{"id":63696,"date":"2008-10-01T00:01:37","date_gmt":"2008-09-30T22:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63696"},"modified":"2021-11-02T07:16:10","modified_gmt":"2021-11-02T06:16:10","slug":"die-einaeugigen-und-die-lyrik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/10\/01\/die-einaeugigen-und-die-lyrik\/","title":{"rendered":"Die Ein\u00e4ugigen und die Lyrik"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man Sehbeschwerden hat, sollte man m\u00f6glichst einen Augenarzt aufsuchen. Allerdings wird er einem kaum helfen k\u00f6nnen, wenn die Beschwerden gedanklichen Ursprungs sind und sich als geistige Ein\u00e4ugigkeit diagnostizieren lassen.<br \/><br \/>Auf solche Ein\u00e4ugigen trifft man immer wieder einmal im Krankenzimmer der Literaturkritik. So wurden erst vor kurzem im neuen ZEIT-Literaturmagazin ausschlie\u00dflich die Zeitschrift <em>Bella triste<\/em> und die beiden <em>Lyrik-von-jetzt<\/em>-Anthologien als Foren der jungen weitverzweigten deutschsprachigen Lyrikszene genannt. Mit einem weiteren Beispiel journalistischer Beschr\u00e4nktheit stimmte nur wenige Tage sp\u00e4ter die FAZ in den Kanon der Ein\u00e4ugigen ein. In einem Beitrag \u00fcber Nazim Hikmet ist dort unter anderem zu lesen: \u201eBis heute ist Nazim Hikmet der einzige t\u00fcrkische Lyriker, der au\u00dferhalb seiner Heimat einem breiteren Kreis von Literaturliebhabern auf allen Erdteilen bekannt (geblieben) ist.\u201c<br \/><br \/>Offenbar hat der Verfasser dieser Zeilen noch nichts von Fazil H\u00fcsn\u00fc Da\u011flarca geh\u00f6rt, der am 15. Oktober 2008 im Alter von 94 Jahren gestorben ist. Da\u011flarca ist zumindest unter Lyrikkennern ebenfalls ein international renommierter t\u00fcrkischer Dichter, von dem auch mehrere B\u00fccher im deutschen Sprachraum erschienen sind (zuletzt 1999 der Lyrikband <em>Steintaube<\/em> im Unionsverlag). Die <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em> bezeichnete ihn einmal als \u201edie \u00fcberragende Figur in der Dichtung seines Landes\u201c. Und der <em>K\u00f6lner Stadt-Anzeiger<\/em> meinte, da\u00df Da\u011flarca einer der letzten gro\u00dfen Poeten des 20. Jahrhunderts sei, \u201evergleichbar mit Neruda, Eluard oder Aragon\u201c.<br \/><br \/>Wenn man allerdings ein\u00e4ugig durchs lyrische Weltgeschehen torkelt, wie es offenbar der <em>FAZ<\/em>-Schreiber tut, bleibt einem so manches verborgen, was durchaus in Sichtweite liegt. Bei hinreichend klarem Blick w\u00e4re er auch vorsichtiger mit seinem Urteil gewesen, da\u00df Nazim Hikmet der gr\u00f6\u00dfte t\u00fcrkische Lyriker des vergangenen Jahrhunderts gewesen sei. H\u00e4tte er seinen Superlativ in den Plural gekleidet und Fazil H\u00fcsn\u00fc Da\u011flarca an die Seite von Hikmet gestellt, w\u00e4re er nicht in den Kanon der Ein\u00e4ugigen geraten.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=28105&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Axel-Kutsch.jpeg\" alt=\"\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Eine \u00a0W\u00fcrdigung des Herausgebers und Lyrikers Axel Kutsch im Kreise von Autoren aus Metropole und Hinterland <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12833\">hier<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wenn man Sehbeschwerden hat, sollte man m\u00f6glichst einen Augenarzt aufsuchen. 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