{"id":63612,"date":"2007-08-27T00:01:25","date_gmt":"2007-08-26T22:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63612"},"modified":"2021-12-26T16:41:27","modified_gmt":"2021-12-26T15:41:27","slug":"verlag-peter-engstler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/08\/27\/verlag-peter-engstler\/","title":{"rendered":"Verlag Peter Engstler"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <em>Verlag Peter Engstler<\/em> geh\u00f6rt zu den Obelisken des jenseits des Mainstreams sein Unwesen treibenden literarischen Untergrunds. Hier erscheint die Literaturzeitschrift <em>Der Sanit\u00e4ter<\/em>, und in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden bringt Peter Engstler Lyrikb\u00e4nde verschiedenster Schreibtemperamente heraus, denen ihr leidenschaftliches Interesse an der menschlichen Existenz gemeinsam ist, das ihr Schreiben \u00f6lt und befeuert: Paulus B\u00f6hmer, Caroline Hartge, Michael Kellner mit <em>Herzblut<\/em> (1993), Peer Schr\u00f6der mit <em>Das ber\u00fchmte entlaufene Nilpferd<\/em> (1993) u.a. Bevor Paulus B\u00f6hmer von gr\u00f6\u00dferen Verlagen entdeckt wurde, gab es Lyrik von ihm auch bei Peter Engstler: <em>Die Ohm<\/em> (1997) und <em>Lama, Lama Sabachthani<\/em> (2001). Neben dieser urgewaltigen Stimme geh\u00f6rt ins Engstler-Programm der viel zu fr\u00fch verstorbene Helmut Salzinger (1935-1993), dessen eher mild gestimmte Gedichte ich gleichsam als Kontrapunkt zu B\u00f6hmers kataraktischen Konvulsionen auch nach 2000 noch mit Interesse lese. Mit jedem Gedicht Salzingers, das ich in den gehefteten Brosch\u00fcren <em>Die beiden H\u00e4nde des Sperbers<\/em>\u00a0(1993) und <em>Vogelschau<\/em> (1995) zur Kenntnis nehme, n\u00e4here ich mich einem Menschen, der nichts anderes wollte als in enger Verbindung mit Natur und Erde zu leben. Diese Gedichte sind gelebte Federzeichnungen, die mir Trost spenden, wenn ich als Pendler zwischen Eifel und K\u00f6ln in der Bahn sitze und mich nach Entspannung sehne. Mit <em>T\u00f6tet f\u00fcr den Frieden<\/em> (1992) lese ich den mittlerweile elften Lyrikband des immerzu schreiben m\u00fcssenden Hadayatullah H\u00fcbsch und schlie\u00dfe eine weitere kleine L\u00fccke in meiner H\u00fcbsch-Sammlung. Sehr angetan bin ich auch von den Versen der eher nur sp\u00e4rlich Lyrikb\u00e4nde ver\u00f6ffentlichenden Caroline Hartge, deren schroffe Sch\u00f6nheit Sie\u00a0in den B\u00e4ndchen <em>Totem<\/em> (1996), <em>Asche<\/em> (2001) und <em>Requiem f\u00fcr Elise Cowen<\/em> (2005) erleben k\u00f6nnen. Da\u00df in einem beatdurchpulsten Verlag wie <em>Peter Engstler<\/em> der Blick \u00fcber den Ozean nicht fehlt, ist klar: Charles Plymells <em>Liebesges\u00e4nge<\/em> (2000) sind Psalmen in der Zeit der Apostasie, hinter deren rauhem Ton ich ebenfalls die archaischen Sehns\u00fcchte eines noch nicht vollends Verr\u00fccktgewordenen h\u00f6re. Das von Cornelia K\u00f6ster erstmals vollst\u00e4ndig aus dem Russischen ins Deutsche \u00fcbertragene Poem <em>Ein Packen von Ordern<\/em> (1999) des von Stalin 1941 ermordeten Aleksej Gastev zeigt das leidenschaftliche Interesse Peter Engstlers, wesentliche Lyrikstimmen, egal wann und wo sie zu h\u00f6ren waren, vor dem Verstummen zu bewahren. Dieses Gedicht sollte allen b\u00fcrokratisch agierenden Aktionisten als Medizin verordnet werden. Wenn <em>Ein Packen von Ordnern<\/em> nicht hilft, was dann?<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"138\" height=\"210\" class=\"wp-image-802\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/engstler_strophen.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong>\u00a0\u2192<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Die W\u00fcrdigung des Hungertuchpreistr\u00e4gers Peter Engstler finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/08\/10\/das-hungertuch-fuer-peter-engstler\/\">hier<\/a>. Holger Benkel schrieb \u00fcber Manzanita einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Rezensionessay<\/a>.<\/p>\r\n<p><strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Verlag Peter Engstler geh\u00f6rt zu den Obelisken des jenseits des Mainstreams sein Unwesen treibenden literarischen Untergrunds. 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