sein<\/em> Gef\u00fchl f\u00fcr den Stoff gefunden, dessen ledern gespannte Porung seiner Haut verwandt ist. Und noch keinen Herzschlag lang verbindet sich die Arbeit seiner Organe mit dem anschwellenden Puls dieses kompakten kleinen Tieres, das unter seinen schlagenden H\u00e4nden h\u00f6her und h\u00f6her springt. Wenn der Spieler sich auch zun\u00e4chst tr\u00e4ge entfernt vom h\u00f6rweiten Gefl\u00fcster der Spielregeln, so l\u00e4uft er dem Ding doch nach, das er so lange traktiert, bis er es ins Auffgefangenwerden zur\u00fcckzwingt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er steht vorn\u00fcber gebeugt; er hat den Ball im Vorpreschen noch greifen und gegen seine Brust pressen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst jetzt erwacht er wirklich. Ist ihm bewusst, dass er den Ball an sich herangezogen hat \u00e4hnlich einer langen, selbstbeobachtenden Bewegung auf \u201eein Geliebtes\u201c zu, das man begehrt?\u00a0 Der Ballspieler w\u00fcnscht nichts mehr, als diese Stellung zu halten, in der er \u2013endlich &#8211;\u00a0 erwacht ist:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDa, wo meine H\u00e4nde in meine Liebe hinein greifen, istW\u00fcste.\u201c<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Globus schmiegt sich mit seinen Eispolen kalt in die H\u00f6hlung destief gebeugten Leibes.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwo hinter ihm knirscht das Gitter des Tores zum Platz hin, der Trainer n\u00e4hert sich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Spieler vernimmt eine <em>runde<\/em> Bewegung, die er in der Vorstellung blitzartig zum Kreis komplettiert.\u00a0 Er w\u00fcnscht, der Trainer k\u00f6nne rund laufen mit dem Tor, immer und immer in den roten Grund des Ascheplatzes seinen Radius markierend.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dies ist eine Fixierung der Leidenschaft, auch eine photosynthetische Geschichte vom Leiden an seiner Freiheitssehnsucht,die sich nicht entz\u00fcndet an Gegenseitigkeit. Immer ist es das Eigene und M\u00e4chtige des Anderen, das fern von allem F\u00fcnkchen\u00fcberspringen vorzeitig in Selbstverz\u00fcckung gl\u00fcht.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch immer h\u00e4lt er den Ball an sich gepresst. Von ferne entzifferbar als Haltung kurz vor einem erneuten Ballwurf, wagt der Spieler nicht, seine Inst\u00e4ndigkeit nur ein wenig zu ver\u00e4ndern. Er will\u00a0 nicht den Fluss seiner Sympathie, eine immer fixer werdende Gr\u00f6\u00dfe, die dem Ball an seiner Brust entgegenstr\u00f6mt, nicht gef\u00e4hrden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Angetastet von ersten vagen Sonnenstrahlen, hat f\u00fcr ihn das, was er an sich gedr\u00fcckt h\u00e4lt, <em>umfangend sein Rund und sein Warmes<\/em>, jede vertraute Gegenst\u00e4ndlichkeit verloren, die es allein einem deutlicher werdenden Gef\u00fchl gestattete, <em>handgreiflich<\/em> zu werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Von weitem nimmt man den Ballspieler als die konturenlose Aquarellzeichnung eines Schmerzgekr\u00fcmmten wahr, sein Leib gebogen \u00fcber ein seltsam elastisches, organisch anmutendes <em>Rund<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Je unfasslicher, fremder die Melodie des Begehrens auf den straff gespannten Sehnen der Lust spielt, desto weniger gelten noch Minen- und Muskelspiel. Der Ballspieler ist <em>Z u s t a n d<\/em> , eine unaufhebbare Erinnerung, Augenblick endg\u00fcltiger Ausstrahlung einer unkorrigierbaren Erinnerungskontur. Sie stellt den Wert der Fotografie eines erwartungsvollen (fast ein wenig l\u00e4cherlich wirkenden) Br\u00e4utigams dar, der sich gelenkig fast bis zum Nabel beugt, um das Haar seiner schlafenden Braut vorsichtig zu k\u00fcssen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er l\u00e4sst seine Lippen bald \u00fcber salzene Kristalle, bald \u00fcber kleine, l\u00e4cherlich kleine, Feuer verspritzende Vulkane, bald \u00fcber sanft \u00fcberschwemmte Flussufer, bald \u00fcber schweigsame Schneegebirge, \u00fcber unruhig angerissene Gro\u00dfstadtprofile gleiten. Alles ist Oberfl\u00e4che, woran er r\u00fchrt und womit er ber\u00fchrt ist, ergebene Oberfl\u00e4che, gleichm\u00e4\u00dfig beleuchtet und ausgedehnt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das l\u00e4sst er gew\u00e4hren, das in ihm kurz aufscheinende, scharf umrissene Bild von sich, das, so ganz und gar unsportlich und dem\u00fctig, gegen ihn verwendet werden kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er vernimmt das profane Knurren seines Magens, eine Vibration, geleitet von Haut zu Haut.\u00a0 Heute wird er, ein Verliebter, nichts essen, wird den sp\u00e4ter kaum erinnerbaren Rest des Tages in der Unerreichbarkeit seiner belanglosen privaten Sph\u00e4re zubringen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Morgen werden folgen, in denen die Atemluft, verdichtet, gepresst von Trainerkommandos und ohnm\u00e4chtig gleitendem Zuschauerbeifall, exakt berechnet sein will, in zerdehnten Stunden der Anstrengung, zwischen denen er leichtf\u00fc\u00dfig von spielerischer Pr\u00e4senz zu unkorrigierbarer Aufzeichnung wechselt, von der Ansage bis zum Abspiel all seiner Bewegungen, die einander logisch fortsetzen: modelliert und eingefroren sind sie nach jedem Spiel in der Zeit zur kompakt geschichteten Konserve des ewigen Ballspielers.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Herz des Ballspielers rast.\u00a0 Er sehnt sich nach dem Gegendruck, der die \u00fcberdehnte Spannung beruhigt, wenn sich Fremdes gegen Fremdes presst und es zu str\u00f6men beginnt zwischen beidem: jetzt ein Knistern zwischen zwei Freiheiten, das gleichm\u00e4\u00dfig w\u00e4rmend, im augenblicklich einsetzenden Aufatmen der Erleichterung &#8211; licht und von vage fl\u00fcsternden Stimmen get\u00f6nt &#8211; um den (einen Fremdk\u00f6rper umschlie\u00dfenden) Fremdk\u00f6rper gezeichnet ist, ein knisterndes Eindringen in jene Leerzonen, die einmal Abstand bezeugten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gewicht seiner Zuneigung kennt kein Ma\u00df, der Ball selbst ist der Name f\u00fcr seine Zuneigung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein k\u00fchler Windzug durchweht die verletzbare Transparenz des Ballspielers. Er verstrahlt\u00a0 in seiner unver\u00e4ndert gekr\u00fcmmten Haltung etwas von einem Wartenden, \u00fcber den sein Trainer am Rande des Spielfeldes sp\u00e4ter sagen wird, sein Klient habe etwas vorl\u00e4ufig Modellhaftes verk\u00f6rpert, das ihn zugleich angezogen und abgesto\u00dfen habe. Er sei ihm wie nackt vorgekommen, eben ein <em>Modell<\/em>, das zitternd im eisigen Raum seiner Abbildbarkeit, unmerklich der W\u00e4rme des grell eingeschalteten Scheinwerfers entgegenger\u00fcckt sei.\u00a0 Sein Schatten aber habe sich verkleinert, und dessen Aura habe sich aufgel\u00f6st: aus einer unentschiedenen Entgleisung in Mischfarben sei sie in die von K\u00f6rperger\u00fcchen \u00fcbergegangen. Deutlich habe er den unverwechselbaren Schwei\u00dfgeruch seines Klienten wahrgenommen, der ihn h\u00e4tte infolge des gro\u00dfen Abstandes gar nicht erreichen k\u00f6nnen: \u201eMir schien es, als verdunstete dort dr\u00fcben eine Qualifikation.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich befindet sich jetzt der Ballspieler in einem Zustand der \u00dcbererregung: Pl\u00f6tzlich wei\u00df er, er ist nicht allein, nie ist er allein gewesen! Ein Anderer hat immer mitgespielt, einer, der alle B\u00e4lle aufgefangen hat, die ihr Ziel bisher verfehlt hatten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie er steht der Andere im isabellfarbenen Licht eines winterlichen Morgens: bestrahlt, umh\u00fcllt, durchflutet und gek\u00fcsst von Morgensternen, Mittagsnebeln, Abendsonnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein sehr schnell im Kreis bewegter Gegenstand, der im Stadium h\u00f6chster Geschwindigkeit als unbewegt wahrgenommen wird. Die \u00dcberlagerung und Deckung eines in \u00dcbergeschwindigkeit vollf\u00fchrten Austausches von zwei, einander in allen Zusammensetzungen gleichenden Gesch\u00f6pfen. Materiales Echo ihrer Spiegelbilder auf der stets entgegengesetzten Seite ihres Meridians. Zwei vollkommene Freiheiten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Da steht der Andere, vorn\u00fcber gebeugt, die Ellenbogen gegen die H\u00fcfte gepresst, zum Rund die Arme ge\u00f6ffnet, in Auffangstellung die H\u00e4nde gespreizt, lauernd den Blick nach oben gerichtet, schwankendes Ausbalancieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Steinwurf entfernt vom Aschenplatz auf dem offenen Brachfeld, wagt ein gro\u00dfer Kr\u00e4henvogel, &#8211; eine Dohle-?- das bin ich, seltsam ungelenk menschlich geformte Schritte. <em>Bis er, aufblickend aus der Sinnlosigkeit ziellos gespreizten Gehens, die drohend gespannte Gestalt des Anderen wahrnimmt, vom Boden abfedernd im letzten Moment die F\u00e4nge ausbreitend, unaufh\u00f6rlich fl\u00fcgelschlagend vergessen haben muss, dass er davonfliegen k\u00f6nne<\/em>. Sein Fl\u00fcgelschlagen erinnert an das Knistern vor brennendem, trockenem Holz. Ein wiederkehrendes Ger\u00e4usch von Verlassenheit in einer Landschaft ohne verl\u00e4ssliche Geometrie.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann st\u00fcrzt sich der Vogel in die H\u00f6he, st\u00fcrzt, als rei\u00dfe ihn etwas hoch in dieses unabschaltbare Grau des fr\u00fchen Morgens, durch das nun schwaches Sonnenlicht gestreut ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es spielt keine Rolle, <em>wer<\/em>, einer sch\u00fctzt den Ball mit seinem K\u00f6rper; jeder verk\u00fcrzt das Leben des Anderen um die Zugabe seiner eigenen Geschichte, die vielleicht immer <strong>ein <\/strong>Gegen\u00fcber besessen, umspannt, verursacht hat. Ich habe es aufgeschrieben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ballspieler richtet sich auf, rei\u00dft die Arme hoch \u00fcber den Kopf. In Zeitlupe lie\u00dfe sich recherchieren, dass dieser Ballspieler die Anstrengung des Sisyphos in den Triumph des Atlas hoch rei\u00dft, bevor er ihn mit einem leichten Federn des ganzen K\u00f6rpers von sich schleudert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Trainer am Spielfeldrand ist sich nicht sicher, ob der Ball \u00fcberhaupt geflogen ist. Er hat nur die vollendete K\u00fcr des Abwurfs wahrgenommen und als Trainingserfolg f\u00fcr sich verbucht. Er schlendert zum beheizten Trainingsraum, um Handt\u00fccher und Mineralwasser bereitzustellen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im schmerzhaft kalten Morgen richtet der Gegenspieler sich auf, t\u00e4nzelnd auf Zehenspitzen in winzigen Schritten; gestreckt reichen seine Fingerspitzen an die Grenzen des Lichtes.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Ballspieler auf dem Aschenplatz erinnert sich der k\u00fcnftigen Zeit, die unstillbar durch seinen K\u00f6rper kreist.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Ball unterwegs ist, verweilen sie, Werfer und F\u00e4nger, mit erhobenen Armen und die Finger auseinandergespreizt, ein wenig gekr\u00fcmmt, ein wenig nach innen gedreht, schwankend, vibrierender Taumel hellwach.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sie jetzt den Halt verlieren, st\u00fcrzen sie ineinander, geprellt vom Sog ihrer runden Welt, in ungefundener Umarmung, an der Peripherie ihres Ged\u00e4chtnisses, ihrer Freiheit.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_19507\" style=\"width: 309px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Angelika-Janz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19507\" class=\"size-full wp-image-19507\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Angelika-Janz.jpg\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"253\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19507\" class=\"wp-caption-text\">Angelika Janz<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36409\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a>, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz \u00fcber den Zyklus <em>fern, fern<\/em> gef\u00fchrt hat. Vertiefend ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber ihre interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin<\/em>. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/asthetische-prothetik\/\">Ann\u00e4herung<\/a> an die visuellen Arbeiten von Angelika Janz. Und nicht zuletzt, Michael Gratz \u00fcber Angelika Janz\u2018<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/freiraum\/\"> tEXt bILd<\/a><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solang du Selbstgeworfnes f\u00e4ngst, ist alles Geschicklichkeit und l\u00e4\u00dflicher Gewinn -; erst wenn du pl\u00f6tzlich F\u00e4nger wirst des Balles, den eine ewige Mit-Spielerin dir zuwarf, deiner Mitte, in genau gekonntem Schwung, in einem jener B\u00f6gen aus Gottes gro\u00dfem Br\u00fccken-Bau: erst&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/21\/die-sekunde-des-ballspielers-oder-der-gegenfuessler-2\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":53,"featured_media":97863,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[918],"class_list":["post-65208","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-angelika-janz"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/53"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65208"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65208\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97866,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65208\/revisions\/97866"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97863"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}