{"id":62801,"date":"2011-02-07T00:01:00","date_gmt":"2011-02-06T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62801"},"modified":"2022-02-17T21:17:16","modified_gmt":"2022-02-17T20:17:16","slug":"sylvia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/02\/07\/sylvia\/","title":{"rendered":"Sylvia"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Mein zweiter Name ist auch Sylvia\u201c, sagt Sarah Sylvia Sander, w\u00e4hrend sie in einem Erz\u00e4hlungsband von Sylvia Plath bl\u00e4ttert. Sie findet, sie habe mit der Plath, trotz des gleichen Vornamens, nichts gemeinsam. Nichts.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sei denn zuweilen die Todessehnsucht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenteil zu der Plath, denkt Sarah und schlie\u00dft das Buch, sei sie schuldfrei geblieben: habe keine Kinder in die Welt gesetzt, habe sich nicht darin vers\u00fcndigt. Habe den Weg frei gehalten: es gibt niemanden, den sie \u00fcberfahren w\u00fcrde. Versehentliche Unf\u00e4lle seien wahrscheinlich, selbstverschuldete Morde ausgeschlossen. Verschwinden k\u00f6nne sie, ohne Schaden anzurichten. Zu jeder Zeit und spurlos. Die h\u00f6chste Form der Freiheit \u2013 sich bei anderen nicht zu verschulden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht mit Schmerz.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht mit uneingel\u00f6ster Liebe.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geschieht in dem Alptraum, der neulich ihre N\u00e4chte heimsucht: Jemand steckt ihr eine Waffe in den Mund und schie\u00dft. Es gibt auch Abweichungen. Zum Beispiel, falls dieser jemand nicht bereit ist, zu schie\u00dfen, versucht sie, ihn durch Telepathie dazu zu zwingen. Im Traum gelingt es ihr meistens.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Knall wacht sie auf. Erleichtert manchmal.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eWo bleibt die Ethik? Zwei Kinder, darunter ein S\u00e4ugling. Darf die Literatur \u00fcber die Ethik hinweg interpretiert werden?\u201c wendet sie sich mit dem geschlossenen Buch in der Hand dem unsichtbaren Publikum zu, das ihre Bibliothek bewohnt. \u201eJa, wenn getrennt ausge\u00fcbt. Denk an Pound, an C\u00e9line. Du verwechselst die Ebenen&#8230; Plath ist ein anderer Fall&#8230; Sie entzieht sich der Ethik nicht, sie zerbricht darunter&#8230;\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sarah betrachtet die Fotografie auf dem Umschlag, die Plath an ihrer Schreibmaschine zeigt. Eine zarte Gestalt, mit schmollendem Mund und gesenktem Blick, der auf den Titel des Bandes zu fallen scheint: <em>Die Bibel der Tr\u00e4ume<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Je l\u00e4nger Sarah hinsieht, umso mehr steigt in ihr die Wut.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wut \u00fcber den Alltag, der Sylvia Plath umgebracht hat. So viele andere auch, die f\u00fcr den allt\u00e4glichen Gebrauch im allt\u00e4glichen Geschehen nichts taugten. Das allt\u00e4gliche Geschehen funktioniert hervorragend ohne sie, vielleicht gerade deswegen, weil sie dort nichts verloren haben. Sie finden sich dort nicht mehr zurecht, wie Frau Birska, die \u00fcber der Redaktion wohnte und sich vor zwei Wochen das Leben nahm.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sarah hegt einen pers\u00f6nlichen Groll gegen den Alltag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr wolle es nicht gelingen, ihn zu transzendieren, rechtfertigt sie sich, wenn das Thema in ihrem Bekanntenkreis angesprochen wird. Die Diskurse \u00fcber das daseinsberechtigende Gl\u00fcck, das in den kleinen Pflichten und Handlungen des Alltags zu finden sei, versetzen sie in Rage. Nicht weil die Behauptung an sich falsch w\u00e4re, sondern weil sie als Alibi meistens dann eingesetzt wird, wenn gr\u00f6\u00dfere Aufgaben nicht zu bew\u00e4ltigen sind. Es geschieht aus existentieller Fahrl\u00e4ssigkeit. Nein, denkt Sarah, die nicht nur anderen, sondern auch sich selbst gegen\u00fcber sehr streng ist, sie kann im Alltag die \u00fcberw\u00e4ltigend sinnvolle Metapher des Lebens mit gutem Gewissen nicht sehen. Sie sieht darin eher einen an\u00addauernden Qualit\u00e4tsmissbrauch, der das Leben verschlei\u00dft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Verschlei\u00df um jeden Preis ein Ende setzen zu wollen, ohne an die Konsequenzen zu denken, wie Sylvia Plath, wie das m\u00f6glich sei, was geht in einem vor, das m\u00f6chte Sarah wohl nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sonst kann sie dar\u00fcber keinen vern\u00fcnftigen Artikel verfassen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sarah wirft einen letzten Blick auf den Umschlag und schiebt Sylvia Plath zur\u00fcck ins B\u00fccherregal. Nein, sie mag sie heute nicht lesen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eWenn der Selbstmord einen anderen au\u00dfer einem selbst trifft, kippt er wie ein schlechter Wein\u201c, erinnert sich Sarah an Davids Worte. \u201eMan dekantiere Selbst von Mord und was \u00fcbrig bleibt\u201c, meinte er am Anfang ihrer Recherche, \u201eist der emotionale Mord an die Verbliebenen.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob er Recht hat?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sarah \u00fcberfliegt die Namen auf dem mittleren Regal, der Blick bleibt nirgendwo haften. Er gleitet ohne Hindernis, streift die leuchtende Anzeige des Weckers, registriert: zehn Doppelpunkt f\u00fcnfzehn, wandert weiter und landet auf einem verti\u00adkalen Streifen Schrift: <em>Die Kinder der Toten<\/em>. Jelinek, eine ihrer G\u00f6ttinnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eDer Tod ist ein Hauptdarsteller, \u00fcber jegliche Kritik erhaben\u201c, hatte David gesagt. \u201eEr ist die wahrscheinliche Erf\u00fcllung des versprochenen ewigen Lebens, der Kern zeitloser Allgegenw\u00e4r\u00adtigkeit, der einzige, in den wir mit Gewissheit bei\u00dfen werden, ob wir dazu berufen sind oder nicht, ihn zu veredeln. Unsere Sterb\u00adlichkeit als Garant unserer Unsterblichkeit. Ein Paradoxon, das uns wahnsinnig macht\u201c, hatte er gesagt. \u201eDer Tod ist deshalb eine brauchbare Metapher. F\u00fcr jeden begreiflich. Er l\u00e4sst uns die Anti- nomie jenes Alltags nachvollziehen, den wir transzendieren m\u00fcssen, um dem sinnvollen Logos nachzusp\u00fcren, um des Lebens kostbare Definitionsbrocken aufzulesen\u2026 kleine Diamanten auf dem Kiesweg&#8230;\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem sinnvollen Logos? Ersch\u00fctternd \u2013 Davids Robustheit!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits, wenn wir unsere durch die Antinomie in Aufruhr versetzte Sinneswelt akribisch zerlegen, denkt Sarah und l\u00e4sst ihren Blick weiter \u00fcber die B\u00fccherr\u00fccken streifen, hilft uns dies, den Sinn im Logos zu entdecken? F\u00fchrt es zu einer Erkenntnis, die dadurch erkenntniswert sein k\u00f6nnte, dass sie sich auf andere \u00fcbertragen lie\u00dfe? Ist das ethisch vertretbar? Die Autoren, die sich mit dem Tod auseinandersetzen und dabei die Parabel einer Sinnsuche erschaffen, ver\u00e4ndern sie die Welt? Wenn sich ihre individuelle Erfahrung metaphorisieren l\u00e4sst, verharmlost sie den Tod?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vers\u00f6hnt sie uns mit ihm?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eNein, ich glaube es nicht&#8230;\u201c, fl\u00fcstert Sarah.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben dar\u00fcber in der Redaktionssitzung diskutiert. Vor zwei Wochen, als sie erfuhren, dass Frau Birska tot aufgefunden wurde. Wodurch manifestiert sich die Todessehnsucht? \u2013 haben sie schnell das Theoretische an den Ohren gepackt und es aus ihrem beh\u00fcteten Gewissen hervorgezaubert. Wer h\u00e4tte erahnen k\u00f6nnen, dass sich eine so quirlige alte Dame umbringen w\u00fcrde? \u2013 emp\u00f6rten sie sich. Und \u00fcberhaupt, wer k\u00f6nnte schon die Ei\u00adgenschaft des Wesens, Todessehnsucht zu empfinden, erkl\u00e4ren? Die Psychologie, die Soziologie, die Religion, die Naturwissenschaft? Vielleicht die Philosophie? Oder die Kunst? <s><\/s><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gibt es ein erkennbares Ursache-Wirkungsmuster f\u00fcr das regelm\u00e4\u00dfige Auftauchen der Todessehnsucht im \u00f6ffentlichen Diskurs? Ist Selbstmord nicht doch eine unverzeihliche Impiet\u00e4t? Ist dieser Impiet\u00e4tsgedanke seinerseits nicht blo\u00df ein Reflex unserer christlich ge\u00adpr\u00e4gten Sozialisierung?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Je l\u00e4nger sie \u00fcber die Todessehnsucht sprachen, umso hochm\u00fcti\u00adger wendeten sich ihre Gedanken von deren beinahe physischer Pr\u00e4senz ab. Jene verharrte eine Etage h\u00f6her, in der leeren Woh\u00adnung der Toten, und vollbrachte in regloser Entschlossenheit eine unpers\u00f6nliche Absolution. Hier unten konnten sie nicht mehr, als sich durch die Rhetorik \u00fcber das Thema hinwegretten, weil ihnen diese einen noch soliden Boden unter den F\u00fc\u00dfen bot. Was in der Luft lag, war ein Sinnrest, der sich dem ganzheitlichen Sinn stur ent\u00adzog.\u00a0\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eIch mochte die alte Dame<strong>.<\/strong>..\u201c, sagte schlie\u00dflich Lars.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Frau Birska wohnte im Dachgeschoss. Als die Zeitschrift die ersten beiden Etagen des Geb\u00e4udes vor zwanzig Jahren gemietet hatte, lebte sie bereits dort, eine lustige, etwas exzentrische, \u00e4u\u00dferst freundliche Siebzigj\u00e4hrige. Frau Birska verreiste \u00f6fters f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit und hinterlie\u00df ihre Schl\u00fcssel bei Frau Hunderrich, der Redaktionssekret\u00e4rin, die sich um ihre Pflanzen k\u00fcmmerte. Nicht wenige aus der Redaktion hatten schon mal auf einen Plausch bei Frau Birska in der K\u00fcche gesessen. Einige durften sogar die in den zwei kleinen Zimmern untergebrachte Sammlung von skurrilen Mitbringseln bewundern. Die unerschrockene Globetrotterin trug Schmuck und Gew\u00e4nder aus den L\u00e4ndern, die sie bereiste, spielte unm\u00f6gliche Instrumente und sprach leidenschaftlich \u00fcber Politik. Sie war ein Paradiesvogel.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahren schrumpfte sie immer mehr zusammen und wurde schweigsamer. Zuweilen musste sie ins Krankenhaus gebracht werden. Seit einem Jahr hatte sie die Wohnung kaum verlassen. Sie wollte keine Besucher mehr empfangen, allein Frau Hunderrich durfte ab und zu nach ihr sehen. In den letzten Wochen kam eine Krankenschwester t\u00e4glich vorbei und gab ihr eine Spritze. Sie war diejenige, die einen Tag zuvor Frau Birska tot fand. Die alte Dame lag auf dem Bett in einem wei\u00dfen Seidenkimono. Sie hatte sich an ihrem neunzigsten Geburtstag eine Plastikt\u00fcte \u00fcber den frisch frisierten Kopf gezogen und war erstickt. \u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eWisst ihr, dass dies die von \u201eExit\u201c aus der Schweiz meistemp\u00adfohlene Methode ist? Gibt es \u00fcberhaupt eine Ermittlung?\u201c fragte Ulla.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eNein. Es ist offensichtlich Selbstmord gewesen. Sie hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. Die Anweisungen f\u00fcr die Bestat\u00adtung und ihr letzter Wille lagen auf dem Tisch&#8230;\u201c, berichtete David. \u201eIch habe mich erkundigt, war neugierig. Sie hat ihre Sammlung dem Ethnographischen Museum in Reykjavik vermacht. Die Begr\u00fcndung lautete, dass Island das einzige europ\u00e4ische Land war, das sie nicht bereist hatte, und sie k\u00f6nnte es derart zumindest post mortem tun\u201c, lachte David z\u00e4rt\u00adlich. \u201eUns hat sie auch etwas vermacht: Ihre Pflanzen!\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der sich unendlich hinziehenden Stille h\u00f6rte sich Sarah sagen, sie wolle einen Artikel zum Thema: <em>Selbstmord<\/em> <em>in der zeitgen\u00f6ssischen Literatur<\/em> schreiben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald sie es aussprach, wusste sie es. Sie begab sich freiwillig in eine Falle. Sie war bereit, wartete darauf, dass die eisernen Kiefer zusammenfallen und ihre Kehle zers\u00e4gen. \u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ginge ihr darum, setzte sie fort, auf alternative Denkprozesse hinzuweisen, die sich von der \u00fcblichen Moral distanzierten und sie in Frage stellten. Diese Einstellung schien ihr die einzige, die in der Runde akzeptiert werden konnte. Das \u201ealternative Denken\u201c war eine sozialkritische Reflektion, die salonf\u00e4hig war, solange sie sich brav auf die abstrakte Ebene beschr\u00e4nkte. Solange sie in der Kunst, also in einer illusorischen Welt auftauchte. Sarah versuchte, das Zittern ihrer Stimme zu kontrollieren. Dennoch schwollen die Worte vor Emphase unbeherrscht auf ihren Lippen. Zu einer Zeit, sagte sie, in der die Apologie der Apokalypse in h\u00f6heren Foren unter scheinbar moralisch und ethisch begr\u00fcndeten Gesichtspunkten betrieben wurde, empf\u00e4nde sie es als ihre zwingende Pflicht, sich als Intellektuelle mit den Folgen, n\u00e4mlich gerade mit den selbstm\u00f6rderischen Handlungen unserer zivilisierten Gesellschaft, auseinanderzusetzen. In dieser globalisierten Welt litten wir bereits darunter! Un\u00fcberbr\u00fcckbare Gef\u00e4lle zwischen Arm und Reich, Kriege, religi\u00f6ser und ethnischer Fanatismus, genetische Manipulation. Die alleinige Verfolgung materiellen Gl\u00fccks, die medialisierte Ge\u00adwaltverherrlichung, die geistige Abstumpfung&#8230;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eH\u00f6r doch auf, Sarah! Du predigst schon wieder! Selbstmord ist auf keinen Fall eine Alternative!\u201c unterbrach Ulla.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eDiese morbide Neigung zur Innereienanalyse kann dir gef\u00e4hrlich werden, Sarah! Du k\u00f6nntest daran ersticken!\u201c sagte barsch Swen. \u201eDer Selbstmord ist kein Aufruf zur Revolution! Du ideologisierst, diese Selbstgerechtigkeit ist eine widerlich pathetische, osteurop\u00e4ische Intellektuellenmasche. Hier zieht so etwas seit den 68ern nicht mehr!\u201c f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eDenkst du ehrlich, es ist jetzt der richtige Zeitpunkt f\u00fcr so ein Thema? Es gibt doch keinen aktuellen Anlass daf\u00fcr, oder?\u201c fragte Lars, der sich als guter Chefredakteur bem\u00fchte, zun\u00e4chst die redaktionellen Gesichtspunkte zu erw\u00e4gen und nicht die pers\u00f6nlichen seiner Kollegen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das Wort lie\u00df sich nicht \u00e4u\u00dfern, es steckte viel zu tief in jedem von uns drin, dachte Sarah.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u201eF\u00fchl dich nicht gleich angegriffen, Sarah! Das Thema ist knifflig\u201c, sagte Lars. \u201eRecherchiere, schreib deinen Artikel, wenn du m\u00f6chtest, dann sehen wir weiter. Mache es, aber bitte, ohne Moralins\u00e4ure. Such dir einige Ber\u00fchmtheiten aus. Ein St\u00fcck gut kalibrierter Horrorvoyeurismus ist immer unterhaltsam und wir m\u00fcssen es nicht gleich ver\u00f6ffentlichen. Wir warten auf einen Aufh\u00e4nger. Du machst, wie gehabt, deine aktuellen Themen und dieses nur nebenbei. Und sieh mal nach, ob du auch einen Betroffenen, einen noch lebendigen Selbstm\u00f6rder unter den Schriftstellern auftreiben kannst\u201c, lachte er schlie\u00dflich. \u201eDu hast drei Wochen. Und jetzt Themenwechsel bitte\u201c.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">\u00a0* * *<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Todestag von Ioona Rauschan erinnert KUNO an diese Autorin mit einer Leseprobe aus: <strong>Abhauen<\/strong>. Dieser Roman erschien 2008 beim Pop Verlag, Ludwigsburg.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" class=\"wp-image-8403\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/IoonaCover.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/IoonaCover.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/IoonaCover-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf der Schwelle<\/strong>. Ein Filmessay \u00fcber Heinrich Heine von Ioona Rauschan. Edition Biograph, 1997<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die sch\u00f6ne Strickerin<\/strong>, Novelle von Ioona Rauschan, Edition Biograph, D\u00fcsseldorf 1995. (Antiquarisch erh\u00e4ltlich).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/06\/09\/die-liaison-zwischen-text-und-publikum\/\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Ioona Rauschan findet sich hier<em>. <\/em>Das Live-H\u00f6rspiel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/10\/5-oder-die-elemente\/\"><em>5 oder die Elemente <\/em><\/a>wurde in der Regie von Ioona Rauschan mit Marion Haberstroh und Kai M\u00f6nnich im Gutenberg-Museum zu Mainz uraufgef\u00fchrt. <em>Se\u00f1ora Nada<\/em>, in der Regie von Ioona Rauschan, ist auf H\u00f6rbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\"><em>Gedichte<\/em> <\/a>erh\u00e4ltlich. Probeh\u00f6ren kann man das Monodram <em><a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a><\/em> in der Reihe MetaPhon.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 &#8222;Mein zweiter Name ist auch Sylvia\u201c, sagt Sarah Sylvia Sander, w\u00e4hrend sie in einem Erz\u00e4hlungsband von Sylvia Plath bl\u00e4ttert. Sie findet, sie habe mit der Plath, trotz des gleichen Vornamens, nichts gemeinsam. Nichts. 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