{"id":63422,"date":"2009-08-26T00:01:00","date_gmt":"2009-08-25T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63422"},"modified":"2021-12-26T15:29:48","modified_gmt":"2021-12-26T14:29:48","slug":"zwischenbemerkungen-%e2%80%a2-mensch-der-leisen-toene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/08\/26\/zwischenbemerkungen-%e2%80%a2-mensch-der-leisen-toene\/","title":{"rendered":"Zwischenbemerkungen \u2022 Mensch der leisen T\u00f6ne"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #333333;\"><strong>Walter Helmut Fritz zum 80. Geburtstag am 26. August 2009<\/strong><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\">Im Gedicht finde ich eine M\u00f6g\u00adlich\u00adkeit zu atmen; wach zu blei\u00adben; ein Dach \u00fcber den Kopf zu be\u00adkommen; [\u2026] in Au\u00adgen\u00adblicken der Mut\u00adlosig\u00adkeit nicht zu ver\u00adgessen, da\u00df etwas vor einem liegt, da\u00df etwas of\u00adfen\u00adbleibt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\">Walter Helmut Fritz<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #333333;\"><strong>Sie taten es, und es war doch gar nicht m\u00f6glich, es zu tun<\/strong><\/span><br \/><br \/>Ich wu\u00dfte nicht, wie mir geschah, als wir erstmals \u2013 fernm\u00fcndlich im Jahre 2000 \u2013 miteinander sprachen. Unzweifelhaft vernahm ich seine Stimme am anderen Ende der Leitung \u2013 jedenfalls meldete sich diese mit dem entsprechenden Namen: die Stimme des leibhaftigen Walter Helmut Fritz, den ich wie einen Heiligen verehrte, seit ich seine Gedichte und Romane entdeckt hatte, \u00fcber die Michael Buselmeier schreibt: <em>Fritz&#8216; Interesse gilt nicht den sogenannten gro\u00dfen Dingen, den Staatsaktionen, sondern dem, was zwischen den Zeilen und S\u00e4tzen steht und das Leben tats\u00e4chlich ausmacht: den M\u00f6glichkeiten des Augenblicks, den kaum merklichen Ver\u00e4nderungen und Mehrdeutigkeiten, der Frage, wie der Mensch mit der Banalit\u00e4t seines Alltags, der Unbegreiflichkeit seines individuellen Schick\u00adsals fertig wird.<\/em><br \/>Ich erinnere mich stark an die Vibrationen, die ich am ganzen K\u00f6rper sp\u00fcrte, als ich nach dem Austausch konventioneller H\u00f6flichkeiten und dem Ablegen anf\u00e4nglicher Befangenheit versuchte, Walter Helmut Fritz davon zu \u00fcberzeugen, mir ein Gedicht f\u00fcr die erste handgeschriebene Anthologie in der edition bauwagen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Gern, meinte er nach meinen minutenlangen Erl\u00e4uterungen kurz und b\u00fcndig, und erst als ihm endg\u00fcltig klar wurde, da\u00df er das Gedicht 37mal w\u00fcrde schreiben m\u00fcssen, kamen ihm sehr, sehr heftige Bedenken. 37mal??? Also, Herr Breuer, ich wei\u00df nicht &#8230;<br \/>Wie gelang es mir, ihn trotzdem von dem Projekt zu \u00fcberzeugen oder wenigstens doch zu \u00fcberreden? Jedenfalls \u2013 hier liegt <em>W\u00f6rter sind Wind in Wolken<\/em>, die Anthologie von 2000 mit Autographen von Hans Bender, Aldona Gustas, G\u00fcnter Kunert, Axel Kutsch, Andreas Noga und anderen Autoren auf\u00adgeschlagen neben mir, und ich lese den weiter unten zitierten Vierzeiler <em>Vermutung<\/em> in der originalen Handschrift von Walter Helmut Fritz.<br \/><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/theo-breuer-hans-bender.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hans Bender<\/a>, dem Fritz seit Ende der 1940er Jahre freund\u00adschaftlich ver\u00adbunden ist, hatte mich ermutigt, den direkten Kontakt zu Fritz zu suchen. Ich h\u00e4tte das ohne diesen Ansto\u00df nicht gewagt in jener Zeit, zu gro\u00df war der Respekt vor dieser litera\u00adrischen Galionsfigur. Beim Telefonat am hei\u00dfen 20. Juli 2009 erz\u00e4hlt Bender mir lachend, wie er damals mit Fritz \u00fcberlegt hatte, ob dieser sich als Autor ein Pseudonym zulegen sollte. Es ist bezeichnend, da\u00df Walter Helmut Fritz es nicht tat. Der Name wuchs mit den Jahren zu mehr als blo\u00dfem Namen: Er wurde Markenzeichen f\u00fcr eine lakonische Lyrik und Prosa, deren W\u00f6rter und Verse elektrisieren.<br \/><br \/><strong>Angenommen, sie h\u00e4tten die L\u00f6sung gefunden \u2013 was h\u00e4tten sie damit gewonnen?<\/strong><br \/><br \/>Wie geht das \u2013 elektri\u00adsieren durch W\u00f6rter, durch Verse? fragen nun Menschen, die es genauer wissen wollen, und ich gerate in Erkl\u00e4\u00adrungs\u00adnot\u00adstand, mag solche Fragen gar nicht beantworten, will blo\u00df schweigen und die W\u00f6rter wieder- und wiederlesen. <em>Bei den Gedichten von Walter Helmut Fritz entsteht bei jeder neuen Lekt\u00fcre das Gef\u00fchl einer stets wachsenden Freundschaft, die alle Moden \u00fcbersteht,<\/em> schreibt Michael Kr\u00fcger. Gestern abend las ich (zum wievielten Mal?) das Gedicht<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Katze<br \/><\/em><br \/>In der Ekstase ihrer Reglosigkeit<br \/>lauschte sie in den \u00fcber<br \/>und \u00fcber erbl\u00fchten,<br \/>atmenden, summenden Garten,<br \/>sein aus vielen Spiegeln<br \/>bestehendes, gl\u00e4nzendes Blattwerk,<br \/>in dessen geringer Bewegung<br \/>sich die Beute verbarg.<br \/>Mit einem Hieb wies sie deine Hand<br \/>zur\u00fcck und drehte dir schweigend<br \/>den R\u00fccken zu. Wie oft h\u00f6re und lese ich das Wort <em>Ekstase<\/em> und denke gleichzeitig, nun macht mal halblang, alles nicht so wild, und \u201eekstatisch\u201c ist das alles schon gar nicht. Anders bei Fritz: Die <em>Ekstase der Reglosigkeit<\/em> ist keine Behauptung (in vielen zeitgen\u00f6ssischen Gedichten wird arg viel behauptet, was einem n\u00e4heren Check nicht standh\u00e4lt), sondern sehr pr\u00e4zis bedachte antinomische Setzung. Hier flie\u00dft fern\u00f6stliche Weisheit und Erfahrung in eine banale Alltagssituation in Germania, die mich dennoch fesselt, fesselt wegen der W\u00f6rter und Bilder, ich erlebe den atmenden, den summenden Garten, das gl\u00e4nzende Blattwerk, versp\u00fcre den Hieb (der erbarmungslos zerst\u00f6rt, was scheinbar blo\u00df locus amoenus war). Schlie\u00dflich die barbarische Degradierung eines Lebewesens zur <em>Beute<\/em>: In den Augen der Katze (auch der des Nachbarn, die eben wieder, zum Gl\u00fcck vergeblich, hier bei uns auf Vogeljagd ging) ist das blo\u00df noch Beute, schon nicht mehr atmende Kreatur.<br \/>Ein banales, kleines, stilles, in (bis auf <em>Ekstase<\/em>) allt\u00e4gliche W\u00f6rter ver\u00adwandeltes Gescheh\u00adnis im Garten. Das lyrische Ich, ganz am Ende besonders deutlich in die Statisten\u00adrolle verwiesen, protokolliert pr\u00e4zise, Hauptdarsteller ist seine Katze, alles nicht der Rede wert, aber wohl wert, ein klingendes, in sich geschlossenes Gedicht zu schreiben, das in sich geschlossen wirkt wie das Erlebnis, das es beschreibt oder besser: <em>Sie waren auf der Suche nach den Bildern, in die sie eintreten konnten und in denen sie selbst an Deutlichkeit gewinnen w\u00fcrden<\/em>. (Walter Helmut Fritz, <em>Zwischenbemerkungen<\/em>) In Nicholas Christophers Roman <em>Franklin Flyer<\/em> lese ich: <em>Our sole mission should be to eternalize the things of this world. Take them in and transform their substance into spirit. That is how we become spirit.<\/em><br \/><br \/><strong>Den Faden nicht verlieren<\/strong><br \/><br \/>1956 ist eine Zahl, die f\u00fcr mich magische Leuchtkraft hat: Kein Wunder, denn in jenem Jahr wurde ich geboren. Ob das nun Anla\u00df zu st\u00e4ndigem Jubel ist, wage ich zu bezweifeln, und so lasse ich das einmal dahingestellt sein. 1956, und das ist die Kehrseite der Jahrgangsmedaille, ist auch das Sterbejahr von Gottfried Benn und Bertolt Brecht. Zwei der gr\u00f6\u00dften deutschen Dichter nicht nur des 20. Jahrhunderts legten den Stift aus der Hand, w\u00e4hrend ein anderer sich aufmachte, in deren Fu\u00dfstapfen zu treten, vermutlich nicht ahnend oder gar hoffend und schon gar keinen Gedanken daran verschwendend, da\u00df ein Verlag ihn \u00fcber 50 Jahre sp\u00e4ter zum 80. Geburtstag mit einer Ausgabe der <em>Werke in drei B\u00e4nden<\/em> ehren w\u00fcrde.<br \/><em>Achtsam sein<\/em> hei\u00dft der erste Lyrikband von Walter Helmut Fritz, der in eben jenem Jahr 1956 erschien und der gleichsam Fundament und Wegweiser f\u00fcr ein Werk wurde, das Gedicht, Prosagedicht, Roman, Erz\u00e4hlung, Aufzeichnung, Essay, H\u00f6rspiel und Theaterst\u00fcck umfa\u00dft.<br \/>Ich glaube, erst 1996 halte ich das erste Buch von Walter Helmut Fritz in H\u00e4nden, dem bis 2008 32 weitere folgen. Je mehr B\u00fccher ich von ihm lese, um so sch\u00e4tzenswerter wird dieser Autor mir. Als ich vor einiger Zeit erfahre, da\u00df zum 80. Geburtstag am 26. August 2009 eine Werkausgabe geplant ist, l\u00e4\u00dft mich die Vorstellung daran zun\u00e4chst ziemlich kalt. Ich besitze ja den Gro\u00dfteil der B\u00fccher von Fritz (darunter viele Erstausgaben), was will ich da noch mit einer Werkausgabe, die schon wieder viel Platz fordert, wo ich seit langem eh um jeden Zentimeter Regal k\u00e4mpfe?<br \/>Von einer Minute auf die andere alle Bedenken zerstreuend, besorge ich mir kurzerhand die <em>Werke in drei B\u00e4nden<\/em>: Auch wenn eine Reihe verstreut erschienener Text sowie die vielen kongenialen \u00dcbertragungen \u2013 vor allem aus dem Franz\u00f6sischen \u2013 nicht aufgenommen wurden: Wenn ich den Schuber mit den drei B\u00e4nden betrachte, habe ich das Gef\u00fchl, den ganzen Fritz nun vollkommen bei mir zu haben. Ich h\u00e4tte nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, da\u00df mehr als 50 B\u00fccher in einer dreib\u00e4ndigen Ausgabe \u2013 in blaues Leinen geh\u00fcllt, das von einem blau beschrifteten wei\u00dfen Umschlag aus volu\u00admin\u00f6\u00adsem Werkdruckpapier gesch\u00fctzt wird \u2013 zusammengebracht werden k\u00f6nnen, ohne da\u00df das Ganze gedr\u00e4ngt wirkt. Gemeinsam mit den 33 einzelnen B\u00fcchern f\u00fcllt der 12 cm breite Schuber nun ein Regalbrett, das allein das literarische Werk von Walter Helmut Fritz beherbergt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie entdeckten keine andere Antwort als die, die sie lebten<\/strong><br \/><br \/>In einer der Werkausgabe beiliegenden Pressemitteilung des Verlags Hoffmann und Campe lese ich: <em>Alle Schriften von Walter Helmut Fritz sind getragen von einer zugewandten Neugier gegen\u00fcber dem Leben, der Achtung vor dem anderen Menschen, einer Liebe zur Wahrheit und nat\u00fcrlich zur Sprache. Ohne Bem\u00fchung oder falsche Erh\u00f6hung spiegeln die Texte sein tiefes Interesse an dem, was tats\u00e4chlich passiert. So gewinnt die Lyrik, aber auch jeder Gedanke \u00fcber einen Schriftstellerfreund diese besondere Klarheit und Glaubw\u00fcrdigkeit, die seine Stimme ausmacht.<\/em> Als ich in den 1990er Jahren die ersten Gedichte von Walter Helmut Fritz las, war ich sogleich von dem gefangengenommen, was mich bis heute an diesen wie Kiesel geschliffenen Gedichten fesselt, deren Aura mich bei jedem Lesen neu bezaubert, denn hier sp\u00fcre ich gelebtes Leben in jedem Wort und Vers pulsieren.<br \/>Wie es dazu kommt?<br \/>Ganz einfach, wie Fritz selbst erl\u00e4utert: <em>Ich nehme an, da\u00df beides, sowohl Themen wie Stil, sich ergeben aus der Art, wie man lebt. Mir f\u00e4llt in diesem Zusammenhang ein sch\u00f6nes Wort von Philippe Jaccottet ein, n\u00e4mlich der Satz: \u201eDie Schwierigkeit liegt nicht im Schreiben. Die Schwierigkeit liegt nur darin, so zu leben, da\u00df das zu Schreibende dann nat\u00fcrlich daraus entsteht.\u201c Das ist f\u00fcr mein Gef\u00fchl der gute Versuch einer Erkl\u00e4rung, wie so etwas zustandekommt.<\/em><br \/>Der am 26. August 1929 in Karlsruhe geborene und seit kurzer Zeit in Heidelberg lebende Walter Helmut Fritz, Mensch der Zwischen\u00adbemerkungen und leisen T\u00f6ne, verf\u00fcgt \u00fcber eine der feinsten Lyrikstimmen im deutschen Sprachraum, deren Intensit\u00e4t und Pr\u00e4zision beim Lesen tiefe Spuren in den lyrischen G\u00e4ngen des Gehirns hinterl\u00e4\u00dft: <em>Sie versuchten, dorthin zu gelangen, wo man die Ger\u00e4usche wahrnehmen kann, die dem Schweigen und dem Sprechen gemeinsam sind.<\/em> Mit seinen Gedichten, Auf\u00adzeichnungen und Romanen (deren eindringliche <em>Verhaltenheit<\/em> Peter Handke r\u00fchmt) ist er ein Eckstein im Bauhaus der Literatur. Dies wird nun durch die repr\u00e4sentativen, von Matthias Ku\u00dfmann edierten <em>Werke in drei B\u00e4nden<\/em> eindrucksvoll untermauert.<br \/>In <em>Aus dem Hinterland<\/em> schreibe ich: 2000 verstarb Ernst Jandl. Er hinterl\u00e4\u00dft ein umfangreiches, ein gro\u00dfes Werk. Jandl geh\u00f6rt zu den bedeu\u00adtendsten und kreativsten Dichtern im deutschen Sprachraum. Seine lyrische Stimme wird man noch h\u00f6ren wollen, wenn viele l\u00e4ngst in Vergessenheit geraten sind. Gemeinsam mit Rolf Dieter Brinkmann, Walter Helmut Fritz und Friederike Mayr\u00f6cker bildet er mein pers\u00f6nliches vier\u00adbl\u00e4ttriges Lyrikklee\u00adblatt (dessen f\u00fcnftes Blatt ich mit Thomas Kling beschrifte).<br \/><br \/><strong>Sie begannen zu verstehen, da\u00df man das Spiel verlieren mu\u00df, wenn nicht alles, was man nachher sagt, falsch klingen soll<\/strong><br \/><br \/>Axel Kutsch vergleicht die Welt der Lyrik gelegentlich mit der des Sports, so etwa in seinem Kommentar im <em>Jahrbuch der Lyrik 2009<\/em> mit der des Boxens oder im <em>Jahrbuch der Lyrik 1993<\/em> mit der des Fu\u00dfballs. Mich auf diese sympathische Sichtweise einlassend, frage ich mich jetzt: In welcher Lyrikbundesligamannschaft m\u00f6chte ich Walter Helmut Fritz spielen lassen? Selbstverst\u00e4ndlich ist er, <em>ein Meister des Leisen und Lakonischen<\/em> (Peter Hamm) Spielmacher und Kapit\u00e4n der Auswahl. Er wird das genauso selbstverst\u00e4ndlich zur\u00fcckweisen wollen, aber zum 80. Geburtstag mu\u00df er sich gefallen lassen, an erster Stelle zu stehen, der Star zu sein.<br \/>Walter Helmut Fritz und die Mitspieler Hans Bender, Rainer Brambach, Hans-Georg Bulla, G\u00fcnter Bruno Fuchs, Hans-J\u00fcrgen Heise, Matthias Kehle, Johannes K\u00fchn, Walle Sayer, Ludwig Steinherr und Norbert Scheuer bevorzugen das Kurzversspiel und kommen dennoch mit dem Wort aus der Tiefe des Raums. Sie setzen locker-ironisch links an, um rechts \u00fcberraschend durch die Zeilen zu brechen. Ohne viel Aufhebens, gleichm\u00fctig, lakonisch, zielsicher, gespickt mit Fu\u00dfangeln, antinomischen Wortpaarungen, \u00fcberraschenden Kollokationen und der Sprache buchstabengetreu auf den Fu\u00df schauend, jonglieren sie einfach und locker mit den W\u00f6rtern, spielen phrasenweise den melancholischen, gelegentlich den sarkastischen, bisweilen den subversiv klingenden, bevorzugt den unspektakul\u00e4ren Ton, mit dem sie Treffer um Treffer erzielen, unbemerkt vom Gro\u00dfteil des Publikums, das den tollen Typen der anderen Truppe zujubelt.<br \/><br \/><strong>Da ging etwas verloren, das nicht vorhanden war<\/strong><br \/><br \/>Der 1967 geborene Autor Matthias Kehle ist Karlsruher wie Walter Helmut Fritz, und er bekennt sich gern zum lakonischen Fritz-Sound, ein Sound, der\u00a0\u2013 das zeigen die Jahrzehnte seit 1956\u00a0\u2013 unverw\u00fcstlich, haltbar und dauerhaft ist. In <em>Die Schl\u00fcssel sind vertauscht<\/em> lese ich: <em>Er las Gedichte. Es gab eine Gedichtzeit. Gedichte, Welle um Welle. Das Gedicht, das dem anderen folgt. Bewegung, in der alles je Geliebte zum Widerschein wird.<\/em> Die aparte Leuchtkraft dieser einfach aneinandergereihten W\u00f6rter ist hohe lyrische Kunst im Kleinen \u2013 in Muscheln versteckte Perlen, die nach 2000 offenbar nur noch von einem kleinen Leserkreis ge\u00f6ffnet und entdeckt werden. Um so h\u00f6her ist das Engagement des Verlags Hoffmann und Campe zu bewerten, der diese <em>Werke in drei B\u00e4nden<\/em> von Walter Helmut Fritz in schwierigen Zeiten f\u00fcr Lyrik zwischen Buchdeckeln erm\u00f6glicht. In einem Gedicht Matthias Kehles lese ich:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">er will<br \/>keine B\u00fccher mehr lesen so weit<br \/>hat er es ohne sie<br \/>gebracht er wei\u00df<br \/><br \/>wovon er<br \/>spricht<br \/><br \/>es gibt keine labyrinthe mehr<br \/>niemand kann ihm<br \/>vorwerfen sein leben<br \/>sei ein anderes Im Gegensatz dazu will ich allerdings noch immer mehr B\u00fccher lesen (ohne sie komme ich nicht weit\/er), ich f\u00fchle weiterhin diese leidenschaftliche Besessenheit, ohne die ich nicht lebensf\u00e4hig bin: Wenn ich nicht lesen kann, kann ich nicht leben, und je mehr ich lese, um so st\u00e4rker f\u00fchle ich mich in diesen anderen Leben, diesen Irrg\u00e4rten (die auf englisch <em>maze<\/em> hei\u00dfen, h\u00f6chst <em>amazing<\/em>), in die ich zwischen zwei Buchdeckeln hineingehen kann \u2013 so, wie ich im Garten von Hampton Court kilometerweit durch den Irrgarten, the maze, gehe, bis ich doch wieder zur\u00fcckfinde. <em>Ich hasse alles, was sich nicht auf die Literatur bezieht<\/em>, lese ich bei Franz Kafka.<br \/><br \/><strong>Als es unsichtbar geworden war, begann es zu leuchten<\/strong><br \/><br \/><em>Jeder vortreffliche ist ein aus der Tiefe des Daseins geholter Reim<\/em>, betont Oskar Loerke, was gleichzeitig bedeutet, da\u00df es so viele vortreffliche Reime nicht geben kann in den Werken der einzelnen Dichter. (Wie hei\u00dft es bei Goethe: <em>Ob sich gleich auf deutsch nichts reimt, reimt der Deutsche kr\u00e4ftig fort<\/em>.) Walter Helmut Fritz hat \u2013 seiner Art gem\u00e4\u00df \u2013 selten auf offensichtliche Art und Weise gereimt \u2013 wenn, dann sind sie ganz ruhig, zur\u00fcckhaltend, unscheinbar, die Binnen- und Vokalreime und gelegentlich auch die Reime am Ende wie im Vierzeiler<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vermutung<br \/><\/em><br \/>Wenn er unbeobachtet ist,<br \/>glaubt dieser Stein<br \/>(er wandert dann wahrscheinlich umher)<br \/>eine Schildkr\u00f6te zu sein. Ein einfacher Reim, gewi\u00df, und doch ein vortrefflicher: <em>Stein<\/em> und <em>sein<\/em> bilden ein Kollektiv, in dem jeder Steinesammler sich heimisch f\u00fchlt. Seit einigen Jahren bin ich ein solcher. Ich wandere \u2013 zumeist unbeobachtet und vornehmlich in Zeiten, wenn ich nicht schreiben kann \u2013 umher durch die W\u00e4lder und Felder, hebe Stein um Stein auf, Kalk- und Sandstein, Schiefer und Quarzit, trage sie traumwandelnd in den Garten, lege sie in kunstvoll akribischer Anordnung aus und glaube in jenen Augenblicken, ein Mensch zu sein: Stein oder nicht sein, das ist hier die Frage, auf die Walter Helmut Fritz, in dessen Gedichten Steine immer wieder verlebendigt werden, mit einer weiteren <em>Zwischenbemerkung<\/em> antwortet: <em>Da\u00df das Weinen noch im Stein sich fortsetzt, da\u00df es Stein wird und doch Klage bleibt: Niobe zeigt es am Berg Sipylus bei Magnesia.<\/em><br \/><br \/>Im Zusammenhang mit einem neuen Gedicht von Axel Kutsch und des sich daran anschlie\u00dfenden Briefwechsels mache ich mir weiter Gedanken \u00fcber den Reim. Kutsch erkl\u00e4rt kategorisch:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kurz und klein<br \/><\/em><br \/>Reimen sei nicht<br \/>sehr modern?<br \/>Mag sein. Ich reime<br \/>aber gern.<br \/><br \/>Um dennoch<br \/>sehr modern zu sein,<br \/>hack ich die W\u00f6rter<br \/>kurz und klein. Ich lese das Gedicht mehrfach, und das Gedicht, mit dem ich postwendend antworte, schreibt sich wie von selbst:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>das gro\u00dfe ausweglos<br \/><\/em><br \/>nein dieses gedicht<br \/>wird nicht geschrieben und<br \/><br \/>darf es auch keinesfalls werden<br \/>zwar wird jetzt eine zei-<br \/><br \/>le gebrochen<br \/>hat lyrisches ich<br \/><br \/>bereits lunte gerochen?<br \/>schon haben reime sich eingenistet<br \/><br \/>(fort damit und ausgemistet)<br \/>wort f\u00fcr wort und irgendwie<br \/><br \/>riecht es scharf nach poesie<br \/>kriecht da ein dichter zu kreuze?<br \/><br \/>schlu\u00df jetzt und schw\u00f6r nein<br \/>kein gedicht<br \/><br \/>wenn doch verl\u00f6r man noch<br \/>glatt (sein gesicht) Ich drucke es aus und schicke es an Kutsch \u2013 kongenial Robert Creeley nacheifernd, der einst das immerhin auch mit einem starken Reim ausklingende Gedicht <em>The Conspiracy<\/em> schrieb:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">You send me your poems,<br \/>I&#8217;ll send you mine.<br \/><br \/>Things tend to awaken<br \/>even through random communication.<br \/><br \/>Let us suddenly<br \/>proclaim spring. And jeer<br \/><br \/>at the others,<br \/>all the others.<br \/><br \/>I will send a picture too<br \/>if you will send me one of you. Im beigef\u00fcgten Brief, dem ich ein weiteres Gedicht beilege, danke ich Kutsch f\u00fcr die lyrische Inspiration. Seine Gedichte spr\u00fchen vor Witz und Spiellaune, bergen stets eine versteckte Lunte, die sich beim Lesen unweigerlich entz\u00fcndet. Und wenn die Entz\u00fcndung zu einer lyrischen Erhitzung f\u00fchrt und kurze Zeit sp\u00e4ter ein neues Gedichtfeuer lodert: Na bravo. Jedenfalls kommt Kutschs Antwort wiederum ganz geschwind: <em>Reime geh\u00f6ren ausgemistet? Kann man, darf man noch reimen? Wenn&#8217;s nicht bieder geschieht, wenn man mit dem Reim spielt, jongliert \u2013 auf jeden Fall. Dieses Spiel ist ja auch in das gro\u00dfe ausweglos enthalten \u2013 Spiel mit dem Reim, Spiel mit dem Genre. Sehr sch\u00f6n auch das auf Fritz bezogene Gedicht<\/em>:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>beim lesen der gesammelten gedichte<br \/>von walter helmut fritz<br \/><\/em><br \/>stille und liebe ==&gt; w\u00f6rter-<br \/>triebe<br \/><br \/>kein getuschel<br \/>aus der muschel<br \/><br \/>im ohr<br \/>der chor<br \/><br \/>von<br \/>vor zeiten<br \/><br \/>bei-<br \/>nahe:<br \/>e w i g \u2013<br \/>k e i t e n<br \/><strong>Was sie nicht waren, sch\u00fctzte sie. Es ist kein Grund, daran zu zweifeln<\/strong><br \/><br \/>Das lyrische Programm des Hamburger Verlags Hoffmann und Campe verbinde ich in erster Linie mit dem Namen Walter Helmut Fritz. Ich bin, wie ich bereits in den ersten Zeilen dieses Aufsatzes einr\u00e4ume, der spektakul\u00e4r unspekta\u00adkul\u00e4ren Poesie dieses sensiblen Seismographen, der insbe\u00adsondere die aller\u00adkleinsten Ersch\u00fct\u00adterungen registriert, erkennt und in W\u00f6rter verwandelt, vom Lesen der ersten Gedichte an hoffnungsvoll verfallen \u2013 <em>Gedichte, die es fertig bringen, zugleich trocken zu sein und luzid, lakonisch und leuchtend, registrierend und schwermutsvoll.<\/em> (Karl Krolow)<br \/>Wo immer ich die Gelegenheit finde, fahnde ich nach vergriffenen Titeln von Walter Helmut Fritz. W\u00e4hrend eines Aufenthalts in Speyer entdecke ich beispiels\u00adweise <em>Schwierige \u00dcberfahrt<\/em> von 1976 in einem Antiquariat. <em>Werkzeuge der Freiheit<\/em> ersteigere ich bei Ebay. Und w\u00e4hrend ich in den letzten Tagen <em>Zugelassen im Leben<\/em> von 1999 lese, das ich bei Booklooker entdeckt habe, denke ich: Walter Helmut Fritz ist sich \u00fcber alle Jahre und Zeitl\u00e4ufte hinweg total treu geblieben. Er hat von Beginn an den l\u00e4ngst legend\u00e4ren lakonischen Stil mit den immer wieder aufblitzenden, oft nur angedeuteten \u00dcber\u00adraschungs\u00admomenten gefunden. Was er nicht war, wollte er nicht werden, dabei lie\u00df er sich \u2013 naturgem\u00e4\u00df \u2013 beeinflussen von dem, was er las, zur Kenntnis nahm, ins Deutsche \u00fcbertrug, folgte jedoch nie einer modischen Str\u00f6mung, die schnelle Erfolge versprach, setzte sich nie ab in irgendwelche Metropolen, wo die Fleischtr\u00f6ge gef\u00fcllter gewesen w\u00e4ren als im badischen Hinterland der nahe an der franz\u00f6sischen Grenze gelegenen Stadt Karlsruhe.<br \/>Dennoch: <em>Wie sehr Fritz&#8216; literarische Arbeit gesch\u00e4tzt wurde und wird, zeigen seine Berufungen in verschiedene Literaturpreis-Jurys und mehrere gro\u00dfe Akademien: beispielsweise in die Deutsche Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung, Darmstadt, und in die Mainzer Akademie der Wissen\u00adschaften und der Literatur \u2013 deren Vizepr\u00e4sident er seit zehn Jahren auch ist. Dort wirkt er unter anderem an der Verleihung des Joseph-Breitbach-Preises mit, der mit 50.000 Euro h\u00f6chst\u00addotierten Auszeichnung im deutschen Sprachraum<\/em>. (Matthias Ku\u00dfmann zum 75. Geburtstag)<br \/>Und das v\u00f6llig zurecht, befindet auch Michael Buselmeier: <em>Unter den bedeutenden Lyrikern der Gegenwart ist Walter Helmut Fritz einer der stillsten. Verhaltenheit, Geduld, Gelassenheit des Blicks kennzeichnen ihn und sein Werk: die Gedichte, die Kurzprosa, auch die aus kleinen Einstel\u00adlungen zusammen\u00adgesetzten Romane, mit denen er gegen den L\u00e4rm in der Welt anschreibt. Doch zugleich geht von diesen Texten ein irritierendes Leuchten aus, ein F\u00fcnkchen Fremdheit, das den Leser zum Innehalten zwingt und ihm hilft, Sprache und Gesellschaft anders zu sehen und genauer zu verstehen.<\/em><br \/>Ich lasse die Jahrzehnte von 1956 bis heute Revue passieren und mache mir bewu\u00dft, welchen literarischen St\u00fcrmen dieser besonnene Mensch, ein <em>Musiker des Schweigens<\/em> (Harald Hartung) ausgesetzt war. Statt sich irgendwo einer Modestr\u00f6mung anzu\u00adschlie\u00dfen, hielt er ruhig an \u00dcberzeu\u00adgungen fest, die er \u2013 aufmerksam, bed\u00e4chtig \u2013 bei jeder sich bietenden guten Gelegen\u00adheit in Worte verwandelte. H\u00f6ren wir Peter Ettl:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gedichte, Gedichte, Gedichte. Wer findet sich heute noch zurecht in den Regalen? Wer kann sogenannte moderne Gedichte noch deuten? Immer wird nach einer neuen Faszination gesucht, immer wird ein neues Feld bestellt mit ungepfl\u00fcg\u00adten Worten. Einer, der seit Jahrzehnten dar\u00fcber hinweggeht, ja: nicht schreitet, ist Walter Helmut Fritz. Seine Gedichte habe ich schon verschlungen, als Eich und Bachmann und Benn und Konsorten Verse auf dem absterbenden Ast ausbr\u00fcteten. Und als die konkrete Poesie einfiel wie ein thebanisches Heer mit linksverst\u00e4rkter Phalanx und als Brinkmann und Co. die Szene aufmischten in den 70ern und 80ern. In all dieser Zeit \u2013 bis heute \u2013 hat ein Lyrikautor seinen Stammplatz in meinem B\u00fccherregal: Walter Helmut Fritz. All diese Wortgefechte hat er \u00fcberlebt und schreibt unbeirrt weiter in seinem heiter-elegischen, leise-explodierenden Stil, der eben Jahrzehnte \u00fcberdauert, all das Piercing-Getue und Tatoo-Geschramme der Neuzeit \u00fcberlebt hat. Einer, der ganz leise und ganz b\u00f6se an die Dinge des Lebens herangeht, der wird \u00fcberh\u00f6rt und \u00fcbersehen vom Multimedia-Getue der Jetztzeit.<em>Maskenzug<\/em>, 2003 erschienen, setzt mit einem Zitat von V\u00e9ra Linhartov\u00e1 ein: <em>Was wir aussagen k\u00f6nnen, geht in Worte ein. Die Worte stellen sich zwischen uns und unsere Vorstellung (&#8230;) wie ein neues und unabh\u00e4ngiges Element, wie ein dritter Partner im Spiel. Langsam kommen sie herbei und reihen sich aneinander; sie bilden einen durchsichtigen Vorhang, von dem man nicht sagen kann, ob er uns mit unserer Vorstellung verbindet oder ob er uns von ihr trennt &#8230;<\/em> Dialektisch strukturiert, operiert Fritz stets nur mit wenigen W\u00f6rtern, spart aus, deutet an und verschweigt, wie Harald Hartung es zusammenfa\u00dft. Dies ist \u2013 b u c h s t \u00e4 b l i c h \u2013 <em>Poesie ohne Aufwand<\/em>:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lange<br \/><\/em><br \/>lie\u00df er sich von Sch\u00f6nrednern<br \/>ohne Not nasf\u00fchren,<br \/>wollte manches nicht wissen.<br \/>Heute seine Bemerkung,<br \/>diese Kadaver von Tieren<br \/>auf Scheiterhaufen,<br \/>im Aschenregen<br \/>seien auch wir.<br \/>Er starrte in den Qualm,<br \/>auf die Keultrupps.<br \/>Dabei ist Fr\u00fchling, \u00fcberall<br \/>dr\u00e4ngen Krokusse aus dem Boden. Weiter durch die Werkausgabe segelnd, deren Register die enorme Bandbreite der Bildung, Interessen und Erlebnisse des belesenen und vielgereisten Walter Helmut Fritz zeigt (<em>Viele von Fritz&#8216; Texten sind \u2013 als Kontrast zum Gerede \u2013 durch konzen\u00adtrierte Lekt\u00fcre, durch Bilder, Land\u00adschaften und Reisen angeregt. Es ist etwas Geheimnisvolles in ihnen, das sich nicht leicht erschlie\u00dft,<\/em> betont Michael Buselmeier), lande ich in <em>Offene Augen<\/em>:\u00b4<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>W\u00e4hrend D\u00e4mmerung<br \/><\/em><br \/>sich auf den Teich stahl,<br \/>stie\u00dfen sich Fr\u00f6sche<br \/>vom Ufer ab<br \/><br \/>knurrten<br \/><br \/>bis lauernd<br \/>ein Graureiher erschien<br \/>und sie augenblicklich<br \/><br \/>verstummten. Verstummen will ich nun auch. Heute ist Samstag, der 22. August 2009. Die Hitze ist gebrochen, in der vorletzten Nacht hat es reichlich geregnet, die zuvor ein wenig m\u00fcde wirkenden B\u00e4ume, Pflanzen, Blumen und Gr\u00e4ser wirken wieder frisch, die Steine blankgeputzt, Sch\u00f6nwetterwolken ziehen bei etwa 20 Grad \u00fcber Sistigs H\u00fcgel, W\u00e4lder und H\u00e4user. Den Vogelbeerbaum im Blick, bl\u00e4ttere ich weiter in den B\u00fcchern von Walter Helmut Fritz, sto\u00dfe auf Ladislav in <em>Die Schl\u00fcssel werden vertauscht<\/em>: <em>Jahre in Prag. In Paris. Was er aber vor allem liebte: die W\u00fcste. Er liebte die Fata Morgana. Wenn er zur\u00fcckkam, sagte er: Was f\u00fcr ein Hirngespinst ist die Wirklichkeit.<br \/><\/em>Und ankere schlie\u00dflich in <em>Sehnsucht<\/em>:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Wolke<br \/><\/em><br \/>Wir sa\u00dfen bei Schafk\u00e4se,<br \/>Oliven, Tomatensalat,<br \/>als wir die Wolke sahen,<br \/>die ihren Schatten<br \/>\u00fcber einige H\u00e4user des Dorfs legte,<br \/>dann \u00fcber den H\u00fcgel,<br \/>dann ihre Fahrt<br \/>verlangsamte,<br \/>anhielt,<br \/>und in der leuchtenden Luft<br \/>Wurzeln schlug<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">* Die \u00dcberschriften der einzelnen Passagen aus <em>Zwischenbemerkungen<\/em> sowie die eingestreuten Gedichte und Aufzeichnungen von Walter Helmut Fritz werden zitiert nach:<br \/>Walter Helmut Fritz. Werke in drei B\u00e4nden. Herausgegeben von Matthias Ku\u00dfmann. Hoffmann und Campe, Hamburg 2009<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walter Helmut Fritz zum 80. Geburtstag am 26. August 2009 Im Gedicht finde ich eine M\u00f6g\u00adlich\u00adkeit zu atmen; wach zu blei\u00adben; ein Dach \u00fcber den Kopf zu be\u00adkommen; [\u2026] in Au\u00adgen\u00adblicken der Mut\u00adlosig\u00adkeit nicht zu ver\u00adgessen, da\u00df etwas vor einem&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/08\/26\/zwischenbemerkungen-%e2%80%a2-mensch-der-leisen-toene\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":64061,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[84,1438],"class_list":["post-63422","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-theo-breuer","tag-walter-helmut-fritz"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63422","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63422"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63422\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}