{"id":63258,"date":"2024-03-28T00:01:10","date_gmt":"2024-03-27T23:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63258"},"modified":"2022-04-02T14:36:25","modified_gmt":"2022-04-02T12:36:25","slug":"schullektuere","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/03\/28\/schullektuere\/","title":{"rendered":"Schullekt\u00fcre"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eIch bin ein Mensch wie Einstein \/ Entwurzelt \/ In einem fremden Land liege ich im Krankenhaus \/ Und eines Nachts \/ erz\u00e4hle ich aus Versehen \/ etwas in meiner Muttersprache \/ Mit der Bitte \/ Versucht mich zu verstehen \/Versucht meinen Schmerz zu verstehen \/ Versucht meine blauen Seufzer zu verstehen \/ Sonst sterbe auch ich nach Mitternacht.\u201c<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der aus Bangladesch stammende Zahrad Islam Babul, seit 1988 in Bremen lebend, greift in seinem Gedicht \u201eMuttersprache\u201c in der vorliegenden Anthologie einen doppelten Aspekt vom entwurzelten Leben in der Fremde auf. Es ist die R\u00fcckkehr zur Muttersprache in der Stunde ihres drohenden Verlusts und die Wiedergewinnung des Lebens in einer anderen Heimat, dem schmerzhaften Exil, in dem alle Verfasser\/innen der vorliegenden Anthologie leben. Sie haben vorwiegend unter der Anleitung und Betreuung von Angelika Sinn im Rahmen einer Schreibwerkstatt des Bremer Literaturkontors im Jahr 2017 Texte gestaltet, in denen nicht nur ihre leidvollen Erfahrungen auf der Flucht vor Kriegen und Verfolgungen aufgezeichnet sind. Vielmehr sind es tief empfundene Kindheitserlebnisse, die beim ersten aufmerksamen Lesen des \u00fcbersichtlich gestalteten Text-Bild-Band ber\u00fchren. Sie stammen aus der Feder des in Caracas (Venezuela) geborenen Ernesto Salazar-Jim\u00e9nez, der bildhaft-einpr\u00e4gsam \u00fcber Visionen von seiner Geburt schreibt. Mila Chami, die aus Homs in Syrien nach Deutschland gefl\u00fcchtet ist, singt ihrer Schwester ein Hohelied auf die Liebe und der im Iran geborene, seit 2016 in Bremen lebende und studierende Saber Lafiti, schreibt eine wunderbar einpr\u00e4gsame Kindheitsgeschichte \u00fcber seinen Opa. \u00dcberhaupt spielen die erinnerten Erlebnisse aus der beh\u00fcteten Kindheit auch f\u00fcr andere Teilnehmer\/innen der Schreibwerkstatt eine wichtige Rolle. Da plaudert Farhan Hebbo, der vor vier Jahren nach Deutschland gekommen ist, \u201eAus Omas N\u00e4hk\u00e4stchen\u201c und erinnert sich an den gro\u00dfen Spielplatz, auf dem er einst Fu\u00dfball gespielt hat. Und der aus der \u00f6stlichen T\u00fcrkei stammende Kurde Salman Nurhak, der seit 1991 in Deutschland, vornehmlich in Bremen, lebt, berichtet \u00fcber eine feierliche Begegnung zwischen Muslimen und Aleviten, deren Alltag einst und immer wieder von heftigen Spannungen gepr\u00e4gt war und ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beitr\u00e4ge zweier Autoren zeichnen sich durch besonders eindrucksstarke Erinnerungen an ihre Geburtsl\u00e4nder aus: Die aus Chile stammende, seit rund f\u00fcnfundvierzig Jahren vornehmlich in Bremen lebende \u00d6konomin und renommierte K\u00fcnstlerin Rosa Jaisli und der aus Teheran stammende Madjid Mohit, der seit drei\u00dfig Jahren den Bremer Sujet-Verlag leitet. Beide wuchern in ihren Naturstudien und Bildern aus der Kindheit so eindrucksvoll mit ornamentalen Eindr\u00fccken aus ihrer Kindheit, dass dem Leser gleichsam neidvolle Erinnerungen an die eigenen, sicherlich weitaus n\u00fcchternen Kindheitstage angetragen werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweifellos hinterl\u00e4sst der Text-Bild-Band mit den Phantasie f\u00f6rdernden Illustrationen von Tarlan Mirshekari viele r\u00fchrende Eindr\u00fccke, ruft blitzartig Gef\u00fchle der Solidarit\u00e4t hervor, versetzt den aufmerksam Mitlesenden in eine harmonische Stimmung, lenkt ihn ab von den bitteren Erfahrungen, die Autorinnen und Autoren der Anthologie w\u00e4hrend ihrer Zwischenaufenthalte gesammelt haben. Umso wunderbarer d\u00fcrfte das Erlebnis der an der Schreibwerkstatt Beteiligten sein, dass sie Erinnerungen an ihre Kindheit und ihre Lebenserfahrungen mit dem Ziel aufschreiben, um \u201eihre Identit\u00e4t in die Kommunikation mit ihren neuen Mitmenschen\u201c einzu\u00fcben, wie es Prof. Dr. Sautermeister in seinem Vorwort formuliert. Ebenso erfreulich ist es auch, dass an dieser Anthologie eine Reihe Bremer Institutionen und Stiftungen beteiligt sind, die ein Anliegen gef\u00f6rdert haben, das den m\u00fchevollen Prozess der Mitgestaltung und Integration von einst vor Krieg und Vernichtung gefl\u00fcchteten Mitmenschen unterst\u00fctzt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-63263\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leben_Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"166\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leben_Cover.jpg 221w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leben_Cover-160x217.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 166px) 100vw, 166px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>So nimmt man das Leben mit<\/strong>, Angelika Sinn (Hg.) sujet verlag 2019<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin ein Mensch wie Einstein \/ Entwurzelt \/ In einem fremden Land liege ich im Krankenhaus \/ Und eines Nachts \/ erz\u00e4hle ich aus Versehen \/ etwas in meiner Muttersprache \/ Mit der Bitte \/ Versucht mich zu verstehen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/03\/28\/schullektuere\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":88,"featured_media":98673,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2502,1158],"class_list":["post-63258","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-angelika-sinn","tag-wolfgang-schlott"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/88"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63258"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101373,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63258\/revisions\/101373"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98673"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}