{"id":63603,"date":"2007-05-27T00:01:00","date_gmt":"2007-05-26T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63603"},"modified":"2021-12-26T16:52:14","modified_gmt":"2021-12-26T15:52:14","slug":"hoffmann-campe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/05\/27\/hoffmann-campe\/","title":{"rendered":"Hoffmann &#038; Campe"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das lyrische Programm des altehrw\u00fcrdigen Hamburger Verlags <em>Hoffmann &amp; Campe<\/em> verbinde ich mit einem der wohlklingendsten Namen in der deutschsprachigen Lyrikwelt seit 1956 (dem Erscheinungsjahr des ersten Gedichtbandes <em>Achtsam sein<\/em>): Walter Helmut Fritz. Ich bin der spektakul\u00e4r unspektakul\u00e4ren Poesie dieses sensiblen Seismographen hoffnungsvoll verfallen. Wo immer ich die Gelegenheit habe, fahnde ich nach vergriffenen Gedichtb\u00fcchern von Walter Helmut Fritz. W\u00e4hrend eines Aufenthalts in Speyer 2003 entdecke ich beispielsweise <em>Schwierige \u00dcberfahrt<\/em> (1976) in einem Antiquariat. Den nunmehr sechzehnten Lyrikband von Walter Helmut Fritz in meiner Sammlung ersteigerte ich 2004 bei ebay: <em>Werkzeuge der Freiheit <\/em>(1983). W\u00e4hrend ich <em>Zugelassen im Leben<\/em> (1999) lese, denke ich: Walter Helmut Fritz ist sich stets treu geblieben als Autor. Er hat fr\u00fch seinen l\u00e4ngst legend\u00e4ren lakonischen Stil mit den immer wieder aufblitzenden, oft nur angedeuteten Pointen gefunden. Lassen Sie doch einmal die Jahrzehnte von 1956 bis heute Revue passieren und stellen Sie fest, welchen St\u00fcrmen dieser besonnene Mensch ausgesetzt war. Statt sich irgendwo einer Modestr\u00f6mung anzuschlie\u00dfen, hat er beharrlich an seinen poetologischen \u00dcberzeugungen festgehalten. Das Ergebnis lesen Sie in \u201eMaskenzug\u201c (2003), das mit einem Zitat von V\u00e9ra Linhartov\u00e1 einsetzt:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was wir aussagen k\u00f6nnen, geht in Worte ein. Die Worte stellen sich zwischen uns und unsere Vorstellung (\u2026) wie ein neues und unabh\u00e4ngiges Element, wie ein dritter Partner im Spiel. Langsam kommen sie herbei und reihen sich aneinander; sie bilden einen durchsichtigen Vorhang, von dem man nicht sagen kann, ob er uns mit unserer Vorstellung verbindet oder ob er uns von ihr trennt\u2026<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMaskenzug\u201c: die gleiche Feinheit, die gleiche Finesse, die gleiche Frische. Fritz hat in den \u00fcber 50 Jahren seit 1956 (meinem Geburtsjahr) nie aufgeh\u00f6rt zu schreiben, ist dabei allerdings alles andere als ein Vielschreiber. Seine dialektisch strukturierte, mit wenigen W\u00f6rtern stets nur operierende \u201ePoesie ohne Aufwand\u201c\u00a0(O-Ton Fritz) mit den pr\u00e4zisen Versen bzw. Zeilen der Gedichte und Prosagedichte finden Sie in den beiden umfangreichen B\u00e4nden <em>Gesammelte Gedichte<\/em> (1979) und <em>Gesammelte Gedichte 1979-1994<\/em> (1994) sowie zahlreichen Einzeltiteln, von denen etliche noch lieferbar sind bis hin zu <em>Sehnsucht <\/em>von 1978. Ich bin gespannt, wann <em>Hoffmann &amp; Campe<\/em> den dritten Band mit gesammelten Gedichten von Walter Helmut Fritz, der 2004 das 75. Lebensjahr vollendet hat, herausbringen wird. Ich warte. [Matthias Politycki, der bei Hoffmann &amp; Campe ebenfalls Poesie ver\u00f6ffentlicht hat, habe ich\u00a0\u00fcbrigens nicht \u00fcbersehen. Auf ihn und seinen Gedichtband gehe ich im Kapitel \u201eT\u00fcr zum Meer\u201c ein.]<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\"><em>L<\/em><em>ANGE<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"text-align: justify;\"><em>lie\u00df er sich von Sch\u00f6nrednern<br \/>ohne Not nasf\u00fchren,<br \/>wollte manches nicht wissen.<br \/>Heute seine Bemerkung,<br \/>diese Kadaver von Tieren<br \/>auf Scheiterhaufen,<br \/>im Aschenregen<br \/>seien auch wir.<br \/>Er starrte in den Qualm,<br \/>auf die Keultrupps.<br \/>Dabei ist Fr\u00fchling, \u00fcberall<br \/>dr\u00e4ngen Krokusse aus dem Boden.<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Das lyrische Programm des altehrw\u00fcrdigen Hamburger Verlags Hoffmann &amp; Campe verbinde ich mit einem der wohlklingendsten Namen in der deutschsprachigen Lyrikwelt seit 1956 (dem Erscheinungsjahr des ersten Gedichtbandes Achtsam sein): Walter Helmut Fritz. Ich bin der spektakul\u00e4r unspektakul\u00e4ren Poesie&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/05\/27\/hoffmann-campe\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":19900,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[84],"class_list":["post-63603","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-theo-breuer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63603"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63603\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}