{"id":63367,"date":"2003-03-29T00:01:00","date_gmt":"2003-03-28T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63367"},"modified":"2022-05-23T09:35:56","modified_gmt":"2022-05-23T07:35:56","slug":"gedenktafeleinweihung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/03\/29\/gedenktafeleinweihung\/","title":{"rendered":"Gedenktafeleinweihung"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gedenktafeleinweihung am 24. M\u00e4rz 2003 auf dem Hof Hohenbuchen an der Poppenb\u00fctteler Hauptstra\u00dfe 46 in Hamburg fand unter Anwesenheit des polnischen Generalkonsuls Andrzej Kremer, Frau L\u00fcdemann und ihren Familienangeh\u00f6rigen wie auch der Angeh\u00f6rigen des am 13. M\u00e4rz 1942 auf dem Gel\u00e4nde dieses Gutes exekutierten polnischen Zwangsarbeiters Andrzej Szablewski statt. Auf der Tafel ist zu lesen: \u201eDer einzige Grund f\u00fcr seine Ermordung war die Unterstellung einer Liebesbeziehung zu einer deutschen Frau aus Poppenb\u00fcttel. Der 29-zwanzigj\u00e4hrige Andrzej Szablewski war wie Millionen anderer Ausl\u00e4nder zur Arbeit f\u00fcr die deutsche Kriegswirtschaft gezwungen worden.\u201c \u2013 Wie kam es zu dieser w\u00fcrdevollen Erinnerung an ein Opfer nationalsozialistischer Meucheljustiz und an Hildegard L\u00fcdemann bzw. L\u00fctten, die f\u00fcr ihre vermeintliche, aufgrund einer \u00fcblen Denunziation zustande gekommene, \u201eLiebschaft\u201c mit einem dreij\u00e4hrigen Aufenthalt im KZ-Ravensbr\u00fcck leiden musste? \u00dcber die Hintergr\u00fcnde der inszenierten Ermordung des polnischen Zwangsarbeiters, dessen gerichtliche Vollstrecker 1946 von der Justiz der britischen Besatzungsmacht zum Tode bzw. hohen Gef\u00e4ngnisstrafen verurteilt wurden, recherchierte der Historiker Andreas Seeger. In seinem Vorwort zur vorliegenden Dokumentation verweist er auf gewisse Stolpersteine, die ihm ein deutsches Standesamt in den Weg legte bei seinem Versuch, Einblick in die Sterbeurkunde des von der Nazi-Justiz ermordeten Szablewski zu erhalten. Gleichzeitig lobt er die Bereitschaft der damals mitangeklagten Hildegard L\u00fctten bzw. L\u00fcdemann, bei seiner Recherche zu unterst\u00fctzen. Sie gab ihm ausf\u00fchrliche Auskunft \u00fcber erpresste Aussagen, die zur fingierten Anklage gegen Andrzej Szablewski und ihre \u201eMitt\u00e4terschaft\u201c wegen der angeblichen Unzucht mit dem aus der Sicht der Nazis slawischen Untermenschen f\u00fchrten. Seeger dokumentiert in seinen Ausf\u00fchrungen die von dem Gutsverwalter Walter Grimm ausgehende Verleumdung, die Einreichung des Berichts von Willy Schmidt an die Polizeidienststelle, dessen Weiterleitung an die Gestapoleitstelle Hamburg Schritt f\u00fcr Schritt. Auf diese Weise gelingt ihm die Rekonstruktion des Falles von der verleumderischen Berichterstattung bis zur Umsetzung der Exekution an einem unschuldigen Opfer.<br \/>Der besondere Wert der Dokumentation besteht in der Erl\u00e4uterung der Argumentation der Nazi-Justizbeh\u00f6rden, der Rekonstruktion der Hinrichtung auf dem Gel\u00e4nde des Guts Hohenbuchen wie auch in der Bewertung der Vorgehensweise der britischen Strafbeh\u00f6rden vor und w\u00e4hrend des Prozesses gegen die an der Mordinszenierung beteiligten Polizeibeamten und Gestapoleute im Jahr 1946. Einen ebenso wesentlichen Teil in seiner Darstellung ist dem Schicksal von Frau L\u00fctten gewidmet. Sie wurde wegen ihres angeblichen GV-Verbrechens mit dem polnischen Zwangsarbeiter w\u00e4hrend des Prozesses von ihrem Ehemann Heinrich L\u00fctten geschieden, ohne Gerichtsurteil von der Gestapo in das KZ-Ravensbr\u00fcck transportiert, wo sie bis 1945 als \u201epolitischer\u201c H\u00e4ftling\u201c in der dortigen Lager-Schneiderei arbeitete.<br \/>Auskunft \u00fcber die wahren Hintergr\u00fcnde der Hinrichtung von Andrzej Szablewski erhielt dessen Witwe, die in Wroclaw lebende, dort 2007 verstorbene Frau Harendziak, die nach dem Krieg wieder geheiratet hatte, erst 61 Jahre nach der Ermordung ihres Mannes. Beim Besuch des Autors in Begleitung von zwei Vertreterinnen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg im April 2003 erfuhr sie endlich, dass ihr damaliger Ehemann kein Liebesverh\u00e4ltnis zu der deutschen Frau hatte, wie es f\u00e4lschlicherweise ihr eine Nazi-deutsche Beh\u00f6rde 1942 mit der Meldung, ihr Ehemann sei deswegen erh\u00e4ngt worden, mitgeteilt hatte.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/03\/Zwangsarbeiter_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-89233 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/03\/Zwangsarbeiter_Cover-187x300.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/03\/Zwangsarbeiter_Cover-187x300.jpg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/03\/Zwangsarbeiter_Cover-260x418.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/03\/Zwangsarbeiter_Cover-160x257.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/03\/Zwangsarbeiter_Cover.jpg 311w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a>Der Tod eines Zwangsarbeiters<\/strong>, von Andreas Seeger. Mit einem Nachwort von Gerhard Fuchs. Bremen (Donat-Verlag)<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Gedenktafeleinweihung am 24. M\u00e4rz 2003 auf dem Hof Hohenbuchen an der Poppenb\u00fctteler Hauptstra\u00dfe 46 in Hamburg fand unter Anwesenheit des polnischen Generalkonsuls Andrzej Kremer, Frau L\u00fcdemann und ihren Familienangeh\u00f6rigen wie auch der Angeh\u00f6rigen des am 13. 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