{"id":64507,"date":"2015-01-28T00:01:00","date_gmt":"2015-01-27T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=64507"},"modified":"2021-11-19T14:16:15","modified_gmt":"2021-11-19T13:16:15","slug":"falter-und-fische","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/28\/falter-und-fische\/","title":{"rendered":"Falter und Fische"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Werner Weimar-Mazurs Gedichte \u2013 ein poetischer Zoo<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Bei meiner Analyse der Gedichte des von mir sehr gesch\u00e4tzten Lyrikers stie\u00df ich auf eine geradezu fabelhafte Konferenz der Tiere in seinen Versen, die nichts anderes zu sein scheinen als die Spanten und Planken einer lyrischen Arche Noah in der Sintflut unserer Gegenwart!<br \/><br \/>Die Tiere, die er in seine Gedichte aufnimmt, haben die Funktion, Bilder zu sein f\u00fcr eine bestimmte Atmosph\u00e4re, f\u00fcr Stimmungen, es sind Fabeltiere en miniature, adjektivische Kleinmythen sozusagen. Sie sind das Geheimnis eines Stils, der sich schon seit langer Zeit mit Erfolg behauptet, auch in den Print-Werken des Autors. <br \/><br \/>Die Intensit\u00e4t liebevoll-animalischer Kurzmetaphern ist einzigartig in der deutschen Lyrik-Savanne oder in den west- und mitteleurop\u00e4ischen Biotopen der Poesie. <br \/><br \/>Ich will das attributive Getier nicht streng systematisieren, aber ein klein wenig kommentieren.<br \/><br \/>Fische und Fliegende Tiere (V\u00f6gel und Falter) kommen am h\u00e4ufigsten vor \u2013 Lebewesen unter Wasser und \u00fcber Wasser. Unterbewusstsein und Gedankenflug. Der Mittelbau \u2013 Kriechtiere, Wirbeltiere, S\u00e4ugetiere \u2013 ist auch stark vertreten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Die Fische kommen als allgemeine Gattungsbezeichnung 10 mal vor, speziell noch als Hering, Lungenfisch, Schmetterlingsrochen, Waran, Wal (dazu kommen noch Qualle, Koralle, Algen und Schw\u00e4mme, Muschel). <br \/>Wesentlich beeindruckender ist die Vielfalt der fliegenden Weimar-Mazur-Tiere, insbesondere die Gro\u00dfgruppe der Falter. Hier haben wir 4 mal unspezifizierte Falter, Delfinfalter, Aurorafalter (2 mal), Schillerfalter (4 mal), Zitronenfalter, Apollofalter, Adonisfalter und Azurfalter (Mazurfalter &#8230; ?). Und Graug\u00e4nse (2 mal), Falken (2 mal), Eulen (2 mal), V\u00f6gel allgemein (4 mal), Hautfl\u00fcgler (2 mal), Sing-Schw\u00e4ne (4 mal), Papierv\u00f6gel, Schwarzst\u00f6rche, Lerchen, Albatrosse (2 mal), Uhu, Tauben, Raben, Mauersegler, Kranich, Silberreiher, H\u00fchner, Kolibri, Frostfliegen, Kr\u00e4hen, Enten, Insekten, Sturmm\u00f6wen, Lachm\u00f6wen, Stare und Schmetterlinge. Der Bezirk der Luft und der H\u00f6henfl\u00fcge \u00fcberwiegt die lebendige Unterwasserwelt bei weitem. Das Reich der Ideen dominiert also. <br \/><br \/>Wie steht es ums Irdische, die Erdhaftung? Hier finden wir Tiere und Tierchen allgemein (4 mal), den Wolf, Hamster, Fuchs, Dachs, Waschb\u00e4r, Schweine, Jaguar, die Wasserschlange (2 mal), Luchs und Luchsin (3 mal), den Bergl\u00f6wen, die Hauskatze, Pferd und Holzpferd (okay, letzteres ist eine hybride Metapher), den Leoparden und die Schneeleopardin, Gei\u00dflein, Rehe, das Raubtier, B\u00e4ren, Panther und Schaf. Und hinzu gesellen sich noch Weichtiere, Echsen und die Gottesanbeterin.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Viele dieser bodenst\u00e4ndigen Tiere haben viel Kraft, sind schnell und gef\u00e4hrlich. <br \/><br \/>Welche Tiere fehlen? Elefanten, Giraffen, Alligatoren, Schildkr\u00f6ten, Fr\u00f6sche &#8230; Geier, Adler, Ph\u00f6nixe, Bienen, Spatzen, Nachtfalter &#8230; Aber die fliegen und laufen in die n\u00e4chsten Gedichte. <br \/><br \/>Alles in allem ist das eine reiche Palette von Attributen, derer sich die Gedichte zur Ausstattung des lyrischen Ichs bedienen. <br \/><br \/>Ich habe gerechnet: In 38 Gedichten tauchen auf oder fliegen und laufen vor\u00fcber 76 verschiedene Tiere, das sind 2 pro Gedicht. Wenn ich die Mehrfachnennungen ber\u00fccksichtige, komme ich auf ungef\u00e4hr 3 Tiere pro Gedicht. <br \/><br \/>Dem stehen nur relativ wenige Pflanzen gegen\u00fcber \u2013 das leuchtet ein, denn Pflanzen repr\u00e4sentieren eher passive Eigenschaften: Rotdorn, Ahorn, Birken, Gras, Beeren, Blaubeeren, N\u00fcsse, Mandeln, Dolden, Papyrus, Maulbeerb\u00e4ume, Seetang, Rosen, Ginster, Mohn, Blumen und Oliven. <br \/><br \/>Nat\u00fcrlich habe ich hier nur einen Aspekt der Gedichte untersucht \u2013 die tierischen Wortfelder. An anderer Stelle habe ich Werner Weimar-Mazurs Lyrik ganzheitlicher betrachtet. Aber der hier analysierte Bereich der Metaphorik ist eine aufschlussreiche Erg\u00e4nzung. Weimar-Mazurs Lyrik verwandelt die Technik der \u00c4sopschen Fabelschreiber in moderne Art \u2013 sie wird nun leichter, atmosph\u00e4rischer, ist den Clich\u00e9s der Tiere nicht so verhaftet, sie l\u00f6st sich also von festen Bedeutungen und in der Mixtur mit Tierarten, die bisher nicht als fabeltauglich galten, gewinnt das lyrische Fabulieren neue Bedeutungen. Weimar-Mazur geht spielerisch um mit seinem poetischen Zoo, er generiert das Prinzip Cham\u00e4leon f\u00fcr die Poesie. Wie gesagt, das fand ich bisher noch bei keinem Lyriker \u2013 diese neue Technik ist n\u00fctzlich und sehr wirksam und sie verb\u00fcndet uralte Tradition mit unserer Gegenwart.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Auch Holger Benkel faszinieren manche Tiernamen und auffallende \u00c4hnlichkeiten mit mythischen Gestalten, stellt Ulrich Bergmann in einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/25\/literarisches-traume\/\">kollegialen W\u00fcrdigung<\/a> fest. Eine W\u00fcrdigung von <em>hautsterben<\/em> durch Ulrich Bergmann finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/06\/verse-in-sommerkleidern\/\">hier<\/a>. Auf KUNO lesen Sie u.a. einen Rezensionsessay von Holger Benkel \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>. Wir begreifen den Essay auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Weimar-Mazurs Gedichte \u2013 ein poetischer Zoo Bei meiner Analyse der Gedichte des von mir sehr gesch\u00e4tzten Lyrikers stie\u00df ich auf eine geradezu fabelhafte Konferenz der Tiere in seinen Versen, die nichts anderes zu sein scheinen als die Spanten und&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/28\/falter-und-fische\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":4353,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866,1953],"class_list":["post-64507","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann","tag-werner-weimar-mazur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64507"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64507\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}