{"id":64995,"date":"2005-10-07T00:01:49","date_gmt":"2005-10-06T22:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=64995"},"modified":"2021-10-24T05:46:16","modified_gmt":"2021-10-24T03:46:16","slug":"artiqlierte-denkspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/10\/07\/artiqlierte-denkspiele\/","title":{"rendered":"artIQlierte Denkspiele"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Rhetorische Decodierung des lyrischen Ichs<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Studioarbeit geht es Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni um ein Stimmenh\u00f6renschreiben. Bei seinen Rede- und Suchgedichten konzentriert sich Weigoni beim Rezitieren auf die nackte Stimme. Es ist ein Textkonzert, die Partitur ist Sprache. Tom T\u00e4ger stellt sie auch bei dieser Aufnahme im Tonstudio an der Ruhr ganz in den Vordergrund. Gleichzeitig l\u00f6st sich die Sprache in den Gedichten in ihre Einzelheiten auf. Dieser Sprechsteller hat beim Schreiben das H\u00f6ren im Blick und beim und Sprechen das Auge im Ohr. Er l\u00e4\u00dft die Distanz zwischen Sprache und Gedanken schrumpfen, dass die sich daraus ergebende Transparenz des Verfahrens es erlaubt, dass sich die Unterschiede zwischen Gattungen aufheben. Heiner M\u00fcller hat sinngem\u00e4ss gesagt, Autoren m\u00fcssen dem H\u00f6rere mit ihren Texten Widerstand entgegensetzen, es sei ihre Pflicht zu \u00fcberfordern. Der Widerstand, den die Materialit\u00e4t eines Textes leistet, bietet sich eben auch als Material f\u00fcr Sprecher. Dort, wo etwas pr\u00e4zise gebaut ist, zwingt es, gegen den Schlendrian eine klare Haltung einzunehmen, die dazugeh\u00f6rige Form ist zu erfinden. Man kann dieses Kompositum als Polyphonie h\u00f6ren, eine Art Wortkonzert, ein auf- und abschwellender Klagegesang \u00fcber den Verlust des Individuums. Es geht um Stimmen und ihr Spiel, ein Aus-Sprechen, das die Kulturgeschichte von Klang und Ton gleichsam mitatmet.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wir schwimmen im Meer der Radiowellen<\/em> <\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">schrieb Marshall McLuhan 1968 in &#8222;Die magischen Kan\u00e4le&#8220;, aber wir bemerken sie ebenso wenig wie ein Fisch das Wasser, solange er nicht an Land gezogen wird und Luft schnappt. Es ist eine T\u00fccke aller technischen Medien, dass sie sich selbst zum Verschwinden bringen, indem sie hinter den T\u00f6nen oder Bildern, die sie transportieren, in der Regel unh\u00f6rbar, unsichtbar bleiben. Weil Klang und Stimme uns direkt und emotional ansprechen, spielen sie K\u00fcnstlern in die H\u00e4nde, die ihr Publikum in Performances und Produktionen einbeziehen. Weigoni geriert sich nicht nur als poeta doctus und poeta faber, er verbindet Klang und Inhalt zu einer Poesie, die weit \u00fcber Text und Kontext hinausgeht. Bei diesem Poeten ist Sprechen ein sch\u00f6pferischer Akt, bei dem durch das Aussprechen Welt und Wirklichkeit erst entstehen. Es geht diesem Lyriker darum, mit wenigen Worten alles zu sagen. Es geht auch darum, Gef\u00fchle zu kommunizieren, ohne da\u00df Worte verst\u00e4ndlich werden. Es ist seine Methode, die Stimme als Instrument einzusetzen, nicht als Nebelhorn. Er f\u00fcgt zusammen, setzt W\u00f6rter in den Fluss, um sie danach wieder raubeinig zu trennen. Weigoni schl\u00e4gt zwar nicht auf die Luft ein, aber mit ihrer Sprache formt sie die Luft zu Kl\u00e4ngen und rhythmischen Figuren, die den Leser aus seinen vertrauten Denkmustern holen. Sine Denksch\u00e4rfe in den Schmauchspuren hat das Ziel die Logik einer poetologischen Reflexion zu sein welche die Wirklichkeit im Ausgesprochenen entdeckt. Es geht um Beweglichkeit und Bewegung. Denkbewegung und Handeln. Die artIQlierten Denkspiele sind, um es mit Georg Heyms Worten zu sagen &#8222;Neopathetisches Cabaret f\u00fcr Abenteurer des Geistes&#8220;.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gedichte<\/strong>, H\u00f6rbuch von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2005<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12663\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tttt-weigonigedichte.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"250\" \/>Lesen Sie auch die W\u00fcrdigungen von Jens Pacholsky: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16348\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">H\u00f6rb\u00fccher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters, <\/a>Holger Benkel:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11284\">rettungsversuche der literatur im digitalen raum, <\/a>Christine Kappe, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12532\">Ein Substilat<\/a>, \u00a0Sebastian Schmidts <a href=\"http:\/\/textbasis.wordpress.com\/2013\/07\/24\/der-lyrische-mittwoch-folge-17-a-j-weigoni-%E2%80%A1zwischenbefund%E2%80%A1\/\">Der lyrische Mittwoch.<\/a> Eine \u00dcbersetzung von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32798\"><em>Ichzerlegung eines Wesensfallenstellers<\/em><\/a> durch <em>Lilian Gergely <\/em>finden Sie im Literaturmagazin <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30797\">Transnational No.3<\/a> \u2013 last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6rbproben \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Probeh\u00f6ren kann man Ausz\u00fcge der <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Schmauchspuren<\/a>, von <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/neige.html\">An der Neige<\/a> und des Monodrams <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17799\">MetaPhon<\/a>. Zuletzt bei KUNO, eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rhetorische Decodierung des lyrischen Ichs In der Studioarbeit geht es Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni um ein Stimmenh\u00f6renschreiben. Bei seinen Rede- und Suchgedichten konzentriert sich Weigoni beim Rezitieren auf die nackte Stimme. 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