{"id":62988,"date":"2020-04-23T00:01:00","date_gmt":"2020-04-22T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62988"},"modified":"2022-02-19T11:01:55","modified_gmt":"2022-02-19T10:01:55","slug":"blicke-auf-brinkmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/23\/blicke-auf-brinkmann\/","title":{"rendered":"Flickenteppich \u2219 Blicke auf Brinkmann :"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Weiter und weiter machen in einer gu\u00adten Gegen\u00adwart<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Musik kann im selben Ma\u00dfe wie die Literatur ersch\u00fcttern, eine gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Umkehr, Traurigkeit oder ab\u00adso\u00adlute Ekstase bewirken; die Malerei kann im selben Ma\u00dfe wie die Literatur verz\u00fccken, einen neuen Blick auf die Welt er\u00f6ffnen. Aber allein die Literatur vermittelt uns das Gef\u00fchl von Verbundenheit mit einem ande\u00adren menschlichen Geist, mit allem, was dieser Geist ausmacht, mit seinen Schw\u00e4chen und seiner Gr\u00f6\u00dfe, seinen Gren\u00adzen, seinen Engstirnigkeiten, seinen fixen Ideen, seinen \u00dcberzeugungen; mit al\u00adlem, was ihn be\u00adr\u00fchrt, interes\u00adsiert, erregt oder abst\u00f6\u00dft. Allein die Literatur erlaubt uns, mit dem Geist ei\u00adnes Toten in Verbin\u00addung zu tre\u00adten, auf direkte, umfassendere und tiefere Weise, als das selbst in einem Ge\u00adspr\u00e4ch mit einem Freund m\u00f6g\u00adlich w\u00e4re \u2013 denn so tief und dauerhaft eine Freundschaft sein mag, nie\u00admals liefert man sich in ei\u00adnem Ge\u00adspr\u00e4ch so rest\u00adlos aus, wie man sich einem leeren Blatt ausliefert, das sich an einen unbekannten Emp\u00adf\u00e4nger rich\u00adtet.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Michel Houellebecq \u2219 <em>Unterwerfung<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbWar das einmal meine Sprache? Das ist noch nie meine Spra\u00adche gewesen! Die Sprache hat im\u00admer anderen geh\u00f6rt.\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 23. April 2020 j\u00e4hrt sich zum 45. Mal der Tag, an dem Rolf Die\u00adter Brink\u00admann, der am 16. April 2020 80 Jahre alt geworden w\u00e4re, in London von einer Limousine erfa\u00dft und auf der Stelle get\u00f6tet wird. J\u00fcrgen Theobaldy und Brinkmann sind \u2013 wenn ich das, was ich \u00fcber den Unfallhergang erfahren habe, recht erinnere \u2013 auf dem Weg zu einem Restau\u00adrant, um eine Abendmahlzeit einzuneh\u00admen. Gegen 22 Uhr befin\u00adden sich die beiden Autoren, die Richard Burns zum ersten internationa\u00adlen <em>Cambridge Poetry Festival<\/em> eingela\u00adden hat (mit Lesungen am 19. und 20. April 1975), auf der Westbourne Grove im Londoner Stadtteil Bayswa\u00adter, als Brink\u00admann auf der anderen Stra\u00dfenseite das Pub <em>The<\/em> <em>Shake\u00adspeare<\/em> (mit der Hausnummer 65 \u2026) sieht und spontan die Stra\u00dfe betritt, offen\u00adbar ohne auf den unmittelbar von links kommenden Verkehr zu ach\u00adten. So endet auf abrupte, gewalt\u00adsame, pl\u00f6tzli\u00adche Weise das kurze, lange, schwere Leben jenes aufbegehrenden, beherzten, bild\u00adwortbe\u00adses\u00adse\u00adnen, empfind\u00adsam\u00aden, exzentrischen, fanatischen, freim\u00fctigen, innovati\u00adven, klugen, origi\u00adnellen, polarisie\u00adrenden, streitba\u00adren, suchenden, vitalen, widerspr\u00fcchlichen, zornig\u00aden Schriftstellers der 1960er und 70er Jahre, deren herr\u00adlich abenteuerli\u00adcher, z\u00fcgellos wilder (in den bei\u00adden Jahrzehnten sehr unter\u00adschiedlich ausge\u00adlebter und zuneh\u00admend desillusionierter) Frei\u00adheits\u00addrang \u2013 <em>Help!<\/em> \u2013 l\u00e4ngst legend\u00e4r und aus Sicht man\u00adcher Zeitge\u00adnos\u00adsen nach 2000 vielleicht schwer blo\u00df zu grei\u00adfen, nachzuvollziehen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbIst das nicht Leidenschaft, ein Dach blau anzustreichen und darunter zu woh\u00adnen?\u00ab <\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Woche nach dem Tod, also Ende April 1975, erscheint bei Ro\u00adwohlt die von 360 auf knapp 200 Sei\u00adten geschrumpfte, von Brink\u00admann (widerwillig) autori\u00adsierte Aus\u00adgabe des aufsehenerregenden Gedicht\u00adbuchs <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em>, f\u00fcr das ihm posthum der erste Pe\u00adtrarca-Preis verliehen wird. Das Buch wird zum gro\u00dfen Erfolg: Exem\u00adplare von <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> wer\u00adden in f\u00fcnfstelliger Auflagenh\u00f6he unter die Leser ge\u00adbracht. In den Jahren danach l\u00e4\u00dft das Interesse am literari\u00adschen Werk dieses wunder\u00adbar unange\u00adpa\u00df\u00adten Men\u00adschen zu\u00adn\u00e4chst vielleicht eine kurze Zeit lang nach, um seit Mitte der 80er Jah\u00adre bis heute wieder kontinuierlich und kr\u00e4ftig zu steigen. \u2013<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Brinkmann ist ein Mensch, der sich, in einer Welt schwirrsinnigen <em>Gedankenterrors<\/em> lebend, zeitlebens nach <em>friedli\u00adchen<\/em>, <em>klaren<\/em>, <em>langsamen<\/em>, <em>sanf\u00adten<\/em>, <em>stillen<\/em>, <em>weichen<\/em>, <em>z\u00e4rtlichen<\/em> Momenten sehnt, <em>die\u00adsen winzigen St\u00fcckchen mehr an Frei\u00adheit<\/em>, die sich, \u203aaugenblicks\u00adweise\u2039 immerhin, in den zu seinem Gl\u00fcck oft langanhal\u00adten\u00adden Schreibmo\u00admen\u00adten als \u203aAnwe\u00adsen\u00adheit\u2039 unmittelbarer \u203aGegen\u00adwart\u2039 offenbaren, die f\u00fcr ihn, der auch ge\u00adgen er\u00adb\u00e4rmliches \u203aEsta\u00adblishment\u2039, be\u00adqueme \u203aB\u00fcrgerlich\u00adkeit\u2039, jede Form von \u203aEnge\u2039 an\u00adschrei(b)t, erst \u203aLeben\u2039 bedeuten, Le\u00adben, das, jenseits von \u203aSinn\u2039 und \u203aUnsinn\u2039, ganz einfach : \u203aist\u2039 \u2013. <em>Es gilt einfach, \/ viele gute Augenblicke zu erwi\u00adschen.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der am 16. April 1940 (w\u00e4hrend deutsche Soldaten D\u00e4nemark, Norwegen besetzen) in der norddeut\u00adschen Kleinstadt Vechta geborene Rolf Die\u00adter Brink\u00admann macht\u2019s sich und Zeitge\u00adnossen nie leicht, auch die Mehr\u00adzahl der Zeitgenos\u00adsen hat\u2019s ihm eher selten leichtge\u00admacht. (Man hat sich also gefunden.) Das Leben an sich, wir h\u00f6ren\u2019s immer wieder, ist nun auch nicht eben leicht. Und: Es ist, nolens vo\u00adlens, f\u00fcr jeden Men\u00adschen stets E\u2219x\u2219p\u2219e\u2219r\u2219i\u00ad\u2219m\u2219e\u2219n\u2219t. Keiner wei\u00df, ob er beim n\u00e4chsten Schritt stolpert, f\u00e4llt oder ob\u2019s ganz einfach weiter\u00adgeht: <em>Literatur geht dort weiter, wo Widerspr\u00fcche auftreten<\/em>. Brink\u00admann nimmt diese Erkennt\u00adnis voll, ganz an: Er \u203amacht\u2039 die aufs Umfeld immer wie\u00adder provozie\u00adrend wir\u00adkenden \u203aExperi\u00admente\u2039 zum Lebens\u00adprin\u00adzip, dabei immer wieder den unerf\u00fcllt gebliebenen Wunsch \u00e4u\u00dfernd:<em>Ich m\u00f6chte weiter und weiter ma\u00adchen in einer gu\u00adten Gegen\u00adwart.<\/em> \u2013<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Manch Unver\u00ad\u00f6ffent\u00adlichtes harrt der Publikation. 2005 erschei\u00adnen drei Editio\u00adnen \u2013 der umfang\u00adreiche Nach\u00adla\u00df der Tonb\u00e4n\u00adder und Lesun\u00adgen sowie die vollst\u00e4n\u00addige Ausgab von <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em>. <em>Brink\u00admanns Zorn<\/em>, der Film \u00fcber die letzten f\u00fcnf Le\u00adbensjahre Brink\u00admanns, kommt 2006 in die Kinos, 2010 kommt <em>Vorstel\u00adlung meiner H\u00e4nde<\/em> (das Buch mit den fr\u00fchen Gedich\u00adten) heraus, 2011 gibt Mark Terrill in der Parlor Press in Anderson (South Carolina) den Sammelband <em>An Unchanging Blue. Selected poems<\/em> <em>1962 \u2013 1975<\/em> her\u00adaus. \u2013<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbDas blaue Futur wurde in die Maschine gegeben.\u00ab <\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Tages frage ich in einer blauen Stunde fr\u00f6hlich in die Runde, welche drei Lyriker wir vier als Repr\u00e4\u00adsentan\u00adten des deut\u00adschen Sprachraums w\u00e4hrend der er\u00adsten H\u00e4lfte des 20. Jahrhun\u00adderts (bis etwa 1960), welche wir f\u00fcr die zweite H\u00e4lfte \u203anominieren\u2039 w\u00fcrden. Ergeb\u00adnis des Votums, an dem sich Kraus, Mrs Co\u00adlumbo und Peer Quer zun\u00e4chst z\u00f6gerlich, dann begeistert beteiligen (Bensch liegt erk\u00e4ltet im Bett): Ber\u00adtolt Brecht, Gottfried Benn, Paul Ce\u00adlan f\u00fcr die erste, Ernst Jandl, Friederike Mayr\u00f6cker, Rolf Dieter Brink\u00admann f\u00fcr die zweite H\u00e4lfte. Unweigerlich flie\u00adgen uns weitere Namen zu, die wir gern als Teil der Klee\u00adbl\u00e4tter s\u00e4hen: Rainer Maria Rilke, Ge\u00adorg Trakl, Hans Magnus Enzensber\u00adger, Oskar Pastior, J\u00fcrgen Becker, Thomas Kling. Ein am\u00fcsantes Ge\u00addanken\u00adspiel. Immerhin bekom\u00admen wir Unterst\u00fctzung von vielen Seiten: Allusio\u00adn, Echo, Nach\u00adklang, Pastiche, Pla\u00adgiat, Wort, Zitat der benann\u00adten ersten sechs Auto\u00adren scheinen am h\u00e4ufigsten, in welcher Form auch im\u00admer, in Gedich\u00adten auch nach 2000 auf; Eichen\u00addorff, H\u00f6lderlin, Goe\u00adthe sind eben\u00adfalls m\u00e4chtig pr\u00e4\u00adsent. (Und weiter\u00adhin schwebt das <em>blaue Band<\/em>, das <em>blaue S\u00fcdwort<\/em> durch die Verse, er\u00adg\u00e4nzt Peer Quer, worauf wir ihn umgehend zur blauen Emi\u00adnenz des grauen Planeten ernen\u00adnen.)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbMan mu\u00df vergessen, da\u00df es so etwas wie Kunst gibt! Und einfach anfangen.\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 23. April ist \u203aWelttag des Buches\u2039: Die Geburtstage von Miguel de Cervan\u00adtes und William Shake\u00adspeare (der ausgerech\u00adnet am vermute\u00adten Tag der Geburt stirbt) geben den Anla\u00df. Da\u00df Brink\u00admanns Todes\u00adtag ein 23. April ist, wirkt auf mich insofern wie ein Schicksals\u00adwink, als ich \u203aWelttage\u2039 aller Art f\u00fcr ziemlich \u00fcberfl\u00fcssig halte \u2013 in dieser besonderen Verbindung allerdings f\u00fcr nichts weniger als attraktiv. Verges\u00adsen wir in die\u00adsem Zusammenhang nicht, wo Brink\u00admann sich befindet, als das Ungl\u00fcck geschieht: gegen\u00fcber dem Pub <em>The Shake\u00adspeare<\/em> in Lon\u00addon \u2013 der weltoffenen Metropole, in die es ihn seit 1965 immer wieder zieht, um die Freiheit, die er meint, zu erleben, und sich, f\u00fcrs \u00dcberle\u00adben im verha\u00dften K\u00f6ln, mit druckfrischen amerikani\u00adschen Gedicht\u00adb\u00fc\u00adchern der \u203aBeat\u2039-, \u203aPop\u2039-Generation und neuen Lang\u00adspielplat\u00adten zu versorgen. <em>Ich h\u00e4tte gern viele Gedichte so einfach geschrieben wie Songs<\/em>,betont Brinkmann, aktuelle Lied\u00adtexte tropfen sinnreich in Gedichte, in deren Titeln ausdr\u00fcck\u00adlich W\u00f6rter wie <em>Lied<\/em> oder <em>Song<\/em> auftau\u00adchen. <em>Die Tren\u00adnung von Dichtung und Musik spiegelte sich erst\u00admals in der Druckseite wi\u00adder<\/em>, unter\u00adstreicht Mars\u00adhall McLu\u00adhan. Brink\u00admann holt die Musik zur\u00fcck ins Gedicht, <em>Roll r\u00fcber, Beethoven!<\/em> Im <em>unkontrollier\u00adten Nach\u00adwort<\/em> lese ich: <em>Viel\u00adleicht ist es mir gelungen, die Gedichte einfach zu machen, wie Songs, wie eine T\u00fcr aufzumachen, aus der Sprache und den Festlegungen raus.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zuletzt publi\u00adzierten Editionen offen\u00adbaren erneut eindrucksvoll die innovativen \u203aKunst\u00adst\u00fccke\u2039 von der Hand des materiell verarm\u00adten literarischen Schwerst\u00adarbeiters Brinkmann, der sich, restlos angewi\u00addert von K\u00f6ln, vom Litera\u00adturbetrieb, von der Welt, ab 1970, <em>wieder ein Sonntag in Deutsch\u00adland, der absolut albtraum\u00adhaft ist<\/em>, <em>ich trete aus dem Haus &amp; trete zuerst in Hundeschei\u00dfe<\/em>, nachdem er sich \u2013 bis auf Henning John von Frey\u00adend, dem er 1973 schreibt: <em>Dr\u00e4nge danach, jeden Gedan\u00adken, jede Erfahrung, jeden k\u00f6rperli\u00adchen Zustand in den vergange\u00adnen drei Jahren aufzuschrei\u00adben. Das nenne ich meinen Roman. Ich mu\u00df unbe\u00addingt aus mei\u00adnen Erfahrungen ein Ge\u00adsetz herausfin\u00adden<\/em> \u2013 mit Bekann\u00adten, Freunden \u00fcberwirft, konsequent in die Schreib\u00adzimmer\u00adwelt zur\u00fcck\u00adzieht, <em>ich habe mich ans Leben im entlegenen Versteck gew\u00f6hnt<\/em> (Han Shan), unterbrochen blo\u00df von den unbedingt zum Materialsammelprogramm geh\u00f6renden (oft n\u00e4chtlichen) G\u00e4ngen durch die dreckigen, d\u00fcsteren gro\u00dfst\u00e4dti\u00adschen Seitenstra\u00dfen, sich, intensiver ver\u00admutlich als jeder Zeitgenosse, radikal dem \u203aEi\u00adgentli\u00adchen\u2039, dem gro\u00ad\u00dfen Roman, wid\u00admend.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbIn Rom dachte ich an London. In London dachte ich an Rom. Als ich in K\u00f6ln war, dachte ich an Am\u00adsterdam.\u00ab <\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke f\u00fcnfzehn Jahre zur\u00fcck \u2013 an jenen Freitag, den 8. April 2005: ein Tag, den die Menschheit so schnell nicht vergi\u00dft. Die Beiset\u00adzung des verstorbenen polnischen Papstes ger\u00e4t zum \u203aungeheu\u00adren\u2039 Medienspekta\u00adkel. (Oder hat sie ihn schon vergessen? Wahrscheinlich ja. \u2013 Da f\u00e4llt mir ein: Am 11. Sep\u00adtember 2001 treffe ich erstmals Jan R\u00f6hnert, wir flanie\u00adren, lyrikvoll und ahnungslos, durch die Seitenstra\u00ad\u00dfen K\u00f6lns, heften uns an die Verse Brinkmanns, stehen vor dem Haus Nummer 65 in der Engel\u00adbertstra\u00dfe, wo er mit Frau Maleen und Sohn Robert lebte, erfahren erst abends, was in jener anderen Welt so los ist \u2013 es ist ja immer etwas los &#8230;) Just an jenem Apriltag jedenfalls, und deshalb vergesse <em>ich<\/em> ihn nicht, kommt mit der Post \u2013 nach zwei Wochen langen Wartens \u2013 die erwei\u00adterte Neuausgabe von <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em>. Ausge\u00adpackt, geschaut, ge\u00adbl\u00e4ttert, hier Bilder betrach\u00adtet, dort Verse gelesen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann ansatzweise blo\u00df beschreiben, was es f\u00fcr mich bedeutet, dieses Buch endlich vollst\u00e4ndig in H\u00e4n\u00adden zu halten (minutenlang blick ich einfach blo\u00df aufs Titelblatt), benenne drum zun\u00e4chst blo\u00df \u00e4u\u00ad\u00dfere Aspekte. Ist das Buch bis\u00adlang 19 mal 12,5 Zentimeter klein, so ist <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> nun 23 mal 15,5 Zenti\u00admeter gro\u00df und weist damit den f\u00fcr die oft exorbitant angelegten Gedichte angemessenen Umfang auf, der zudem eine Schrittgr\u00f6\u00dfe zul\u00e4\u00dft, die nat\u00fcrlich der zum Teil ameisen\u00adhaft winzi\u00adgen der Ausgab von 1975 bei weitem vorzuziehen ist. Das Buch hat nun das Format, das ihm aufgrund seiner fulminant entgren\u00adzen\u00adden Gesamtgestaltstruktur zu\u00adsteht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun lese und lese und lese ich wieder, lasse mich umrauschen, <em>du denkst an frische \u00c4pfel \/ im August<\/em>, vom Sound magisch aufgeladener W\u00f6rter, in denen Klang und Sinn, wie von selber, miteinander plauschen, Ohren, die die Welt belauschen, Au\u00adgen, die mit mir Blicke tauschen: <em>Ei\u00adnen je\u00adner klassi\u00adschen \/\/ schwarzen Tan\u00adgos in K\u00f6ln, Ende des \/ Mo\u00adnats August, da der Som\u00admer schon \/ ganz verstaubt ist, kurz nach Laden \/ Schlu\u00df aus der offenen T\u00fcr einer \/ dunklen Wirtschaft, die einem \/ Grie\u00adchen ge\u00adh\u00f6rt, h\u00f6ren, ist beinahe \/ ein Wunder: f\u00fcr einen Mo\u00adment eine \/ \u00dcberra\u00adschung, f\u00fcr einen Moment \/ eine Pause in dieser Stra\u00dfe, \/ die niemand liebt und atemlos \/ macht, beim Hin\u00addurchge\u00adhen. Ich \/ schrieb das schnell auf, bevor \/ der Moment in der verfluch\u00adten \/ dunsti\u00adgen Abgestor\u00adben\u00adheit K\u00f6lns \/ wie\u00adder erlosch<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbIch schleppte meinen Koffer zu der Haltestelle. Jen\u00adseits der Betonfl\u00e4chen mit Spuren d\u00fcn\u00adnen Lichts begann der Nachmit\u00adtag, westw\u00e4rts.\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis heute hab ich das in alle vom Autor denkf\u00fchlganggreiferlebbaren Richtungen \u203aaufbrechende\u2039, makrokos\u00admisch vielschichtige Verm\u00e4cht\u00adnis <em>Westw\u00e4rts<\/em> <em>1 &amp; 2<\/em> drei weitere, einzelne Gedichte un\u00adz\u00e4h\u00adlige Mal wiedergelesen; in der zweiten Februarwoche 2015 ist\u2019s wieder soweit, ich erlebe erneut, wie dieser (einschlie\u00df\u00adlich des visuellen Rahmens, auf dessen das ganze Buch durchwirkende Natur\/Kultur-Dichoto\u00admie Roberto Di Bella eindr\u00fccklich hinweist) glasklar struktu\u00adrierte tumultuarische Taumel, von aufw\u00fchlen\u00addem zu ruhespendendem zu beschwingtem zu rasen\u00addem Gedicht zu einer (anti-)poetischen Gestalt mit Ecken und Kanten geformt wird, die das faustische, sich aus der zuchthauszelleneng erlebten Gegenwart hin aufs die unverhoffte Weite von Wort\u00adBildWelt bewegende, erinnernde, erlebende, tr\u00e4u\u00admende, schrei\u00adbende Individuum in einem <em>Bewu\u00dft\u00adseinsfilm<\/em> zerspiegelt, in dem suchend neugestaltet wird, <em>was<\/em>, wer wei\u00df, wer wei\u00df,<em> die Welt im Innersten zusam\u00admenh\u00e4lt<\/em>. Die Wucht, mit der die vertrauten W\u00f6rter auf mich einschla\u00adgen, als w\u00e4re es das erste Mal, da\u00df ich sie lese, macht mich wieder derma\u00dfen brinkmannhung\u00adrig, da\u00df ich alle B\u00fccher auf einen Schlag wiederlesen will: Her mit <em>Vanille<\/em>, her mit <em>Eiswasser an der Guade\u00adlupe Str.<\/em>, her mit <em>Rom, Blicke<\/em> (mit Paul Auster, Thomas, Bern\u00adhard, Friederike Mayr\u00f6cker \u2013 und, ich r\u00e4ume es freim\u00fctig ein, manchen, nein, vielen anderen, Joseph Roth, Gottfried Keller, Virginia Woolf, Hans Henny Jahnn \u2026, geht\u2019s mir ge\u00adnauso, seit ich 1959 zu lesen beginne, als ich noch gar nicht lesen kann).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in allen B\u00fcchern Brinkmanns vermittelt es sich auch in <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> : <em>Schreiben ist Handwerk plus ei\u00adgener Sumpf, das eine ohne das andere ist nichts<\/em>, lese ich bei Bodo Kirchhoff und denke: Aber wehe, die beiden Kr\u00e4fte kommen beim Richtigen zusam\u00admen, dann bin ich als Leser nicht \u2013 mehr \u2013 zu \u2013 r\/e\/t\/t\/e\/n. Am 9. und 10. Februar 2015 tue ich also nichts an\u00adderes als am 9. und 10. April 2005: Weitestgehend dar\u00adauf ver\u00adzichtend, k\u00f6rperliche Nah\u00adrung aufzuneh\u00admen, verleibe ich mir erneut dieses weltumspannende, weltsch\u00f6p\u00adfende, weltverwan\u00addelnde Buch ein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bb Es ist ein subjekti\u00adves Buch, ohne R\u00fcck\u00adsicht auf die herrschen\u00adden Konventio\u00adnen \u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die am 23. April 2005 ver\u00f6ffent\u00adlichte vollst\u00e4n\u00addige Aus\u00adgabe des W\u00f6rtervul\u00adkans <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> ist mehr als \u203ablo\u00df\u2039 Gedicht\u00adbuch: <em>Es ist ein subjekti\u00adves Buch, ohne R\u00fcck\u00adsicht auf die herrschen\u00adden Konventio\u00adnen, und kann ebenso gut als ein zusammen\u00adh\u00e4ngendes Prosabuch, Gedichtbuch wie Essaybuch gelesen wer\u00adden<\/em>, wie Brink\u00admann den poetisch-narrati\u00adven Charakter von <em>Westw\u00e4rts<\/em> um\u00adschreibt, auf dessen zugleich <em>epische Struk\u00adtur<\/em> Roberto Di Bella voll\u00adkommen zurecht vehement ver\u00adweist. Und: \u203aBilderbuch\u2039 m\u00f6chte ich hinzuf\u00fc\u00adgen, denn da sind auch noch die zahlreichen zum Dialog auffordernden Photos bzw. Photo\u00admon\u00adtagen als wesentli\u00adche Be\u00adstand\u00adteile des Gan\u00adzen \u203awahrzu\u00adneh\u00admen\u2039. 25 der 26 wieder eingef\u00fcg\u00adten Gedichte sind bis dahin nicht ver\u00f6ffent\u00adlicht, vom \u00adnahezu 90seitigen Nachwort mit \u00fcber ab\u00adsatzlo\u00adse Seiten m\u00e4andernden Rei\u00adhun\u00adgen erscheint ledig\u00adlich ein kurzer Auszug im <em>Literaturma\u00adgazin 5\/1976<\/em>. \u2013 \u2013 \u2013 Nach dem Lesen setzt sich eine Grille im Kopf fest, die so heftig zirpt, da\u00df die vier Freunde es nicht \u00fcberh\u00f6ren k\u00f6nnen: Dieses \u203aurspr\u00fcngliche\u2039 Gedichtbuch <em>West\u00adw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> ge\u00adh\u00f6rt zu meinem Top Dutzend deutsch\u00adsprachi\u00adger Gedichtb\u00fc\u00adcher aller Zeiten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es tut der gewal\u00adtigen (Sog-)Wirkung dieses von einem wortbild\u00adbesessenen Erneuerer \u2013 in K\u00f6ln, in Rom und Ole\u00advano sowie in Austin\/Texas \u2013 reflektiert unkon\u00adtrolliert geschriebenen Buchs keinerlei Ab\u00adbruch, wenn Kraus unmittelbar an\u00admerkt, da\u00df eine Handvoll der 26 wiedereingef\u00fcgten Gedichte nicht durchg\u00e4n\u00adgig die Dyna\u00admik habe, f\u00fcr die Brinkmann, bei aller sehr be\u00adwu\u00df\u00adt themati\u00adsierten, programmatischen Allt\u00e4glich\u00adkeit und Banalit\u00e4t \u2013 <em>Man mu\u00df Gedichte aus ihrem Begriff \u203aGedichte\u2039 befreien, um zu einem Gedicht zu kom\u00admen<\/em> \u2013 doch so zuverl\u00e4s\u00adsig garan\u00adtiere, schlie\u00dflich habe der Autor sie 1975 selbst (wenn auch widerstrebend) aus dem Manu\u00adskript genommen. Mu\u00df denn jedes Gedicht dynamisch sein? mault Bensch, und wie so oft trifft er mit der simplen Frage den Nagel auf den Kopf, worauf Kraus blo\u00df noch meint, er meine ja blo\u00df, und schon kann\u2019s weitergehen: Denn <em>Schattenmorellen<\/em> ins Spiel zu bringen brennt mir jetzt einfach auf die N\u00e4\u00adgel. <em>Schattenmorellen<\/em> ist eins der 26 \u203aneuen\u2039 Gedich\u00adten in <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em>, 1990 in dem zum 50. Geburts\u00adtag herausgegebenen Kata\u00adlog des Bremer Antiquariats Seinsoth abge\u00addruckt, und es ist ein Gedicht, das wir drei einfach blo\u00df herr\u00adlich begl\u00fcc\u00adkend finden:<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Schat\u00adten\u00admo\u00adrel\u00adlen<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><br \/>ent\u00adz\u00fcck\u00adten mich, als ich heu\u00adte<br \/>durch die graue, nas\u00adse Stra\u00ad\u00dfe<br \/>ging, un\u00adter den vie\u00adlen Ge\u00adsich\u00adtern<br \/><br \/>frisch und klar, mehr als das<br \/>Pro\u00adblem des Un\u00adend\u00adli\u00adchen<br \/>kurz vor halb sie\u00adben,<br \/><br \/>La\u00adden\u00adschlu\u00df. Ich sag\u00adte, \u00bbFrie\u00adde!\u00ab<br \/>und ging in den La\u00adden, kauf\u00adte<br \/>an\u00addert\u00adhalb Pfund Schat\u00adten\u00admo\u00adrel\u00adlen.<br \/><br \/>Die Un\u00adend\u00adlich\u00adkeit ist teu\u00adrer,<br \/>160 Sei\u00adten, 10,80 DM,<br \/>Ori\u00adgi\u00adnal\u00adaus\u00adga\u00adbe, und nicht<br \/><br \/>halb so gut. Ich ge\u00adhe \u00fcber<br \/>ei\u00adne Br\u00fc\u00adcke und spu\u00adcke<br \/>ei\u00adnen Schat\u00adten\u00admo\u00adrel\u00adlen\u00adkern<br \/><br \/>aus, was ge\u00adnau wie Frie\u00adden ist.<br \/>Es gibt Schat\u00adten\u00adver\u00adfah\u00adren, Schat\u00adten<br \/>V\u00f6\u00adgel, Schat\u00adten\u00adwick\u00adler, Schat\u00adten\u00adspie\u00adle<br \/><br \/>und Schat\u00adten\u00adbo\u00adxen, es gibt Schat\u00adten<br \/>Pro\u00adbe und Schat\u00adten\u00adris\u00adse, es gibt<br \/>Schat\u00adten\u00adpflan\u00adzen, Schwach\u00adlicht<br \/><br \/>Pflan\u00adzen, Schat\u00adten\u00adre\u00adgie\u00adrun\u00adgen<br \/>und Schat\u00adten\u00adlit\u00adze, es gibt<br \/>Schat\u00adten\u00adge\u00adwe\u00adbe und Schat\u00adten<br \/><br \/>In\u00addus\u00adtrie, Schat\u00adten\u00adka\u00adbi\u00adnet\u00adte<br \/>und ge\u00admei\u00adne Schat\u00adten, den<br \/>dunk\u00adlen Raum hin\u00adter ei\u00adnem<br \/><br \/>be\u00adleuch\u00adte\u00adten, un\u00addurch\u00adsich\u00adti\u00adgen<br \/>K\u00f6r\u00adper, es gibt das Schat\u00adten\u00adbild<br \/>von G\u00f6\u00adthe und Fritz von Stein<br \/><br \/>und die Schat\u00adten\u00admo\u00adrel\u00adlen in <br \/>der Pa\u00adpier\u00adt\u00fc\u00adte, es gibt Ha\u00adre<br \/>Krish\u00adna und Kern\u00adspal\u00adtung.<br \/><br \/>Das war der Mo\u00adment, als<br \/>die Stra\u00ad\u00dfe auf\u00adh\u00f6r\u00adte. Ich <br \/>sah auf die Schat\u00adten\u00admo\u00adrel\u00adlen<br \/><br \/>in der Hand. Der Frie\u00adde<br \/>ist so ein\u00adfach wie das Ent\u00adz\u00fc\u00adcken<br \/>und Schat\u00adten\u00admo\u00adrel\u00adlen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bb<\/strong><strong>Man mu\u00df Gedichte aus ihrem Begriff <\/strong><strong>\u203aGedichte\u2039 befreien, um zu einem Gedicht zu kommen<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> ist ein anarchisch brennender, monumen\u00adtaler, \u00fcbersch\u00e4umen\u00adder, ineinander verzahnter, literari\u00adsche Genres verschmelzender (anti-)poeti\u00adscher Kos\u00admos, <em>hirnflora und herzfauna<\/em> (aus einem Gedicht von Henryk Gericke), <em>manchmal ein w\u00fcster, allt\u00e4glicher Albtraum<\/em> mit <em>Sonnenblumen<\/em> und <em>toten Tieren<\/em> und <em>G\u00e4rten, klar und k\u00fchl<\/em>, der mich mit aggressi\u00adv zwi\u00adschen ver\u00adschieden\u00adsten (imex\u00adplodierenden) \u203aRealit\u00e4ts\u2039- und Traum\u00adwel\u00adten hin- und herspringenden, \u00e4tzend, blau, brutal, dynamisch, frivol, humorig, \u203ahymnisch\u2039, k\u00e4mpferi\u00adsch, liedhaf\u00adt, obsz\u00f6n, sensiblen, still, weich, z\u00e4rtli\u00adch t\u00f6nenden, an Oberfl\u00e4che orientierten, offenporig, doppelb\u00f6\u00addig gebauten, im\u00admer wieder mehrspaltig gesetzten, sich \u00fcber etliche Seiten hinziehen\u00adden, simul\u00adtan auf mich einst\u00fcr\u00adzende, unent\u00adwegt \u00fcber\u00adfluten\u00adde wahn\u00adhafte Sinnes\u00adeindr\u00fccke auch visuell sichtbar ma\u00adchenden Gedichten, agilen Anaphern, bildhafter <em>Ballade<\/em>, idiosynkratischen Infrage\u00adstel\u00adlungen, katachresi\u00adschen Katalogen, leiden\u00adschaftli\u00adchen Lita\u00adneien, lichtvoll-luftigen Leerzei\u00adlen, <em>momentanen Fantasien<\/em>, narra\u00adtiven Notaten, parodi\u00adstisch-persi\u00adflierenden (Paral\u00adlel-)Passagen, \u203aphantastischen\u2039 Photo\u00admonta\u00adgen, rasanten raumgrei\u00adfenden Reihun\u00adgen, sinn\u00adli\u00adchen<em> Snapshots<\/em>, seriel\u00adlen Sequenzen, zynischen Zerrbildern, <em>Fenster<\/em>-, <em>T\u00fcren<\/em>-, <em>Wolken<\/em>-Versen, filmar\u00adtig geschnittenen kaskadi\u00adschen Wort-, Gedan\u00adkenerg\u00fcssen voll von <em>Farben<\/em>, <em>Ger\u00e4u\u00adschen<\/em>, <em>Ger\u00fc\u00adchen<\/em>, <em>Empfin\u00addungen<\/em>, unerh\u00f6rt tempera\u00adment\u00advol\u00adlen Berg\u00adTalFahr\u00adten des nicht enden wollen\u00adden <em>un\u00adkontrol\u00adlier\u00adten Nach\u00adworts<\/em> in einen Lese\u00adrausch voller \u203abefreiender\u2039 \u00dcberra\u00adschungsmomente ver\u00adsetzt, in dem ich, im wortw\u00e4h\u00adrenden Nahkampf mit den Bildern, die ich (mir) von jenem schreibenden Indivi\u00adduum mache, in einem Moment bei mir, im andren au\u00dfer mir bin. Brink\u00admann macht \u203anotgedrungen\u2039 wei\u00adter, wei\u00adter, jede desillusionierende Erfahrung stachelt ihn offenbar weiter an: <em>Ein Gedicht<\/em> (lakonisches \u203aLog\u00adbuch\u2039) \u00f6ffnet die T\u00fcr zum n\u00e4chsten n\u00e4ch\u00adsten n\u00e4ch\u00adsten Gedicht, in dem es weiterweiterweitergeht \u2013 bis es auf einmal \u203aeinfach\u2039 auf\u00adh\u00f6rt \u2013 denn<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbnach einem Gedicht beginnt das Niemandsland \u00ab :<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hier steht ein Gedicht ohne einen Helden. \/ In diesem Gedicht gibts keine B\u00e4ume. \/ Kein Zimmer zum Hineingehen und Schlafen \/ ist hier in dem Ge\u00addicht. \/ Keine Farbe kannst du in diesem \/\/ Gedicht hier sehen. Keine Gef\u00fchle sind \/ in dem Gedicht. Nichts ist in diesem Gedicht \/ hier zum Anfassen. Es gibt keine Ger\u00fcche hier in \/ diesem Gedicht. Keiner braucht \u00fcber einen Zaun \/\/ oder \u00fcber eine Mauer in diesem Gedicht zu klettern. \/ Es gibt in die\u00adsem Gedicht hier nichts zu f\u00fchlen. \/ Das Gedicht hier kannst du nicht \u00fcberziehen. \/ Es ist nicht aus Gummi. Kein wei\u00dfer Schatten \/\/ ist in dem Gedicht hier. Kein Mensch kommt \/ hier in diesem Gedicht von einer Reise zur\u00fcck. \/ Kein Mensch kommt in diesem Ge\u00addicht hier atemlos \/ die Treppe herauf. Das Gedicht hier macht keine \/\/ Verspre\u00adchungen. In dem Gedicht stirbt auch kei\u00adner. \/ In diesem Gedicht sp\u00fcrst du keinen Hauch. Es gibt \/ keinen Laut der Freude in dem Gedicht hier. Kein \/ Mensch ist in dem Gedicht hier verzweifelt. Hier \/\/ in dem Gedicht ist es ganz still. Niemand \/ klagt in diesem Gedicht. Niemand re\u00addet hier \/ in dem Gedicht. Hier in diesem Gedicht schlagen \/ sich auch keine Arbei\u00adter wund. Das Gedicht hier \/\/ steht einfach nur hier. Es enth\u00e4lt keine Schl\u00fcssel \/ zum Auf\u00adschlie\u00dfen von T\u00fcren. Es gibt keine T\u00fcren \/ in die\u00adsem Gedicht. Das Gedicht hier ist ohne \/ Musik. Es singt keiner in diesem Gedicht, und \/\/ keiner macht hier in diesem Gedicht jemanden \/ nach. Keiner schreit hier in dem Ge\u00addicht, flucht, \/ fickt, i\u00dft und nimmt ein Rauschmittel. Es gibt in \/ diesem Ge\u00addicht keine bombasti\u00adsche Ausstattung \/\/ f\u00fcr dich. Das Gedicht hier geht nicht, liegt nicht, \/ schl\u00e4ft nicht, es kennt keinen Tag, es kennt keine \/ Nacht. Du brauchst hier in diesem Gedicht keine \/ Rechnungen zu bezahlen. Es gibt keinen Hausbesitzer \/\/ in dem Gedicht hier, der die Miete erh\u00f6ht. Es gibt \/ keine Firmen in diesem Gedicht. Es gibt in dem \/ Gedicht keinen Staat Kalifor\u00adnien. Es gibt kein \/ Oregano in dem Gedicht. In diesem Gedicht gibt\u2019s \/\/ kein Meer. Du kannst in dem Gedicht hier nicht \/ schwimmen. Das Gedicht, das hier steht, enth\u00e4lt keine \/ W\u00e4rme, das Gedicht enth\u00e4lt keine K\u00e4lte. Das Gedicht \/ hier ist nicht schwarz, es hat keine Fenster und \/\/ kennt keine Angst. Das Gedicht hier zit\u00adtert \/ nicht. Das Gedicht hier ist ohne Spiegel. In diesem \/ Gedicht gibts auch kein Spiegelei. Einen Supermarkt \/ gibt es hier in diesem Gedicht nicht. Das Gedicht, \/\/ das du hier liest, hat keine Titten und keine Fotze, \/ das Ge\u00addicht hier ist v\u00f6llig k\u00f6rperlos. Keiner st\u00f6hnt \/ hier in dem Gedicht. Das Gedicht blutet nicht, es \/ verschweigt nichts, das Ge\u00addicht hat keine Regel, \/\/ das Gedicht ist kein Zitat, f\u00fcr keinen. Hier in \/ diesem Gedicht findet niemand einen Pfennig, \/ und hier in diesem Gedicht f\u00e4hrt kein Mensch mit \/ einem Auto. Keine Reifen quietschen um die Ecke. \/\/ In diesem Gedicht lutscht niemand z\u00e4rtlich an \/ einem Schwanz. Es gibt hier in dem Gedicht keine \/ Lampen. Das Gedicht ist kein gelber Schal. Das \/ Gedicht, auf das du hier schaust, hustet nicht. \/\/ Hier in dem Gedicht kannst du nicht k\u00fcssen. \/ Hier in diesem Gedicht wird auch nicht gepi\u00dft. Du \/ kannst mit diesem Gedicht nichts anfangen. Das \/ Gedicht be\u00adsteht aus lauter Verneinungen. Die \/\/ Verneinungen in diesem Gedicht wer\u00adden immer mehr. \/ Hier gibts keinen Kiff in dem Gedicht. In diesem \/ Gedicht lacht kein Mensch. Das Gedicht kennt keine \/ Arbeit. Niemand sieht in diesem Ge\u00addicht Fernsehen. \/\/ Das Gedicht tr\u00e4gt keine Uhr. Das Gedicht ist nicht \/ zeitlos. Es braucht soviel Zeit, wie du brauchst, \/ um das Gedicht hier zu lesen. Kein Wasser\u00adhahn \/ tropft in dem Gedicht hier, und keiner verlangt \/\/in dem Gedicht hier nach Zigaretten. Hier das \/ Gedicht gibt kein Trink\u00adgeld. Keine Toilette ist \/ hier in dem Gedicht. Es gibt keine Stadt in diesem \/ Gedicht. Hier in dem Ge\u00addicht w\u00e4scht keiner sich die \/\/ F\u00fc\u00dfe. In die Schule zu gehen, ist hier in dem Gedicht \/ nicht n\u00f6tig. In dem Gedicht leckt auch keiner eine \/ M\u00f6se. Dein Geschlechtsteil richtet sich hier in \/ dem Gedicht nicht auf. Du kannst hier in dem Gedicht \/\/ dich nicht hinsetzen und denken. Das Gedicht hier \/ ist nicht der Staat. Es ist nicht die Gesellschaft. \/ Es ist kein Flipperautomat. Das Gedicht hier hat \/ keinen Hund. Mit diesem Gedicht kann sich keiner \/ identifi\u00adzieren. Keine Polizi\u00adsten fahren in diesem \/ Gedicht herum und suchen nach einem Bruch. Eine Kuh \/ liegt hier in diesem Gedicht nicht. Das Gedicht hier \/ ist nicht gedankenlos. Das Gedicht hier ist nicht \/\/ gedankenvoll. In dem Gedicht er\u00adscheint auch kein \/ Sommertag. Es ist niemals Dienstag in diesem Gedicht, \/ es gibt keinen Mittwoch in diesem Gedicht, es herrscht \/ nicht Freitag in diesem Gedicht und kein Donnerstag \/\/ fehlt in dem Gedicht hier. Es ist nicht Montag, \/ Samstag und Sonntag in hier dem Gedicht. Das Gedicht \/ hier ist nicht die Vernei\u00adnung von Mon\u00adtag oder \/ Donnerstag. Das Gedicht h\u00f6rt hier einfach auf. <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbEin Lied zu singen \/ mit nichts als der Absicht, \/ ein Lied zu singen\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> ist <strong>das<\/strong> Gedichtbuch nach 2000. (Wobei ich auf May\u00adr\u00f6ckers <em>dieses J\u00e4ckchen (n\u00e4mlich) des Vo\u00adgel Greif<\/em> ebensowe\u00adnig verzichten will wie auf Pastiors <em>durch \u2013 und zur\u00fcck<\/em>, B\u00f6hmers <em>Kaddish<\/em>, Walter Hel\u00admut Fritz\u2019 <em>Gedichte \u2219 Prosagedichte<\/em>, Tho\u00admas Klings <em>Gesammelte<\/em> <em>Gedichte<\/em>,J\u00fcrgen Beckers <em>\u2026<\/em> Weiteres hierzu vermit\u00adtelt das in <em>poet 18<\/em> abgedruckte Gespr\u00e4ch, das ich im Herbst 2015 mit Hans Bender zum Thema Lesen gef\u00fchrt habe.) Aber jetzt geht es um nichts als Brink\u00admanns <em>West\u00adw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em>, und ich halte fest: Mancher Weg mag nach Rom f\u00fchren (oder sonst wohin), an <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> f\u00fchrt kein Weg vorbei. Wer im Lyrikdiskurs mitredet, ohne die\u00adses Gedichtbuch zu lesen, der soll halt weiter mitreden. Geredet wird ja viel, wie man gelegent\u00adlich h\u00f6rt. Ich kann da nicht mitreden. <em>Bist du nicht alt genug zu schweigen?<\/em> (hei\u00dft es in Joseph Roths Roman <em>Hiob<\/em> \u2026)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sommer 2005 erscheint in der von Karl-Friedrich Hacker in Itze\u00adhoe betriebenen <em>edition bauwa\u00adgen<\/em> ein weiterer handgeschriebener Sammel\u00adband mit origi\u00adnalen Hand\u00adschriften. Das sechste K\u00fcnstlerbuch der Reihe tr\u00e4gt den Titel <em>In ein anderes Blau<\/em> \u2013 ich habe es im Gedenken an Brink\u00admann ediert. Das <em>Gedicht<\/em> aus <em>West\u00adw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> mit den legend\u00e4\u00adren Schlu\u00dfversen<em> Ich gehe in ein \/ anderes Blau<\/em> schwebt durch das Buch in dieser, jener k\u00fcnstlerisch, literarisch anverwandelten Form. So hat Hacker es in Kunst umge\u00adwandelt, Ingrid van Biesen zum Teil ins Gedicht montiert. So kommt <em>Gedicht<\/em> zu Gedicht und doku\u00admentiert die Lebendigkeit, mit der Brink\u00admanns W\u00f6rter sich weiterhin in den K\u00f6pfen von Autoren, K\u00fcnstlern, Litera\u00adturwissenschaftlern (ganz zu schweigen von der gro\u00dfen Mehrheit anonymer Leser) tummeln, wovon nicht blo\u00df der Namenkata\u00adlog weiter unten beredt Zeug\u00adnis abliefert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bb\u2026 das wild gefleckte Panorama eines anderen Traums\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Jedermann kann sich leicht errechnen, was alles auf diesen wenigen Schreibmaschinenenseiten unterschlagen werden mu\u00df. Das Ganze ist sozusagen eine einzige L\u00fcge des Verschweigens, die nur darum f\u00fcr Wahrheit genommen werden darf, weil es Vollst\u00e4ndigkeit im Beschreiben nicht geben kann. Auch die Wissenschaft treibt es nicht anders. <\/em>Den Worten Hans Henny Jahnns von 1932 habe ich im Zusammenhang dieses \u203aFlickenteppichs\u2039 nichts hinzuzuf\u00fcgen. Im Fall von Roberto Di Bellas im Januar 2015 erschienener Monographie <em>\u00bb\u2026 das wild ge\u00adfleckte Panorama eines ande\u00adren Traums\u00ab \u2219 Rolf Dieter Brinkmanns sp\u00e4tes Roman\u00adprojekt<\/em> ist das allerdings \u203aein wenig\u2039 anders \u2026 671 gro\u00df\u00adformatige Seiten, die in die Tiefe durch doppelte B\u00f6den bohren, die nach oben <em>in ein \/ anderes Blau<\/em> aufstei\u00adgen, die nach links \u2013 <em>von den Vorort \/ Stra\u00dfen bis in die Innenstadt<\/em> gehen und nach rechts, <em>wo die Ka\u00addaver toter Fliegen am Fensterglas kleben<\/em>, Ausschau halten. Dieses gleichsam \u203anichts verschweigende\u2039 Buch ist eine von stupendem Kenntnisreichtum, von feinsinniger Interpre\u00adtationskunst getragene \u203aRevision\u2039 von Brinkmanns <em>ver\u00e4ndertem Umgang mit dem Material der Pop(ul\u00e4r)-Kultur nach 1970, im dreifachen Sinn von Wieder\u00adholung, Korrektur und (intensivierter) erneuerter Verbildlichung<\/em>, wof\u00fcr die Di Bella den zusammenfassen\u00adden Be\u00adgriff <em>Re-Vision<\/em> er\/findet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier werden Blicke auf Brinkmann m\u00f6glich, wie blo\u00df der Wanderer als <em>stummer Betrachter<\/em> sie hat, der von den h\u00f6chsten H\u00f6hen \u00fcber alle Gipfel, \u00fcber alle Wipfel schauen und schauen und schauen kann: <em>Kosten\u00adloses Kino, Breitwand, Panoramablick, Vista-Vision, besser als Kino war das hier, live!<\/em> In f\u00fcnf Teilen \u2013 in denen anhand von Begriffen wie <em>Allegorie<\/em>, <em>Destruktion\/Konstruktion<\/em>, <em>Erstarrung\/Bewegung<\/em>, <em>Komplementa\u00adri\u00adt\u00e4t\/Kontrast<\/em>, <em>Un\u00adf\u00e4lle\/Zuf\u00e4lle<\/em> die beiden \u203aworks in progress\u2039 <em>Schnitte<\/em> und <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> analysiert sowie in Bezug zu\u00adeinan\u00adder gesetzt werden: <em>Nur so werden \u00bbSchnitte\u00ab wie \u00bbWestw\u00e4rts 1 &amp; 2\u00ab lesbar als in sich schl\u00fcssige Verk\u00f6rpe\u00adrungen eines zwar strukturell offenen, doch deshalb nicht minder zielgerichteten poet(h)ischen Projektes, das an den alten avantgardi\u00adstischen Traum anzukn\u00fcpfen scheint, Leben und Kunst zusam\u00admenzuf\u00fchren<\/em> \u2013 arbeitet Roberto Di Bella heraus, da\u00df das gesamte nach 1970 entstandene Werk \u2013 ein\u00adschlie\u00dflich <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> \u2013 dem einen gro\u00ad\u00dfen Ziel diente: dem <em>Roman einer Gene\u00adration.<\/em> \u2013 Was f\u00fcr ein Geschenk des einen RDB an den andren RDB, zumal im Jahr 2015, in dem Rolf Dieter Brink\u00admann 75 Jahre alt geworden w\u00e4re und wir seiner, auch an\u00adl\u00e4\u00dflich des 40. Todestags, wie in diesen Tagen 2020 ganz besonders gedenken. Mein Freund Bernhard Bensch, Architekt ohne Arbeit, hat die mo\u00adnumentale Monogra\u00adphie unmittelbar nach mir gelesen, auf diese Weise einen Zugang zum Werk Brink\u00admanns gefunden, der ihm so bislang verwehrt war.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbAch, gehen Sie mir weg mit Ihren W\u00f6rtern!\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder geht\u2019s f\u00fcnfzehn Jahre zur\u00fcck (was sind schon f\u00fcnfzehn Jahre?): Ein Paketdienst bringt kurz vor Ostern 2005 die Rolf-Dieter-Brinkmann-Audio-Editionen <em>W\u00f6r\u00adter Sex Schnitt<\/em> (der akustische Nach\u00adla\u00df als Erstver\u00ad\u00f6f\u00adfentli\u00adchung \u2013 spoken word \u2013 Lesung \u2013 Tonbandexpe\u00adriment; aufgenommen in K\u00f6ln von Okto\u00adber bis Dezem\u00adber 1973 und dort 30 Jahre lang konserviert, 5 CDs und 60 Seiten Booklet; Ge\u00adsamtlaufzeit 360 min 40 sec; heraus\u00adgegeben von Her\u00adbert Kapfer und Katarina Agathos unter Mitar\u00adbeit von Maleen Brink\u00admann; intermedium re\u00adcords, Erding 2005) und <em>The Last One<\/em> (die Lesungen Brink\u00admanns beim <em>Cam\u00adbridge Poetry Festival<\/em> 1975, Gesamt\u00adlaufzeit 60 Minu\u00adten, unter derselben He\u00adrausge\u00adber\u00adschaft eben\u00adfalls bei intermedium records erschienen). Wahnsinn \u2013 \u00fcber 400 Minu\u00adten Brink\u00admann live.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Tagelang l\u00e4uft nichts anderes.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder sp\u00fcre ich das Herz wie ver<sup>r\u00fcckt<\/sup> klopfen, immer wieder laufen mir Schauer den R\u00fccken herunter \u2013 je nachdem, welche Stimmung diese Stimm ins Wohnzim\u00admer trans\u00adpor\u00adtiert. An Karfreitag 2005 lauschen Axel Kutsch und ich ge\u00admein\u00adsam dem von Brinkmann in Cambridge rezitierten Gedicht <em>Rolltrep\u00adpen im Au\u00adgust<\/em>, dessen <em>Panik \u2013 Panik \u2013 Panik<\/em> direkt ins Hirn schie\u00dft. Schon die lakonisch auf englisch gesprochenen einleitenden W\u00f6r\u00adter ziehen mich ma\u00adgisch an. Brink\u00admann macht die Absicht, Gedichte vom Olymp in die Seitenstra\u00ad\u00dfen zu holen und so einfach wie Songs sein zu lassen, kurz u. knapp deutlich: <em>The beautiful simplicity is a dream<\/em>. Zwei Lesun\u00adgen hat Brink\u00admann am 19.\/20. April 1975 in Cam\u00adbridge: die eine mit John Ashbery, die andere mit Erich Fried, Michael Ham\u00adbur\u00adger, J\u00fcrgen Theobaldy. Ein\u00admal h\u00e4mmert Brinkmanns Stimm ble\u00adchern, bei\u00adnah bedrohlich, ein anderes Mal dringt sie sanft, geradezu z\u00e4rtlich ans Ohr, einmal spricht der Mensch ganz ruhig, ja, zur\u00fcckhal\u00adtend, dann wieder auffor\u00addernd, sugge\u00adstiv. Mich \u00fcber\u00adrascht das nicht. Ich wei\u00df, seit ich Brink\u00admann lese (und das ganze Werk best\u00e4tigt es), wie er die Klaviatur der inneren Tonar\u00adten be\u00adherrscht: Rolf Die\u00adter Brink\u00admann ist ein empfindsamer Mensch, der sich auf jede Situation einstellt und nicht monoton Dasein \u203aherunterspult\u2039. Da\u00df Brink\u00admann mehr ist als ein \u203aDichter\u2039, diese Aufnahmen beweisen es. Im um\u00adfangrei\u00adchen Booklet zu <em>W\u00f6rter Sex Schnitt<\/em> hei\u00dft es:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Betrachtet man Brinkmanns Gesamtwerk, stimmt man seiner Selbsteinsch\u00e4t\u00adzung zu: <em>Ich bin kein Dichter<\/em>. Er ist kein Dich\u00adter, eher ein multimedialer Chro\u00adnist, des\u00adsen Zugriff auf die eigene Gegenwart immer der Versuch m\u00f6g\u00adlichst detail\u00adge\u00adtreuer Wi\u00adedergabe direkter und nicht durch Vermittlungsanstrengun\u00adgen verf\u00e4lschter Sinnes\u00adein\u00addr\u00fccke war.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jan R\u00f6hnert erlebt die CDs zeitgleich im fernen Jena. Ob ostw\u00e4rts, ob westw\u00e4rts lebend, Brink\u00admann\u00ads Stimm verbindet. Am Nachmittag des 1. April 2005 erreicht mich die E-Mail, in der er fragt:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Geht es dir \u00e4hnlich mit den Brinkmann-Aufnahmen? Sie sind viel weniger ag\u00adgressiv, als ich erwartet h\u00e4tte, sehr z\u00e4rt\u00adlich bisweilen, sehr nachdenklich, sehr reflektiert \u2013 und es ist eine Stimme, die ich sehr gern h\u00f6re, eine wei\u00adche, femi\u00adnine Stimme. Ich habe mir in freien Minuten die Sachen auszugsweise im\u00admer wieder angeh\u00f6rt \u2013 die\u00adser Hunger, diese Su\u00adche nach Sch\u00f6nheit, Freude steckt an, ich f\u00fchle mich da hinein\u00adgezogen: Das Tonband erweist sich so als das ad\u00e4qua\u00adte\u00adste Me\u00addium, seinem Be\u00add\u00fcrfnis nach Gegen\u00adwart Ausdruck zu ver\u00adleihen. Und diese Gegen\u00adwart \u00fcbertr\u00e4gt sich auf den H\u00f6\u00adrer, er wird Teil von ihr.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Egal, ob\u2019s nun die Aufnahmen der Cambridge-Lesungen von 1975 sind oder die (unter deutschen Auto\u00adren wahrscheinlich einmali\u00adgen) Tonband\u00adprotokolle, die von Oktober bis Dezember 1973 in der K\u00f6l\u00adner Woh\u00adnung und der Innenstadt mit den Seiten\u00adstra\u00dfen, die er, \u203anaturgem\u00e4\u00df\u2039, immer wieder in Verse mon\u00adtiert, entstehen: Man rechne beim H\u00f6ren mit \u203aallem\u2039 \u2013 Formen, Motiven, Themen sind keine Gren\u00adzen ge\u00adsetzt; ich h\u00f6re Brinkmanns monologi\u00adsch sprechen, in der Woh\u00adnung fl\u00fc\u00adstern, nachts drau\u00dfen laut ru\u00adfen, auf M\u00fcll\u00adtonnen schlagen, Lautpoesie, Tele\u00adfonaktio\u00adnen, Interviews machen, Postkarten lesen, Kom\u00admen\u00adtare abge\u00adben, er\u00adleb den am 23. April 1975 verstorbenen Brinkmann in einer Intensi\u00adt\u00e4t, Sensibi\u00adlit\u00e4t und Vitalit\u00e4t, die mich in ihren verschieden\u00adsten Tonar\u00adten nicht blo\u00df mitrei\u00dft, son\u00addern im Innersten trifft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbSundays kill more men than bombs\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist dem sprachkritischen Brinkmann, der der von den Faschisten gleichsam endg\u00fcltig versauten Sprache so genau aufs Maul schaut, der diese fiese Sprache nicht will und f\u00fcr die \u203aandre\u2039 Sprache, in der er \u203aleben\u2039 kann, mit guten, klaren W\u00f6rtern bei\u00dft, k\u00e4mpft, ringt, der die BRD so ablehnt, ha\u00dft, bewu\u00dft, da\u00df die Initia\u00adlen seines Namens und die der Republik iden\u00adtisch sind, RDB sich \u203aanagram\u00adm\u00adatisch\u2039 mit einer \u203aGe\u00adstalt\u2039 (\u203aGe\u00adwalt\u2039) verbindet, von der er nichts als Abstand haben will? Das Schick\u00adsal hat es in mancherlei Hinsicht nicht gut ge\u00admeint mit Brink\u00admann, dessen Spuren ich seit 1975 unbewu\u00dft und seit 1986 mehr und mehr und sehr be\u00adwu\u00dft gefolgt bin. Im Som\u00admer 1975 \u2013 wenige Monat also nach Brink\u00admanns Unfall\u00adtod \u2013 halte ich mich erst\u00admals zwei Wochen lang in London auf, ohne Ahnung von jenem jun\u00adgen deutschen Au\u00adtor, den mir we\u00adder Deutschleh\u00adrer noch Dozenten der K\u00f6lner Universit\u00e4t (wo er 1969 auf Einladung von Walter Hinck liest) nahebringen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 2. Februar 2002, einem sonnigen Sonn\u00adtag mit viel Schnee, lese ich Jan R\u00f6hnerts Monographie <em>Meine er\u00adstaunliche Fremdheit! Zur poeti\u00adschen Topographie des Fremden am Bei\u00adspiel von Rolf Dieter Brinkmanns Reisely\u00adrik<\/em> (2003), ich sehe alle m\u00f6glichen Bilder vor mir, die ich seit 1975 bewu\u00dft oder unbewu\u00dft aufge\u00adnom\u00admen hab, mir gehen alle m\u00f6gli\u00adchen Einf\u00e4lle durch den Kopf, die ich seit 1986, Rolf Dieter Brinkmanns einge\u00addenk, ersonnen, aufge\u00adschrie\u00adben hab. Wie die meisten Menschen ha\u00dft auch Brink\u00admann den Sonntag \u2013 <em>Sundays kill more men than bombs<\/em>, \u00e4chzt\/\u00e4tzt Charles Bu\u00adkowski \u2013, und auch ich hasse den Sonntag, aber jener Sonn\u00adtag ist, some\u00adhow, gar kein so schlim\u00admer Sonntag mit dem Buch von Jan R\u00f6hnert, in dem ich le\u00adsend durch Jahr\u00adzehnte und Kontinente reise und in dem Brink\u00admanns B\u00fc\u00adcher wunderbar ge\u00adgenw\u00e4r\u00adtig sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbThema des Gedichts ist das Gedicht selber\u00ab (Adorno)<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Geschichtener\u00adz\u00e4hler machen weiter, die Auto\u00adindu\u00adstrie macht weiter<\/em> (wenn auch nach 2000 phasenweise leicht r\u00fcckl\u00e4u\u00adfig, wie man liest), Brink\u00admann macht weiter, <em>die Ar\u00adbeiter machen weiter<\/em>, Jan R\u00f6h\u00adnert macht wei\u00adter, schreibt ei\u00adn weiteres Buch, das 2007 unter dem Titel <em>Springende Gedanken und flackernde Bilder \u2219 Lyrik im Zeital\u00adter der Kinematographie \u2219 Cendrars | Ash\u00adbery | Brinkmann<\/em> erscheint und in dem er, beispielsweise, \u00fcber <em>Vanille <\/em>schreibt, dieses grandiose Gedicht, die\u00adses legend\u00e4re Langge\u00addicht, diese monumentale Montage, diesen wahr\u00adhaftigen Wurf, der \u00fcber\u00adquillt von <em>Alltagsmaterial wie Tageszeitung, Illustrierte, Gebrauchsanweisun\u00adgen, Comics, Gespr\u00e4chen, Gedichten anderer, Briefen, Fil\u00admen, Fotos, Beobachtun\u00adgen, Tagtr\u00e4umen<\/em> \u2026 und auch ich mache weiter und freu mich \u00fcber die Viel\u00adzahl von (oft jungen) Menschen, denen Brink\u00admann noch so viel zu sa\u00adgen hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit leicht hochgezogenen Augen\u00adbrauen lese ich also in Mat\u00adthias Alten\u00adburgs Langweiler <em>Irgendwie alles Sex<\/em> (2002): <em>Die ganz Jun\u00adgen, h\u00f6re ich jetzt, interes\u00adsieren sich schon \u00fcberhaupt nicht mehr f\u00fcr Brink\u00admann, finden ihn anti\u00adquiert<\/em>. Am 2. Mai 2003 veranstal\u00adtet die Stadtb\u00fc\u00adcherei Heinsberg (bei Aa\u00adchen) einen Rolf-Die\u00adter-Brink\u00admann-Abend, an dem ich ein paar <em>unkontrollierte<\/em> W\u00f6rter zu RDB verlier. Gleichzeitig zeigt J\u00fcrgen V\u00f6l\u00adkert-Mar\u00adten, der Brink\u00admann-Sammler, einige Ex\u00adponate aus einer l\u00fcckenlosen RDB-Samm\u00adlung (die er vor eini\u00adgen Jahren dem Hein\u00adrich-Heine-Institut in D\u00fcssel\u00addorf \u00fcberlassen hat). Axel Kutsch, An\u00addreas Noga, Gerd Sonntag und Maximilian Zan\u00adder geh\u00f6r\u00aden zur jun\u00adgen G\u00e4steschar, die mit daf\u00fcr sorgt, da\u00df ein lebendi\u00adger Abend im Gedenken Rolf Dieter Brinkmanns erst weit nach Mitter\u00adnacht endet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bb\u2026 kann ich mir hier nicht denken \u2026\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Von 1970 bis 1975 schreibt Brinkmann die <em>Westw\u00e4rts<\/em>-Gedichte (in vollkommen andrer Art als die Ge\u00addichte der 60 Jahre), tippt unz\u00e4h\u00adlige, lange, lange <em>Briefe an Hartmut<\/em> (in Amerika), die einen gan\u00adzen Band f\u00fcllen, der 1999 er\u00adscheint: <em>Diese Offenheit, diesen unverstellten Blick, unver\u00adstellt von Ideologie, Ge\u00addan\u00adkenmustern, Ab\u00adsichten, Zielen, Pflichten, Moral usw. kann ich mir hier nicht denken, sie ist nicht da, die\u00adses winzige St\u00fcckchen mehr an Freiheit. Statt dessen herrscht eine Ideologie und ein Gedan\u00adkenterror und ein blindmachendes Ab\u00adstrahie\u00adren, das von Ge\u00addanken ausgeht und immer weiter ab\u00adstrakt Gedanken produziert \u2013 dabei geht alle Sinn\u00adlichkeit verlo\u00adren<\/em>, bereitet in Form von \u203aMate\u00adrial\u00adb\u00fcchern\u2039 ein Opus Magnumvor, das als <em>fiktive Autobiogra\u00adphie<\/em>, <em>Grundlagen\u00ad\u00adforschung der Gegenwart<\/em>, <em>Roman einer Gene\u00adration<\/em>, wie Brinkmann die \u203aVision\u2039, <em>als Ausdruck eines noch unverwirklich\u00adten Sprach(t)raums<\/em>, wie Roberto Di Bella die \u203aUtopie\u2039 umschreibt, viel\u00adleicht noch hin\u00adausgelangen will \u00fcber das, was ihn, zum Bei\u00adspiel, an William S. Burroughs\u2019 <em>Naked Lunch<\/em>, Louis-Ferdi\u00adnand C\u00e9lines <em>Reise ans Ende der Nacht<\/em>, Blaise Cen\u00addrars\u2019 <em>Moravagine<\/em>, Hans Henny Jahnns <em>Flu\u00df ohne Ufer<\/em>, Jean Pauls<em> Die unsichtbare Loge<\/em>, Karl Philipp Moritz\u2019 <em>Anton Reiser<\/em> : <em>Warum will ich meine Herkunft nicht akzeptieren? Weil sie voller Dro\u00adhungen und Schmerzen ist<\/em>, Arno Schmidts <em>Zettels Traum<\/em>, Claude Si\u00admons <em>Akazie<\/em> faszi\u00adniert. Will Brink\u00admann, wie bei\u00adspielsweis James Joyce in <em>Fin\u00adnegans Wake<\/em>, die Vorstel\u00adlung von \u203aWort\u2039, \u203aRoman\u2039, \u203aLi\u00adte\u00adra\u00adtur\u2039 total auseinanderspren\u00adgen? Will er die auch und besonders jen\u00adseits der W\u00f6rter wirkende Bild\u00adwelt schaffen, die alles um\u00adfa\u00dft, was \u203aLeben\u2039 be\u00addeu\u00adtet- wo ist das \u2013 \u2013 \u2013 \u203aLeben\u2039? <em>Cross the border \u2013 close the gap<\/em>, liest er bei Leslie A. Fiedler. Oder ist doch das zwi\u00adschen Buchdeckel gebundene vorgefundene, erfundene Wort\u00adBild\u00adBildWort-\u203aMate\u00adrial\u2039 be\u00adreits \u2013 als <em>fragments from<\/em> <em>Work in Pro\u00adgress<\/em> (James Joyce) \u2013 das Werk? <em>((Ist das hier schon der Roman, den ich schreiben will?? Nein, [\u2026] weil ich mich noch viel zu wenig auf die Fiktion in den sogenannten Fakten einlasse!!))\/\/<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbRamsch der Realit\u00e4t\u00ab <\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Brink\u00admann geht\u2019s nicht um akade\u00admisch grundierte Form\u00adfragen, ob Er\u00adz\u00e4h\u00adlung, Ge\u00addicht, Es\u00adsay, Cut-up, Mon\u00adtage, Col\u00adlage, Brief, Photo stimmige Aus\u00addrucksm\u00f6glichkeiten seien, In\u00adhalt, Motiv, Ph\u00e4\u00adno\u00admen, Stoff, Thema, Topos usw. in Verse, Zeile, Montage usw. zu bannen, in \u203aLiteratur\u2039 zu transfor\u00admieren, lieber geht er der Frage nach, was \u203aLe\u00adben\u2039 sei, was \u203aLiteratur\u2039 sei, was \u203aSprache\u2039 sei, was \u203aKom\u00admu\u00adnikation\u2039 sei \u2013 oder wie Leben und Lite\u00adratur und Sprache und Kommunikation als simultan ge\u00adlebtes wahrhaftiges Menschsein \u2013 unbedingt dargestellt als <em>wechselseitige Durchdringung von Bewu\u00dftsein und passiver Auf\u00adnahme, von Gegenwart und Erinnerung<\/em> \u2013 m\u00f6glich seien, in dem man seine blauen Wunder erlebt \u2013 natur\u00adgem\u00e4\u00df <em>so oder so<\/em>, wie es viel\u00addeutig in Axel Kutschs Gedicht <em>Anleitung<\/em> hei\u00dft. Und das nicht in possier\u00adlichen, Ansichten wie Ping\u00adpong hin- und her\u00adspielenden Seminar\u00adsit\u00adzungen, bei de\u00adnen man au\u00adseinan\u00adder\u00adgeht, als w\u00e4re nichts ge\u00adwesen, son\u00addern in aufs Ganze ge\u00adhen\u00adden, ener\u00adgie- und schlaf\u00adrauben\u00adden, schwei\u00dftreibenden, hoch\u00adkonzen\u00adtrierten, rausch\u00adhaften, ent\u00adgrenzen\u00adden, Bewu\u00dftseinser\u00adweite\u00adrung, Eu\u00adpho\u00adrie ausl\u00f6\u00adsenden Ma\u00adra\u00adthons an Schreib\u00adtisch und Schreibmaschine. Die eigne Exi\u00adstenz hemmungslos, total einbe\u00adziehend, Fa\u00admilie, Umfeld in kei\u00adner Weise scho\u00adnend, wird \u203aTatort\u2039 zum \u203aTatwort\u2039 <em>transmutiert<\/em> (Roland Barthes).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So lebt der wolkenkratzerhochsensible, aber auch sehr verletzliche Brinkmann \u2013 abr\u00fcckend, allegori\u00adsie\u00adrend, <em>anfangend<\/em>, assoziierend, aufbe\u00adgehrend, aufbre\u00adchend, bek\u00e4mpfend, beschleunigend, <em>betrachtend : Andy Warhol, March 15th through April 3rd, eine kolo\u00adrierte Portr\u00e4taufnahme von Star Liz Taylor<\/em>, bewertend, collagie\u00adrend, den\u00adkend, denkend, den\u00adkend, <em>entdec\u00adkend, erkundend<\/em>, <em>erweiternd<\/em>, de-\/fragmen\u00adtierend, fiktio\u00adnalisierend, <em>fortschrei\u00adtend<\/em>, <em>f\u00fchlend<\/em>, gehend, gehend, gehend, hinterfragend, historisierend, hoffend, h\u00f6\u00adrend, inventarisie\u00adrend, ironisierend, imaginierend, ir\u00adrend, jonglie\u00adrend, karikierend, kombinierend, kontrollie\u00adrend, konzen\u00adtrierend, kritisie\u00adrend, lamen\u00adtierend, lauschend : <em>und nun habe ich eine andere Platte der Doors aufgelegt: Strange Days<\/em>, le\u00adsend, lesend : <em>Donald Barthelmes Komm zur\u00fcck, Dr. Caligari<\/em>, lesend, monierend, montierend, notie\u00adrend, nuan\u00adcierend, \u00f6ffnend, oppo\u00adnierend, parodisierend, (anti-)poeti\u00adsierend, polarisie\u00adrend, phantasie\u00adrend, photogra\u00adphierend, polemisierend, <em>pr\u00e4zisie\u00adrend<\/em>, provozierend, querulie\u00adrend, reflek\u00adtierend, rekon\u00adstruierend, rotierend, sammelnd, sch\u00e4umend, schrei(b)end : <em>Mir geht es beim Schreiben nicht um Literatur<\/em> \u2026, schreibend : <em>Eine zersplitterte Perspektive ist das<\/em> \u2026, schreibend:<em> Auf einmal ist nun alles still<\/em> \u2026, sehnend, su\u00adchend, trauernd, tr\u00e4u\u00admend, \u00fcber\u00adschrei\u00adtend, utopisierend, verletzend, <em>vernei\u00adnend<\/em>, wahr\u00adnehmend, <em>weiterma\u00adchend<\/em>, w\u00fctend, zerbre\u00adchend, <em>zerschneidend<\/em>, <em>zersprengend<\/em>, zitierend, zweifelnd \u2013 in der Lite\u00adratur, f\u00fcllt Litera\u00adtur mit Le\u00adben <em>in einer dissonan\u00adten Gegenwart<\/em> (Jan R\u00f6hnert), er\u00adg\u00e4nzt, erneu\u00adert, erweitert den Literaturbe\u00adgriff und ist, lei\u00adden\u00adschaftlich, entschlossen, zielbewu\u00dft, mit Alain Robbe-Grillets<em> Weg mit den alten Mythen der Tiefe <\/em>als Navi-App, auf dem weiten Weg zum <em>roman futur.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbMehr Gegenwart\u00ab : \u00bbthe mere presence \/ changes everything\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders nach 1970 \u203aversucht\u2039 Brinkmann dieses Le\u00adben mit <em>mehr Gegenwart<\/em> (\u203averwirklicht\u2039 Leben, in\u00addem er es fiktionalisiert), inmitten\/jenseits einer k\u00fcnstlichen, trivialisierten, verkitschten, wider\u00adspruchstollen Welt, die er nicht nach-, sondern neubilden will: <em>Es gibt kein Vergangenes, das man zur\u00fcckseh\u00adnen darf, es gibt nur ein ewig Neues, das sich aus den erweiterten Elementen der Vergangenheit gestaltet, und die echte Sehnsucht mu\u00df stets pro\u00adduktiv sein, ein Neues, Besseres zu schaffen.<\/em> (Giordano Bruno) \u2013 mehr als je zu\u00advor, ma\u00adteri\u00adelle Ar\u00admut, Iso\u00adlation z\u00e4h\u00adneknir\u00adschend\/wut\u00adschnau\u00adbend \u203ain Kauf nehmend\u2039. Er zerrei\u00dft (sich), um auf dem Kunst\u00adweg, alles, alles, ALLES, was er aufnimmt, auf ihn einst\u00fcrzt, ob Tabu, Tal, Tatort, Tatsache, Tanz, Teller, Text, Theorie, <em>Tieck<\/em>, <em>Tischbein<\/em>, <em>Tod<\/em>, Trash, <em>Trauer<\/em>, <em>Traum<\/em>, <em>mehrere fl\u00fcchtende Tiere<\/em>, Tri\u00adviales, Trostlo\u00adsigkeit, Tr\u00fcm\u00admer, umge\u00adhend \u2013 <em>St\u00fcck\u00adchen f\u00fcr St\u00fcckchen<\/em> \u203averarbeitend\u2039, zu sich zu finden, Leben und Welt \u203awahrzu\u00adneh\u00admen\u2039, \u203aalles\u2039 neu, sprich: s<strong>ich<\/strong>tbar zu machen. Nur so kann Brinkmann exi\u00adstieren, <em>unmittel\u00adbare Pr\u00e4senz<\/em> erle\u00adben, nur so kann Brinkmann sein \u2013 Leben, Lite\u00adratur (wenn es diese Ph\u00e4\u00adnomene denn gibt) k\u00f6nnen f\u00fcr ihn blo\u00df ein und dasselbe sein. Er ist kein l\u00fc\u00adgender Dichter, wie Nietz\u00adsches <em>Za\u00adrathustra<\/em> ihn be\u00adschreibt. Woh\u00adler f\u00fchlt er sich als Bewohner von Susan Sontags 1964 er\u00f6ffnetem <em>Camp <\/em>: <em>Camp taste is, above all, a mode of enjoyment, of appreciation \u2013 not judgment. <\/em><em>Camp is gener\u00adous. It wants to enjoy. It only seems like malice, cynicism<\/em>. <em>(Or, if it is cynicism, it&#8217;s not a ruthless but a sweet cyni\u00adcism.)<\/em> Das klingt schon eher nach Brink\u00admanns Vor\u00adstellung von Le\u00adben, die eben \u203aLeben\u2039 be\u00addeu\u00adtet (und nicht \u203aForm\u00adblatt\u2039 oder \u203aB\u00fcro\u00adkratie\u2039 oder \u203aGe\u00adsetzgebung\u2039 oder \u203aVer\u00adord\u00adnung\u2039 oder \u203a<em>Ziviehlisation<\/em>\u2039 oder: \u203aman\u2039). Un\u00admittelbar erlebtes Leben hei\u00dft \u2013 in one word: ich. <em>The mere presence \/ changes everything<\/em>, \u203awei\u00df\u2039 er von Frank O\u2019Hara, und bei Arthur Rim\u00adbaud liest: <em>Je est un autre<\/em>.) Ein\u00admal und nie wieder. Leben \u2013 und somit Literatur \u2013 ist: anar\u00adchisch, ba\u00adnal, blau, chaotisch, dicht, ener\u00adgiegeladen, futuri\u00adstisch, gro\u00df, himmlisch, inten\u00adsiv, jo\u00adkular, kapri\u00adzi\u00f6s, leben\u00addig, mu\u00adsikalisch, nerven\u00adkit\u00adzelnd, om\u00adnipr\u00e4sent, prak\u00adtisch, qualvoll, radikal, sinnlich\u00ad, total, uni\u00adversal, ver\u00adwe\u00adgen, xenophil, yber\u00adw\u00e4lti\u00adgend, wundervoll, zuf\u00e4llig.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bb\u00d6lfleck auf dem Asphalt\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In Bert Brunes Roman <em>So weit, da\u00df du die Tr\u00e4ume lebst<\/em> (1989) erlebe ich einen Menschen, der wie Brink\u00admann viel Zeit mit Herumge\u00adhn in K\u00f6lner Seitenstra\u00dfen, mit Beobachten und anschlie\u00dfen\u00addem No\u00adtieren ver\u00adbringt. Und pl\u00f6tzlich ist da zu lesen:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Brinkmann, ein Fanatiker von Fakten, wie er sich selbst nannte und es von sich forderte, beschrieb jeden Bau\u00adzaun, den \u00d6lfleck auf dem Asphalt vor sei\u00adner Haust\u00fcr \u2013 und eben auch die Lokale, Kneipen, die Disko\u00adthe\u00adken, die er be\u00adsuchte, sogar die Bor\u00addelle in der Kleinen Brink\u00adgasse, und notierte ge\u00adwis\u00adsen\u00adhaft den Preis f\u00fcr seine Ori\u00adent\u00adzigaretten\u00adpackung, und man erfuhr, wieviel der Wein im Wiener Wald am Ring kostete &#8230; Brink\u00admann war al\u00adlerdings \u2013 im Ge\u00adgensatz zu mir \u2013 ein unerm\u00fcdli\u00adcher Hasser sei\u00adner Stadt, wohl allge\u00admein jeder Gro\u00df\u00adstadt (&#8230;) die\u00adser Dich\u00adter gab je\u00addem sei\u00adner Le\u00adser ei\u00adnen Ad\u00adrenalin\u00adsto\u00df, man sah selbst nun un\u00adwillk\u00fcrlich ge\u00adnauer hin, nahm seine Umgebung inten\u00adsiver wahr, f\u00fchlte sich auf\u00adgefordert, selbst zu notieren, zu reflektieren, und alles, was um einen herum geschah, zu regi\u00adstrie\u00adren und zu beurtei\u00adlen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Brinkmanns Leben, wie ich es hier mir fiktional vorstelle, scheint ge\u00adpr\u00e4gt von kreativer Lust und \u2013 Ha\u00df (ver\u00adkappter Sehnsucht nach Liebe?). Welt, \u00f6ffentliches Leben sind f\u00fcr Brink\u00admann schwer blo\u00df zu er\u00adtragen. Empfindet er jemals Gl\u00fcck? An der Schreibmaschine, an der er <em>Augenblicke<\/em> festh\u00e4lt? Etwa wenn er schreibt: <em>Ich finde ge\u00adw\u00f6hnliche Sachen sch\u00f6n, weil sie nichts bedeuten, und dass sie nichts bedeuten, ist ihre Tiefe<\/em>. In Aufzeichnun\u00adgen, Briefen, Erinnerungen, Essays, Gedichten, die immer wieder Ha\u00df und Sehn\u00adsucht in\u00adeinander ver\u00adschlungen offenbaren, vermeine ich den \u203aRo\u00adman\u00adtiker\u2039 Brinkmann zu begrei\u00adfen, der Ideales in der Fern blo\u00df erkennt: <em>Diese Offenheit, diesen unverstellten Blick, unver\u00adstellt von Ideologie, Ge\u00addankenmustern, Ab\u00adsichten, Zielen, Pflichten, Moral usw. kann ich mir hier nicht den\u00adken, sie ist nicht da, die\u00adses winzige St\u00fcckchen mehr an Freiheit<\/em>, schreibt er im langen Brief vom 22. Januar 1975 an den zu jener Zeit in Amerika lebenden Hartmut Schnell; haar\u00adscharf, total kritisch nimmt Brinkmann wahr, was un\u00admittelbar um ihn herum ge\u00adschieht, kommt nie zu einem auch nur ann\u00e4hernd aufmunternden Ergeb\u00adnis: <em>Statt dessen herrscht eine Ideo\u00adlogie und ein Gedan\u00adkenterror und ein blindmachendes Ab\u00adstrahie\u00adren, das von Ge\u00addanken ausgeht und immer weiter ab\u00adstrakt Gedanken produziert \u2013 dabei geht alle Sinn\u00adlichkeit verlo\u00adren.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbJedes Wort ist Krieg\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese fiese Zerlegung des <em>To\u00addesterritoriums Westdeutschland<\/em> in unverbundene Einzelteile soll \u203aLe\u00adben\u2039, soll lesbare \u203aGe\u00adstalt\u2039 sein? (Arnold J. Toynbee mutma\u00dft, da\u00df Kulturen unter ung\u00fcnstigen Bedingungen an sich selbst zugrunde gehn.) Dinge, Ph\u00e4nomene, die gemeinhin \u203aApathie\u2039, \u203aArmut\u2039, \u203aAtomisierung\u2039, \u203aAus\u00adbeu\u00adtung\u2039, \u203aBrutalit\u00e4t\u2039, \u203aChaos\u2039, \u203aDumpfheit\u2039, \u203aEnge\u2039, \u203aFloskel\u2039, \u203aGet\u00f6se\u2039, \u203aGe\u00adwalt\u2039, \u203aHysterie\u2039, \u203aKli\u00adschee\u2039, \u203aKom\u00admerz\u2039, \u203aKondi\u00adtionierung\u2039, \u203aKontrolle\u2039, \u203aKor\u00adrup\u00adtion\u2039, \u203aL\u00fcge\u2039, \u203a\u2039Manipulation, \u203aMas\u00adsen\u00adMedien\u00adMacht\u2039, \u203aM\u00fcll\u2039, \u203a\u00dcber\u00adpro\u00adduktion\u2039, \u203aUn\u00adrecht\u2039, \u203aVerkn\u00f6cherung\u2039, \u203aZynismus\u2039 genannt werden \u2013 <em>Begriffe, diese Bewusstseinspara\u00adsiten<\/em> \u2013, sieht Brink\u00admann <em>h\u00e4nge in der Luft<\/em>, in greller \u00dcber- und Doppelbelichtung, alle gro\u00dfen, klei\u00adnen, physi\u00adschen, psychi\u00adschen Einzelteile des \u203aLe\u00adbens\u2039, der \u203aWelt\u2039, der \u203aWirklichkeit\u2039 mit dem inneren Aug total \u00fcber\u00addimensio\u00adniert heranzoomend, als Aus\u00adw\u00fcchs von faschi\u00adstoidem, kapitali\u00adsti\u00adschem west\u00addeutschen De\u00admo\u00adkra\u00adtis\u00admus, in dem Kon\u00adzerne, Medien, Par\u00adteien alles, Menschen nach wie vor \u203anichts\u2039 sind. (Was ge\u00adwisse Poli\u00adtiker schon bald nach der sogenannten \u203aStunde Null\u2039 \u00fcber Schrift\u00adsteller und K\u00fcnst\u00adler, die \u2013 <em>unkontrolliert<\/em> \u2013 Sand\u00adk\u00f6rner ins wirt\u00adschafts\u00adwunder\u00adsame Ge\u00adtriebe schmei\u00dfen, zu sagen wagen und \u2013 viel Beifall daf\u00fcr er\u00adhalten, zeigt, wie n\u00f6tig die Sandwerfer sind.) Marielle Sutherland diagnostiziert:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">The recognition of his native culture\u2019s conservatism is extended into an exposure of the native language\u2019s bru\u00adtalising and brutalised character. In <em>Westw\u00e4rts, Teil 2<\/em>, which deals with Brinkmann\u2019s return from America and his consequent sharpened perception of his homeland and its language, he writes: <em>Der Krieg ist nur un\u00adsicht\u00adbar ge\u00adworden<\/em>, and <em>Jedes Wort ist Krieg<\/em>. War here is the subtext of the German language, a weapon of control by fear and hatred. It manifests for Brinkmann the tyrannical dominance of the signifier over perceptions of re\u00adality, sup\u00adpressing individual experience and its expression.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\/\/\/ \u00bbAlles was ich will, ist, nichts mit euch zu tun haben\u00ab \/\/\/<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\/\/\/ S\/c\/h\/n\/i\/t\/t\/e. \/\/\/ Maschinengeschriebner Text \/ Fetzen aus Comic \/ Film \/ Photo \/ Zeitung \/ Zeit\u00adschrift \/ Zitat aus Literatur, Musik, Werbung, Wissenschaft (und andren zei\u00adchenhaften Bruchst\u00fccken \u2013 <em>winzige, banale Gegenst\u00e4nde<\/em>) \/ k\u00fchl montierter \/ ultrahocherhitzter Wort\u00adBildDialog \/ <strong><em>SCHNITTE<\/em><\/strong> \/ <em>(ver\u00adrecktes traumbuch)<\/em> \/ <em>Totenbuch \/(Momentaufnahmen\/: \u201esch\u00f6nes Tageslicht\u201c, zu weit weg) \/ MAGIC AND REA\u00adLITY<\/em> \/ <em>cronache de tempo e dello spazio \/ <\/em>158 gro\u00df\u00adformati\u00adge \/ eng\u00adbe\u00adschrie\u00adbne \/ teilweise zweidrei\u00adspaltig \/ ab\u00adsatz\u00adlos da\u00adhinja\u00adgen\u00adde Seiten \/ verfremdete Umbildung eines als er\u00adbarmungs- \/ r\u00fcck\u00adsichtslos \/ tiefbe\u00addr\u00fcckend \/ wi\u00adder\u00adw\u00e4r\u00adtig \/ <em>zersplit\u00adtert<\/em> erlebten Le\u00adbens \/ wo\u00adbei jede (Cut-up)-Collage <em>die letztlich nicht aussch\u00f6pfbare Zeichen\u00adhaftigkeit (und den R\u00e4tsel\u00adcharakter) der Welt in den Vorder\u00adgrund stellt<\/em> (Roberto Di Bella). Harte Ar\u00adbeit f\u00fcr den Leser \/ der \u00fcberdies auf keineswegs sauber ge\u00adsetzte Seiten trifft \/ son\u00addern fak\u00adsimi\u00adlierte Wie\u00addergaben der maschinengeschriebenen Bl\u00e4tter \/ die mir mit durch\u00adgeixten W\u00f6r\u00adtern \/ dauernden Kor\u00adrektu\u00adren (usw.) das Leben \/ schwermachen. \/\/\/\/\/\/ Es geht buchst\u00e4blich, wortw\u00f6rtlich drun\u00adter, dr\u00fc\u00adber: Hier wird simultan die Ohn\u00admacht des In\u00addivi\u00adduums vor der gleichsam unendlichen, per\u00admanent weiter expandierenden Unord\u00adnung der ge\u00adgen\u00adw\u00e4rti\u00adgen Welt und das Abenteuer der krea\u00adtiven Bew\u00e4ltigung durch\u00adschlagskr\u00e4ftig visua\u00adlisiert: <em>keine Entro\u00adpie, keine Schlacke, lebendig machen, schreiben, erz\u00e4hlen, ausdr\u00fccken, for\u00admulie\u00adren, St\u00fcck\u00adchen f\u00fcr St\u00fcckchen, weiter machen zu mir hin, dem mir gem\u00e4\u00dfen Ausdruck<\/em>, vermerkt Brink\u00admann in <em>Rom, Blicke<\/em>. Diese fiese <em>Gespenster\u00adshow<\/em> zu \u203alesen\u2039, zu be\u00adtrach\u00adten, den immer wieder fixierten Blick loszurei\u00ad\u00dfen ist aufreibende, kraft\u00adraubende Trauer\u00adar\u00adbeit; der sei\u00adten\u00adlange, unauf\u00adhalt\u00adsame, von ei\u00adner Asso\u00adzia\u00adtion zur n\u00e4ch\u00adsten rasende Be\u00adwu\u00dft\u00adseins\u00adstrom rei\u00dft mich weiter\u00ad, weiter, den n\u00e4chsten Ab\u00adgrund hinab, \u00fcber das n\u00e4chste Gedan\u00adken\u00adriff, zum n\u00e4chsten Vor\u00adort der Seelen\u00adh\u00f6lle, wo es, ur\u00adpl\u00f6tz\u00adlich, <em>grell wei\u00df<\/em> glei\u00dft, unvermittelt <em>still<\/em> wird. \/\/\/\/\/\/ Mit hemmungsloser \u203aBegeisterung\u2039 stelle ich mich die\u00adsem unumg\u00e4nglich Brutalklartext auf die Lein\u00adwand wer\u00adfenden Buch mit seinen immer wieder gro\u00adtesk wir\u00adkenden Collagen, das mir (wie die an\u00adderen Materialb\u00fc\u00adcher) auch das un\u00adgeheure \u203avorbildliche\u2039 Er\u00adkennt\u00adnisin\u00adter\u00adesse eines chronisch bil\u00addungs\u00adhun\u00adgri\u00adgen, sich fort\u00adw\u00e4h\u00adrend veror\u00adtenden, verwortenden Men\u00adschen geradewegs filmartig vor Au\u00adgen f\u00fchrt, der sich, ge\u00adwalt\u00adsam alles Aufgedeckte, Vorgefundene z\/e\/r\/s\/c\/h\/n\/e\/i\/d\/e\/n\/d, neu kombinierend, von aller als repressiv empfundenen Tradi\u00adtion l\u00f6\u00adst, um total, ganz u. gar, frei zu sein f\u00fcr das Verfassen dieser untr\u00fcgli\u00adchen B\u00fc\u00adcher, die, auf dem stei\u00adnigen Weg zum Ziel des gro\u00dfen Ro\u00admans, unverstellte Blicke auf das allt\u00e4g\u00adliche Skandalon m\u00f6glich machen. \/\/\/\/\/\/ Bei der Rezeption sol\u00adcher Art GeschichtsB\u00fccher (auch <em>West\u00adw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> und die andren Material\u00adb\u00fccher lese ich als solche) hechle ich, immer wieder mit Nase und Schnauze im Blut, im Dreck, im Gro\u00df\u00adstadtgekr\u00f6se und -get\u00f6se, dicht ent\u00adlang an der Schwei\u00dfspur des Le\u00adbens; in radikal un\u00adbarmherzig wir\u00adken\u00adder Na\u00adhaufnahm wird hier tief ins Fleisch des <em>Phantoms Ge\u00adgenwart<\/em> ge\u00adschnitten, kein Wunder also, wenn ich \u00fcber viele Seiten hinweg rasend Phantompower\u00adschmerz ver\u00adsp\u00fcre. \/\/\/\/\/\/ Brink\u00admann will\u2019s \u203awis\u00adsen\u2039. Nach 1968 wird das Material Blatt f\u00fcr Blatt sehr bewu\u00dft vor- und zu\u00adberei\u00adtet, ge\u00adschnit\u00adten, zerrissen, ge\u00adtippt, col\u00adlagiert, geklebt, mon\u00adtiert, kynischparodistisch kom\u00adbi\u00adkonfi\u00adgu\u00adriert \u2013 <strong>ge\u00admacht<\/strong>. \/\/\/\/\/\/ Brink\u00admann hat sich mehr von den im Mai 1968 in Paris stattfin\u00adden\u00adden, von mehr als zehn Mil\u00adlionen Menschen unter\u00adst\u00fctzten Ak\u00adtionen er\u00adhofft, die weit \u00fcber das hi\u00adnausgehn, was im Ber\u00adlin jener Zeit passiert. Am Ende stehn die Tr\u00e4umer mit leeren H\u00e4nden da. K\u00e4mp\u00adfende Hoff\u00adnungstr\u00e4ger wie Rudi Dutschke (den Brink\u00admann kritisch sieht \u2013 wen nicht?), Che Guevara, Martin Luther King l\u00f6sen sich, wie Jan Palach in Pra\u00adg, gleich\u00adsam in Rauch auf, sind ge\u00adnauso pl\u00f6tzlich von der Bildfl\u00e4che ver\u00adschwun\u00adden wie, kurze Zeit sp\u00e4ter blo\u00df, Brian Jo\u00adnes, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison\u00ad. In Deutsch\u00adland schei\u00adtert eine wei\u00adtere \u203aRevolu\u00adtion\u2039 \u2013 wie alle an\u00adderen zu\u00advor, aber diesmal nicht blo\u00df in deut\u00adschen Landen. Das \u203aEstablish\u00adment\u2039 macht sich in der Folge breit wie eh und je \u2013 auch wegen des jahre\u00adlangen B\u00fcr\u00adger\u00adkriegs, den einige von Brink\u00admanns Zeitge\u00adnos\u00adsen ver\u00adgeb\u00adlich f\u00fchren? \/\/\/\/\/\/Vergeb\u00adlich? Ich will nicht pessimistisch sein. Hei\u00dft\u2019s nicht, zum Beispiel, immer wie\u00adder, Schrift\u00adstel\u00adler w\u00e4ren im Prin\u00adzip \u00fcber\u00adfl\u00fcs\u00adsig in dieser Welt, aber wer wei\u00df das so genau? Jeder Mensch erf\u00fcllt eine Mis\u00adsion. Oft un\u00adsicht\u00adbar, nicht erkennbar, sind auch die scheinbar ver\u00adgeblichen K\u00e4mpf der Wortmacher kei\u00adnes\u00adwegs vergeb\u00adlich: Sie wer\u00adden weitge\u00adhend im\u00admerhin igno\u00adriert. So f\u00fcllen sie ein gesell\u00adschaft\u00adliches Va\u00adkuum, des\u00adsen ge\u00adheime Aus\u00adwirkun\u00adg noch nicht er\u00adforscht ist. Wenn das \u203anichts\u2039 ist. \/\/\/\/\/\/ Brink\u00admann ist kein \u203aDichter\u2039, der l\u00fcgt. Stellt sich auch drum nie der ganz gro\u00ad\u00dfe Er\u00adfolg ein? W\u00e4re Brink\u00admann \u00fcberhaupt be\u00adkannt ge\u00adwor\u00adden ohne Un\u00adterst\u00fct\u00adzung Dieter Wellershoffs, seiner\u00adzeit Che\u00adflek\u00adtor bei Kie\u00adpenheuer &amp; Witsch? M\u00fc\u00ad\u00dfig \u203aeigentlich\u2039, die Frage, die im Raum steht, seit ich sie mit Harald Gr\u00f6hler, der Brinkmann verschiedentlich be\u00adgeg\u00adnet, disku\u00adtiert habe. \/\/\/\/\/\/ Der per extre\u00admer Na\u00adhaufnahme gemachte, durch au\u00dfer\u00ador\u00addentliche Intensit\u00e4t fes\u00adselnde Ro\u00adman <em>Kei\u00adner wei\u00df mehr<\/em> wird bis heute gelesen, ein Kri\u00adti\u00adker, der sich vor dem Buch f\u00fcrchtet, das B. mit einem Ma\u00adschi\u00adnen\u00adgewehr vergleicht, \u00fcber\u00adschl\u00e4gt sich 1968 (bei\u00adnah) bei der Lobrede. Hop\u00adpla. \/\/\/\/\/\/ Ich will, no\u00adtabene, nicht be\u00adhaupten, alle \u203aer\u00adfolgrei\u00adchen\u2039 Schriftsteller m\u00fc\u00df\u00adten ein Leben f\u00fch\u00adren wie, beispielsweise, Ber\u00adtolt Brecht (der <em>trotz allem<\/em> zahl\u00adreiche gro\u00df\u00ade Ge\u00addichte hinter\u00adlassen hat). \/\/\/\/\/\/ Hier geht\u2019s \/ aus\u00adschlie\u00df\u00adlich \/ um eine Sicht von Brink\u00admann \u2013 wie ich ihn, fiktional, er\u00adlebe, wenn ich die B\u00fc\u00adcher lese: <em>Es sind im\u00admer nur W\u00f6rter, Formulie\u00adrungen. Aber was ist denn da, tats\u00e4chlich? Das kann Sprache, For\u00admu\u00adlierung nicht sagen.<\/em> \/ Brinkmann geht keinen Kom\u00adpro\u00admi\u00df ein. \/ Im\u00admer \/ wieder \/ macht \/ er \/ \u203a<em>Schnitte<\/em>\u2039 \u2014 sieht Dinge \/ <em>tot<\/em>, <em>leer<\/em>, <em>erloschen<\/em>, die \/ in der Bear\u00adbeitung reanimiert \/ nolens volens zu Sinn\u00adbildern werden. \/\/\/<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bb<\/strong><strong>Jetzt bin ich tats\u00e4chlich abgeschwirrt<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gelegentlich wird behaup\u00adtet, Zu- bzw. Abneigung w\u00fcrden bei der ersten Begegnung innerhalb von Se\u00adkun\u00adden\u00ad bestimmt. Wenn dem so ist, wei\u00df ich, weshalb ich das Werk Brink\u00admanns so liebe. Die Art und Weise, wie Richard Burns (englischer Dichter und Be\u00adgr\u00fcnder jenes ersten inter\u00adnatio\u00adnalen <em>Cam\u00adbridge<\/em> <em>Poetry Festi\u00adval<\/em> im Jahre 1975, bei dem Brink\u00admann zum letzten Mal liest), den ich w\u00e4hrend eines Ar\u00adbeits\u00adbe\u00adsuchs im Sommer 1986 in Cambridge treffe, mir in die Au\u00adgen blickend sagt: <em>You don\u2019t know Rolf Die\u00adter Brink\u00admann? Ama\u00adzing. He\u2019s a fine German poet. A very fine German poet<\/em>, \u00f6ffnet mir erst\u00admals Augen, Ohren f\u00fcr die W\u00f6rter Brink\u00admanns. Ich will hier kei\u00adne \u00fcbertriebene Vorstellung ver\u00admit\u00adteln, nein, es ist einfach so gewe\u00adsen: In jenem Au\u00adgenblick l\u00e4uft mir ein Schauer sanft den R\u00fccken herun\u00adter. Ich sp\u00fcre, da\u00df ich in jenen we\u00adni\u00adgen Sekunden an zwei Dich\u00adter\u00adleben teilhabe: <em>Es quoll in mir auf, wie etwas Unbe\u00adstimm\u00adtes, S\u00fc\u00dfes, Liebes und Vergan\u00adgenes<\/em>. (Hugo von Hof\u00admannsthal)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel\u00adleicht wird in jenem Au\u00adgen\u00adblick erst eigent\u00adlich der Schreiber in mir geboren. Was auf jeden Fall ge\u00adboren wird: <em>Ihr nennt es<\/em> \u2013 Liebe? Eine Liebe, die auch mit mei\u00adner Vor\u00adliebe f\u00fcr die amerika\u00adni\u00adschen \u203aBeat\u00adniks\u2039 und deren Nach\u00adfolger zu tun hat, die ein we\u00adnig im\u00admerhin von dem kernigen, halbwegs ehrlichen Ame\u00adrika ret\u00adten, das be\u00adreits in der \u00c4ra McCarthy mehr oder weniger zum Teu\u00adfel gejagt wird<em>.<\/em> Es ist Brink\u00admann, der die ameri\u00adkanische sub\u00adkulturelle Lite\u00adratur der 1960er Jahre nach Deutsch\u00adland \u00adbringt und \u2013 ge\u00admein\u00adsam mit Ralf-Rainer Ry\u00adgulla \u2013 mit der weiterhin leben\u00addigen, un\u00fcbertroffenen An\u00adthologie <em>Acid \u2219 Neue ame\u00adrikanische Szene<\/em> (1969) po\u00adpul\u00e4r macht: <em>Before I sink \/ Into the big sleep \/ I want to hear \/ The Scream \/ Of the but\u00adterfly \u2026<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbSonnenblumen und Schnellz\u00fcge, die durch die finsteren Ebe\u00adnen rasen, erin\u00adnern mich an ameri\u00adkanische Poesie\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Brink\u00admanns \u203anordosts\u00fcdwestw\u00e4rtige\u2039 Gedichte sind kaum vor\u00adstell\u00adbar ohne die Vertiefung in die bahn\u00adbrechende angloameri\u00adkani\u00adsche Lyrik eines T. S. Eliot : <em>heap of broken images<\/em> \/ <em>mixing \/ memory and desire<\/em>, Ezra Pound :<em> I lost my center \/ fighting the world<\/em>, William Carlos Williams : <em>\u2013 Say it, no ideas but in things \u2013 \/ nothing but the blank faces of the houses \/ and cylindrical trees \/ bent, forked by preconception and accident \u2013 \/ split, fur\u00adrowed, creased, mottled, stained \u2013 \/ secret \u2013 into the body of the light!<\/em>, ohne die Berauschung durch die Verse nach\u00addr\u00e4ngen\u00adder, gleichsam alle Ta\u00adbus brechenden Auto\u00adren, die auf einfache, di\u00adrekte, ob\u00adsz\u00f6ne, sinn\u00adliche, radi\u00adkale Art und Weis g\u00e4ngi\u00adge handels\u00fcbliche For\u00admen, The\u00admen, W\u00f6rter sprengen, durch\u00adeinanderwir\u00adbeln.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Runter vom Sockel mit dem Gedicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u203aAlles\u2039 dr\u00e4ngt \u203aauf einmal\u2039 ins Gedicht, vor nichts wird halt\u00adgemacht. <em>Howl<\/em> ist in Deutsch\u00adland bis dahin \u2013 undenk\u00adbar: <em>F\u00fcr deutsche Literatur ist der Ofen so ziemlich aus.<\/em> Gedichte von, bei\u00adspielsweise, Ted Ber\u00adrigan, John Giorno, Frank O\u2019Hara, Anne Waldman, \u2013 <em>I\u2019m the cataloguing woman<\/em> \u2013 und weiteren <em>Acid<\/em>-Auto\u00adren weisen Brinkmann den Weg zu \u203aseinen\u2039, mit allt\u00e4glichen (geistigen, gegenst\u00e4ndlichen, gesellschaftli\u00adchen, kultu\u00adrellen, nat\u00fcr\u00adlichen, seelischen, sinnlichen, \u2026) \u203aAccessoires\u2039 aller Art, <em>Comic<\/em>, <em>Jukebox<\/em>, <em>Konser\u00advendose<\/em> und Film-, Mu\u00adsik-, Plakatzitat angereicherten, in alle nur denkbaren Le\u00adbensbe\u00adreiche ein\u00addringen\u00adden, <em>jede Einzel\u00adheit<\/em> <em>neu entdeckenden<\/em> Ge\u00addichten, deren komplexe Kombinatio\u00adnen mich faszi\u00adnieren, indem sie nicht\/s be\u00adsch\u00f6nigen, eben drum \u203asch\u00f6n\u2039 sind, und deren assoziative, anschaulich, bild-, de\u00adtailreich, genau be\u00adschrei\u00adbende, ambivalent zwischen Extremen schwingende : <em>Zerst\u00f6rte Landschaft \u2013 \u2013 \u2013 Ich gehe in ein \/ ande\u00adres Blau<\/em>, wendige, immer wieder wild lodernde, naturge\u00adm\u00e4\u00df auch antilyrisch fundierte freimetri\u00adsche Verse \u2013 <em>so oder so<\/em> \u2013 kontinuierlich kurzen Pro\u00adze\u00df mit mir machen, ich lese, ich werde, schlage Purzelb\u00e4ume. Hier wird all\u00adt\u00e4g\u00adlich Erlebtes hinein in eine b\u2219u\u2219c\u2219h\u2219s\u2219t\u2219\u00e4\u2219b\u2219l\u2219i\u2219c\u2219h im\u00admer wahr\u00adhafti\u00adger wir\u00adkende Wortweltgestalt gefeuert, die vor Abgr\u00fcnden, na\u00adturgem\u00e4\u00df, nicht halt\u00admacht. Raunen findet, na\u00adt\u00fcrlich, nicht statt (staunen schon eher, l\u00e4\u00dft etwa Big Benn hier gr\u00fc\u00ad\u00dfen?), daf\u00fcr unver\u00adbl\u00fcmtes, klares Sprechen voller Empfindung, Ge\u00adf\u00fchl, Sinn\u00adlichkeit, mit aufgeri\u00dfnen Au\u00adgen, aufge\u00adsperrten Ohren ver\u00adsinke ich in vi\u00adbrierenden Ver\u00adsen mit wehm\u00fctig wir\u00adkenden W\u00f6rtern:<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ge\u00addicht<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zer\u00adst\u00f6r\u00adte Land\u00adschaft mit<br \/>Kon\u00adser\u00adven\u00addo\u00adsen, die Haus\u00adein\u00adg\u00e4n\u00adge<br \/>leer, was ist dar\u00adin? Hier kam ich<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">mit dem Zug nach\u00admit\u00adtags an,<br \/>zwei T\u00f6p\u00adfe an der Rei\u00adse\u00adta\u00adsche<br \/>fest\u00adge\u00adbun\u00adden. Jetzt bin ich aus<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">den Tr\u00e4u\u00admen raus, die \u00fcber ei\u00adne<br \/>Kreu\u00adzung wehn. Und Staub,<br \/>zer\u00adst\u00fc\u00adckel\u00adte Pa\u00adva\u00adne, aus to\u00adtem<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ne\u00adon, Zei\u00adtun\u00adgen und Schie\u00adnen<br \/>die\u00adser Tag, was krieg ich jetzt,<br \/>ei\u00adnen Tag \u00e4l\u00adter, tie\u00adfer und tot?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer hat ge\u00adsagt, da\u00df so\u00adwas Le\u00adben<br \/>ist? Ich ge\u00adhe in ein<br \/>an\u00adde\u00adres Blau.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bb<\/strong><strong>Ein Comicbildchen zeigte, wie jemand Zeichen in eine Stein\u00adplatte schlug, und eine Fotogra\u00adfie zeigte eine Schreibma\u00adschine\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einiger Zeit macht Karl Otto Conrady mich auf <em>Pop und danach. Rolf Dieter Brinkmanns Lyrik in ihrem Di\u00adlemma<\/em> aufmerksam, erschienen in der germanistischen Zeitschrift <em>Wirkendes Wort<\/em> (Jg. 58\/2). \u2013 Di\u00adlemma, denk ich, welches \u203aDilemma\u2039? Das erste Dilemma, das ich erkenne, ist der unreflektierte Zu\u00adsam\u00admenhang, den Autor Dieter Lie\u00adwerscheidt zwischen \u203aPop\u2039 und Brink\u00admann fabriziert, worauf ich mit Marco Li\u00adving\u00adstone antworte:<em> Pop, like most art histori\u00adcal labels, is a con\u00advenience for critics and histo\u00adri\u00adans but an irre\u00adlevance and an irritant for most of the artists to whom it has been supplied<\/em>. Gleich zu Beginn hei\u00dft\u2019s, Brinkmann w\u00e4re mehr\u00adfach zur <em>Galionsfigur seiner Ge\u00adneration<\/em> geworden, mittlerweile jedoch aus dem Blick\u00adfeld ver\u00adschwunden: <em>Abge\u00adsehen vom Kultstatus in einer klei\u00adnen Fange\u00admeinde genie\u00dft sein Werk heute den Be\u00adkannt\u00adheitsgrad eines Geheim\u00adtipps<\/em>. (Hin\u00adter <em>Fange\u00admeinde<\/em> die Fu\u00df\u00adnote 3, in der es hei\u00dft: <em>Beson\u00adders distanzlos: Theo Breuer, Was Neues im Westen oder Brink\u00admann macht wei\u00adter, in: Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000<\/em>.) In einer renom\u00admier\u00adten Fach\u00adzeit\u00adschrift wie <em>Wirkendes Wort<\/em> diese gansfette Ente zu verbrei\u00adten ist nicht r\u00fchm\u00adlich: <em>Man k\u00f6nnte solchen Unsinn ignorie\u00adren,\u00a0wenn er nicht in einem ange\u00adsehenen Fachblatt f\u00fcr Germanisten publiziert worden w\u00e4re und somit zur Mei\u00adnungsbil\u00addung\u00a0von Menschen beitr\u00e4gt, die das geistige Niveau junger Leute erheb\u00adlich mit\u00adbestimmen.<\/em> (Axel Kutsch) Der schier unerkl\u00e4rli\u00adche Faux\u00adpas tut Brink\u00admanns weiterhin\u00ad weithin wir\u00adken\u00adden W\u00f6rtern freilich keinen Ab\u00adbruch: <em>Mas\u00adsenhafte Ver\u00adbrei\u00adtung fin\u00adden einige der Gedichte (darunter \u203aDie Orangensaftma\u00adschine\u2039 und \u203aEi\u00adnen jener klassischen\u2039) durch Abdruck und In\u00adter\u00adpreta\u00adtion in Lese\u00adb\u00fc\u00adchern f\u00fcr den Schul\u00adgebrauch.<\/em> (Gunter Geduldig) Davon abgesehen, da\u00df mein im Zusam\u00admen\u00adhang mit Literatur gene\u00adrell hem\u00admungslos auf Tuchf\u00fch\u00adlung be\u00addachter In-Fight-Stil nicht Liewer\u00adscheidts Sache zu sein scheint, sprechen die im Anschlu\u00df exempla\u00adrisch zusammengetragenen Fakten vielleicht f\u00fcr sich. Und wie meint Brinkmann: <em>Man hat sich davon abge\u00adsetzt und geht seine eigenen Wege \u2026<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbSchnitt:Fortsetzung\/\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1997 erscheint die von Gunter Ge\u00addul\u00addig und Claudia Wehebrink besorgte 280seitige <em>Bibliographie Rolf Die\u00adter Brinkmann<\/em>, deren Register sich als \u203aWho is Who\u2039 deutschsprachiger Gegenwartsliteratur ent\u00adpuppt. Die\u00adses Werk setze ich gleichsam mit der Liste <em>Meine Bibliographie Rolf Dieter Brink\u00admann<\/em> fort, die seit 1998 viele hundert neue Vermerke birgt. M\u00f6glicherweise ist auch nicht jedermann be\u00adkannt, wie intensiv die Ge\u00addichte Brinkmanns, <em>der<\/em> west\u00addeutschen Aus\u00adnahmeer\u00adscheinung, in der DDR (1986 erscheint beim Ver\u00adlag <em>Volk und Welt<\/em> der umfangreiche Auswahlband <em>Rolltrep\u00adpen im August<\/em>) oder im rum\u00e4niendeutschen Ba\u00adnat gelesen werden: <em>RDB war f\u00fcr uns eine gro\u00dfe, inspirierende und geradezu verherrlichte Gestalt \u2013 West\u00adw\u00e4rts 1 &amp; 2 hatte fast schon Bibelstatus, <\/em>schreibtHorst Samson. Jeder, mit dem ich bei drei Le\u00adsungen in Ost\u00addeutschland An\u00adfang der 1990er Jahre sprech, kennt Brinkmann. Fragen Sie Heiner M\u00fcller.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein die Auflagenh\u00f6he von Brinkmanns lyrischem Hauptwerk, dem erratischen Block <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em>, der 1975 bei Rowohlt er\u00adscheint und 2005 in der von Brinkmann urspr\u00fcng\u00adlich inten\u00addier\u00adten, deut\u00adlich er\u00adweiterten Fassung neu herausgegeben wird, liegt mit mehr als 25.000 verkauften B\u00fcchern unend\u00adlich weit \u00fcber den \u00fcblichen 10, 50, 100, selten 200 oder gar 500 Exemp\u00adlaren, mit denen sich nach 2000 gro\u00dfe und kleine Ver\u00adlage bei Ly\u00adrikti\u00adteln auch namhafter Autoren herum\u00adschlagen m\u00fcs\u00adsen. Zum umfangreichen, schwarz bro\u00adschierten Gedicht\u00adbuch <em>Stand\u00adphotos<\/em>, das Brink\u00admanns neun Ly\u00adriksammlungen der Jahre 1962 bis 1970 vereint, haben ebenfalls viele tausend Leser gefunden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbwohin aber in der zwischenzeit verschwinden \/ in den eignen kopf\u00ab<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich picke ein paar weitre Beispiele aus der seit 1998 st\u00e4ndig erweiter\u00adten Liste aktueller RDB-Rezeption her\u00adaus, die l\u00e4ngst nicht blo\u00df in der Welt der Literatur stattfindet: Ich denke an den 2008 auch im WDR ge\u00adzeigten Kinofilm <em>Brinkmanns Zorn<\/em> von 2006 mit Eckhard Rhode, synchronisiert von Brink\u00admanns Ori\u00adginal\u00adstimme: <em>Von einem bestimmten Punkt an wird das Sprechen m\u00f6rderisch<\/em> (auch als DVD er\u00adh\u00e4lt\u00adlich \u2013 mit Di\u00adrector\u2019s Cut); an die f\u00fcnfteilige Audio-CD-Samm\u00adlung <em>W\u00f6rter Sex Schnitt<\/em> von 2005 mit dem Mit\u00adschnitt von Brink\u00admanns letzter, das Pub\u00adlikum mitrei\u00dfende Lesung beim Cam\u00adbridge Poetry Festival 1975 (drei Tag vor dem Ungl\u00fcck in Lon\u00addon); an das 2008 im Theater Bonn, im Ma\u00adxim Gorki Theater Ber\u00adlin so\u00adwie bei der Ruhr-Trien\u00adnale in Gladbeck gespielte The\u00adaterst\u00fcck <em>West\u00adw\u00e4rts<\/em>, an das 2007 von Martin Wuttke am Schauspiel\u00adhaus K\u00f6ln inszenierte B\u00fch\u00adnenwerk<em> Brinkmann<\/em>; an RDB-Ausstel\u00adlun\u00adgen in Bre\u00admen, K\u00f6ln (2006) und Vechta (2008); an H\u00f6rfunkbeitr\u00e4ge wie <em>Brink\u00admann. Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/em> (Deutsch\u00adlandra\u00addio 2005), <em>Die W\u00f6r\u00adter sind b\u00f6se<\/em> (Hes\u00adsischer Rundfunk 2004), <em>Ich kann nur sprechen, wenn mir etwas nicht ge\u00adf\u00e4llt<\/em> (Deutsch\u00adland\u00adfunk 2003); an in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinende RDB-Monogra\u00adphien \u2013 u.a. Karsten Herr\u00admanns <em>Be\u00adwu\u00dftseinserkundun\u00adgen im \u00bbAngst- und Todes\u00aduniversum\u00ab \u2219 Rolf Dieter Brinkmanns Collage\u00adb\u00fccher <\/em>(1999), Gunter Ge\u00adduldigs <em>TOO MUCH \u2219 Das lange Leben des Rolf Dieter Brinkmann (<\/em>2000), Karl-Eckhard Carius\u2019 <em>Brink\u00admann \u2219 Schnitte im Atem\u00adschutz<\/em> (2008), Markus Fausers <em>Medialit\u00e4t der Kunst \u2219 Rolf Dieter Brinkmann in der Moderne<\/em> (2011), Jan R\u00f6hnerts und Gunter Geduldigs <em>Rolf Dieter Brinkmann: Seine Gedichte in Einzelinterpre\u00adtationen<\/em> (2012), Klaus R\u00fcmme\u00adles <em>Zei\u00adchenspra\u00adche \u2219 Text und Bild bei Rolf Dieter Brinkmann und Pop-Autoren der Gegen\u00adwart<\/em> (2012), Ro\u00adberto Di Bellas <em>\u00bb\u2026 das wild gefleckte Panorama eines anderen Traums\u00ab \u2219 Rolf Dieter Brink\u00admanns sp\u00e4tes Roman\u00adprojekt<\/em> (2015); an Artikel, Bespre\u00adchung, Feature in Zeitung, Fach\u00adzeit\u00adschrift, Inter\u00adnet\u00adportal; an Ly\u00adriksemi\u00adnare an Hochschulen wie Jena oder K\u00f6ln \u2013 meine Toch\u00adter Anna h\u00e4lt dort im Win\u00adterse\u00adme\u00adster 2008\/09 ein Refe\u00adrat \u00fcber Brink\u00admanns Po\u00adlemik <em>Ich hasse alte Dichter<\/em> und setzt sich in einer Fachsemi\u00adnarar\u00adbeit mit <em>Vanille <\/em>auseinander; des weiteren denke ich an un\u00adz\u00e4hlige Gedich\u00adte, Es\u00adsays, Kom\u00admentare, Romane mit RDB-Reflexen zeitgen\u00f6ssischer Schriftstel\u00adler wie Jochen Arlt, Michael Basse, J\u00fcr\u00adgen Be\u00adcker, Ulrich Johannes Beil, Uli Becker, Hans Bender : <em>Brinkmann ging, meine ich, manchmal zu weit in seiner sch\u00e4umenden Wut<\/em>, Paulus B\u00f6hmer, Tom Bresemann, Martin Brink\u00admann, Bert Brune, Hans Chri\u00adstoph Buch, Werner Bucher, Hansj\u00fcrgen Bul\u00adkowski, Mar\u00adkus Bundi, Peter O. Chotjewitz, Crauss, Christoph Der\u00adschau, Hugo Ditt\u00adberner, Franz Dobler, Richard Dove, Ulrike Draesner, Hans Magnus Enzensper\u00adger, Gerald Fie\u00adbig, Robert Gern\u00adhardt, Dieter M. Gr\u00e4f, G\u00fcnter Grass, G\u00fcnter Gu\u00adben, Florian G\u00fcn\u00adter, Michael Ham\u00adburger, Harald Har\u00adtung,Guy Helmin\u00adger, Stefan Heuer, Uwe H\u00fcbner, Hadayatullah H\u00fcbsch, Nor\u00adbert Hummelt, Ingo Jakobs,Adrian Kas\u00adnitz, Odile Kennel, Tho\u00admas Kling, Axel Klin\u00adgen\u00adberg, Mi\u00adchael Koh\u00adtes, Uwe Kolbe, Ursula Kre\u00adchel, Michael Kr\u00fcger, Tho\u00admas Kunst, Axel Kutsch, Stan Lafleur, Nor\u00adbert Lange, Chri\u00adstine Langer, Gregor Laschen, Edgar Leidel, Michael Lentz, Peter Maiwald, Marie T. Martin, Frank-Wolf Matthies, Friede\u00adrike Mayr\u00f6cker : <em>Rom, Blicke finde ich faszinierend<\/em>, Klaus Mo\u00addick, Es\u00adther Mohnweg, Markus Orths, Hermann Peter Piwitt, Kai Pohl, Renate Rasp, Sophie Reyer, Jan Volker R\u00f6hnert, Peter R\u00fchm\u00adkorf, Horst Samson, Peter Salomon, Joachim Sartorius, Frank Sch\u00e4\u00adfer, Jochen Schimmang, Cle\u00admens Schittko, Peer Schr\u00f6der, Raoul Schrott, Tom Schulz, Werner S\u00f6llner : <em>Wer hat kein Alibi f\u00fcr den Tag \/ an dem die Sonne unter\u00adging<\/em>, Gerd Sonntag, Enno Stahl, Armin Steigenberger, J\u00f6rg Stein, J\u00fcrgen Stelling, Susanne Stephan, Ulf Stolter\u00adfoht, J\u00fcr\u00adgen Theo\u00adbaldy, Bernward Vesper, Nikolai Vogel, J\u00fcrgen V\u00f6lkert-Marten, Jan Wagner, Richard Wagner : <em>wohin aber in der zwi\u00adschenzeit verschwinden \/ in den eignen kopf<\/em>, Martin Wal\u00adser, A. J. Wei\u00adgoni, Dieter Wellers\u00adhoff, Urs Widmer, Michael Wildenhain, Erich Wilker, Ron Wink\u00adler, Klaus-Peter Wolf, Wolf Wondrat\u00adschek : <em>Er war too much f\u00fcr euch, Leute<\/em>, Mi\u00adchael W\u00fcstefeld, Gerrit Wust\u00admann, Judith Zander, Maximi\u00adlian Zan\u00adder, Ulrich Zieger \u2013 was kommt hinzu, das ich nicht einmal kenne? Brink\u00admann bleibt also <em>\u203aanst\u00f6\u00dfig\u2039 im doppelten Wortsinn: pro\u00advokativ und anregend<\/em> (Roberto Di Bella). Jan R\u00f6h\u00adnert h\u00e4lt in der 2006 von Ursula Heu\u00adkenkamp und Peter Geist heraus\u00adgege\u00adbenen Mo\u00adnographie <em>Deutschspra\u00adchige Lyri\u00adker des 20. Jahr\u00adhunderts<\/em> fest:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf eine Weise jedoch haben die Gedichte Brinkmanns auch nach dem Tod ihres Sch\u00f6pfers \u203awei\u00adterge\u00admacht\u2039: Beim Le\u00adser\u00adpublikum und einer Vielzahl von Lyri\u00adkern, die sich von Brink\u00admann zu \u2013 mehr oder we\u00adniger gelunge\u00adnen \u2013 ei\u00adge\u00adnen Versuchen inspi\u00adrieren lie\u00dfen. Seine Anregun\u00adgen scheinen je\u00adweils dort am fruchtbarsten aufgeho\u00adben zu sein, wo sie in\u00adnerhalb eines wiederum selb\u00adst\u00e4ndigen Dichtungsentwurfs neue Gestalt gewinnen. Etwa f\u00fcr den \u203aKad\u00addish\u2039-Zyklus von Brinkmanns Generationskolle\u00adgen Paulus B\u00f6hmer, die Lyrik der rum\u00e4\u00adniendeutschen Dichter Werner S\u00f6llner (\u203aKopf\u00adland. Passagen\u2039) oder Ri\u00adchard Wagner (\u203aHotel California\u2039) ist Brinkmanns Poesie ein fester Be\u00adzugs\u00adpunkt, aber auch f\u00fcr das Selbstver\u00adst\u00e4ndnis ostdeut\u00adscher Lyriker wie Uwe Kolbe, Thomas B\u00f6hme oder Michael W\u00fc\u00adstefeld spielt Brinkmann eine wichtige Rolle; auch aus den fr\u00fchen Ge\u00addichtb\u00e4nden Thomas Klings \u203age\u00adschmacksver\u00adst\u00e4rker\u2039 und aus Durs Gr\u00fcn\u00adbein \u203aGrauzone morgens\u2039 ist Brink\u00admanns Stimme herauszuh\u00f6\u00adren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Blaue Gedichte (\u00bbdie blauen, blauen Wildlederschuhe\u00ab)<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Lyrikanthologien sprechen eine ein\u00addeutige Sprache. In s\u00e4mt\u00adlichen repr\u00e4senta\u00adtiven Samm\u00adlungen ist Brinkmann seit Jahr\u00adzehnten selbstverst\u00e4ndlich vertreten \u2013 ich weise exemplarisch auf die neueren hin: In <em>Der Gro\u00dfe Con\u00adrady<\/em> (2008) verteilen sich die Gedichte ebenso \u00fcber mehrere Seiten wie in <em>Reclams gro\u00ad\u00dfem Buch der deutschen Ge\u00addichte<\/em> (2007), <em>Das deutsche Gedicht<\/em> (2005), <em>Der ewige Brunnen<\/em> (2005) und <em>Jahr\u00adhundertge\u00add\u00e4cht\u00adnis<\/em> (1999), wobei die Her\u00adausgeber erfreulicherweise drauf achten, jeweils andre aus der gro\u00ad\u00dfen Zahl der besonders gelungenen Brink\u00admannschen Gedichte aus\u00adzuw\u00e4hlen. In Michael Kr\u00fcgers <em>Ak\u00adzente. Ein Rea\u00adder aus 50 Jahren<\/em> (2003) finden sich genauso Brinkmannge\u00addichte wie in jeder Ausgab des seit 2004 von Shafiq Naz herausgegebenen <em>Deut\u00adschen Lyrikkalenders <\/em>oder in Reclamtiteln wie <em>Blaue Gedichte<\/em> (2001), <em>Poeti\u00adsche Sprach\u00adspiele<\/em> (2002) und <em>Deutsche St\u00e4dte<\/em> (2013). Nicht zu verges\u00adsen: Thomas Klings <em>Sprach\u00adspeicher<\/em> (2001), in dem der Herausge\u00adber sehr bewu\u00dft nur 200 Gedichte von den Anf\u00e4n\u00adgen bis zur Ge\u00adgen\u00adwart versam\u00admelt. In <em>LUFTFRACHT. Internationale Poesie 1940 bis 1990<\/em> (1991) entscheidet sich Ha\u00adrald Hartung f\u00fcr drei\u00adzehn Auto\u00adren des deutschen Sprachraums: Inge\u00adborg Bachmann, J\u00fcr\u00adgen Becker, Gott\u00adfried Benn, Bertolt Brecht, Rolf Dieter Brinkmann, Paul Celan, G\u00fcnter Eich, Hans Magnus En\u00adzens\u00adberger, Erich Fried, Ernst Jandl, G\u00fcnter Kunert, Oskar Pastior, Rai\u00adner Maria Rilke, Imma\u00adnuel Wei\u00df\u00adglas.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zum guten Schlu\u00df \u2026 (\u00bbWas ist mit dem Anfang?\u00ab) \u2026<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2026 noch einmal mit Jahn R\u00f6hnert sprechend: <em>Brink\u00admanns Poesie ist zeitlos ge\u00adworden, weil sie ge\u00adnauso wie Bau\u00addelaires sich bedingungslos ihrer unmit\u00adtelbaren Ge\u00adgenwart aus\u00adliefert. Die Dignit\u00e4t scheinbar bana\u00adler, all\u00adt\u00e4glicher Ob\u00adjekte, die das audiovi\u00adsuelle Raster unserer synthetischen Umwelt ausmachen \u2013 Ny\u00adlon\u00adstrumpfhosen, Vinyl\u00adplatten, Gitar\u00adrenver\u00adst\u00e4r\u00adker, Hochglanz\u00adbl\u00e4tter, Make-up, Kino\u00adleinw\u00e4nde &#8230; \u2013, hat er ent\u00addeckt und auf unver\u00adwech\u00adsel\u00adbare Weise poetisch trans\u00adfor\u00admiert.<\/em> Brinkmann wirkt wei\u00adter \u2013 so Anfang 2015 bereits zwei\u00admal in K\u00f6ln: Am 12. Januar l\u00e4dt der <em>Lite\u00adratur\u00adklub<\/em> mit Roberto Di Bella und Adrian Kasnitz zu <em>Brinkmann, wild gefleckt<\/em> ein, am 26. Januar steht Brink\u00admann gleich zu Beginn im Rampenlicht der Auftaktveran\u00adstaltung der poetica, des ersten <em>K\u00f6lner<\/em> <em>Festivals f\u00fcr Weltliteratur<\/em>, als Barbara F\u00f6rster ihre Ansprache zur <em>Macht der Poesie<\/em> ganz dem Werk und Wir\u00adken Rolf Dieter Brinkmanns widmet. Am Abend des 12. M\u00e4rz 2015 steht der in D\u00fcren lebende und in einem Dentallabor hier in Sistig\/Eifel t\u00e4tige Kraus gegen 18 Uhr strahlend vor der T\u00fcr und begehrt quarrig Einla\u00df. Noch bevor wir uns setzen, sprudelt\u2019s aus ihm heraus, es sei gro\u00dfartig gewesen am Vorabend bei der Er\u00f6ffnung der lit.Cologne mit Herbert Gr\u00f6nemeyer und dem in D\u00fcren geborenen Michael Lentz, den er endlich einmal live habe erleben wollen. (Ich habe vor wenigen Wochen dessen Roman <em>Schattenfroh<\/em> gelesen.) Beste Unterhaltung, wie die beiden sich geradezu schelmisch die B\u00e4llen zugespielt \u2013 und, jetzt kommt\u2019s, immer wieder Gedichte von Mascha Kal\u00e9ko, Friederike May\u00adr\u00f6cker, Helga M. Novak, Jesse Thoor und Rolf Dieter Brinkmann vorgetragen h\u00e4tten. Und w\u00e4hrend ich die Flasche Laphroaig auf den Tisch stelle, gehen Literatur, Geschichte\/n schon weiter. Und \u2013 wohin gehn sie, will Quer wissen, aber da spielt auch die Musik bereits weiter. <em>Die Tiere und B\u00e4ume machen weiter<\/em>. Ich mache, wie ge\u00adsagt, jetzt auch (erst mal) weiter \u2013 und danach, ja, da\u00adnach sehn wir weiter<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"118\" height=\"159\" class=\"wp-image-5367\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Rdb.selfmade.100607.wisc_.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Blick ins KUNO-Archiv: Lesen Sie auf KUNO eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/04\/16\/34716\/\">Betrachtung<\/a> der Jugends\u00fcnden des RDB. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/25\/aufzeichnungen-eines-abgeschriebenen\/\">Aufzeichnungen eines Abgeschriebenen<\/a> von Jamal Tuschik. Einen Besuch des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/04\/23\/orte-5-rdb-haus-koeln\/\">RDB-Haus<\/a>es, von Enno Stahl. Auch Sophie Reyer hat sich in der Domstadt auf die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/03\/30\/fur-rolf-dieter-brinkmann-2\/\">Spuren von RDB<\/a> begeben. Einen Artikel \u00fcber <em>Das wild gefleckte Panorama eines anderen Traums<\/em><strong>,<\/strong> Rolf Dieter Brinkmanns <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/04\/16\/brinkmann-revisited\/\">sp\u00e4tes Romanprojekt<\/a>, von Roberto Di Bella. Und die Beantwortung der Frage: \u201eWer hat Angst vor RDB? <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/06\/25\/wer-hat-angst-vor-rdb\/\">durch<\/a> Axel Kutsch. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rolf Dieter Brinkmann \u2219 Werk und Herausgabe<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li><strong>Ihr nennt es Spra\u00adche<\/strong>. Achtzehn Gedichte (1962)<\/li>\r\n<li><strong>Le Chant du Monde<\/strong>. Gedichte (1964)<\/li>\r\n<li><strong>Die Umar\u00admung<\/strong>. Erz\u00e4hlungen (1965)<\/li>\r\n<li><strong>Ohne Neger<\/strong>. Gedichte (1966)<\/li>\r\n<li><strong>&amp;-Gedichte<\/strong> (1966)<\/li>\r\n<li><strong>Rau\u00adpenbahn<\/strong>. Erz\u00e4hlungen (1966)<\/li>\r\n<li><strong>Was fraglich ist wof\u00fcr<\/strong>. Gedichte (1967)<\/li>\r\n<li><strong>Godzilla<\/strong>. Gedichte (1968)<\/li>\r\n<li><strong>Die Piloten<\/strong>. Neue Gedichte (1968)<\/li>\r\n<li><strong>Keiner wei\u00df mehr<\/strong>. Roman (1968, Neuausgabe 2005)<\/li>\r\n<li><strong>Acid<\/strong>. <em>Neue amerikanische Szene<\/em>, hg. von Rolf Dieter Brink\u00admann u. Ralf-Rainer Rygulla (1969, 1983)<\/li>\r\n<li><strong>Vanille<\/strong> (1969)<\/li>\r\n<li><strong>Frank O\u2019Hara, Lunch Poems und andere Ge\u00addichte<\/strong>, \u00fcbersetzt von Rolf Dieter Brinkmann (1969)<\/li>\r\n<li><strong>Silverscreen<\/strong>. <em>Neue amerikani\u00adsche Lyrik<\/em> (1969)<\/li>\r\n<li><strong>Standphotos<\/strong>. Gedichte (1969)<\/li>\r\n<li><strong>Gras<\/strong>. Gedichte (1970)<\/li>\r\n<li><strong>Ted Berri\u00adgan, Guillaume Apollinaire ist tot<\/strong>. Gedichte, Prosa, Kollaborationen, hg. von R. D. Brinkmann (1970)<\/li>\r\n<li><strong>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/strong>. Gedichte (1975, 1999)<\/li>\r\n<li><strong>Rom, Blicke<\/strong> (1979)<\/li>\r\n<li><strong>Standphotos<\/strong>. Gedichte 1962\u20131970 (1980)<\/li>\r\n<li><strong>Der Film in Worten. Prosa<\/strong>. Erz\u00e4h\u00adlungen. Essays. H\u00f6r\u00adspiele. Fo\u00adtos. Collagen. (1982)<\/li>\r\n<li><strong>Eiswasser an der Gua\u00addelupe Str.<\/strong> Gedichte (1985)<\/li>\r\n<li><strong>Erz\u00e4hlungen<\/strong> (1985)<\/li>\r\n<li><strong>Rolltreppen im August<\/strong>. Gedichte (1986)<\/li>\r\n<li><strong>Erkundungen f\u00fcr die Pr\u00e4zisie\u00adrung des Gef\u00fchls f\u00fcr einen Auf\u00adstand<\/strong>: <em>Reise Zeit Ma\u00adgazin Tagebuch<\/em> (1987)<\/li>\r\n<li><strong>Schnitte<\/strong> (1988)<\/li>\r\n<li><strong>K\u00fcnstliches Licht<\/strong>. Lyrik und Prosa (1994)<\/li>\r\n<li><strong>Guten Tag wie geht es so<\/strong>. Erz\u00e4h\u00adlungen (1996)<\/li>\r\n<li><strong>Briefe an Hartmut<\/strong> (1999)<\/li>\r\n<li><strong>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2<\/strong>. Gedichte. Erweiterte Neuausgabe (2005)<\/li>\r\n<li><strong>Vorstellung meiner H\u00e4nde<\/strong>. Fr\u00fche Gedichte (2010)<\/li>\r\n<li><strong>An Unchanging Blue<\/strong>. Selected poems 1962 \u2013 1975. Ausgew\u00e4hlt und \u00fcbersetzt von Mark Terrill (2011)<\/li>\r\n<\/ul>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter und weiter machen in einer gu\u00adten Gegen\u00adwart Die Musik kann im selben Ma\u00dfe wie die Literatur ersch\u00fcttern, eine gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Umkehr, Traurigkeit oder ab\u00adso\u00adlute Ekstase bewirken; die Malerei kann im selben Ma\u00dfe wie die Literatur verz\u00fccken, einen neuen Blick auf&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/23\/blicke-auf-brinkmann\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":97870,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[241,84],"class_list":["post-62988","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-rolf-dieter-brinkmann","tag-theo-breuer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62988"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62988\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98535,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62988\/revisions\/98535"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97870"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}