{"id":64687,"date":"2008-03-01T00:01:15","date_gmt":"2008-02-29T23:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=64687"},"modified":"2023-05-28T05:55:13","modified_gmt":"2023-05-28T03:55:13","slug":"der-bonner-buecherkarren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/01\/der-bonner-buecherkarren\/","title":{"rendered":"Der Bonner B\u00fccherkarren"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom barocken Poppelsdorfer Schloss f\u00fchrt die breite Allee vorbei an den wilhelminischen H\u00e4usern \u2013 in der Mitte die breite und fast einen Kilometer lange Wiese, sie war in der Zeit, als Bonn noch Hauptstadt war, Ort gro\u00dfer Demonstrationen, links und rechts daneben die Doppelwege f\u00fcr Radfahrer und Fu\u00dfg\u00e4nger mit den Doppelreihen der alten knorrigen Kastanien, au\u00dfen die engen Kopfsteinpflasterstra\u00dfen f\u00fcr die Autos &#8230; Ich fahre abw\u00e4rts, vorbei am eisernen B\u00fccherschrank, bis zu den Gleisen der Bahn \u2013 ich steige vom Rad ab, gehe durch die kleine Unterf\u00fchrung, vorbei am kleinen\u00a0 Blumenladen, T\u00fcrkenimbiss und Schl\u00fcsseldienst unter den Gleisen. Nun steigt der Weg wieder leicht an, vor mir \u00f6ffnet sich der Kaiserplatz, auf steigt der Strahl der Font\u00e4ne im kreisrunden Becken. Rechts von mir steht stumm die Kopie eines Denkmals: Wilhelm I. im Biergarten des <em>Centro Hotels Residence<\/em>. Ich \u00fcberquere die Kaiserstra\u00dfe und fahre den Platz hinauf, vorbei an der evangelischen Kreuzkirche, bis zum oberen Brunnen &#8230;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Der B\u00fccherkarren hat schon ge\u00f6ffnet, Marion Hegner, die Antiquarin, sitzt an dem kleinen Sortiertisch in der Sonne und zeichnet neu hereingekommene B\u00fccher aus. Gegen\u00fcber der Schmalseite der Uni, einst das kurf\u00fcrstliche Schloss, rauschen die drei Font\u00e4nen des Brunnens, Autos und Linienbusse brummen vorbei, auf dem breiten Trottoir das Gewirr von Passanten vor den Gesch\u00e4ften \u2013 der Juwelier an der Ecke, die Gelateria Da Luigi, die Apotheke, der Parfumladen, der schmale Schlauch des Lotto- und Schreibwarengesch\u00e4fts, weiter unten der B\u00e4cker in der <em>Kaiserpassage<\/em> &#8230; Im Eckhaus des Juweliers wohnte zeitweise w\u00e4hrend seines Studiums an der Bonner Friedrich-Wilhelm-Universit\u00e4t der italienische Literaturnobelpreistr\u00e4ger Luigi Pirandello \u2013 eine Tafel erinnert daran. Zwischen dem Trottoir und der Mittelwiese, von der aus man das Poppelsdorfer Schloss sieht, stehen Schatten spendende B\u00e4ume, dazwischen die Tische und St\u00fchle der Bistros und Caf\u00e9s. Die Sonne steht am sp\u00e4ten Vormittag \u00fcber dem Turm der Kreuzkirche.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Nichts zu suchen war mein Sinn, als ich in Bonns \u00e4ltester und sch\u00f6nster Librairie roulante die B\u00fccher durchsehe \u2013 bis mein Auge auf Hermann Hesses <em>Geheimnisse. Letzte Erz\u00e4hlungen<\/em> f\u00e4llt. 3 \u20ac. Ich kaufe das Buch, dazu noch ein Reclam-Heft mit Jean Pauls \u201eSchulmeisterlein Wutz\u201c, 1 \u20ac, bestelle mir an einem sonnigen Au\u00dfentisch der Gelateria einen Espresso macchiato und lese erst einige Seiten Jean Paul \u2013 mit gro\u00dfer Freude an der uneingeebneten Sprache \u2013, und dann, weil ich neugierig bin, Hermann Hesses Erz\u00e4hlung \u201eEin Maulbronner Seminarist\u201c (1954) \u2013 ich bin begeistert. Die unpr\u00e4tenti\u00f6sen S\u00e4tze des gro\u00dfen Meisters fallen in mein Herz wie ein Lebenselixier. Eine wunderbare Geschichte, wie Hesse auf die Erinnerungen eines Sch\u00fclers trifft, der in seiner Schulbank sa\u00df, was f\u00fcr eine sch\u00f6ne Aufl\u00f6sung zum Schluss, auf die der Leser so ohne Weiteres nicht kommt \u2013 eher denkt er, HH mache sich hier einen Spa\u00df, f\u00fchrt dem Leser ein selbstironisches Spiel vor, alles nur eine Erfindung, denkt er. Und dann ist es doch wahr \u2013 aber ich verrate den Schluss nicht. So ist es auch mit der poetischen Wahrheit: Die abstruseste Geschichte ist wahr, wenn sie richtig erz\u00e4hlt wird. So f\u00e4ngt der Tag gut an: eine Sonne von au\u00dfen und eine von innen, das w\u00e4rmt mich doppelt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Marion Hegner, geb\u00fcrtige Poppelsdorferin, betreibt seit 1989 den B\u00fccherkarren auf dem Kaiserplatz (errichtet 1971). Zwar hatte sie zusammen mit ihrem Lebenspartner Joachim Pilz, der eine Buchhandelslehre absolviert hatte, ein kleines Antiquariat in Poppelsdorf aufgebaut, aber die Gelegenheit war g\u00fcnstig: die Betreiberin des B\u00fccherkarrens, eine Kunsthistorikerin, suchte seit 1988 Nachfolger \u2013 Joachim fiel bald der geschlossene B\u00fccherkarren auf dem Kaiserplatz auf, und f\u00fcr den \u00dcbernahmepreis von 35.000 DM \u00fcbernahmen Hegner &amp; Pilz das kleine, auf zwei Karren gebaute h\u00f6lzerne Antiquariat und die Pacht f\u00fcr den Platz, der zur Universit\u00e4t geh\u00f6rt. Das junge Paar st\u00fcrzte sich in die \u201eautarke Selbstausbildung\u201c (so Hegner) und studierte einschl\u00e4gige B\u00fccher- und Antiquariatskataloge, sortierte rund 90 Prozent des \u00fcbernommenen Inventars aus. Im Lauf der Jahre schufen sie eine erlesene Kollektion von zwei bis drei Tausend antiquarischen B\u00fcchern. Hinzu kommen noch Lagervorr\u00e4te mit \u00fcber drei Tausend Titeln, die im Internet angeboten werden.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Mit Frau Hegner unterhalte ich mich \u00fcber die Geschichte ihres kleinen, aber besonderen Antiquariats, \u00fcber den t\u00e4glichen Verkauf, die Kunden und ihre Interessen. Nicht nur ich sp\u00fcre die Verzauberung des Kaiserplatzes durch die B\u00fccher, diese besondere Atmosph\u00e4re wie in Berlin an der Humboldt-Universit\u00e4t Unter den Linden oder sogar in Paris \u2013 und wenn ich ein paar Schritte zur\u00fccktrete und nach rechts in die Stra\u00dfe am Neutor hinein schaue, sehe ich in nicht allzu weiter Entfernung die reich gegliederte Apsis des sp\u00e4tromanischen M\u00fcnsters im Sonnenlicht gl\u00fchen. Hinter mir die Universit\u00e4t, davor der t\u00e4gliche Blumenstand, links von mir die Hofgartenwiese, das Kommen und Gehen der Studenten, und der Eingang zur U-Bahn &#8230;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Die 1959 geborene Antiquarin, nun schon \u00fcber 30 Jahre im Gesch\u00e4ft, hatte in jungen Jahren zun\u00e4chst anderes vor \u2013 sie studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule D\u00fcsseldorf. Sie wollte die kleinen Dinge der Welt musisch gestalten, sie strebte kein ausgepr\u00e4gt b\u00fcrgerliches, \u201egeschientes\u201c Leben an und wollte m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig existieren. Zwar hatte sie eine Zeit lang im Bundesamt f\u00fcr Zivilschutz gejobbt, aber eine Festanstellung wollte sie nicht. Da kam das Zusammenleben mit Joachim gerade recht. Mit ihm verbrachte sie eine ganze Reihe von Jahren \u2013 bis er 2002 einen Gehirnschlag erlitt und vier Jahre sp\u00e4ter starb. Seither f\u00fchrt sie die mit ihm begonnene Sache allein fort.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Ihre t\u00e4gliche Arbeit mag f\u00fcr den au\u00dfenstehenden Betrachter leicht und \u2013 im Sommer unter blauem Himmel \u2013 sogar romantisch anmuten. Das ist auch gut so \u2013 f\u00fcr die magnetisch anziehende Atmosph\u00e4re um den B\u00fccherkarren herum. Doch wollen 8 bis 10 Stunden Pr\u00e4senz in guten und schlechten Verkaufszeiten oder bei oft k\u00fchlem, windigen und manchmal regnerischem Wetter durchgestanden werden, viele Monate lang ohne Urlaub. Frau Hegner liebt die B\u00fccherwelt, aber von dieser Liebe allein kann sie nicht leben. Summa summarum kann sie vom Verkauf leben. Und sie ist einverstanden mit ihrem Leben, wie es nun einmal gekommen ist. Sie genie\u00dft die Freiheit und kann ihren B\u00fccherkarren auch ein wenig gestalten \u2013 mit den Postern, mit der Ordnung der B\u00fccher und deren Beschaffung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Auch das Renovieren des Geh\u00e4uses verlangt Gestaltung. In den letzten Jahren war das v\u00f6llig bemooste Dach reif f\u00fcr eine Sanierung, an einigen Ecken und Enden musste stabilisiert und abgedichtet werden (gegen M\u00e4use und Ratten). Im letzten Jahr ist das vielf\u00e4ltige Postkartenangebot stark erweitert worden \u2013 eine unternehmerisch interessante und erfolgreiche Innovation.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Ich setze mich beinahe jeden Tag, an dem die Sonne scheint, bei <em>Luigi<\/em> an einen der Tische unter den Rosskastanien, bestelle Kaffee, sortiere meine Post und die Schreibsachen. Ich will meine t\u00e4gliche Postkarte an meine Hamburger Cousine schreiben. Ich habe heute die Kunstpostkarten vergessen. Im B\u00fccherkarren gibt es Hunderte von Karten, ich laufe schnell die paar Schritte hin\u00fcber zu Frau Hegner und kaufe gleich drei. Ich schreibe ja bestimmt noch mehr. Vielleicht auch Briefe. Hier f\u00fchle ich mich wohl \u2013 von Fr\u00fchling bis Herbst. Vor vier Jahren \u00fcbersetzte ich hier Tag f\u00fcr Tag stundenlang Mao Zedongs Gedichte. Ich schlug jedes Zeichen nach und verglich meine \u00dcbersetzungen mit bisherigen Fassungen und Erl\u00e4uterungen. Hier treffe ich mich mit Schriftstellerkollegen, mit Verwandten und Freunden, hier bespreche ich mit meiner Frau den Entwurf des weiteren Tages, Termine, Reisen, wir bestellen uns ein Eis (Zitrone mit Keks, Schwarze Schokolade) oder Fragolata. Beil\u00e4ufig werde ich Zeuge von b\u00fchnenreifen Tischgespr\u00e4chen so mancher G\u00e4ste. Besonders heiter wird es, wenn Luigi den Sch\u00fclern Eis gibt, die in langen Schlangen am Schuljahresende anstehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzlich fand die Antiquarin ein Buch mit Notizen zur Vorgeschichte des B\u00fccherkarrens. Darin steht, dass 1948 Studenten in der Lenn\u00e9stra\u00dfe 57 (heute <em>Lenn\u00e9 Snack<\/em>) die <em>Akademische Buchgemeinschaft eGmbH <\/em>gr\u00fcndeten; die Mitglieder erhielten 10% R\u00fcckverg\u00fctung. Daraufhin sah der Bonner Buchhandel die Preisbindung gef\u00e4hrdet und rief im Handel und bei Grossisten zum Boykott auf. Bis 1950 wurde gestritten und verhandelt. Damit der Laden weiter existieren konnte, wurde der Anteil der antiquarischen B\u00fccher stark erweitert. \u201eAm 25. Juli 1950 wurde den Studenten von der Gewerbeaufsicht die Genehmigung zur Aufstellung eines fahrbaren B\u00fccherverkaufsstandes am Kaiserplatz erteilt. &#8230; Der Antiquariatsbuchhandel und der Import lockten auch viele nichtstudentische Buchk\u00e4ufer an. Hastenrath (Gr\u00fcndungsmitglied), der durch seine Verwandtschaft \u00fcber zahlreiche Verbindungen verf\u00fcgte, gelang es, interessante Ank\u00e4ufe f\u00fcr das Antiquariat zu t\u00e4tigen. So gelangten z. B. Teile der Bibliothek des ber\u00fchmten Literaten und Politikers Harry Graf Kessler (1868-1937) in die Regale der Buchgemeinschaft. Auch der Romanist Ernst Robert Curtius st\u00f6berte gern im Laden der Studenten, wenn er von seiner Wohnung in der Joachimstra\u00dfe ins Akademische Kunstmuseum ging &#8230; Curtius bot den Genossen auch \u00fcberz\u00e4hlige B\u00fccher aus seiner Bibliothek zum Kauf an, und es erregte einiges Aufsehen, wenn es vorkam, da\u00df am B\u00fccherkarren Schriften mit eigenh\u00e4ndiger Widmung von Andr\u00e9 Gide u. a. gefunden wurden. [Karl Gutzmer, Die Bonner Studentenbuchhandlung. In: Bonner Geschichtsbl\u00e4tter. Bd. 45\/46]<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Am 21. September 1999 berichtete der EXPRESS: \u201eMontagmorgen gegen 3.30 Uhr: Helle Flammen loderten aus einem B\u00fccherkiosk auf dem Kaiserplatz. Das Feuer fra\u00df einen gro\u00dfen Teil der Holzbude mit etwa 3000 B\u00fcchern, sowie Tische und St\u00fchle der Aus-senterrasse eines benachbarten Eiscaf\u00e9s auf. Passanten alarmierten die Bonner Berufsfeuerwehr. Nach 20 Minuten hatten sie den Brand unter Kontrolle. Schaden: rund 30 000 Mark. Die Kripo Bonn ermittelt. Sie kann Brandstiftung nicht ausschlie\u00dfen.\u201c \u2013 Zum Gl\u00fcck griff das Feuer nicht auf den benachbarten B\u00fccherkarren \u00fcber.\u00a0\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Wenn der B\u00fccherkarren geschlossen ist, sehen die Passanten an allen vier Seiten gro\u00dfe Plakate, von der Antiquarin im letzten Jahr angebracht, auch um Graffiti zu \u00fcberdecken.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Man liest da Spr\u00fcche und Texte \u00fcber B\u00fccher, die einem ans Herz gewachsen sind: \u201eWenn ein neues Buch erscheint, lies ein altes!\u201c (Samuel Rogers) oder \u201eEin Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern mu\u00df es besitzen.\u201c (Friedrich Nietzsche)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Oder dies:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><em>Dies B\u00fcchlein hat seine Geschichte.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><em>Ich kaufte es, als ich noch Sch\u00fcler war, und nahm es auf die sturmreiche Reise zu den F\u00e4r\u00f6ern mit, wobei es ganz mit salzigem Seewasser getr\u00e4nkt wurde. Danach verdarb allm\u00e4hlich die ganze Blechklammerheftung, und ich war in den folgenden Jahren oft daran, es wegzuwerfen. Dann lernte ich buchbinden, und eines Tages kam auch dieses B\u00fcchlein an die Reihe. Die wellig gewordenen Bl\u00e4tter wurden hei\u00df geb\u00fcgelt, und am 17.5.57 war der neue Einband fertig. Vom alten Einband ist nur das Etikett geblieben.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Bleistiftzeichnung (1993)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Was mancher in sein Buch so hineinschreibt &#8230; hier ist es <em>Peter Pan<\/em> von James M. Barrie:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eLieber Hans, ein kleines Abschiedsgeschenk. (Es sollte eigentlich Dein Geburtstagsgeschenk sein \u2013 sorry.) Ich hatte mir immer einen Peter Pan gew\u00fcnscht \u2013 ein Wesen zwischen Mensch u. Traum, der immer fr\u00f6hlich ist, der mich an die Hand nimmt und mir hilft, meine Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden. \u2013 Mir ist klar geworden, da\u00df Peter Pan nur eine M\u00e4rchenfigur ist. Alles Gute f\u00fcr die Zukunft, in Liebe Marianne<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Mich interessiert, welche B\u00fccher sich gut verkaufen lassen. Marion Hegners Antworten \u00fcberraschen mich: Naturwissenschaften, auch Mathematik, Philosophie, Soziologie, Religionen &#8230; und sehr gut l\u00e4uft die Belletristik der klassischen Moderne, also die Sch\u00fcler- und Studentenliteratur, das sind Autoren wie Hermann Hesse, Camus, Sartre, Brecht, Tucholsky, Frisch und D\u00fcrrenmatt, Kafka &#8230; und der Kasten mit den gelben Reclam-Heftchen (in den Regalen im Innern des Karrens, wo die Antiquarin sich zeitweise gegen L\u00e4rm und K\u00e4lte sch\u00fctzt, liegt massenhaft Nachschub bereit).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Die Schmerzgrenze f\u00fcr die K\u00e4ufer von jung und alt liegt generell bei 20 \u20ac. Auf der Seite des Karrens, wo die Passanten vorbeistr\u00f6men, stehen mehrere Boxen mit Billigb\u00fcchern neben dem Karren am B\u00fcrgersteig; darunter auch gute Literatur \u2013 die Schn\u00e4ppchen aber findet man erst nach l\u00e4ngerem Suchen an anderer Stelle. Auf der Seite zur Universit\u00e4t hin stehen Kunstb\u00e4nde, B\u00fccher und Schriften zur Bonner Geschichte, Comics. Auf zwei Tischen liegen Neuerwerbungen und besondere B\u00fccher und Rarit\u00e4ten. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen Gitter mit Ansichtskarten &#8230; Jeden Morgen m\u00fcssen die Tische, Kisten, Boxen und Gitter aus dem schattigen Innenraum rausgestellt werden \u2013 abends werden sie wieder verstaut. Das Gesch\u00e4ft ist in der Regel von M\u00e4rz bis November morgens bis nachmittags ge\u00f6ffnet \u2013 wenn es regnet oder st\u00fcrmt und schneit, ist der Karren abgeschlossen, dann wirkt der Kaiserplatz ganz trostlos. Dienstags und freitags oder im seltenen Fall von Krankheit und Urlaub wird die Chefin vertreten durch Joachim Keilbar, Ruhest\u00e4ndler mit Geschichtsinteresse \u2013 und das seit 2008.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Im Deutschlandradio Kultur hei\u00dft es in einem Beitrag am 23.3.2005 unter dem Titel <em>&#8230; und sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe aus Bonn. Der einstigen Bundeshauptstadt geht es besser als je zuvor: <\/em>\u201eMarion Hegner: Politik hat stark nachgelassen &#8230; Politik, Geschichte ist nicht mehr gefragt, f\u00e4llt eigentlich weg. Das bemerkt sogar Marion Hegner, deren Name ist nicht so bekannt bei den Bonnern, wohl aber ihr B\u00fccherkarren. Auf dem Holzwagen zwischen Hofgartenwiese und Kaiserpassage stapeln sich hunderte gebrauchte B\u00fccher. Seit Jahrzehnten steht das kleine Antiquariat wie ein Denkmal am immer gleichen Platz. Ver\u00e4ndert hat sich nur die Kundschaft.\u201c<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<div id=\"attachment_104714\" style=\"width: 1365px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-104714\" class=\"wp-image-104714 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/Buecherkarren.jpeg\" alt=\"\" width=\"1355\" height=\"2120\" \/><p id=\"caption-attachment-104714\" class=\"wp-caption-text\">B\u00fccherkarren auf dem Kaiserplatz, Bonn. Photo: Ulrich Bergmann<\/p><\/div>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Bergmann nennt seine Kurztexte ironisch &#8222;gedankenmusikalische Polaroidbilder zur Illustration einer heimlichen Poetik des Dialogs&#8220;. Wir pr\u00e4sentieren auf KUNO eine lose Reihe mit dem Titel\u00a0<em>Splitter, nicht einmal Fragmente<\/em>. Lesen Sie zu seinen\u00a0<i>Arthurgeschichten<\/i>\u00a0den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel. Eine Einf\u00fchrung in seine\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Vom barocken Poppelsdorfer Schloss f\u00fchrt die breite Allee vorbei an den wilhelminischen H\u00e4usern \u2013 in der Mitte die breite und fast einen Kilometer lange Wiese, sie war in der Zeit, als Bonn noch Hauptstadt war, Ort gro\u00dfer Demonstrationen, links&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/01\/der-bonner-buecherkarren\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":104714,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2529,866],"class_list":["post-64687","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-marion-hegner","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64687"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64687\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104716,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64687\/revisions\/104716"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/104714"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}