{"id":63329,"date":"2005-04-16T00:40:00","date_gmt":"2005-04-15T22:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63329"},"modified":"2022-02-27T11:59:48","modified_gmt":"2022-02-27T10:59:48","slug":"jargon-des-hasses","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/04\/16\/jargon-des-hasses\/","title":{"rendered":"Jargon des Hasses"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wenn dieses Buch ein\u00a0Maschinengewehr\u00a0w\u00e4re, w\u00fcrde ich Sie damit niederschie\u00dfen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Rolf Dieter Brinkmann in einer Replik auf Marcel\u00a0Reich-Ranicki<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eRDB\u201c, wie er von den <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/11\/fanboy\/\">Fanboys<\/a><\/em> genannt wird, war eine typische Zeiterscheinung, der 1960-er Jahre: laut, wild und wie man heute sagen w\u00fcrde: frauenfeindlich. Die \u00e4sthetische und politische Radikalisierung von Rolf Dieter Brinkmann l\u00e4\u00dft sich nicht auseinanderhalten. Sein in 2005 erschienener <em>director&#8217;s cut<\/em> soll belegen, warum dieser Band einen nahezu kanonischen Stellenwert in der neueren deutschen Literatur erlangt haben soll.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Mir f\u00e4llt nur ein deutscher Schriftsteller nach Weltkrieg #2 ein, der keine Zensur gebilligt hat: Rolf Dieter Brinkmann. Dieser Kollege benahm sich wild und fragte sich nicht, ob das gut oder b\u00f6se oder wie es neudeutsch lautet: politisch korrekt ist.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">A.J. Weigoni<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-very-dark-gray-color\" style=\"text-align: justify;\">Bei der Re:Lekt\u00fcre wird eine inhaltliche Spannung, in starken Schwankungen zwischen den Gedichten bemerkbar. Obschon geplante Texte in dieser Ausgabe hinzugef\u00fcgt sind, zerf\u00e4llt &#8222;Westw\u00e4rts 1&amp;2&#8220; in nahezu in drei Teile. Zu einem Drittel sind es Gedichte, die in ihrer Zeit stehen geblieben sind, es ist eine lesbar gealterte <em>Neue Innerlichkeit<\/em>, Allt\u00e4gliches und Pers\u00f6nliches, eine R\u00fcckkehr zum Ich und zur Selbstreflexion beschrieben. Das zweite Drittel bezeugt die Lekt\u00fcre von Arno Schmidts &#8222;Zettels Traum&#8220;, es sind lediglich ungelenke Plagiate und nicht weiter erw\u00e4hnenswert.\u00a01\/3 der Gedichte liefern gleichsam den Soundtrack f\u00fcr die entstehende Lumpenbourgeoisie. Hier ist ein Proletkult dokumentiert, wie eben auch die politisch-popkulturelle Wirklichkeit der 1970ger Jahre. Die politische und \u00e4sthetische Experimentierfreudigkeit des Autors flackert nach seiner Sinnkrise zu Beginn des Jahrzehnts in hellsten Flammen auf und belegt, da\u00df die kreativste Phase des kulturellen Aufbegehrens bereits vorbei war. Man kann diese Form des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als faszinierendes Zeitdokument auch 30 Jahre sp\u00e4ter noch lesen und sollte sie daher in einem schmalen Leseband auskoppeln. Allerdings ohne das Nachwort!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Unkontrolliertes Nachwort zu meinen Gedichten&#8220;<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir qu\u00e4len uns durch ein erstmals in ganzer L\u00e4nge abgedrucktes 89 Seiten umfassendes Nachwort, in dem Brinkmann \u00fcber den Hintergrund f\u00fcr seinen R\u00fcckzug aus der Popszene und die Wende in seinem Schreiben aus erster Hand schreibt. In diesem essayistischen Text begeht er einen sprachlichen Amoklauf, es fehlt ihm die notwendige Vertiefung, wenn er allzusehr additiv, aufz\u00e4hlend, abklappernd Literatur charakterisiert. An keiner Stelle wird ersichtlich, da\u00df er dem Material intellektuell auch nur ansatzweise gewachsen ist. Er hat aufgeh\u00f6rt, seiner Sprache zu vertrauen und seine Sprache hat aufgeh\u00f6rt, Sinn zu enthalten.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/strong> von Rolf Dieter Brinkmann. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2005<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\">\r\n<div id=\"attachment_13483\" style=\"width: 128px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13483\" class=\"wp-image-13483\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Rdb.selfmade.100607.wisc_.jpg\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"159\" \/><p id=\"caption-attachment-13483\" class=\"wp-caption-text\">The Notorious RDB<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Blick ins KUNO-Archiv: Lesen Sie auf KUNO eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/04\/16\/34716\/\">Betrachtung<\/a> der Jugends\u00fcnden des RDB. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/25\/aufzeichnungen-eines-abgeschriebenen\/\">Aufzeichnungen eines Abgeschriebenen<\/a> von Jamal Tuschik. Einen Besuch des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/04\/23\/orte-5-rdb-haus-koeln\/\">RDB-Haus<\/a>es, von Enno Stahl. Auch Sophie Reyer hat sich in der Domstadt auf die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/03\/30\/fur-rolf-dieter-brinkmann-2\/\">Spuren von RDB<\/a> begeben. Einen Artikel \u00fcber <em>Das wild gefleckte Panorama eines anderen Traums<\/em><strong>,<\/strong> Rolf Dieter Brinkmanns <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/04\/16\/brinkmann-revisited\/\">sp\u00e4tes Romanprojekt<\/a>, von Roberto Di Bella. Und die Beantwortung der Frage: \u201eWer hat Angst vor RDB? <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/06\/25\/wer-hat-angst-vor-rdb\/\">durch<\/a> Axel Kutsch. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn dieses Buch ein\u00a0Maschinengewehr\u00a0w\u00e4re, w\u00fcrde ich Sie damit niederschie\u00dfen. 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