{"id":65046,"date":"2012-10-10T00:01:19","date_gmt":"2012-10-09T22:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=65046"},"modified":"2022-02-21T05:16:01","modified_gmt":"2022-02-21T04:16:01","slug":"aus-doppelhimmel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/10\/aus-doppelhimmel\/","title":{"rendered":"aus DOPPELHIMMEL"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Janus schlief schnell ein an diesem Abend. Er tr\u00e4umte sich wieder gesund. Eine glei\u00dfende Lampe, sch\u00f6n wie ein gefrorener Blitz, h\u00e4ngt mitten im Raum ohne W\u00e4nde. Lange Tische und St\u00fchle stehen auf weiter, leerer Parkettfl\u00e4che. Auf einmal tauchen aus der Luft viele Menschen auf, die er nicht kennt. Janus steht mitten unter ihnen. Er h\u00f6rt keine Musik, und er sieht kein Fest. Die Menschen um ihn herum gestikulieren wie Reisende im Bahnhof, aber sie reden nicht. Pl\u00f6tzlich tanzt er, ganz allein. Sein Tanz wird schneller, seine Arme und Beine singen wilder, er tanzt auf einer leeren weiten Fl\u00e4che, keiner sieht zu ihm her\u00fcber, aber er sieht sich selber zu. Er sieht gl\u00fchende Eislichter, die Welt rings um ihn her leuchtet heller, er sieht Landschaften vor sich, die ihn vor lauter Sch\u00f6nheit schwerer atmen lassen. Sind die W\u00e4nde umgest\u00fcrzt mit aufgemalten K\u00f6rpern? Er tanzt und hat wei\u00dfe Sterne im Kopf. Auf einmal tanzt er zusammen mit anderen, und allm\u00e4hlich wird der Rhythmus der Schritte Musik. In die leere Weite des Raums kommt Leben. Die Landschaft verschwindet, ihre Farben bleiben. Die Musik ist eins mit der Bewegung aller K\u00f6rper. Dann Stille. Janus steht stumm und blickt in dunkle, ruhige M\u00e4dchenaugen. Sie sagt kein Wort. Sie nimmt ihn in ihre Arme und geht mit festem Schritt in ihn hinein. Sie tanzen. Er sieht nur sie, er sp\u00fcrt den Boden unter den F\u00fc\u00dfen nicht, die Zeit verschwindet in den wei\u00dfen Sternen. Er rei\u00dft das M\u00e4dchen fest an sich, er hebt sie vom Boden und wird dann selbst mit ihr empor gerissen. Sie drehen sich im Wirbel, landen wieder auf den F\u00fc\u00dfen, tanzen weiter, bald ruhiger, langsamer \u2013 dann l\u00e4sst er sie los. Sie sieht mit ernsten Augen in ihn hinein. \u201eDa ist nichts\u201c, sagt Janus, \u201eda sind nur meine wei\u00dfen Sterne.\u201c Der Tanz bricht ab. Die Farben verl\u00f6schen. Die Musik verstummt. Er kann ihren Blick nicht lesen. Die Gesellschaft bricht auf. Tonlos gehen die Leute auseinander. Janus sitzt auf den Stufen einer gro\u00dfen Treppe in der Nacht, und die wei\u00dfen Sterne sind wieder \u00fcber ihm. Er h\u00f6rt, wie die Leute gehen und letzte Worte wechseln. Bald kommt der Morgen, und die graue Stadt dehnt sich. Dann will er nicht mehr denken. Dann will er schlafen. Da f\u00fchlt er eine Hand auf seiner Schulter. Er dreht sich um und greift mit seinen Augen ins Leere. Nun kommt die Hand zu der anderen Schulter, beide H\u00e4nde umfassen seinen Hals, k\u00fchle Haare fallen \u00fcber seine Stirn. Da sehen ihm zwei dunkle Augen in die Augen. \u201eIch will deine wei\u00dfen Sterne\u201c, sagt das M\u00e4dchen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Doppelhimmel<\/strong>, Roman von Ulrich Bergmann. Free Pen, Bonn 2012<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"307\" class=\"wp-image-65047\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Doppelhimmel_Cover.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Doppelhimmel_Cover.jpeg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Doppelhimmel_Cover-195x300.jpeg 195w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Doppelhimmel_Cover-160x246.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>. Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> auch den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel, sowie seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a> zum Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper.<\/em><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Janus schlief schnell ein an diesem Abend. Er tr\u00e4umte sich wieder gesund. Eine glei\u00dfende Lampe, sch\u00f6n wie ein gefrorener Blitz, h\u00e4ngt mitten im Raum ohne W\u00e4nde. Lange Tische und St\u00fchle stehen auf weiter, leerer Parkettfl\u00e4che. 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