{"id":6507,"date":"2012-07-29T00:23:10","date_gmt":"2012-07-28T22:23:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6507"},"modified":"2019-10-05T14:54:41","modified_gmt":"2019-10-05T12:54:41","slug":"rotor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/29\/rotor\/","title":{"rendered":"Rotor \u2022 Revisited"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der D\u00fcsseldorfer Mu<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/kriwet-500-5acf6006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6512\" title=\"kriwet-500-5acf6006\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/kriwet-500-5acf6006.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/kriwet-500-5acf6006.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/kriwet-500-5acf6006-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>ltimedia-K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ferdinand_Kriwet\">Ferdinand Kriwet<\/a> erarbeitete formalistische Werke aus den Bereichen Grafik, Film, Literatur, H\u00f6rspiel und Kunst am Bau die sich innerhalb der jeweiligen Konventionen und Genregrenzen ihres Mediums bewegten. Kriwet zeigt eine bemerkenswerte Stringenz im Umgang mit Sprache, Form- und Farbgebung. Davon konnte man sich im Fr\u00fchjahr 2011 w\u00e4hrend der <a href=\"http:\/\/www.kunsthalle-duesseldorf.de\/index.php?id=112\">Retrospektive \u201cKRIWET \u2013 Yester\u2019n&#8217;T<\/a><a href=\"http:\/\/www.kunsthalle-duesseldorf.de\/index.php?id=112\">oday\u201d<\/a> in der Kunsthalle D\u00fcsseldorf \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Meister des O-Tons<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wir existieren, weil wir kommunizieren. Wir leben, indem wir kommunizieren. Zeitliche und r\u00e4umliche Distanzen \u00fcberwindend, benutzen wir zur Kommunikation neben der gesprochenen Sprache vornehmlich die Zeichen der Schrift in allen Dimensionen. In Erg\u00e4nzung der auf nur wenige Zeichen beschr\u00e4nkten normierten Buchstabenschrift, in Erg\u00e4nzung des Alphabets, bedienen wir uns im Alltag permanent erg\u00e4nzender, unterst\u00fctzender schriftunabh\u00e4ngiger Sichtzeichen zur Verst\u00e4ndigung. Wir sehen uns an. Wir sehen aneinander vorbei und \u00fcbersehen einander. Wir schlagen die Augen nieder und rei\u00dfen sie auf. Wir lachen, schmollen, weinen, werden bla\u00df und rot&#8230; Wir verneigen uns voreinander und in die Himmelsrichtungen, in denen wir unsere jeweiligen G\u00f6tter vermuten.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/41Qr4+doNAL._SL160_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6522\" title=\"41Qr4+doNAL._SL160_\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/41Qr4+doNAL._SL160_.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"131\" \/><\/a>Wir spucken aus. Wir k\u00fcssen einander. Wir k\u00fcssen die heilige Erde, den geweihten Ring, den Fu\u00df, den Altar, das Foto, den Fetisch, die Fahne. Wir stehen aufrecht. Wir stehen stramm. Wir schreiten. Wir tanzen. Wir knien. Wir zittern. Ringe verbinden uns, bis der Tod uns scheidet. Wir z\u00e4hlen mit Punkten, Kugeln, Perlen und Strichen. Wir machen unser Kreuz auf Wahl- und Totoscheine. Wir entwerten Sparb\u00fccher, Ausweise, Fahrkarten durch L\u00f6cher. Wir sind linientreu. Wir folgen unterbrochenen und ununterbrochenen Linien, Richtungspfeilen und Leitplanken im Verkehr. Wir \u00fcbertreten Bannmeilen und Grenzen. Wir befolgen rote, gelbe und gr\u00fcne Lichtsignale. Wir verbrennen B\u00fccher, Puppen und Menschen. Wir entz\u00fcnden Fackeln, Kerzen und Olympische Feuer. Wir weihen Wasser und sprengen es \u00fcber Menschen und Waffen. Wir schlagen das Kreuzzeichen und folgen dem Hakenkreuz. Wir k\u00e4mpfen mit roten, schwarzen, farbigen Fahnen und ergeben uns mit einem wei\u00dfen Tuch. Wir trinken Christi Blut und essen seinen Leib. Wir errichten Triumphb\u00f6gen, Pyramiden, Obelisken, Freiheitsstatuen, Kathedralen, Fernseht\u00fcrme. Wir frankieren unsere Briefe mit Marken und tauschen Geld in M\u00fcnzen und Scheinen. Wir signieren Schecks, Briefe, Vertr\u00e4ge und hinterlassen Fingerabdr\u00fccke in den Karteien. Wir kritzeln Erotika und Sadistika, Telefonnummern und Treffs auf Pissoirw\u00e4nde und Himmel und H\u00f6lle auf Schulh\u00f6fe. Wir ritzen Namen und Herzen und Pfeile in Baumrinden und Schulb\u00e4nke. Wir brennen Tieren, Waren und Menschen Besitzzeichen und Kennzeichen ein. Wir stempeln Dokumente und Konsumg\u00fcter. Wir schminken und schm\u00fccken uns. Wir tragen Federn an den H\u00fcten und G\u00fcrtel um die H\u00fcften. Wir geben den Gegenst\u00e4nden, den Farben, den Formen, den Zeiten, den Richtungen, den Gesten und Bewegungen Bedeutung. Wir tragen wei\u00dfe Kleider als Zeichen der Unschuld zur Hochzeit und schwarze Kleider als Zeichen des Todes zur Trauer. Rot sind der Kommunismus, die Liebe und das Blut. Wir fasten an Fastentagen, gedenken an Gedenktagen, feiern an Feiertagen. Rechts ist gut und links ist b\u00f6se. Wir steigen auf. Wir steigen ab.&#8220; (aus COM.MIX von Ferdinand Kriwet 1972)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Revisited<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/220px-Text-Teller1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6509\" title=\"220px-Text-Teller\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/220px-Text-Teller1.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"194\" \/><\/a>1961 erschien Ferdinand Kriwets Erstlingswerk, die Prosadichtung <em>Rotor<\/em>, der Monolog eines drauflos plappernden jugendlichen Ichs. Im Redefluss angeschwemmte Kindheitserinnerungen, Erinnerungen an Freunde oder Deutschlandbilder werden von diesem Ich sogleich verarbeitet: zerlegt, gedreht, gewendet und neu kombiniert, als ginge es immerfort um Leben und Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eErinnerung \u00fcbt sich ein, nicht um Ged\u00e4chtnis aufzubauen, sondern um den Verlauf von Rede, ihre eigent\u00fcmliche haltlose Dauer zu erm\u00f6glichen. Eine Erinnerung um der puren Rededimension willen.\u201c (Notizen beim Lesen, Franz Mon 1961).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gilt bei <em>Rotor<\/em> das Prinzip &#8222;durchreden&#8220; &#8211; komme, was wolle: &#8222;auch ein wortweltmeister schafft dichtung auf ex&#8220;, &#8222;durchreden&#8220; verhindert hoffentlich &#8222;durchdrehen&#8220;, schlie\u00dflich ist &#8222;durchstehn&#8220; &#8222;alles&#8220;. Interpunktion er\u00fcbrigt sich. \u2028\u2028Rotor ist stets in Bewegung, auch wenn die Bewegung manchmal nach Stillstand aussieht. \u2028Der Sprecher rotiert und mit ihm der Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">DeutschlandRadio Kultur, heute ab 18.30 <em>Rotor<\/em>, Regie: Ferdinand Kriwet \u2028Mit: Max Woithe, Janusz Kocaj, Janus Torp, Marian Funk, Ilja Pletner, \u2028Ton: Alexander Brennecke\u2028, Produktion: DKultur\/WDR 2012\u2028, Spieldauer: 39&#8243;09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss: \u2028\u2028&#8220;BeatTheater 2011&#8243; \u2028Von zeitblom und wittmann, \u2028H\u00f6rcollage in 10 Formteilen nach einem Expos\u00e9 (1964) von Ferdinand Kriwet\u2028, Produktion: DKultur 2011.\u2028 (Spieldauer: 49&#8243;14)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab dem 29. Juli 2012, 20.00 Uhr wird das Audio von <em>Rotoradio<\/em> zum Nachh\u00f6ren <a href=\"http:\/\/www.wdr3.de\/hoerspiel\/details\/28.07.2012-15.05-rotoradio.html\">hier<\/a> f\u00fcr sieben Tage bereitstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der D\u00fcsseldorfer Multimedia-K\u00fcnstler Ferdinand Kriwet erarbeitete formalistische Werke aus den Bereichen Grafik, Film, Literatur, H\u00f6rspiel und Kunst am Bau die sich innerhalb der jeweiligen Konventionen und Genregrenzen ihres Mediums bewegten. 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