{"id":63607,"date":"2007-07-27T00:01:07","date_gmt":"2007-07-26T22:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63607"},"modified":"2021-12-26T16:49:05","modified_gmt":"2021-12-26T15:49:05","slug":"eremiten-presse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/07\/27\/eremiten-presse\/","title":{"rendered":"Eremiten-Presse"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Den Wind hassen<br \/>Wie ich den Wind ha\u00dfte,<br \/>diese Gewalt von nichts \u00fcber etwas!<\/em><\/span><br \/><span style=\"color: #999999;\">ARNOLD STADLER<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch will drucken, was die gro\u00dfen Verlage nicht riskieren k\u00f6nnen oder wollen. Ich suche keine Bestseller, sondern junge Talente, das Abseitige, das Experiment und auch das inhaltlich Gewagte.\u201c Soweit das Credo des Gr\u00fcnders Victor Otto Stomps (1897-1970), das auch heute noch zutrifft (ich denke etwa an Alex Dreppec), auch wenn in Reden und Zeitungsartikeln verst\u00e4rkt die \u201egro\u00dfen\u201c Autorennamen in der <em>Eremiten-Presse<\/em> Erw\u00e4hnung finden, die vor Jahrzehnten schon in die H\u00e4nde von Friedolin Reske und Jens Olsson (der 1983 in die Fu\u00dfstapfen des fr\u00fch verstorbenen Dieter H\u00fclsmann trat) \u00fcbergegangen ist. Nicht selten ist das erste Buch eines jungen und unbekannten Autors gleichsam der Abflug in die H\u00f6hen der Literaturwelt gewesen. So feierte Thomas Kling 1986 bei der <em>Eremiten-Presse<\/em> sein Deb\u00fct mit <em>erprobung herzst\u00e4rkender mittel<\/em>, nachdem Friederike Mayr\u00f6cker die Verleger auf die innovative Power dieses lyrischen Energieb\u00fcndels hingewiesen hatte. Beim goldenen Jubil\u00e4um im Jahre 1999 gratulierte Kling den <em>Eremiten<\/em> zu \u201eihrer verlegerischen Besessenheit\u201c und lie\u00df klangvolle <em>Eremiten<\/em>-Namen fallen: Hilde Domin, G\u00fcnter Bruno Fuchs, Ernst Jandl, Marie-Lusie Kaschnitz, Christoph Meckel, Ernst Meister. In der <em>Eremiten-Presse<\/em> sind seit 1949 einige hundert Gedichtb\u00fccher erschienen \u2013 die bildsch\u00f6ne Reihe \u201eBroschur\u201c mit originaler Graphik. Ich habe u.a. Cyrus Atabays <em>Die Wege des Leichtsinns <\/em>(1994), Iren Baumanns <em>In unbekannter Richtung<\/em> (1993), Alex Dreppecs <em>Die Doppelmoral des Despoten. Ein Slam-Poetry-Alphabet <\/em>(2003) mit Bildern von Sonja Burri, Hans-J\u00fcrgen Heises <em>Ein Fax von Basho<\/em> (2000), Christoph Klimkes <em>Engel t\u00f6tet man nicht<\/em> (2002) mit Zeichnungen von Johann Kresnik, Gisela Krafts <em>Matrix<\/em> (2003) mit Original-Offsetlithographien von Walter Sachs, Marja Krawcecs <em>Ralbitzer Sonntag<\/em> (1993), Hans Dieter Schwarzes <em>Zw\u00f6lf T\u00fcren. Fr\u00fche und sp\u00e4te Gedichte<\/em> (2002) mit Original-Graphiken von Ulrich Erben, Arnold Stadlers <em>Gedichte aufs Land<\/em> (1995) mit Offsetlithographien von Hildegard P\u00fctz oder Gabriele Wohmanns <em>Das k\u00f6nnte ich sein<\/em>\u00a0(1989) mit Interesse gelesen. [Meine \u00e4lteste Errungenschaft aus der <em>Eremiten-Presse<\/em> ist \u00fcbrigens Christa Reinigs 1969 noch in Stierstadt im \u201eSchlo\u00df Sanssouris\u201c in Blei gesetztes und mit Originallinolschnitten von Axel Hertenstein bereichertes Gedichtbuch <em>Schwalbe von Olevano<\/em>, die Nummer 3 in der Reihe \u201eBroschur\u201c, die 2005 \u00fcber 200 B\u00e4nde umfa\u00dft: \u201eDER TRAUM VOM WESTEN \/\/ Ich tr\u00e4umte heute nacht, ich sei im Westen. \/ Und wachte auf und war \u2013 \/ im Westen.\u201c (Ich sag es ja: Westw\u00e4rts ist \u00fcberall.)]<br \/>Einer meiner Favoriten in der <em>Eremiten-Presse<\/em> ist Eckard Sinzigs wie entfesselt geschriebener, mit prallem Leben gef\u00fcllter Band <em>Kopfpunktierer, Herztranchierer<\/em> (1997) mit acht originalen Offsetlithographien von Klaus Endrikat, der auch nach 2000 abgeht wie ein Intercity. Bei Heinz Piontek lese ich:<em> \u201e<\/em>Manche B\u00fccher lassen uns nicht los. Das hei\u00dft, wir h\u00e4ngen an ihnen. Mit Verbrennungen. Wie an Starkstromdr\u00e4hten.\u201c <em>Kopfpunktierer, Herztranchierer<\/em> ist ein solcher Starkstromdraht. Bildsch\u00f6n ist der Band <em>Verwitterungen<\/em> (1995) von Margarete Hannsmann, den Bernard Schultze, der wunderbare Maler, mit originalen Graphiken bereichert hat. Annemarie Zornack gibt in <em>str\u00f6mungsgefahr<\/em> (1999) mit Gedichten aus den Jahren 1961-1998 einen \u00dcberblick \u00fcber die Bandbreite ihres Schaffens. 1998 entstand die<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"text-align: justify;\"><em>HAUSORDNUNG<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"text-align: justify;\"><em>halt dich gerade stuhl<br \/>klapp<br \/>dich zusammen<br \/>aaaaaaaaaaaaaatrittleiter<br \/>in einer kleinen<br \/>wohnung m\u00fcssen sich<br \/>auch die m\u00f6bel<br \/>disziplinieren<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist m\u00fc\u00dfig, zu spekulieren, wer denn nun der erste unter den kleinen Verlagen im deutschen Sprachraum sei, aber die <em>Eremiten-Presse<\/em>, deren Profil und Programm in <em>Vier Jahrzehnte Eremiten-Presse 1949-1989<\/em> (Eremiten-Presse, D\u00fcsseldorf 1989), einer Chronik von Martin Ebbertz und einer Bibliographie\u00a0von Friedolin Reske, ausf\u00fchrlich dargestellt wird, geh\u00f6rt mit den zahlreichen poetischen und k\u00fcnstlerischen Originalen in bester Verpackung zu den prim\u00e4ren Anw\u00e4rtern.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Wind hassenWie ich den Wind ha\u00dfte,diese Gewalt von nichts \u00fcber etwas!ARNOLD STADLER \u201eIch will drucken, was die gro\u00dfen Verlage nicht riskieren k\u00f6nnen oder wollen. 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