{"id":63505,"date":"2006-02-27T00:01:00","date_gmt":"2006-02-26T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63505"},"modified":"2021-12-26T17:28:51","modified_gmt":"2021-12-26T16:28:51","slug":"wunderhorn-verlag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/02\/27\/wunderhorn-verlag\/","title":{"rendered":"Wunderhorn Verlag"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Besprechung von <em>Ohne Punkt &amp; Komma<\/em> antwortet Herbert Sleegers auf meine Aufforderung, die vielen L\u00fccken des Buches mit eigenen Gedanken zu schlie\u00dfen: \u201eGar so viele L\u00fccken kann ich beim besten Willen nicht entdecken.\u201c <em>Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000<\/em>\u00a0ist meine Antwort, Herr Sleegers! Und auch dieses Buch kann nur exemplarische Einblicke liefern, glauben Sie mir. Die Lyrik unserer Tage ist ein wundervolles F\u00fcllhorn, das sich folglich nie leert und von dem der einzelne Leser, und sei er noch so lyrikgierig, nur fragmentarisch resorbieren kann. Auch das Programm des Heidelberger <em>Wunderhorn Verlags<\/em> tr\u00e4gt zu dieser \u00fcppigen Vielfalt bei. Neben Einzeltiteln von Michael Buselmeiser, J\u00fcrgen Theobaldy, Hans Thill u.a. ist hier mit <em>Das verlorene Alphabet<\/em> (1999) die originellste Anthologie zur Lyrik der 1990er Jahre erschienen, die gerade heute wieder mit besonderem Interesse gelesen werden kann: Hat sich etwas Signifikantes ver\u00e4ndert seit Beginn bis Mitte der 1990er Jahre, und wenn ja, an welchen Gedichten, B\u00fcchern bzw. Autoren k\u00f6nnen wir diese Entwicklung festmachen? Stellen der Tod von Ernst Jandl im Jahr 2000 und\/oder das Ableben von Thomas Kling im Jahr 2005 eine Z\u00e4sur dar im deutschsprachigen Lyrikschaffen? <em>Das verlorene Alphabet<\/em> ist ein in sich (viel-)stimmiges kakophonisches 90er-Jahre-Konzert, das ich mit Assoziationen wie Astels Andeutungen, Beyers Befunde, Czernins Charisma, Derschaus Deutlichkeit, Eichs Ernst, Franzobels Fragmente, Gr\u00fcnbeins Gr\u00f6nland, Heins Himmel, Ingolds Ideen, Jandls Jovialit\u00e4t, Klings KlangArt, Laschens Landschaft, Meckels Metamorphosen, Novaks Numinosit\u00e4t, Oleschinskis Offenheit, Pastiors Pocken, R\u00fchmkorfs Rhythmus, Samsons Sehnsucht, Techels Tulpen, Waterhouse-W\u00f6rter, Ziebritzkis Z\u00f6gern nur spr\u00f6de anklingen lassen kann. Dieser Aufgalopp von Gedichten, die die Zeit nach 2000 einl\u00e4uten, will gelesen sein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Poesie der Nachbarn. Dichter \u00fcbersetzen Dichter<em>:<\/em> <em>Auf der Grundlage philologisch genau erarbeiteter Interlinear-\u00dcbersetzungen entstehen im <\/em>K\u00fcnstlerhaus Edenkoben<em> die \u00dcbersetzungen, \u00dcbertragungen, Nachdichtungen; im Gegen\u00fcber zweier Sprachen, zweier T\u00f6ne, zweier Sprachgeb\u00e4rden entsteht der dem Original in ad\u00e4quater Weise begegnende neue deutschsprachige Text, eine Fortschreibung des Originals ins Deutsche.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wunderbare, von Gregor Laschen begr\u00fcndete Initiative <em>Poesie der Nachbarn. Dichter \u00fcbersetzen Dichter, <\/em>deren erste f\u00fcnfzehn B\u00e4nde in der <em>edition<\/em> <em>die horen<\/em> erschienen, ist mittlerweile in die H\u00e4nde von Hans Thill \u00fcbergegangen. [1999 erschien bei <em>DuMont<\/em> der von Gregor Laschen edierte Sammelband <em>Sch\u00f6nes Babylon<\/em>, eine Auswahl aus den ersten zehn B\u00e4nden der Reihe <em>Poesie unserer Nachbarn<\/em>.]\u00a0Die Publikation der zweisprachig edierten Reihe der Stiftung <em>Bahnhof Rolandseck<\/em> und des <em>K\u00fcnstlerhauses Edenkoben<\/em> wurde von <em>Wunderhorn <\/em>\u00fcbernommen. 2004 erschien der von Gregor Laschen und Hans Thill gemeinsam herausgegebene sechzehnte Band <em>Leb wohl lila Sommer. Gedichte aus Ru\u00dfland<\/em>. Die russischen Dichter Timor Kibirov, Ol\u00edga Martinova, Vera Pavlova, Aleksej Purin, Evgenj Rejn und Ol\u00edga Sedakova, Vertreter unterschiedlicher literarischer Str\u00f6mungen, wurden von Sylvia Geist, Sabine K\u00fcchler, Gregor Laschen, Hans Thill, Jan Wagner und Ernest Wichner ins Deutsche \u00fcbertragen. 2005 publizierte Hans Thill als nunmehr alleiniger\u00a0Herausgeber <em>Wozu V\u00f6gel, B\u00fccher, Jazz. Gedichte aus England<\/em>. Der Sammelband will belegen, \u201eda\u00df es in keiner Lyrikszene gegenw\u00e4rtig so brodelt und pulsiert wie in der englischen\u201c, wie es im Nachwort hei\u00dft. Helen Macdonald, Frances Presley, J.H. Prynne, Craig Raine, Keston Sutherland und Tim Turnbull hei\u00dfen die englischen Autoren, die von Franz Josef Czernin, Elke Erb, Norbert Hummelt, Ulf Stolterfoht und Hans Thill \u00fcbersetzt wurden. Umfangreiche Nachworte, ausf\u00fchrliche Ausk\u00fcnfte \u00fcber die beitragenden Autorinnen und Autoren, attraktiver Hardcovereinband, kurz, vorz\u00fcglich edierte und gestaltete B\u00fccher laden dazu ein, die Poesie aus den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern weiterhin n\u00e4her kennenzulernen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 In seiner Besprechung von Ohne Punkt &amp; Komma antwortet Herbert Sleegers auf meine Aufforderung, die vielen L\u00fccken des Buches mit eigenen Gedanken zu schlie\u00dfen: \u201eGar so viele L\u00fccken kann ich beim besten Willen nicht entdecken.\u201c Aus dem Hinterland. 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