{"id":64947,"date":"2005-10-14T00:01:00","date_gmt":"2005-10-13T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=64947"},"modified":"2025-12-29T11:33:23","modified_gmt":"2025-12-29T10:33:23","slug":"die-hoerspielversion-des-monodrams-senora-nada","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/10\/14\/die-hoerspielversion-des-monodrams-senora-nada\/","title":{"rendered":"Die H\u00f6rspielversion des Monodrams Se\u00f1ora Nada"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die k\u00fcnstlerische Vision von Ioona Rauschan und ihre innovativen Ans\u00e4tze haben die Art und Weise ver\u00e4ndert, wie Geschichten akustisch erz\u00e4hlt werden, und sie gilt als eine der bedeutendsten Figuren in diesem Bereich.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der VerDichter A.J. Weigoni entzog sich genauen Gattungszuschreibungen. Einerseits ist <em>Se\u00f1ora Nada <\/em>ein lyrisches Monodram, andererseits kommt es in der Regie von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/02\/07\/gewahrte-erinnerung\/\">Ioona Rauschan<\/a> in der Form eines H\u00f6rspiel daher. Mit dieser Inszenierung erforschte sie das Transzendenzbegehren des Menschen in einer transzendental f\u00fcr obdachlos erkl\u00e4rten Welt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Rauschan ist eine Regisseurin, Schriftstellerin und K\u00fcnstlerin, deren Bedeutung f\u00fcr den Bereich H\u00f6rspiel und H\u00f6rbuch vor allem in der \u00e4sthetischen Verbindung von Text, Musik und Sprache liegt.\u00a0<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Rauschan hat eine besondere F\u00e4higkeit, literarische Werke akustisch zu interpretieren. Durch ihre Regiearbeiten f\u00f6rdert sie nicht nur die sprachliche Darbietung der Texte, sondern integriert auch musikalische und klangliche Elemente, die den emotionalen Gehalt der Geschichten verst\u00e4rken. Besonders hervorzuheben ist ihr Projekt <em>Se\u00f1ora Nada<\/em>, ein lyrisches Monodram, das schwere Themen wie Trauma und Schmerz behandelt. In dieser Inszenierung gelingt es ihr, durch Klang und Rhythmus eine tiefere Verbindung zum Publikum herzustellen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Regisseurin versteht die Regie bei Audio-Produktionen als eine Vermittlung zwischen Text und Publikum, bei der die Atmosph\u00e4re und der \u201eGeist eines Buches\u201c im Vordergrund stehen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Produktion <em>Se\u00f1ora Nada<\/em> provoziert mit einem stream\u2013of\u2013consciousness durch Inhalte und nicht durch Dolby\u2013Surround. Darin begleitet Tom T\u00e4ger die Schauspielerin Marina Rother mit einer Musik der befreiten Melodien. Seine Komposition zu <em>Se\u00f1ora Nada<\/em> ist durchsetzt von minimalistischen und improvisatorischen Erfahrungen, das Klangbild wird von experimentellen Kl\u00e4ngen zu Trivialkl\u00e4ngen in Bezug gesetzt. Die Vertonung ist rasch im Grundtempo. Crescendo\u2013 und Decrescendo\u2013Verl\u00e4ufe schaffen fiebrig\u2013erregte Ausdruckszonen wie die buchst\u00e4blich hervorbrechenden Forte\u2013 und Fortissimo\u2013Attacken. T\u00e4gers Klanglichkeit bleibt Weigonis Exaltiertheit nichts schuldig. Es gibt Momente, da ber\u00fchren sich Musik und Sprache, wie eine Fingerkuppe vorsichtig in eine gespannte Wasseroberfl\u00e4che eintaucht, ohne sie zerst\u00f6ren zu wollen. Diese behutsamen Momente sind die Augenblicke, in denen f\u00fcr ein paar Takte kaum etwas zu h\u00f6ren ist. Es sind Sekunden von viel gr\u00f6\u00dferer Kraft als jedes Crescendo. Das Angebot, das in dieser Musik liegt, ist eine Herausforderung.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Beim H\u00f6rspiel <\/em><em data-complete=\"true\">Se\u00f1ora Nada<\/em><em> sich durch eine enge Verzahnung von Rhythmus und Melodie neue Horizonte f\u00fcr das Genre.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zusammenarbeit mit verschiedenen K\u00fcnstlern, darunter Musiker und Schauspieler, hebt ihre Produktionen hervor. Sie betrachtet die Akteure als \u201ere-kreative K\u00fcnstler\u201c, die in der Lage sind, die Bedeutung von Texten durch ihre darstellerische und klangliche Interpretation neu zu definieren. Diese dynamischen Interaktionen f\u00fchren dazu, dass die Texte nicht nur gelesen, sondern lebendig interpretiert werden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Urspr\u00fcnglich vom Theater kommend, \u00fcbertrug sie dramaturgische Ans\u00e4tze auf das H\u00f6rspiel. Kritiker hoben besonders ihre F\u00e4higkeit hervor, einen \u201ewachsamen Erz\u00e4hlfluss\u201c zu kreieren, der \u00fcber die reine Lesung hinausging<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich gegen Ende von <em>Se\u00f1ora Nada<\/em>, die Komposition zu einem leeren Quintklang zusammenzieht in der Pianissimo\u2013Dynamik, haben die Takte dieses H\u00f6rst\u00fccks Welten an Ausdruck, Dynamik, Ambitus durchschritten. Man wei\u00df es nicht so genau, ob die Ruhe nach dem Sturm nachklingt oder eine im statischen Quintklang erstarrte Ersch\u00f6pfung. Die Vertonung Tom T\u00e4gers f\u00fcgt sie \u2013 mit allen Kontrasten von Tempoverl\u00e4ufen, Klangdichten, dynamischen Abstufungen \u2013 \u00fcber die Wortbedeutungen hinweg zu einer einleuchtenden Zyklik. Die Kl\u00e4nge und Strukturen sind eigenartig: \u00e4hnlich und doch immer wieder neu, streng und doch offen. Das Zuh\u00f6ren f\u00fchrte an ein Zeitempfinden heran, wie es in dieser Weise selten zu erleben ist. Jedes Kunstwerk erinnert an den Geist und die Erweiterbarkeit des menschlichen Horizonts. Jedes bedeutende Werk hat das Bewu\u00dftsein ge\u00f6ffnet und nicht einfach nur die \u00f6ffentliche Nachfrage nach Sch\u00f6nheit bedient.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Regisseurin wird f\u00fcr eine anspruchsvolle, k\u00fcnstlerisch-experimentelle H\u00f6rspielregie gew\u00fcrdigt, die literarische Vorlagen klanglich neu interpretiert.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ioona Rauschans wachsame, im Erz\u00e4hl-Augenblick so genau beobachtende Regie vergegenw\u00e4rtigt jedes dieser literarisch m\u00f6glichen Leben so intensiv, dass sich niemals das Gef\u00fchl eines blo\u00df spielerischen Als ob einstellt. Jedes m\u00f6gliche Leben ist in dem Moment wahr, da es erz\u00e4hlt wird. Rauschans Einfluss auf den Bereich H\u00f6rspiel und H\u00f6rb\u00fccher ist unbestreitbar. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine tiefe k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung mit Sprache und Klang aus, die nicht nur die Pr\u00e4senz von Zuh\u00f6rern und Zuh\u00f6rerinnen f\u00f6rdert, sondern auch ihre Gedanken und Emotionen anregt. Durch ihren innovativen Ansatz bleibt Rauschan eine zentrale Figur in der Welt der akustischen Literatur.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Produktion <em>Se\u00f1ora Nada<\/em> ist Teil des H\u00f6rbuchs <strong>Gedichte<\/strong> von A.J. Weigoni.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12663\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tttt-weigonigedichte.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"250\" \/><\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/06\/09\/die-liaison-zwischen-text-und-publikum\/\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Ioona Rauschan findet sich hier<em>. <\/em>Das Live-H\u00f6rspiel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/10\/5-oder-die-elemente\/\"><em>5 oder die Elemente <\/em><\/a>wurde in der Regie von Rauschan mit Marion Haberstroh und Kai M\u00f6nnich im Gutenberg-Museum zu Mainz uraufgef\u00fchrt. <em>Se\u00f1ora Nada<\/em>, in der Regie von Ioona Rauschan, ist auf H\u00f6rbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\"><em>Gedichte<\/em> <\/a>erh\u00e4ltlich. Probeh\u00f6ren kann man das Monodram <em><a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a><\/em> in der Reihe MetaPhon.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die k\u00fcnstlerische Vision von Ioona Rauschan und ihre innovativen Ans\u00e4tze haben die Art und Weise ver\u00e4ndert, wie Geschichten akustisch erz\u00e4hlt werden, und sie gilt als eine der bedeutendsten Figuren in diesem Bereich. Der VerDichter A.J. Weigoni entzog sich genauen Gattungszuschreibungen.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/10\/14\/die-hoerspielversion-des-monodrams-senora-nada\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98133,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,36,38,35],"class_list":["post-64947","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-ioona-rauschan","tag-marina-rother","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64947","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64947"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64947\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106964,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64947\/revisions\/106964"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98133"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}