{"id":63317,"date":"2017-12-22T00:01:00","date_gmt":"2017-12-21T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63317"},"modified":"2022-03-01T20:14:01","modified_gmt":"2022-03-01T19:14:01","slug":"reisebuecher","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/12\/22\/reisebuecher\/","title":{"rendered":"Reiseb\u00fccher"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Ural ist eine seltsame Region mit R\u00e4tseln und Geheimnissen ohne Ende.\u201c Mit dieser vielversprechenden Feststellung pr\u00e4sentiert Tatjana Kuschtewskaja, die bereits in ihren zahlreichen Reiseb\u00fcchern (vgl. u.a. \u201eTranssibirische Eisenbahn\u201c, \u201eDer Baikal\u201c, \u201eSibirienreise- die Lena\u201c, \u201eDer Jenissei\u201c, \u201eKamtschatka \u2013 Unterwegs in Russlands Fernem Osten\u201c) ein packendes Bild von der Anziehungskraft des asiatischen Teils der Russischen F\u00f6derativen Republik \u00fcbermittelt hat, einen neuen Zugang zu einem riesigen Landstrich. Er ist attraktiv, weil Kuschtewskaja den Ural so beschreibt, dass neugierig gewordene Leser_innen sich am liebsten sofort auf die Reise machen w\u00fcrden. Wie aber gelingt es ihr, eine solche Faszination auszul\u00f6sen? Sie verbindet bereits in ihrer Einleitung \u00fcber den Ural und dessen Geschichte einen kurzen historischen Abri\u00df mit Verweisen auf Pers\u00f6nlichkeiten, die Forschungsreisende finanziell unterst\u00fctzt haben, die die schier unergr\u00fcndlichen und bizarren Landschaften wissenschaftlich erschlossen haben, mit ihren pers\u00f6nlichen Erlebnissen auf Zugreisen, zu Fu\u00df und auf Fl\u00fcssen. Und sie gelangt dabei zu einer k\u00fchnen Behauptung: Du sammelst auf einer Uralreise einzigartige Erfahrungen wie nie zuvor in Deinem Leben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Also auf zu dieser ungew\u00f6hnlichen Reise durch weithin unbekanntes Terrain! Sie beginnt in Jekaterinburg, der Hauptstadt des Urals, geht durch das Gebiet Swerdlowsk, beschreibt Perm, die Kulturhauptstadt des Ural und das Gebiet der Region Perm, erfasst zwei Republiken, Udmurtien und Baschkordistan, widmet sich ausf\u00fchrlich den s\u00fcdlichen Uralgebieten Orenburg und Tscheljabinsk, besucht die St\u00e4dte Kurgan und Schadrinsk und vollf\u00fchrt dann einen gewaltigen 2000 km langen Sprung in den Norden des Ural. Dort wo die Wasserscheide zwischen der Petschora und dem Ob Europa und Asien trennt, wo sich ein gigantisches Naturschutzgebiet befindet, wo in dem Gebiet der Komi Elche aufgezogen werden, wo sich einzigartige Felsformationen erheben, wo das Volk der Komi-Permjaken um ihr \u00dcberleben k\u00e4mpft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Worin besteht der besondere Charakter dieses Reise- und Geschichtsbuches \u00fcber einen riesigen Landstrich am \u00f6stlichen Rand Europas? Es sind die Beschreibungen von unerwarteten Ereignissen, die bislang in den Annalen kaum erw\u00e4hnt worden sind. So erf\u00e4hrt der Ural-Reisende, dass Jekaterinburg von 1924 bis 1991 Swerdlow hie\u00df, \u201ezu Ehren des Bolschewiken Jakow Swerdlow\u201c, und die Stadt nunmehr ihren Namen zu Ehren der Heiligen Katharina, der Schutzpatronin der Bergleute, nicht der Zarin Katharina II. erhalten habe. Und diese besondere Anerkennung habe sie auch erhalten, weil eine Kirche mit ihrem Namen in Swerdlowsk von den Bolschewiken zerst\u00f6rt worden sei. Neben solch wichtigen Informationen werden die Reisenden umfassend eingeweiht in die turbulente Entstehungsgeschichte der Millionenstadt Jekaterinburg, erfahren sie vieles, was in westlichen Reisef\u00fchrern \u00fcber Russland meist nicht zu finden ist. Es sind Anekdoten \u00fcber die Geheimnisse um Ruinen und Burgen, Legenden \u00fcber ber\u00fchmte Wissenschaftler und Erfinder, um mysteri\u00f6se Erscheinungen, wie die angeblich immer wieder in der N\u00e4he des Dorfes Moljobka am Rande des Permer Gebiets erscheinenden Au\u00dferirdischen, denen dort sogar ein Denkmal gebaut worden ist. Oder sie werden in die Kungur-Eish\u00f6hle am Rande von Perm geschickt, eine Reise, die mit Legenden um ber\u00fchmte Besucher dieser weltweit bekannten geologisch einzigartigen H\u00f6hle (vgl. <em>kungurcave.ru<\/em>) ausgeschm\u00fcckt ist. Oder sie werden in den St\u00e4dtchen Usolje mit dem Stroganow-Palast bekannt gemacht, um an Ort und Stelle in einem Restaurant ein echtes Boeuf Stroganow zu essen, nach dem Original-Rezept, vom Erfinder authentisch \u00fcberliefert. Doch die Autorin schwelgt nicht nur von kulinarischen Kostbarkeiten und kunstvollen architektonischen \u00dcberlieferungen, sie konfrontiert ihre Leser_innen auch immer wieder mit den grausamen Zeugnissen der j\u00fcngsten russischen Geschichte. So wie die Dokumentation in der Gedenkst\u00e4tte zur Geschichte der politischen Repressionen, Perm-36, ein seit 1995 im Originalzustand erhaltenes Lager. Hier verbrachten bekannte Dissidenten wie Wladimir Bukowski, Sergej Kowaljow, Valeri Martschenko und Wasil Stus viele Jahre als \u201eFeinde\u201c der Sowjetmacht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Besonders vorteilhaft f\u00fcr die Darstellung der Geschichte und Gegenwart des Ural erweisen sich auch die zahlreichen Reisen der Autorin in ihrer Eigenschaft als Drehbuch-Autorin. Doch sie dokumentiert nicht nur mit filmischen Mitteln, sie vertieft ihre Beschreibungen auch unter Einbeziehung von Gespr\u00e4chen und Interviews mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung. So trifft sie sich in Ischewsk, der Hauptstadt von Udmurtien, mit dem legend\u00e4ren Erfinder des ber\u00fcchtigten Schnellfeuergewehrs Kalaschnikow, dem in der Zwischenzeit sogar ein Museum gewidmet worden ist, sie reist mit einer ehemaligen Kollegin der Moskauer Filmhochschule kreuz und quer durch die exotische Landschaft von Udmurtien, in der heidnische Br\u00e4uche und die Wirkung der orthodoxen Kirche \u00fcberall sp\u00fcrbar sind. Und sie verfolgt auch die Spuren deutscher Forschungsreisender, wie die von Alexander von Humboldt, der auf seiner Reise durchs Baltikum, Russland und Sibirien Ende der 1820er Jahren auch in Orenburg war und dort bis in die j\u00fcngste Gegenwart in lebendiger Erinnerung sei. Solche oft mit \u00fcberlieferten Anekdoten ausgeschm\u00fcckten Buchpassagen bilden zusammen mit den packenden Reportagen \u00fcber Wildwasserfahrten und Kletterpartien durch echt exotische Gebirge auf den zahlreichen Fl\u00fcssen im mittleren Ural und Kletterpartien durch exotische Felslandschaften den besonderen Reiz der Publikation. Damit unterscheidet sie sich wohltuend von den \u201efetzig\u201c aufgemachten, mit Infos \u00fcberh\u00e4uften <em>travelling books<\/em> der Spezialverlage. Irritierend erweisen sich allerdings die oft blassen Schwarz-Wei\u00df-Abbildungen. Doch der neugierige und wi\u00dfbegierige Tourist wird sich sicherlich seine eigenen Schnappsch\u00fcsse machen wollen. \u00dcbersichtlicher k\u00f6nnten auch die notwendigen Infos zu Verkehrsverbindungen, Gastst\u00e4tten und Hotels, kulturellen Einrichtungen sein. Ebenso fehlt eine detaillierte geographische Landkarte mit allen Eisenbahn- und Stra\u00dfenverbindungen. Ungeachtet solcher rasch zu korrigierenden Erg\u00e4nzungen bleibt der lebendig und wissenskundig geschriebene Band mit Geschichten \u00fcber und der Geschichte vom Ural eine unbedingt zu empfehlende Quelle des Wissens und des Vergn\u00fcgens \u00fcber eine m\u00e4chtige Landschaft, deren Bekanntschaft bislang meist nur professionellen Touristen und Wissenschaftlern vorbehalten war.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Ural.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-89437 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Ural-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Ural-196x300.jpg 196w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Ural-260x397.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Ural-160x244.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Ural.jpg 275w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a>Nachdem KUNO bereits ihr Buch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/05\/29\/jenseits-des-urals\/\">vorgestellt<\/a> hat, eine Vorschau auf <strong>Der Ural. <\/strong>Reisen entlang der Grenze von Europa und Asien. Geschichte und Geschichten von Tatjana Kuschtewskaja. Aus dem Russischen von Steffi Lunau. Berlin (Wostok) 2018,<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201eDer Ural ist eine seltsame Region mit R\u00e4tseln und Geheimnissen ohne Ende.\u201c Mit dieser vielversprechenden Feststellung pr\u00e4sentiert Tatjana Kuschtewskaja, die bereits in ihren zahlreichen Reiseb\u00fcchern (vgl. u.a. \u201eTranssibirische Eisenbahn\u201c, \u201eDer Baikal\u201c, \u201eSibirienreise- die Lena\u201c, \u201eDer Jenissei\u201c, \u201eKamtschatka \u2013 Unterwegs&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/12\/22\/reisebuecher\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":88,"featured_media":98673,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1715,1158],"class_list":["post-63317","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-tatjana-kuschtewskaja","tag-wolfgang-schlott"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/88"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63317"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101393,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63317\/revisions\/101393"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98673"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}