{"id":63007,"date":"2017-06-03T00:01:00","date_gmt":"2017-06-02T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=63007"},"modified":"2026-03-20T06:04:03","modified_gmt":"2026-03-20T05:04:03","slug":"die-gehilfen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/06\/03\/die-gehilfen\/","title":{"rendered":"Die Gehilfen"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum waren alle fort, sagte K. zu den Gehilfen: &#8222;Geht hinaus!&#8220; Verbl\u00fcfft durch diesen unerwarteten Befehl folgten sie, aber als K. hinter ihnen die T\u00fcr zusperrte, wollten sie wieder zur\u00fcck, winselten drau\u00dfen und klopften an die T\u00fcr. &#8222;Ihr seid entlassen&#8220;, rief K., &#8222;niemals mehr nehme ich Euch in meine Dienste. &#8220; Das wollten sie sich nun freilich nicht gefallen lassen und h\u00e4mmerten mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gegen die T\u00fcr. &#8222;Zur\u00fcck zu Dir, Herr!&#8220; riefen sie, als w\u00e4re K. das trockene Land und sie daran in der Flut zu versinken. Aber K. hatte kein Mitleid, ungeduldig wartete er, bis der unertr\u00e4gliche L\u00e4rm den Lehrer zwingen werde, einzugreifen. Es geschah bald. &#8222;Lassen Sie Ihre verfluchten Gehilfen ein!&#8220; schrie er. &#8222;Ich habe sie entlassen&#8220;, schrie K. zur\u00fcck, es hatte die ungewollte Nebenwirkung dem Lehrer zu zeigen, wie es ausfiel, wenn jemand kr\u00e4ftig genug war, nicht nur zu k\u00fcndigen, sondern auch die K\u00fcndigung auszuf\u00fchren. Der Lehrer versuchte nun die Gehilfen g\u00fctlich zu beruhigen, sie sollten hier nur ruhig warten, schlie\u00dflich werde K. sie doch wieder einlassen m\u00fcssen. Dann ging er. Und es w\u00e4re nun vielleicht still geblieben, wenn nicht K. ihnen wieder zuzurufen angefangen h\u00e4tte, da\u00df sie nun endgiltig entlassen seien und nicht die geringste Hoffnung auf Wiederaufnahme h\u00e4tten. Daraufhin begannen sie wieder zu l\u00e4rmen wie zuvor. Wieder kam der Lehrer, aber nun verhandelte er nicht mehr mit ihnen, sondern trieb sie, offenbar mit dem gef\u00fcrchteten Rohrstab, aus dem Haus.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald erschienen sie vor den Fenstern des Turnzimmers, klopften an die Scheiben und schrien, aber die Worte waren nicht mehr zu verstehn. Sie blieben jedoch auch dort nicht lange, in dem tiefen Schnee konnten sie nicht herumspringen, wie es ihre Unruhe verlangte. Sie eilten deshalb zu dem Gitter des Schulgartens, sprangen auf den steinernen Unterbau, wo sie auch,allerdings nur von der Ferne,einen besseren Einblick in das Zimmer hatten, sie liefen dort, an dem Gitter sich festhaltend, hin und her, blieben dann wieder stehn und streckten flehend die gefalteten H\u00e4nde gegen K. aus. So trieben sie es lange, ohne R\u00fccksicht auf die Nutzlosigkeit ihrer Anstrengungen; sie waren wie verblendet, sie h\u00f6rten wohl auch nicht auf, als K. die Fenstervorh\u00e4nge herunterlie\u00df, um sich von ihrem Anblick zu befreien.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem jetzt d\u00e4mmerigen Zimmer ging K. zu dem Barren, um nach Frieda zu sehn. Unter seinem Blick erhob sie sich, ordnete die Haare, trocknete das Gesicht und machte sich schweigend daran Kaffee zu kochen. Trotzdem sie von allem wu\u00dfte, verst\u00e4ndigte sie doch K. f\u00f6rmlich davon, da\u00df er die Gehilfen entlassen hatte. Sie nickte nur. K. sa\u00df in einer Schulbank und beobachtete ihre m\u00fcden Bewegungen. Es war immer die Frische und Entschlossenheit gewesen, welche ihren nichtigen K\u00f6rper versch\u00f6nt hatte, nun war diese Sch\u00f6nheit dahin. Wenige Tage des Zusammenlebens mit K. hatten gen\u00fcgt, das zu erreichen. Die Arbeit im Ausschank war nicht leicht gewesen, aber ihr wahrscheinlich doch entsprechender. Oder war die Entfernung von Klamm die eigentliche Ursache ihres Verfalles? Die N\u00e4he Klamms hatte sie so unsinnig verlockend gemacht, in dieser Verlockung hatte sie K. an sich gerissen und nun verwelkte sie in seinen Armen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Frieda&#8220;, sagte K. Sie legte gleich die Kaffeem\u00fchle fort und kam zu K. in die Bank. &#8222;Du bist mir b\u00f6se?&#8220; fragte sie. &#8222;Nein&#8220;, sagte K., &#8222;ich glaube, Du kannst nicht anders. Du hast zufrieden im Herrenhof gelebt. Ich h\u00e4tte Dich dort lassen sollen. &#8220; &#8222;Ja&#8220;, sagte Frieda und sah traurig vor sich hin, &#8222;Du h\u00e4ttest mich dort lassen sollen. Ich bin dessen nicht wert mit Dir zu leben. Von mir befreit, k\u00f6nntest Du vielleicht alles erreichen was Du willst. Aus R\u00fccksicht auf mich unterwirfst Du Dich dem tyrannischen Lehrer, \u00fcbernimmst Du diesen kl\u00e4glichen Posten, bewirbst Dich m\u00fchevoll um ein Gespr\u00e4ch mit Klamm. Alles f\u00fcr mich, aber ich lohne es Dir schlecht.&#8220; &#8222;Nein&#8220;, sagte K. und legte tr\u00f6stend den Arm um sie, &#8222;alles das sind Kleinigkeiten, die mir nicht wehtun und zu Klamm will ich ja nicht nur Deinetwegen. Und was hast Du alles f\u00fcr mich getan! Ehe ich Dich kannte, ging ich ja hier ganz in die Irre. Niemand nahm mich auf und wem ich mich aufdr\u00e4ngte, der verabschiedete mich schnell. Und wenn ich bei jemandem Ruhe h\u00e4tte finden k\u00f6nnen, so waren es Leute, vor denen wieder ich mich fl\u00fcchtete, etwa die Leute des Barnabas -&#8220; &#8222;Du fl\u00fcchtetest vor Ihnen? Nicht wahr? Liebster!&#8220; rief Frieda lebhaft dazwischen und versank dann nach einem z\u00f6gernden &#8222;Ja&#8220; K.&#8217;s wieder in ihre M\u00fcdigkeit. Aber auch K. hatte nicht mehr die Entschlossenheit zu erkl\u00e4ren, worin sich durch die Verbindung mit Frieda alles zum Guten f\u00fcr ihn gewendet hatte. Er l\u00f6ste langsam den Arm von ihr und sie sa\u00dfen ein Weilchen schweigend, bis dann Frieda, so als h\u00e4tte K.&#8217;s Arm ihr W\u00e4rme gegeben, die sie jetzt nicht mehr entbehren k\u00f6nne, sagte: &#8222;Ich werde dieses Leben hier nicht ertragen. Willst Du mich behalten, m\u00fcssen wir auswandern, irgendwohin, nach S\u00fcdfrankreich, nach Spanien.&#8220; &#8222;Auswandern kann ich nicht&#8220;, sagte K., &#8222;ich bin hierhergekommen, um hier zu bleiben. Ich werde hier bleiben. &#8220; Und in einem Widerspruch, den er gar nicht zu erkl\u00e4ren sich M\u00fche gab, f\u00fcgte er wie im Selbstgespr\u00e4ch zu: &#8222;Was h\u00e4tte mich denn in dieses \u00f6de Land locken k\u00f6nnen, als das Verlangen hier zu bleiben.&#8220; Dann sagte er: &#8222;Aber auch Du willst hier bleiben, es ist ja Dein Land. Nur Klamm fehlt Dir und das bringt Dich auf verzweifelte Gedanken.&#8220; &#8222;Klamm sollte mir fehlen?&#8220; sagte Frieda, &#8222;von Klamm ist hier ja eine \u00dcberf\u00fclle, zu viel Klamm; um ihm zu entgehn, will ich fort. Nicht Klamm sondern Du fehlst mir. Deinetwegen will ich fort; weil ich mich an Dir nicht s\u00e4ttigen kann, hier wo alle an mir rei\u00dfen. W\u00fcrde mir doch lieber die h\u00fcbsche Larve abgerissen, w\u00fcrde doch lieber mein K\u00f6rper elend, da\u00df ich in Frieden bei Dir leben k\u00f6nnte. &#8220; K. h\u00f6rte daraus nur eines. &#8222;Klamm ist noch immer in Verbindung mit Dir?&#8220; fragte er gleich, &#8222;er ruft Dich?&#8220; &#8222;Von Klamm wei\u00df ich nichts&#8220;, sagte Frieda, &#8222;ich rede jetzt von andern, z. B. von den Gehilfen.&#8220; &#8222;Ah die Gehilfen&#8220;, sagte K. \u00fcberrascht, &#8222;sie verfolgen Dich?&#8220; &#8222;Hast Du es denn nicht bemerkt?&#8220; fragte Frieda. &#8222;Nein&#8220;, sagte K. und suchte sich vergeblich an Einzelnheiten zu erinnern, &#8222;zudringliche und l\u00fcsterne Jungen sind es wohl, aber da\u00df sie sich an Dich herangewagt h\u00e4tten, habe ich nicht bemerkt.&#8220; &#8222;Nicht?&#8220; sagte Frieda, &#8222;Du hast nicht bemerkt, wie sie aus unserem Zimmer im Br\u00fcckenhof nicht fortzubringen waren, wie sie unsere Beziehungen eifers\u00fcchtig \u00fcberwachten, wie sich einer letzthin auf meinen Platz auf dem Strohsack legte, wie sie jetzt gegen Dich aussagten, um Dich zu vertreiben, zu verderben und mit mir allein zu sein. Das alles hast Du nicht bemerkt?&#8220; K. sah Frieda an, ohne zu antworten. Diese Anklagen gegen die Gehilfen waren wohl richtig, aber sie konnten alle auch viel unschuldiger gedeutet werden aus dem ganzen l\u00e4cherlichen, kindischen, fahrigen, unbeherrschten Wesen der zwei. Und sprach nicht gegen die Beschuldigung auch, da\u00df sie doch immer danach gestrebt hatten \u00fcberall hin mit K. zu gehn und nicht bei Frieda zur\u00fcckzubleiben. K. erw\u00e4hnte etwas derartiges. &#8222;Heuchelei&#8220;, sagte Frieda. &#8222;Das hast Du nicht durchschaut? Ja warum hast Du sie dann fortgetrieben, wenn nicht aus diesen Gr\u00fcnden?&#8220; Und sie ging zum Fenster, r\u00fcckte den Vorhang ein wenig zur Seite, blickte hinaus und rief dann K. zu sich. Noch immer waren die Gehilfen drau\u00dfen am Gitter; so m\u00fcde sie auch sichtlich schon waren, streckten sie doch noch von Zeit zu Zeit, alle Kr\u00e4fte zusammennehmend, die Arme bittend gegen die Schule aus. Einer hatte, um sich nicht immerfort festhalten zu m\u00fcssen, den Rock hinten auf einer Gitterstange aufgespie\u00dft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Armen! Die Armen!&#8220; sagte Frieda. &#8222;Warum ich sie weggetrieben habe?&#8220; fragte K. &#8222;Der unmittelbare Anla\u00df daf\u00fcr bist Du gewesen.&#8220; &#8222;Ich?&#8220; fragte Frieda ohne den Blick von drau\u00dfen abzuwenden. &#8222;Deine allzufreundliche Behandlung der Gehilfen&#8220;, sagte K., &#8222;das Verzeihen ihrer Unarten, das Lachen \u00fcber sie, das Streicheln ihrer Haare, das fortw\u00e4hrende Mitleid mit ihnen, &gt;die Armen, die Armen&lt; sagst Du wieder, und schlie\u00dflich der letzte Vorfall, da ich Dir als Preis nicht zu hoch war, die Gehilfen von den Pr\u00fcgeln loszukaufen.&#8220; &#8222;Das ist es ja&#8220;, sagte Frieda, &#8222;davon spreche ich doch, das ist es ja was mich ungl\u00fccklich macht, was mich von Dir abh\u00e4lt, w\u00e4hrend ich doch kein gr\u00f6\u00dferes Gl\u00fcck f\u00fcr mich wei\u00df, als bei Dir zu sein, immerfort, ohne Unterbrechung, ohne Ende, w\u00e4hrend ich doch davon tr\u00e4ume, da\u00df hier auf der Erde kein ruhiger Platz f\u00fcr unsere Liebe ist, nicht im Dorf und nicht anderswo und ich mir deshalb ein Grab vorstelle, tief und eng, dort halten wir uns umarmt wie mit Zangen, ich verberge mein Gesicht an Dir, Du Deines an mir und niemand wird uns jemals mehr sehn. Hier aber &#8211; Sieh die Gehilfen! Nicht Dir gilt es wenn sie die H\u00e4nde falten, sondern mir. &#8220; &#8222;Und nicht ich&#8220;, sagte K., &#8222;sehe sie an, sondern Du. &#8220; &#8222;Gewi\u00df, ich&#8220;, sagte Frieda, fast b\u00f6se, &#8222;davon spreche ich doch immerfort; was w\u00fcrde denn sonst daran liegen, da\u00df die Gehilfen hinter mir her sind, m\u00f6gen sie auch Abgesandte Klamms sein -&#8220; &#8222;Abgesandte Klamms&#8220;, sagte K., den diese Bezeichnung, so nat\u00fcrlich sie ihm gleich erschien, doch sehr \u00fcberraschte. &#8222;Abgesandte Klamms, gewi\u00df&#8220;, sagte Frieda, &#8222;m\u00f6gen sie dies sein, so sind sie doch auch gleichzeitig l\u00e4ppische Jungen, die zu ihrer Erziehung noch Pr\u00fcgel brauchen. Was f\u00fcr h\u00e4\u00dfliche schwarze Jungen es sind und wie abscheulich ist der Gegensatz zwischen ihren Gesichtern, die auf Erwachsene, ja fast auf Studenten schlie\u00dfen lassen, und ihrem kindisch-n\u00e4rrischen Benehmen. Glaubst Du da\u00df ich das nicht sehe? Ich sch\u00e4me mich ja ihrer. Aber das ist es ja eben, sie sto\u00dfen mich nicht ab, sondern ich sch\u00e4me mich ihrer. Ich mu\u00df immer zu ihnen hinsehn. Wenn man sich \u00fcber sie \u00e4rgern sollte, mu\u00df ich lachen. Wenn man sie schlagen sollte mu\u00df ich \u00fcber ihr Haar streichen. Und wenn ich neben Dir liege in der Nacht kann ich nicht schlafen und mu\u00df \u00fcber Dich hinweg zusehn, wie der eine fest in die Decke eingerollt schl\u00e4ft und der andere vor der offenen Ofent\u00fcr kniet und heizt und ich mu\u00df mich vorbeugen da\u00df ich Dich fast wecke. Und nicht die Katze erschreckt mich &#8211; ach ich kenne Katzen und ich kenne auch das unruhige, immerfort gest\u00f6rte Schlummern im Ausschank nicht die Katze erschreckt mich, ich selbst mache mir Schrecken. Und es bedarf gar nicht dieses Unget\u00fcmes von einer Katze, ich fahre beim kleinsten Ger\u00e4usch zusammen. Einmal f\u00fcrchte ich da\u00df Du aufwachen wirst und alles zuende sein wird und dann wieder springe ich auf und z\u00fcnde die Kerze an, damit Du nur schnell aufwachst und mich besch\u00fctzen kannst.&#8220; &#8222;Von dem allen habe ich nichts gewu\u00dft&#8220;, sagte K., &#8222;nur in einer Ahnung dessen habe ich sie vertrieben, nun sind sie aber fort, nun ist vielleicht alles gut.&#8220; &#8222;Ja, endlich sind sie fort&#8220;, sagte Frieda, aber ihr Gesicht war gequ\u00e4lt, nicht freudig, &#8222;nur wissen wir nicht, wer sie sind. Abgesandte Klamms, ich nenne sie in meinen Gedanken im Spiele so, aber vielleicht sind sie es wirklich. Ihre Augen, diese einf\u00e4ltigen und doch funkelnden Augen, erinnern mich irgendwie an die Augen Klamms, ja, das ist es, es ist Klamms Blick, der mich manchmal aus ihren Augen durchf\u00e4hrt. Und unrichtig ist es deshalb wenn ich sagte, da\u00df ich mich ihrer sch\u00e4me. Ich wollte nur, es w\u00e4re so. Ich wei\u00df zwar, da\u00df anderswo und bei andern Menschen das gleiche Benehmen dumm und anst\u00f6\u00dfig w\u00e4re, bei ihnen ist es nicht so, mit Achtung und Bewunderung sehe ich ihren Dummheiten zu. Wenn es aber Klamms Abgesandte sind, wer befreit uns von ihnen und w\u00e4re es dann \u00fcberhaupt gut von ihnen befreit zu werden? M\u00fc\u00dftest Du sie dann nicht schnell hereinholen und gl\u00fccklich sein, wenn sie noch k\u00e4men?&#8220; &#8222;Du willst da\u00df ich sie wieder hereinlasse?&#8220; fragte K. &#8222;Nein, nein&#8220;, sagte Frieda, &#8222;nichts will ich weniger. Ihren Anblick, wenn sie nun hereinst\u00fcrmen w\u00fcrden, ihre Freude mich wieder zu sehn, ihr Herumh\u00fcpfen von Kindern und ihr Armeausstrecken von M\u00e4nnern, das alles w\u00fcrde ich vielleicht gar nicht ertragen k\u00f6nnen. Wenn ich dann aber wieder bedenke, da\u00df Du, wenn Du gegen sie hart bleibst, damit vielleicht Klamm selbst den Zutritt zu Dir verweigerst, will ich Dich mit allen Mitteln vor den Folgen dessen bewahren. Dann will ich, da\u00df Du sie hereinkommen l\u00e4\u00dft. Dann nur schnell herein mit ihnen. Nimm keine R\u00fccksicht auf mich, was liegt an mir. Ich werde mich wehren, solange ich kann, wenn ich aber verlieren sollte, nun so werde ich verlieren aber dann mit dem Bewu\u00dftsein, da\u00df auch dies f\u00fcr Dich geschehen ist.&#8220; &#8222;Du best\u00e4rkst mich nur in meinem Urteil hinsichtlich der Gehilfen&#8220;, sagte K., &#8222;niemals werden sie mit meinem Willen hereinkommen. Da\u00df ich sie hinausgebracht habe, beweist doch, da\u00df man sie unter Umst\u00e4nden beherrschen kann und damit weiterhin, da\u00df sie nichts Wesentliches mit Klamm zu tun haben. Erst gestern abend bekam ich einen Brief von Klamm, aus dem zu sehen ist, da\u00df Klamm \u00fcber die Gehilfen ganz falsch unterrichtet ist, woraus wieder geschlossen werden mu\u00df da\u00df sie ihm v\u00f6llig gleichg\u00fcltig sind, denn w\u00e4ren sie dies nicht, so h\u00e4tte er sich doch gewi\u00df genaue Nachrichten \u00fcber sie beschaffen k\u00f6nnen. Da\u00df aber Du Klamm in ihnen siehst, beweist nichts, denn noch immer, leider, bist Du von der Wirtin beeinflu\u00dft und siehst Klamm \u00fcberall. Noch immer bist Du Klamms Geliebte, noch lange nicht meine Frau. Manchmal macht mich das ganz tr\u00fcbe, mir ist dann wie wenn ich alles verloren h\u00e4tte, ich habe dann das Gef\u00fchl als sei ich eben erst ins Dorf gekommen, aber nicht hoffnungsvoll, wie ich damals in Wirklichkeit war, sondern im Bewu\u00dftsein da\u00df mich nur Entt\u00e4uschungen erwarten und da\u00df ich eine nach der andern werde durchkosten m\u00fcssen bis zum letzten Bodensatz.&#8220; &#8222;Doch ist das nur manchmal&#8220;, f\u00fcgte K. l\u00e4chelnd hinzu, als er sah wie Frieda unter seinen Worten zusammensank, &#8222;und beweist doch im Grunde etwas Gutes, n\u00e4mlich was Du mir bedeutest. Und wenn Du mich jetzt aufforderst, zwischen Dir und den Gehilfen zu w\u00e4hlen, so haben damit die Gehilfen schon verloren. Was f\u00fcr ein Gedanke, zwischen Dir und den Gehilfen zu w\u00e4hlen. Nun will ich sie aber endgiltig los sein. Wer wei\u00df \u00fcbrigens, ob die Schw\u00e4che, die uns beide \u00fcberkommen hat, nicht daher stammt, da\u00df wir noch immer nicht gefr\u00fchst\u00fcckt haben.&#8220; &#8222;M\u00f6glich&#8220;, sagte Frieda m\u00fcde l\u00e4chelnd und ging an die Arbeit. Auch K. ergriff wieder den Besen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p><strong><span class=\"font-semibold\" data-streamdown=\"strong\">Die Gehilfen<\/span><\/strong> <span data-sd-animate=\"true\">erschien<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">posthum<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">1954<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"font-semibold\" data-streamdown=\"strong\"><span data-sd-animate=\"true\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99615 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Franz_Kafka-246x300.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"300\" \/>&#8222;Die<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Gehilfen&#8220;<\/span><\/span> <span data-sd-animate=\"true\">ist<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">eine<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Kurzgeschichte<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">von<\/span> <span class=\"font-semibold\" data-streamdown=\"strong\"><span data-sd-animate=\"true\">Franz<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Kafka<\/span><\/span><span data-sd-animate=\"true\">,<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">die<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">tief<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">in<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">die<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Themen<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">von<\/span> <span class=\"font-semibold\" data-streamdown=\"strong\"><span data-sd-animate=\"true\">Abh\u00e4ngigkeit<\/span><\/span><span data-sd-animate=\"true\">,<\/span> <span class=\"font-semibold\" data-streamdown=\"strong\"><span data-sd-animate=\"true\">Isolation<\/span><\/span> <span data-sd-animate=\"true\">und<\/span> <span class=\"font-semibold\" data-streamdown=\"strong\"><span data-sd-animate=\"true\">Existenzangst<\/span><\/span> <span data-sd-animate=\"true\">eindringt.<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Die<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Erz\u00e4hlung<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">spielt<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">mit<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">der<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Vorstellung<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">von<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Machtverh\u00e4ltnissen<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">und<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">dem<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Einfluss,<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">den<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Helfer<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">auf<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">das<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">eigene<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Leben<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">haben<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">k\u00f6nnen.<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Es entsteht<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">ein<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">komplexes<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Bild<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">von<\/span> <span class=\"font-semibold\" data-streamdown=\"strong\"><span data-sd-animate=\"true\">Hilfe<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">als<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">Macht<\/span><\/span><span data-sd-animate=\"true\">,<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">das<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">sowohl<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">ermutigend<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">als<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">auch<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">bedrohlich<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">sein<\/span> <span data-sd-animate=\"true\">kann.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192 <\/strong>Bereits <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62917\">zum zehnten Todestag<\/a> w\u00fcrdigte Walter Benjamin die Bedeutung dieses Autors.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Kaum waren alle fort, sagte K. zu den Gehilfen: &#8222;Geht hinaus!&#8220; Verbl\u00fcfft durch diesen unerwarteten Befehl folgten sie, aber als K. hinter ihnen die T\u00fcr zusperrte, wollten sie wieder zur\u00fcck, winselten drau\u00dfen und klopften an die T\u00fcr. &#8222;Ihr seid&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/06\/03\/die-gehilfen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":107,"featured_media":99615,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[494],"class_list":["post-63007","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-franz-kafka"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/107"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63007"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":107140,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63007\/revisions\/107140"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99615"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}