{"id":62489,"date":"2021-04-03T00:01:00","date_gmt":"2021-04-02T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62489"},"modified":"2022-03-03T09:37:44","modified_gmt":"2022-03-03T08:37:44","slug":"dezidierte-unbestimmtheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/03\/dezidierte-unbestimmtheit\/","title":{"rendered":"Dezidierte Unbestimmtheit"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Wissenschaft konvertiert zu einem allumfassenden Dogma, das behauptet, Organismen seien Algorithmen und Leben sei Datenverarbeitung.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Yuval Noah Harari<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div id=\"attachment_20097\" style=\"width: 152px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-image-20097 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"207\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Anja Roth<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni beherrscht die Kunst, Alltagsph\u00e4nomene zu <em>lesen<\/em> und Selbstverst\u00e4ndlichkeiten als Trivialmythen zu entlarven. Untersuchte Weigoni in den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12913\"><em>Zombies<\/em><\/a> die Pathologie einer ganzen Wirtschafts\u2013 und Gesellschaftsform, erkundet er in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=229\"><em>Cyberspasz<\/em><\/a> wie tief gepr\u00e4gt die globalisierte Menschheit vom kapitalistischen Gebaren ist. Seine Novellen haben einen eigenen, herben Ton. Meist bewirkt ihn die gl\u00fcckliche Verbindung von k\u00fchler Sachlichkeit und Herzlichkeit, von betonter Skepsis und spr\u00f6der Z\u00e4rtlichkeit. Sein Interesse gilt der Erforschung des Unbewu\u00dften der Gegenwart, den unausgesprochenen \u00c4ngste und heimlichen Begierden; und der Rolle, die deren Reflexion und Analyse in diesem Unbewussten spielt. Er kommt zur Erkenntnis, das Unterbewusstsein habe als verl\u00e4ssliche Gr\u00f6sse ausgedient. So lassen sich seine Novellen auf einer Achse zwischen den Polen Gewalt und Erkenntnis verorten. Sein zentrales Thema ist die Vertechnisierung der Sinne und die Versinnlichung der Technik. Dabei betreibt er eine Aufkl\u00e4rung gegen die Technikgl\u00e4ubigkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Es geht um die Differenz zwischen Selbsterm\u00e4chtigung und dem\u00fctiger Selbstverbesserung innerhalb des Sch\u00f6pfungsplans.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hypermodernen Menschen nehmen die Welt, in der sie st\u00e4ndig leben als gegeben hin, ohne sie doch jemals als solche wahrzunehmen. Unter der aufger\u00e4umten Oberfl\u00e4che wird ein rei\u00dfender Strom von Bedrohungen sp\u00fcrbar, diese Erz\u00e4hlungen und Novellen sind von fiebriger K\u00e4lte. Die geschilderten Typen k\u00f6nnen via Skype so viel kommunizieren, wie sie wollen, das In-der-Welt-Sein l\u00e4sst sich mit allen technischen Hilfsmitteln der Virtual Reality nicht wiederaufbauen. Seit der Pandemie haben sie zum ersten Mal in ihrem Leben realisiert, da\u00df ihre Identit\u00e4t wesenhaft an diese gemeinsam geteilte Welt gebunden ist, die sie nicht aus eigener Kraft wiederherzustellen verm\u00f6gen. Sie h\u00e4ngen von einer menschengemachten Infrastruktur aus Institutionen, R\u00e4umen und Geschichten ab, und die unheimliche Erfahrung dieser Ohnmacht war einschneidend. Diese Erfahrung des reinen Da-seins, des reinen Existierens.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Dieser Moment war f\u00fcr die &#8222;hypermodernen Menschen&#8220; kaum auszuhalten, sie sind alle zu Existenzialisten geworden, ob sie wollen oder nicht. Aber sie empfinden es als Last. Ein formloses Leben ist dem Untergang geweiht.<\/span> <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gute Geschichten st\u00e4rken die Immunabwehr des symbolischen Wesens, in welches sich die hypermodernen Menschen verwandelt haben. Das nackte Leben ist im 21. Jahrhundert kein Lebenszweck. Diese Typen versuchen stets das Beste aus sich und der Situation, in der sie gerade stecken zu machen, sie lernen und verbessern sich st\u00e4ndig. Ihr Verhalten ist nicht in Stein gemeisselt, sondern passt sich stets den Umst\u00e4nden an. Sie machen stets das Beste aus dem, was sie vorfinden, aus den Umst\u00e4nden, den Traditionen, den sozialen Beziehungen. Das turbokapitalistishe Ideal ist nicht ein quasig\u00f6ttliches Selbst, das sich ex nihilo selbst erschafft, sondern ein Menschenwesen, das in der vorgefundenen Sch\u00f6pfungsordnung m\u00f6glichst gut lebt. Der Kern seiner Ethik ist nicht die Selbsterschaffung, sondern die Selbststeigerung \u2013 die Selbstnobilitierung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von\u00a0A. J. Weigoni, Edition Das La\u00adbor, M\u00fclheim an der Ruhr 2010.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cyberspasz, a real virtuality<\/strong>, Novellen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2012.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermontage: Jesko Hagen<\/p><\/div>\r\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong><\/p>\r\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt zu den <em>Zombies<\/em> einen Artikel von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von Jo Wei\u00df von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/02\/18\/turbokapitalistischer-realismus\/\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>, Margaretha Schnarhelt kennt den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/18\/bissfest\/\">Ausgangspunkt<\/a> und Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt zu <em>Cyberspasz<\/em> Artikel von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a>, aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/09\/alles-klappt-in-ihrem-leben-doch-nichts-gluckt\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt-2\/\">fixpoetry<\/a>. Betty Davis sieht darin eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/26\/eine-ebenso-poetische-wie-praezise-geschichtsprosa\/\">pr\u00e4zise Geschichtsprosa<\/a>. Margaretha Schnarhelt erkennt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/30\/cyberzomb\/\">hybride Prosa<\/a>. Enrik Lauer deutet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/01\/der-cyberspace-als-wille-und-vorstellung\/\">Schopenhauer<\/a>s Nachwirken im Internet. In einem Essay betreibt KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\">dystopische Zukunftsforschung<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wissenschaft konvertiert zu einem allumfassenden Dogma, das behauptet, Organismen seien Algorithmen und Leben sei Datenverarbeitung. Yuval Noah Harari A.J. Weigoni beherrscht die Kunst, Alltagsph\u00e4nomene zu lesen und Selbstverst\u00e4ndlichkeiten als Trivialmythen zu entlarven. 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