{"id":62218,"date":"2021-02-06T00:01:00","date_gmt":"2021-02-05T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62218"},"modified":"2022-03-06T19:12:57","modified_gmt":"2022-03-06T18:12:57","slug":"frequenzband","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/02\/06\/frequenzband\/","title":{"rendered":"Frequenzband"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Charlotte dreht das Radio an, kurbelt an der Skala, sucht einen Sender und findet ein Chanson. Sie singen den Refrain &#8222;Je suis une femme fatale&#8220; aus vollem Hals mit und machen sich im Folgenden daran, im \u00c4ther der alliierten <em>Feindsender <\/em>\u00e4hnliche Titel zu suchen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Exzentrikerinnen des inneren Aufruhrs. Charlotte und Jane fahren in eine Stadt hinein, die nie ist, sondern wird. Sie erleben eine Migropole in einem fortw\u00e4hrenden Transformationsprozess, im Kollektivbewusstsein birgt sie Bilder, in denen das Neue stetig vom Alten durchdrungen ist. An der Banlieue markieren Eckpfeiler den alten Bebauungsplan, der durch die Migration \u00fcberformt wurde. Im historischen Stadtkern wurden auf Anweisung des Kultusministers Andr\u00e9 Malraux die Fassaden der alten Bauwerke gereinigt und alte Akzente im neuen Glanz gesetzt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Performanz. In Paris scheint es so zu sein wie in anderen St\u00e4dten auch, im Osten liegen die popul\u00e4ren Viertel, im Westen die feinen. Seit je war die menschliche Gesellschaft gespalten: in Besitzende und Besitzlose, M\u00e4chtige und Ohnm\u00e4chtige, Eliten und Mehrheiten. Immer neue Gr\u00fcnde fanden die Wenigen, um den Vielen Ungerechtigkeiten aufzuzwingen. Rasse, Religion, Sprache und Nationalit\u00e4t sind altbekannte Kriterien f\u00fcr eine Kategorisierung von Menschen. Diese Welt ist nicht zeichenhaft, sondern auf unerbittliche Weise real, nicht mehr zu \u00e4ndern; nurmehr zu ertragen. Ausbeutung beruht in dieser Gesellschaft darauf, sich zuerst selbst zum Subjekt der Ausbeutung zu machen. Die Grossst\u00e4dter haben verlernt, dass zur Liebe Treue und Nachsicht geh\u00f6ren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Scharade der M\u00f6glichkeiten. Kein Sinn. Keine Katharsis. Nicht einmal ein Hauch von Moral. Kein Halt, nirgends. Hypermoderne Menschen versuchen ihre Leerstelle mit chemischen Mitteln zu f\u00fcllen, und gleiten dabei noch tiefer in einen Strudel unkontrollierbarer Ereignisse hinab. Sie sind zwar am Leben, aber in Wahrheit haben sie l\u00e4ngst aufgegeben, Menschen zu sein. Ihnen ist dabei etwas elementar Humanes abhanden gekommen. Sex ist ihr Bet\u00e4ubungsmittel. Der Liebende ist kaum mehr Ich, bestenfalls eine Fiktion, eine Fantasie, er scheint kein feststehendes Subjekt zu sein, vielmehr eine Kombination verschiedener Posen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Repr\u00e4sentationskritik. Wer \u00fcber den Neologismus <em>Boulevardisation <\/em>nachdenkt, hat den Eindruck, es wird Richtung Sonnenuntergang heller, aber auch grauer. Ihre erste Stadtrundfahrt endet im Quartier <em>Ternes.<\/em><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62211\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Wortschau_Cover-724x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"256\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Paris ist nicht nur eine Reise wert, sondern gleich eine ganze Ausgabe der <em>Wortschau<\/em>, die KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/02\/17\/wortschau\/\">vorstellte<\/a>. Sie lesen \u00fcber die \u201eville lumi\u00e8re\u201c erhellendes von Monika Vasik, Annette Hagemann, Marion Hinz, Angelika Seite, Frank Norden, Dimitrij Gawrisch, Harald Kappel, Gundaga R\u00eapse, James Hopkins, David Oates, Kathrin Schadt, A.J. Weigoni, Ren\u00e9 Ullrich-G\u00e9rard, Mich\u00e8le Pauty,Werner Weimar-Mazur, Crauss, Jensen, Peter Ettl, Jo Bernard. Durch diese unterschiedlichen Beitr\u00e4ge leuchtet Paris in einem ganz eigenen Ton. Hier wurde das Licht der Aufkl\u00e4rung und des sozialen Fortschritts entz\u00fcndet, eine der ersten Universit\u00e4ten Europas gegr\u00fcndet, fanden politische, soziale, k\u00fcnstlerische Revolutionen statt, die noch heute die EU bestimmen. Als Stadt der Lichtmalerei reicht die fotografische Tradition zu den Urspr\u00fcngen dieser Kunst, in den Stra\u00dfen sind die ersten Fotodokumentationen von Eug\u00e8ne Atget entstanden. Diese Tradition wird fortgesetzt von der bildenden K\u00fcnstlerin Kathrin Niemala und dem Grafiker Thorsten Keller, die dieser Ausgabe eine ganz eigene Note verleihen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Charlotte dreht das Radio an, kurbelt an der Skala, sucht einen Sender und findet ein Chanson. 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