{"id":65096,"date":"2020-05-30T00:01:00","date_gmt":"2020-05-29T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65096"},"modified":"2021-11-16T13:46:57","modified_gmt":"2021-11-16T12:46:57","slug":"lichtstreifen-wanderten-uber-die-bucherregale","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/30\/lichtstreifen-wanderten-uber-die-bucherregale\/","title":{"rendered":"Lichtstreifen wanderten \u00fcber die B\u00fccherregale"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sag mir etwas, das nicht verschwindet. Was war, ist weggeraten. Auf der Hand klebt der Gedanke den Fl\u00fcgelschlag eines Vogels lang.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alfred Kolleritsch<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div id=\"attachment_65097\" style=\"width: 203px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65097\" class=\"wp-image-65097 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Alfred_Kolleritsch-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Alfred_Kolleritsch-193x300.jpg 193w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Alfred_Kolleritsch-260x403.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Alfred_Kolleritsch-160x248.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Alfred_Kolleritsch.jpg 303w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><p id=\"caption-attachment-65097\" class=\"wp-caption-text\">Alfred Kolleritsch. Photo: Dnalor 01<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lyriker und Romanautor Alfred Kolleritsch machte Graz f\u00fcr eine Weile zum Zentrum der deutschsprachigen Literatur. 1959 war er Mitbegr\u00fcnder und von 1968 bis 1995 Pr\u00e4sident des Forum Stadtpark in Graz. 1960 gr\u00fcndete er eine der wichtigsten \u00f6sterreichischen Literaturzeitschriften, die <em>manuskripte<\/em>, als literarische Plattform des Forum Stadtpark, in der er vor allem experimentellen Autoren eine M\u00f6glichkeit der Ver\u00f6ffentlichung bot und die er zuletzt mit Andreas Unterweger herausgab. Dies war in der Gr\u00fcndungszeit ein gewagtes Unterfangen. Zuerst erschienen die <em>manuskripte<\/em> dreimal, dann viermal pro Jahr. Einen \u201ebegleitenden Lernprozess\u201c f\u00fcr das eigene Schreiben nannte Kolleritsch r\u00fcckblickend die Arbeit an der Zeitschrift, geschult sicherlich auch an der Notwendigkeit, zahlreiche Textangebote abzulehnen \u2013 wer auf diese Weise den eigenen kritischen Blick schult, wird ihn auch an die eigenen Texte anwenden m\u00fcssen. Bereits ein Jahr nach der Gr\u00fcndung waren neben der \u201eGrazer Gruppe\u201c auch Autoren der \u201eWiener Gruppe\u201c mit ihren Arbeiten in den <em>manuskripten<\/em> vertreten. Der Autorenkreis erweiterte sich von Jahr zu Jahr und ab 1976 fanden auch Symposien statt. Seit 1995 sind die <em>manuskripte<\/em> unabh\u00e4ngig vom Forum Stadtpark und werden vom \u201emanuskripte Literaturverein\u201c herausgegeben. Kolleritsch verhalf mit den <em>manuskripten<\/em> Autoren wie Barbara Frischmuth, Klaus Hoffer, Gert Jonke, Helmut Eisendle, Gerhard Roth, Peter Handke und Elfriede Jelinek.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Es gibt, glaube ich, keinen, der sich im Schreiben der Vorl\u00e4ufigkeit so bewu\u00dft ist wie Kolleritsch. [\u2026] Denn dieser Schriftsteller zwingt uns garantiert zu nichts, er zeigt uns nur alles.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Elfriede Jelinek<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie seine Prosa sind Kolleritschs Gedichte h\u00e4ufig r\u00e4tselhaft und dunkel, bohrend und nachdenklich, versuchen sie der Welt gleichermassen denkend wie betrachtend auf den Grund zu gehen. F\u00fcr seinen dem Gedichtband \u201eEin\u00fcbung in das Unvermeidbare\u201c, f\u00fcr den der Grazer 1978 den Petrarca-Preis verliehen bekam (sein alter Kumpel Handke sa\u00df in dessen Jury), sp\u00e4ter erhielt er f\u00fcr sein lyrisches Gesamtwerk auch den Georg-Trakl-Preis. Gestern starb er in Graz.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\u00a0<\/div>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-85404\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften.jpg 229w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften-196x300.jpg 196w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Hadayatullah-Hu\u0308bschlittle-mags-Unabha\u0308ngige-Literaturzeitschriften-160x245.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/><\/a><\/strong><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sag mir etwas, das nicht verschwindet. Was war, ist weggeraten. Auf der Hand klebt der Gedanke den Fl\u00fcgelschlag eines Vogels lang. 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