{"id":62970,"date":"2015-06-03T00:01:00","date_gmt":"2015-06-02T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62970"},"modified":"2020-04-19T15:02:54","modified_gmt":"2020-04-19T13:02:54","slug":"verhaftung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/03\/verhaftung\/","title":{"rendered":"Verhaftung"},"content":{"rendered":"\n<p>Jemand mu\u00dfte Josef K. verleumdet haben, denn ohne da\u00df er etwas B\u00f6ses  getan h\u00e4tte, wurde er eines Morgens verhaftet. Die K\u00f6chin der Frau  Grubach, seiner Zimmervermieterin, die ihm jeden Tag gegen acht Uhr fr\u00fch  das Fr\u00fchst\u00fcck brachte, kam diesmal nicht. Das war noch niemals  geschehen. K. wartete noch ein Weilchen, sah von seinem Kopfkissen aus  die alte Frau, die ihm gegen\u00fcber wohnte und die ihn mit einer an ihr  ganz ungew\u00f6hnlichen Neugierde beobachtete, dann aber, gleichzeitig  befremdet und hungrig, l\u00e4utete er. Sofort klopfte es und ein Mann, den  er in dieser Wohnung noch niemals gesehen hatte, trat ein. Er war  schlank und doch fest gebaut, er trug ein anliegendes schwarzes Kleid,  das, \u00e4hnlich den Reiseanz\u00fcgen, mit verschiedenen Falten, Taschen,  Schnallen, Kn\u00f6pfen und einem G\u00fcrtel versehen war und infolgedessen, ohne  da\u00df man sich dar\u00fcber klar wurde, wozu es dienen sollte, besonders  praktisch erschien. \u00bbWer sind Sie?\u00ab fragte K. und sa\u00df gleich halb  aufrecht im Bett. Der Mann aber ging \u00fcber die Frage hinweg, als m\u00fcsse  man seine Erscheinung hinnehmen, und sagte blo\u00df seinerseits: \u00bbSie haben  gel\u00e4utet?\u00ab \u00bbAnna soll mir das Fr\u00fchst\u00fcck bringen\u00ab, sagte K. und  versuchte, zun\u00e4chst stillschweigend, durch Aufmerksamkeit und \u00dcberlegung  festzustellen, wer der Mann eigentlich war. Aber dieser setzte sich  nicht allzulange seinen Blicken aus, sondern wandte sich zur T\u00fcr, die er ein wenig \u00f6ffnete, um  jemandem, der offenbar knapp hinter der T\u00fcr stand, zu sagen: \u00bbEr will,  da\u00df Anna ihm das Fr\u00fchst\u00fcck bringt.\u00ab Ein kleines Gel\u00e4chter im Nebenzimmer  folgte, es war nach dem Klang nicht sicher, ob nicht mehrere Personen  daran beteiligt waren. Obwohl der fremde Mann dadurch nichts erfahren  haben konnte, was er nicht schon fr\u00fcher gewu\u00dft h\u00e4tte, sagte er nun doch  zu K. im Tone einer Meldung: \u00bbEs ist unm\u00f6glich\u00ab. \u00bbDas w\u00e4re neu\u00ab, sagte  K., sprang aus dem Bett und zog rasch seine Hosen an. \u00bbIch will doch  sehen, was f\u00fcr Leute im Nebenzimmer sind und wie Frau Grubach diese  St\u00f6rung mir gegen\u00fcber verantworten wird.\u00ab Es fiel ihm zwar gleich ein,  da\u00df er das nicht h\u00e4tte laut sagen m\u00fcssen und da\u00df er dadurch  gewisserma\u00dfen ein Beaufsichtigungsrecht des Fremden anerkannte, aber es  schien ihm jetzt nicht wichtig. Immerhin fa\u00dfte es der Fremde so auf,  denn er sagte: \u00bbWollen Sie nicht lieber hierbleiben?\u00ab \u00bbIch will weder  hierbleiben, noch von Ihnen angesprochen werden, solange Sie sich mir  nicht vorstellen.\u00ab \u00bbEs war gut gemeint\u00ab, sagte der Fremde und \u00f6ffnete  nun freiwillig die T\u00fcr. Im Nebenzimmer, in das K. langsamer eintrat, als  er wollte, sah es auf den ersten Blick fast genau so aus wie am Abend  vorher. Es war das Wohnzimmer der Frau Grubach, vielleicht war in diesem  mit M\u00f6beln, Decken, Porzellan und Photographien \u00fcberf\u00fcllten Zimmer  heute ein wenig mehr Raum als sonst, man erkannte das nicht gleich, um  so weniger, als die Hauptver\u00e4nderung in der Anwesenheit eines Mannes  bestand, der beim offenen Fenster mit einem Buch sa\u00df, von dem er jetzt  aufblickte. \u00bbSie h\u00e4tten in Ihrem Zimmer bleiben sollen! Hat es Ihnen  denn Franz nicht gesagt?\u00ab \u00bbJa, was wollen Sie denn?\u00ab sagte K. und sah  von der neuen Bekanntschaft zu dem mit Franz Benannten, der in der T\u00fcr  stehengeblieben war, und dann wieder zur\u00fcck. Durch das offene Fenster  erblickte man wieder die alte Frau, die mit wahrhaft greisenhafter  Neugierde zu dem jetzt gegen\u00fcberliegenden Fenster getreten war, um auch  weiterhin alles zu sehen. \u00bbIch will doch Frau Grubach \u2013\u00ab, sagte K.,  machte eine Bewegung, als rei\u00dfe er sich von den zwei M\u00e4nnern los, die  aber weit von ihm entfernt standen, und wollte weitergehen. \u00bbNein\u00ab,  sagte der Mann beim Fenster, warf das Buch auf ein Tischchen und stand  auf. \u00bbSie d\u00fcrfen nicht weggehen, Sie sind ja verhaftet.\u00ab \u00bbEs sieht so  aus\u00ab, sagte K. \u00bbUnd warum denn?\u00ab fragte er dann. \u00bbWir sind nicht dazu  bestellt, Ihnen das zu sagen. Gehen Sie in Ihr Zimmer und warten Sie.  Das Verfahren ist nun einmal eingeleitet, und Sie werden alles zur  richtigen Zeit erfahren. Ich gehe \u00fcber meinen Auftrag hinaus, wenn ich  Ihnen so freundschaftlich zurede. Aber ich hoffe, es h\u00f6rt es niemand  sonst als Franz, und der ist selbst gegen alle Vorschrift freundlich zu  Ihnen. Wenn Sie auch weiterhin so viel Gl\u00fcck haben wie bei der  Bestimmung Ihrer W\u00e4chter, dann k\u00f6nnen Sie zuversichtlich sein.\u00ab K.  wollte sich setzen, aber nun sah er, da\u00df im ganzen Zimmer keine  Sitzgelegenheit war, au\u00dfer dem Sessel beim Fenster. \u00bbSie werden noch  einsehen, wie wahr das alles ist\u00ab, sagte Franz und ging gleichzeitig mit  dem andern Mann auf ihn zu. Besonders der letztere \u00fcberragte K.  bedeutend und klopfte ihm \u00f6fters auf die Schulter. Beide pr\u00fcften K.s  Nachthemd und sagten, da\u00df er jetzt ein viel schlechteres Hemd werde  anziehen m\u00fcssen, da\u00df sie aber dieses Hemd wie auch seine \u00fcbrige W\u00e4sche  aufbewahren und, wenn seine Sache g\u00fcnstig ausfallen sollte, ihm wieder  zur\u00fcckgeben w\u00fcrden. \u00bbEs ist besser, Sie geben die Sachen uns als ins  Depot\u00ab, sagten sie, \u00bbdenn im Depot kommen \u00f6fters Unterschleife vor und au\u00dferdem  verkauft man dort alle Sachen nach einer gewissen Zeit, ohne R\u00fccksicht,  ob das betreffende Verfahren zu Ende ist oder nicht. Und wie lange  dauern doch derartige Prozesse, besonders in letzter Zeit! Sie bek\u00e4men  dann schlie\u00dflich allerdings vom Depot den Erl\u00f6s, aber dieser Erl\u00f6s ist  erstens an sich schon gering, denn beim Verkauf entscheidet nicht die  H\u00f6he des Angebotes, sondern die H\u00f6he der Bestechung, und weiter  verringern sich solche Erl\u00f6se erfahrungsgem\u00e4\u00df, wenn sie von Hand zu Hand  und von Jahr zu Jahr weitergegeben werden.\u00ab K. achtete auf diese Reden  kaum, das Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber seine Sachen, das er vielleicht noch  besa\u00df, sch\u00e4tzte er nicht hoch ein, viel wichtiger war es ihm, Klarheit  \u00fcber seine Lage zu bekommen; in Gegenwart dieser Leute konnte er aber  nicht einmal nachdenken, immer wieder stie\u00df der Bauch des zweiten  W\u00e4chters \u2013 es konnten ja nur W\u00e4chter sein \u2013 f\u00f6rmlich freundschaftlich an  ihn, sah er aber auf, dann erblickte er ein zu diesem dicken K\u00f6rper gar  nicht passendes trockenes, knochiges Gesicht mit starker, seitlich  gedrehter Nase, das sich \u00fcber ihn hinweg mit dem anderen W\u00e4chter  verst\u00e4ndigte. Was waren denn das f\u00fcr Menschen? Wovon sprachen sie?  Welcher Beh\u00f6rde geh\u00f6rten sie an? K. lebte doch in einem Rechtsstaat,  \u00fcberall herrschte Friede, alle Gesetze bestanden aufrecht, wer wagte,  ihn in seiner Wohnung zu \u00fcberfallen? Er neigte stets dazu, alles  m\u00f6glichst leicht zu nehmen, das Schlimmste erst beim Eintritt des  Schlimmsten zu glauben, keine Vorsorge f\u00fcr die Zukunft zu treffen,  selbst wenn alles drohte. Hier schien ihm das aber nicht richtig, man  konnte zwar das Ganze als Spa\u00df ansehen, als einen groben Spa\u00df, den ihm  aus unbekannten Gr\u00fcnden, vielleicht weil heute sein drei\u00dfigster Geburtstag war, die Kollegen in der Bank veranstaltet  hatten, es war nat\u00fcrlich m\u00f6glich, vielleicht brauchte er nur auf  irgendeine Weise den W\u00e4chtern ins Gesicht zu lachen, und sie w\u00fcrden  mitlachen, vielleicht waren es Dienstm\u00e4nner von der Stra\u00dfenecke, sie  sahen ihnen nicht un\u00e4hnlich \u2013 trotzdem war er diesmal, f\u00f6rmlich schon  seit dem ersten Anblick des W\u00e4chters Franz, entschlossen, nicht den  geringsten Vorteil, den er vielleicht gegen\u00fcber diesen Leuten besa\u00df, aus  der Hand zu geben. Darin, da\u00df man sp\u00e4ter sagen w\u00fcrde, er habe keinen  Spa\u00df verstanden, sah K. eine ganz geringe Gefahr, wohl aber erinnerte er  sich \u2013 ohne da\u00df es sonst seine Gewohnheit gewesen w\u00e4re, aus Erfahrungen  zu lernen \u2013 an einige, an sich unbedeutende F\u00e4lle, in denen er zum  Unterschied von seinen Freunden mit Bewu\u00dftsein, ohne das geringste  Gef\u00fchl f\u00fcr die m\u00f6glichen Folgen, sich unvorsichtig benommen hatte und  daf\u00fcr durch das Ergebnis gestraft worden war. Es sollte nicht wieder  geschehen, zumindest nicht diesmal; war es eine Kom\u00f6die, so wollte er  mitspielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch war er frei. \u00bbErlauben Sie\u00ab, sagte er und  ging eilig zwischen den W\u00e4chtern durch in sein Zimmer. \u00bbEr scheint  vern\u00fcnftig zu sein\u00ab, h\u00f6rte er hinter sich sagen. In seinem Zimmer ri\u00df er  gleich die Schubladen des Schreibtischs auf, es lag dort alles in  gro\u00dfer Ordnung, aber gerade die Legitimationspapiere, die er suchte,  konnte er in der Aufregung nicht gleich finden. Schlie\u00dflich fand er  seine Radfahrlegitimation und wollte schon mit ihr zu den W\u00e4chtern  gehen, dann aber schien ihm das Papier zu geringf\u00fcgig und er suchte  weiter, bis er den Geburtsschein fand. Als er wieder in das Nebenzimmer  zur\u00fcckkam, \u00f6ffnete sich gerade die gegen\u00fcberliegende T\u00fcr und Frau  Grubach wollte dort eintreten. Man sah sie nur einen Augenblick,   enn kaum hatte sie K. erkannt, als sie offenbar verlegen wurde, um  Verzeihung bat, verschwand und \u00e4u\u00dferst vorsichtig die T\u00fcr schlo\u00df.  \u00bbKommen Sie doch herein\u00ab, hatte K. gerade noch sagen k\u00f6nnen. Nun aber  stand er mit seinen Papieren in der Mitte des Zimmers, sah noch auf die  T\u00fcr hin, die sich nicht wieder \u00f6ffnete, und wurde erst durch einen Anruf  der W\u00e4chter aufgeschreckt, die bei dem Tischchen am offenen Fenster  sa\u00dfen und, wie K. jetzt erkannte, sein Fr\u00fchst\u00fcck verzehrten. \u00bbWarum ist  sie nicht eingetreten?\u00ab fragte er. \u00bbSie darf nicht\u00ab, sagte der gro\u00dfe  W\u00e4chter. \u00bbSie sind doch verhaftet.\u00ab \u00bbWie kann ich denn verhaftet sein,  und gar auf diese Weise?\u00ab \u00bbNun fangen Sie also wieder an\u00ab, sagte der  W\u00e4chter und tauchte ein Butterbrot ins Honigf\u00e4\u00dfchen. \u00bbSolche Fragen  beantworten wir nicht.\u00ab \u00bbSie werden sie beantworten m\u00fcssen\u00ab, sagte K.  \u00bbHier sind meine Legitimationspapiere, zeigen Sie mir jetzt die Ihrigen  und vor allem den Verhaftbefehl.\u00ab \u00bbDu lieber Himmel!\u00ab sagte der W\u00e4chter.  \u00bbDa\u00df Sie sich in Ihre Lage nicht f\u00fcgen k\u00f6nnen und da\u00df Sie es darauf  angelegt zu haben scheinen, uns, die wir Ihnen jetzt wahrscheinlich von  allen Ihren Mitmenschen am n\u00e4chsten stehen, nutzlos zu reizen!\u00ab \u00bbEs ist  so, glauben Sie es doch\u00ab, sagte Franz, f\u00fchrte die Kaffeetasse, die er in  der Hand hielt, nicht zum Mund, sondern sah K. mit einem langen,  wahrscheinlich bedeutungsvollen, aber unverst\u00e4ndlichen Blick an. K. lie\u00df  sich, ohne es zu wollen, in ein Zwiegespr\u00e4ch der Blicke mit Franz ein,  schlug dann aber doch auf seine Papiere und sagte: \u00bbHier sind meine  Legitimationspapiere.\u00ab \u00bbWas k\u00fcmmern uns denn die?\u00ab rief nun schon der  gro\u00dfe W\u00e4chter. \u00bbSie f\u00fchren sich \u00e4rger auf als ein Kind. Was wollen Sie  denn? Wollen Sie Ihren gro\u00dfen, verfluchten Proze\u00df dadurch zu einem  raschen Ende bringen, da\u00df Sie mit uns,<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Kafka-GW+Bd.+1\">[14]<\/a>   den W\u00e4chtern, \u00fcber Legitimation und Verhaftbefehl diskutieren? Wir  sind niedrige Angestellte, die sich in einem Legitimationspapier kaum  auskennen und die mit Ihrer Sache nichts anderes zu tun haben, als da\u00df  sie zehn Stunden t\u00e4glich bei Ihnen Wache halten und daf\u00fcr bezahlt  werden. Das ist alles, was wir sind, trotzdem aber sind wir f\u00e4hig,  einzusehen, da\u00df die hohen Beh\u00f6rden, in deren Dienst wir stehen, ehe sie  eine solche Verhaftung verf\u00fcgen, sich sehr genau \u00fcber die Gr\u00fcnde der  Verhaftung und die Person des Verhafteten unterrichten. Es gibt darin  keinen Irrtum. Unsere Beh\u00f6rde, soweit ich sie kenne, und ich kenne nur  die niedrigsten Grade, sucht doch nicht etwa die Schuld in der  Bev\u00f6lkerung, sondern wird, wie es im Gesetz hei\u00dft, von der Schuld  angezogen und mu\u00df uns W\u00e4chter ausschicken. Das ist Gesetz. Wo g\u00e4be es da  einen Irrtum?\u00ab \u00bbDieses Gesetz kenne ich nicht\u00ab, sagte K. \u00bbDesto  schlimmer f\u00fcr Sie\u00ab, sagte der W\u00e4chter. \u00bbEs besteht wohl auch nur in  Ihren K\u00f6pfen\u00ab, sagte K., er wollte sich irgendwie in die Gedanken der  W\u00e4chter einschleichen, sie zu seinen Gunsten wenden oder sich dort  einb\u00fcrgern. Aber der W\u00e4chter sagte nur abweisend: \u00bbSie werden es zu  f\u00fchlen bekommen.\u00ab Franz mischte sich ein und sagte: \u00bbSieh, Willem, er  gibt zu, er kenne das Gesetz nicht, und behauptet gleichzeitig,  schuldlos zu sein.\u00ab \u00bbDu hast ganz recht, aber ihm kann man nichts  begreiflich machen\u00ab, sagte der andere. K. antwortete nichts mehr; mu\u00df  ich, dachte er, durch das Geschw\u00e4tz dieser niedrigsten Organe \u2013 sie  geben selbst zu, es zu sein \u2013 mich noch mehr verwirren lassen? Sie reden  doch jedenfalls von Dingen, die sie gar nicht verstehen. Ihre  Sicherheit ist nur durch ihre Dummheit m\u00f6glich. Ein paar Worte, die ich  mit einem mir ebenb\u00fcrtigen Menschen sprechen werde, werden alles  unvergleichlich klarer machen als die l\u00e4ngsten Reden mit diesen. Er ging einige Male  in dem freien Raum des Zimmers auf und ab, dr\u00fcben sah er die alte Frau,  die einen noch viel \u00e4lteren Greis zum Fenster gezerrt hatte, den sie  umschlungen hielt. K. mu\u00dfte dieser Schaustellung ein Ende machen:  \u00bbF\u00fchren Sie mich zu Ihrem Vorgesetzten\u00ab, sagte er. \u00bbWenn er es w\u00fcnscht;  nicht fr\u00fcher\u00ab, sagte der W\u00e4chter, der Willem genannt worden war. \u00bbUnd  nun rate ich Ihnen\u00ab, f\u00fcgte er hinzu, \u00bbin Ihr Zimmer zu gehen, sich ruhig  zu verhalten und darauf zu warten, was \u00fcber Sie verf\u00fcgt werden wird.  Wir raten Ihnen, zerstreuen Sie sich nicht durch nutzlose Gedanken,  sondern sammeln Sie sich, es werden gro\u00dfe Anforderungen an Sie gestellt  werden. Sie haben uns nicht so behandelt, wie es unser Entgegenkommen  verdient h\u00e4tte, Sie haben vergessen, da\u00df wir, m\u00f6gen wir auch sein was  immer, zumindest jetzt Ihnen gegen\u00fcber freie M\u00e4nner sind, das ist kein  kleines \u00dcbergewicht. Trotzdem sind wir bereit, falls Sie Geld haben,  Ihnen ein kleines Fr\u00fchst\u00fcck aus dem Kaffeehaus dr\u00fcben zu bringen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Ob es zu Proze\u00df, Process oder Prozess betitelt ist, so beginnt  ein Meisterwerk der Weltliteratur. Bereits <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62917\">zum zehnten Todestag<\/a> erkannte Walter Benjamin die Bedeutung dieses Autors. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"241\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Franz-Kafka-Fotografie-aus-dem-Atelier-Jacobi-1906.-241x30011.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20121\"\/><figcaption>Franz Kafka, Fotografie aus dem Atelier Jacobi 1906<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Franz Kafka neigte auch zu aphoristischen Gedankensplittern und dem   eigenwilligen Aneignen kollektiver, mythischer Diskurse, um einen   Prozess der Selbstreflexion in Gang zu setzen, der vom bloss   Pers\u00f6nlichen und Privaten abstrahierte und es verbarg. Seine kurzen   Texte kann man als Vorform der <em>Twitteratur<\/em>  bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend&nbsp;\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>, sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jemand mu\u00dfte Josef K. verleumdet haben, denn ohne da\u00df er etwas B\u00f6ses getan h\u00e4tte, wurde er eines Morgens verhaftet. Die K\u00f6chin der Frau Grubach, seiner Zimmervermieterin, die ihm jeden Tag gegen acht Uhr fr\u00fch das Fr\u00fchst\u00fcck brachte, kam diesmal nicht.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/03\/verhaftung\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":107,"featured_media":20121,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[494],"class_list":["post-62970","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-franz-kafka"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/107"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62970"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62970\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}