{"id":64170,"date":"2007-10-01T00:01:00","date_gmt":"2007-09-30T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=64170"},"modified":"2021-11-02T07:14:09","modified_gmt":"2021-11-02T06:14:09","slug":"risikogesellschaften-lyrik-und-ihre-bilder-vom-sozialen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/10\/01\/risikogesellschaften-lyrik-und-ihre-bilder-vom-sozialen\/","title":{"rendered":"Risikogesellschaften: Lyrik und ihre Bilder vom Sozialen"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann eigentlich nichts sagen gegen die junge deutsche Lyrik: sie ist hand\u00adwerklich gut gemacht, ausge\u00adwogen im Ton, ernst\u00adhaft, ja hoch reflektiert.<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn001f\">1<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das genau ist aber auch das Problem. Denn was ihr fehlt, oder besser: was <em>mir<\/em> fehlt<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn002f\">2<\/a>, ist \u2013 das Wagnis, das Risiko, die Leidenschaft \u2013 sowohl inhallich als auch formal. Analog zur jung\u00addeutschen Prosa sucht man Experi\u00admente nahezu ver\u00adgebens. Erstaun\u00adlicher\u00adweise (f\u00fcr mich als Eher-nicht-Lyriker) sind anscheind nicht Thomas Kling oder der fr\u00fche Bert Papenfu\u00df Ausgangs- und Ankn\u00fcp\u00adfungs\u00adpunkte f\u00fcr die junge Lyrik<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn003f\">3<\/a>, sondern eher jemand wie Durs Gr\u00fcnbein und dann auch noch dessen pein\u00adliche Antike\u00adverwurstung<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn004f\">4<\/a> (<em>\u201eAuch ich habe unter Hadrian gelebt\u2026\u201c<\/em>), neo-wilhel\u00administische Stilbl\u00fcte, zurecht und zuneh\u00admend bel\u00e4chelt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mir fehlt \u2013 zumindest als Alter\u00adnative \u2013, ist eine Lyrik, die aus heftigem Leben oder Erleben heraus entsteht, muss nicht <em>hard mouthed poetry <\/em>sein, aber unmittel\u00adbares Sprechen, Intensit\u00e4t, Dylan Thomas, Beatrix Haustein manchmal, die \u201ejunge Lyrik\u201c dagegen formuliert immer durch den Filter der Poetik.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir noch wichtiger: Wo sind die sozialen Bilder in einer Zeit, die eben dieses Soziale bewusst und aus politi\u00adscher Absicht exklu\u00addiert. Nicht \u00f6ffent\u00adlich\u00adkeits\u00adf\u00e4hig. Maybrit Illner fragt angesichts des (behaupteten) Aufschwungs: Wer jetzt noch noch keinen Job hat, ist selber schuld?! Ganz recht, da waren wir schon mal, Dr\u00fcckeberger, Faulenzer, Auss\u00e4tzige, selber schuld, weg damit, Arbeits\u00adlager, konzentrieren m\u00fcssen die sich, muss man die, all die 45-, 55-j\u00e4hirgen Arbeits\u00adlosen mit den Super\u00adchancen am Arbeitsmarkt, wo ist die Lyrik, die dar\u00fcber spricht? Erdbeben in Peru, \u00dcberschwem\u00admung in Bangladesh, Attentate im Irak \u2013 Bio-Politik, <em>Hilfe ist ange\u00adlaufen<\/em>, Luftbr\u00fccke, Auffang\u00adlager, Organi\u00adsation von Men\u00adschen\u00adstr\u00f6men, Zahlen, Zahlen\u00admengen, aber was ist das und wie f\u00fchlt sich das an? Wo ist die globale Per\u00adspektive? Wo die Position? Muss nicht wenigstens die Kunst, alle K\u00fcnste, also auch die Lyrik die Utopie des M\u00f6gli\u00adchen auf\u00adrecht\u00aderhalten?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann etwas anfangen mit analy\u00adtischer Durch\u00addringung des poetischen Gegen\u00adstands<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn005f\">5<\/a>, auch damit, der best\u00e4n\u00addigen Innovation eine Lanze zu brechen<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn006f\">6<\/a> \u2013 denn beides ist auf formalem Wege analog mit meinem Glaube an das Fort\u00adschreiten des Projekts Zivilisation. Dies alles erg\u00e4n\u00adzend m\u00f6chte ich jedoch eine Nuance ins Spiel bringen, die mit so etwas Anti\u00adquiertem wie \u201eHaltung\u201c zu tun hat. D.h. es geht um eine zugrunde\u00adliegende ethische Qualit\u00e4t, in dem Sinne dann doch <em>vor<\/em>schriftlich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der poetologische Diskurs ist in meinen Augen zu selbst\u00adbez\u00fcglich \u2013 die Frage nach dem Verh\u00e4lt\u00adnis zur Welt wird ausge\u00adklammert<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn007f\">7<\/a>, Autopoiesis, Worte \u00fcber Worte, sicher besch\u00e4f\u00adtigt sich dir Lyrik, gerade die neuere, vornehm\u00adlich mit Worten, banale Sentenz, besch\u00e4ftigt sich mit ihrem Verh\u00e4ltnis zu den Worten, weiter banal, der Beziehung zwischen Worten und Gegen\u00adst\u00e4nden, weniger banal, aber immer noch im Rahmen tradi\u00adtioneller Linguis\u00adtik.<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn008f\">8<\/a> Muss sie auch, doch was ist dahinter? Was ist das Ziel?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier kommt Haltung ins Spiel, sollte zumin\u00addest, was will <em>ich <\/em>mit den Worten? Woran glaube ich, nachts, wenn der Spiegel blind ist und das Telefon schweigt, an die Dichtung und nur an die Dichtung? H\u00e4lt das die Welt davon ab, sich zu drehen?<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn009f\">9<\/a><br \/>Es geht also \u2013 einmal mehr \u2013 um das Verh\u00e4ltnis der Dichtung zur Welt, aber nicht vordringlich die \u201eDinge\u201c (nominalistisch), sondern eher das Verh\u00e4ltnis der Dinge, der Schichten, der Gesellschaften, weniger ontologisch also als sozial.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, ob Hendrik Jackson f\u00fcr viele seiner Generations\u00adgenossen spricht, kann es mir aber vorstellen, wenn er sagt: \u201eBestimmendes Gef\u00fchl dieser Epoche scheint eine gewisse Hand\u00adlungs\u00adunf\u00e4hig\u00adkeit zu sein, zumindest was die \u203agro\u00dfen Kontexte\u2039 angeht. Dieses Gef\u00fchl scheint aber wenig Verzweiflung auszul\u00f6sen, eher scheint es genau beobachtet und gelassen hinge\u00adnommen zu werden.\u201c<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn010f\">10<\/a> Der Status Quo also ist nicht o.k., aber man registriert zu stark die eigene Ohnmacht und verharrt daher lieber in intelligentem Fatalismus. Abgesehen davon, dass man \u2013 um diese Handlungs\u00adunf\u00e4higkeit gelassen hinnehmen zu k\u00f6nnen \u2013 schon in einer bestimmten (privilegierten) sozialen Situation sein muss, kann ich diese Haltung nicht verstehen, wenn\u00adgleich sie gewiss repr\u00e4\u00adsentativer Ausdruck einer Majo\u00adrit\u00e4t im Gegenwarts\u00addeutschland ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe in diesem Zusammenhang immer das Bild des Torpedo\u00adk\u00e4fers vor Augen aus der Biografie Franz Jungs, jenes eigenartigen Tiers, das immer wieder und mit unvermittelter Heftigkeit gegen eine Wand fliegt, abprallt und jeden dieser erfolglosen Versuche zum Anlass nimmt, es noch einmal mit noch gr\u00f6\u00dferer Anstren\u00adgung zu probieren.<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn011f\">11<\/a> Auch wenn es so scheint, ist das keineswegs eine Sisyphos-Variation, sondern eher das Symbol eines histo\u00adrischen Opti\u00admismus. Irgendwann und wenn erst in hundert Jahren wird es zumindest eine Schramme geben im Beton. Und selbst wenn nicht, so wei\u00df man wenigstens, was man getan hat und warum.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Was das mit Lyrik zu tun hat? Nichts und alles. Letzteres deswegen, weil dieser Kontext ihr eine Aufgabe zuweisen kann: zu zeigen, was ist, was und wer dahinter steht, denn <em>die im Dunkeln sieht man nicht<\/em>. Eine Form des Realismus. Schwieriges Wort im Zusammenhang mit Lyrik, gewiss. Realismus in der Lyrik kennt man vor allem aus Zeiten der (seligen) Neuen Subjektivit\u00e4t, Born, Brinkmann, Fauser, Theobaldy. Speziell Brinkmann formulierte in Anschluss an Frank O&#8217;Hara apodik\u00adtisch, \u201eda\u00df schlechthin alles, was man sieht und womit man sich besch\u00e4ftigt, wenn man es nur genau genug sieht und direkt genug wiedergibt, ein Gedicht werden kann.\u201c<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn012f\">12<\/a> Kein anderes Material gebe es als das, \u201ewomit jeder t\u00e4glich umgeht, was man auf\u00adnimmt, wenn man aus dem Fenster guckt, auf der Stra\u00dfe steht, an einem Schaufenster vorbeigeht, Kn\u00f6pfe, Kn\u00f6pfe, was man gebraucht, woran man denkt und sich erinnert, alles ganz gew\u00f6hnlich, Filmbilder, Reklamebilder, S\u00e4tze aus irgendeiner Lekt\u00fcre oder aus zur\u00fcck\u00adliegenden Gespr\u00e4chen, Meinungen, Gefasel, Ketchup, eine Schlager\u00admelodie\u201c.<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn013f\">1<\/a>3<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Konzept, kulmi\u00adnierend in jenen ber\u00fchmten Sentenzen \u00fcber die \u201eOber\u00adfl\u00e4che\u201c<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn014f\">14<\/a>, u.a. auch Ausgangs\u00adpunkt aller Debatten zur deutschen Popliteratur, f\u00fchrt \u2013 gerade in der Lyrik \u2013 nicht allzu weit. Wir wissen nicht, welche Entwicklung Brinkmann weiter genommen h\u00e4tte, die zeitge\u00adn\u00f6ssische Kritik an seiner Position, wie sie etwa Nicolas Born \u00fcbte, trifft den Sachverhalt ziemlich pr\u00e4zise. Gefragt von Volker Hage in einem \u2013 bislang unver\u00ad\u00f6ffent\u00adlichten Interview \u2013, ob die distanzlose \u201eVerwendung\u201c des Trivialen nicht endlich in Affir\u00admation umschl\u00fcge, antwortet Born: \u201eBei Brinkmann ist es wirklich so. Auf die Dauer ist es dann so: dann ist es wirklich seine Wirklich\u00adkeit, er hat nichts anderes mehr.\u201c<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn015f\">15<\/a> Als poetischer Gegen\u00adstand ersch\u00f6pft sich der Alltag schnell, es muss schon ein deutende, wertende, ver<em>dichtende<\/em> Weiter\u00adverarbeitung des Materials geben \u2013 entweder als poetische Ver\u00adfremdung, die unmittelbar Gegebenes, Allt\u00e4gliches nicht als Alt\u00adbekanntes darstellt, sondern in einem neuen Licht zeigt. Oder auch analy\u00adtische Bez\u00fcge herstellt, was liegt woran.<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn016f\">16<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Verfrem\u00addung aber nat\u00fcrlich auch im Sinn Sklovskijs: \u201eZiel der Kunst ist es, ein Empfinden f\u00fcr die Dinge zu vermitteln, das sie uns sehen und nicht nur wieder\u00aderkennen l\u00e4\u00dft; ihre Ver\u00adfahren sind die \u203aVerfrem\u00addung\u2039 der Dinge und die erschwerte Form, ein Ver\u00adfahren, das die Wahr\u00adnehmung erschwert und verl\u00e4ngert. [\u2026] Durch die Kunst erleben wir das Machen der Dinge, das Gemachte ist ihr unwichtig.\u201c<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn017f\">17<\/a> \u2013 <em>wenn die Zeiten schwierig sind, muss man den Schwierig\u00adkeits\u00adgrad der K\u00fcnste erh\u00f6hen???<\/em>\u2026 Das ist dann in etwa, was Ulf Stolterfoht \u201eexperi\u00admentell\u201c nennt, was ich eher \u201eexperimen\u00adtierend\u201c oder formal innovativ nennen w\u00fcrde.<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn018f\">18<\/a> Solche sprachlichen Versuchs\u00adreihen, Erprobungs\u00adr\u00e4ume k\u00f6nnen, sollten aber vielleicht besser nicht f\u00fcr sich selbst stehen. Zwar ist es in einer Welt ubiquit\u00e4ren Drauf\u00adlos\u00adplapperns, dem gewaltigem Chor von Laber-Narzisten schon ein widerst\u00e4ndiges Prinzip, sich dem (und dem alles integrierenden Common Sense) zu verweigern. Wahrscheinlich (oder zumindest meiner Ansicht nach) ist die Wirkung gr\u00f6\u00dfer und auch nachhaltiger, wenn solche experimentierende Dichtung sich soziale Ziele setzt \u2013 r\u00fcckwirkend legitimiert das doppelt die Verfrem\u00addungs\u00adprozesse. Das muss man nicht so apo\u00addik\u00adtisch sehen wie Brecht (\u201eRealis\u00adtisches Schreiben ist keine Formsache. Alles Formale, was uns hindert, der sozialen Kausa\u00adlit\u00e4t auf den Grund zu kommen, mu\u00df weg; alles Formale, was uns verhilft, der sozialen Kausalit\u00e4t auf den Grund zu kommen, mu\u00df her.\u201c<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn019f\">19<\/a>) \u2013 aber so ganz falsch erscheint mir das auch heute nicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eingreifender Realismus, der gleich\u00adzeitig nicht auf die Forschung am Sprach- und Formen\u00adbestand verzichtet, sich damit absichernd gegen die Vereinnahmung durch die allgef\u00e4lligen Diskurse.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die andere Variante ist eine Dichtung, die ich analog zu meinen \u00e4hnlich motivierten Prosa-Aktivit\u00e4ten<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn020f\">20<\/a> als \u201esozial-realistisch\u201c bezeichnet habe. Sie ist eher die Ausnahme &#8230;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eher scheint mir zuzutreffen, was Alexander Nitzberg \u00fcber das junge deutsche Gedicht sagt: \u201eEs w\u00e4chst und gedeiht wohlsituiert und \u2013 beh\u00fctet. Seine Orte sind Caf\u00e9s, Einkaufs\u00adzentren, Schnee\u00adlandschaften und Polsterm\u00f6bel mit Sojasauce\u00adflecken.\u201c<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn021f\">21<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"128\" height=\"145\" class=\"wp-image-1858\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/stahl.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine W\u00fcrdgung des Hungertuchpreistr\u00e4gers finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32719\">hier<\/a>. Lesen Sie auch den Artikel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=24481\">Perlen des Trash<\/a>\u00a0\u00fcber 25 Jahre Gossenhefte und Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\">Deutscher Trash<\/a>. Eine H\u00f6rprobe von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/stahl\/trash_me.htm\"><em>Trash me!\u00a0<\/em><\/a>finden Sie in der Reihe MetaPhon.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Text ist zuerst erschienen in: <em>Bella Triste<\/em>, 2007<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><br \/>________________________ <br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn001t\">1<\/a> Dass sich so junge Autoren wie etwa Ann Cotton und Steffen Popp so dezidiert poetolo\u00adgisch \u00e4u\u00dfern, w\u00e4re vor zwanzig Jahren ebenso undenkbar wie aussichts\u00adlos gewesen: niemand h\u00e4tte ihnen zugeh\u00f6rt! So weit, so gut also. <br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn002t\">2<\/a> Es ist m\u00fc\u00dfig den subjektiven Charakter der folgenden Ausf\u00fchrungen zu betonen, zumal man \u2013 angesichts einer Riesen\u00adspann\u00adbreite poetischer Posi\u00adtionen heute \u2013 kaum pauschal \u00fcber die \u201ejunge Lyrik\u201c sprechen kann. Unter dieser, meiner pers\u00f6n\u00adlichen Perspektiv\u00adsetzung ist das indes sehr leicht!<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn003t\">3<\/a> In \u201eBella triste\u201c 17 ist Kling als Bezugs\u00adpunkt und Name zwar allgegenw\u00e4rtig, aber die Einfl\u00fcsse sehe ich (au\u00dfer bei Sabine Scho und Anja Utler) eigentlich nicht.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn004t\">4<\/a> Das dann auch wieder bei Anja Utler, was Franz Josef Czernin meiner Ansicht nach zurecht kritisiert.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn005t\">5<\/a> Czernins Fest\u00adhalten am Gedicht- und Selbst\u00aderfahrungs\u00adprojekt der Moderne (\u201eBella triste\u201c 17)<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn006t\">6<\/a> Ulf Stolterfohts Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Avantgardismus<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn007t\">7<\/a> Steffen Popp versucht ansatz\u00adweise, diese Beziehung zu konturieren (<em>\u201eBella triste\u201c <\/em>18) \u2013 und stellt das Problem der Sprachs\u00adpielhaf\u00adtig\u00adkeit allen poe\u00adtischen Sprechens dem faktischen In-der-Welt-Sein der Gegen\u00adst\u00e4nde gegen\u00fcber. Den skepti\u00adschen Konstruk\u00adtivismus, den er daraus bezieht, kann ich zwar episte\u00admologisch akzeptieren, die herme\u00adtische Kon\u00adstel\u00adlation beg\u00fcnstigt aber eine Praxis nicht unbedingt. Warum nicht einfach dar\u00fcber hinaus\u00adschreiten, all der Kompli\u00adkationen eingedenk? Klassische philo\u00adsophische Alternative zwischen Ontologie und lebens\u00adphilo\u00adsophi\u00adscher Ethik (vgl. Steffen Popp, Poesie als Lebensform, in: \u201eBella triste\u201c 18, (2007) insbes. S. 77-79.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn008t\">8<\/a> \u00c0 la Saussure und Austin<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn009t\">9<\/a> Vor einer Weile entz\u00fcndete sich eine Debatte unter K\u00f6lner Autoren \u00fcber den Wert und Sinn der Stadt als Lyrikstandort oder so \u00e4hnlich. Guy Helminger wies irgendwann darauf hin, welche Wirkung diesem Streit unter Autoren gegen\u00fcber ein Streik der M\u00fcllabfuhr auf die Bev\u00f6lkerung h\u00e4tte. Damit ist wohl alles gesagt.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn010t\">10<\/a> Hendrik Jackson, <em>Was zu beschreiben w\u00e4re<\/em>, in: \u201eBella triste\u201c17 (2007), S. 172<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn011t\">11<\/a> Vgl. Franz Jung, Der Torpedok\u00e4fer, Neuwied und Berlin: Luchterhand 1972, S. 405ff.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn012t\">12<\/a> Rolf Dieter Brinkmann, Vorwort zu seinem Gedichtband \u201eDie Piloten. Neue Gedichte, K\u00f6ln: Kiepenheuer &amp; Witsch 1968\u201c, hier zitiert nach: Rolf Dieter Brinkmann, K\u00fcnstliches Licht. Lyrik und Prosa (Hg. Genia Schulz), Stuttgart 1994, S. 40<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn013t\">13<\/a> ebd.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn014t\">14<\/a> \u201eich finde gew\u00f6hnliche Sachen sch\u00f6n, weil sie nichts bedeuten, und da\u00df sie nichts bedeuten, ist ihre Tiefe &#8211; je weniger \u203aetwas\u2039 Bedeutung hat, desto mehr ist es \u203aes selbst\u2039 und damit Oberfl\u00e4che, und allein Oberfl\u00e4chen, wie jeder wei\u00df, sind \u203atief\u2039!\u201c (Aus: Rolf Dieter Brinkmann, \u201eAnmerkungen zu meinem Gedicht \u203aVanille\u2039\u201c, in: Mammut. M\u00e4rz-Texte 1 und 2, 1969-1984 (Hg. J\u00f6rg Schr\u00f6der), Herbststein: M\u00e4rz 1984, S. 142)<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn015t\">15<\/a> Ein Auszug dieses Interviews findet sich in: Enno Stahl, Popliteraturgeschichte(n) 1965-2007. Texte, Schriften, Bilder, LAUT!Dichtung, D\u00fcsseldorf: Heinrich-Heine-Institut 2007, S. 35<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn016t\">16<\/a> Die Globalisierungsverlierer sind nicht nur ein gegebenes Sinnesdatum, das man registriert, sondern das Anlass zu Fragen oder gar Hintergrundsinformationen gibt, war steht dahinter, wer steht im Schatten?<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn017t\">17<\/a> Viktor Sklovskij, \u201eKunst als Verfahren\u201c, in: Die Erweckung des Wortes (Hg. Fritz Mierau), Lepizig: Reclam 1991, S. 17\/18.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn018t\">18<\/a> Der von Stolterfoht so harsch kritisierte Enzensberger hat mit seiner Einsch\u00e4tzung, dass Poesie anders als die exakte Wissenschaft nicht in der Lage ist, ein \u201eExperiment\u201c immer wieder neu mit ein und demselben Ergebnis durchzuf\u00fchren, schlicht recht (vgl. ders., \u201eDie Aporien der Avantgarde\u201c, in: Einzelheiten, Frankfurt\/M.: Suhrkamp 1962). Der Begriff \u201eExperiment\u201c ist f\u00fcr Dichtung daher eine schlicht unpr\u00e4zise Benennung, so \u00e4u\u00dfert sich auch Alexander Nitzberg, Zerhacktes oder Zusammengeh\u00e4mmertes?, in: \u201eBella triste\u201c 17, S. 49.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn019t\">19<\/a> Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Bd. 23: Schriften 3, S. 419<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn020t\">20<\/a> vgl. dazu Enno Stahl, Der sozial-realistische Roman, Berlin: Sukultur 2006.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/enno-stahl-essay.htm#fn021t\">21<\/a> Alexander Nitzberg, Zerhacktes und Zertr\u00fcmmertes? \u00dcber norbert Langes Lyrik, in: \u201eBella triste\u201c 17 (2007), S. 49.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Man kann eigentlich nichts sagen gegen die junge deutsche Lyrik: sie ist hand\u00adwerklich gut gemacht, ausge\u00adwogen im Ton, ernst\u00adhaft, ja hoch reflektiert.1 Das genau ist aber auch das Problem. Denn was ihr fehlt, oder besser: was mir fehlt2, ist&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/10\/01\/risikogesellschaften-lyrik-und-ihre-bilder-vom-sozialen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":117,"featured_media":1858,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[92],"class_list":["post-64170","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-enno-stahl"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/117"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64170"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64170\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}