{"id":6210,"date":"2012-07-21T00:13:25","date_gmt":"2012-07-20T22:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6210"},"modified":"2019-01-19T17:06:27","modified_gmt":"2019-01-19T16:06:27","slug":"neue-vermarktungsformen-der-kunst-i-kunst-von-der-rolle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/21\/neue-vermarktungsformen-der-kunst-i-kunst-von-der-rolle\/","title":{"rendered":"M\u00f6glichkeiten der Vermarktung I  &#8211; Kunst von der Rolle"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolleP.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6212\" title=\"Plakat: Kunst von der Rolle, 1994\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolleP-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolleP-210x300.jpg 210w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolleP-716x1024.jpg 716w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolleP.jpg 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a>Wenn die Zeit reif ist, dann liegen die Ideen in der Luft, dann werden sie von verschiedenen Seiten aufgegriffen und realisiert. Seit Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Idee reif f\u00fcr neue, f\u00fcr andere Vermarktungsformen von Kunst. Sie sollte aus den hehren Galerien heraus, sollte, da der ber\u00fchmte Hunger nach Bildern abgeebbt war, auch dem einfachen B\u00fcrger k\u00e4uflich werden. Die Zeit der jungen Wilden war vorbei, die meisten nachz\u00fcglerischen Kunstspekulanten hatten sich verspekuliert, wieder einmal hatte die Kunst der Realwirtschaft etwas vorausgenommen: eine Kunstblase war entstanden, eine kunterbunte Seifenblase, die irgendwann platzen musste. W\u00e4hrend einige Wenige den gro\u00dfen Reibach gemacht hatten, mussten die Anderen die Zeche bezahlen und sa\u00dfen nun auf ihren mittelm\u00e4\u00dfigen Bildern, die keine Sau mehr interessierten. \u00dcbrig geblieben ist von diesen damals so hochgelobten Artisten kaum eine, kaum einer, die meisten vergessen. Die Museen hatten auch genug von dem Zeug und verlagerten diesen Kram leise, aber konsequent ins letzte Eckchen ihrer Archive und Depots, wo sie bis heute verrotten. Auch so k\u00f6nnen F\u00f6rdergelder aus Steuermitteln verschleudert werden.&nbsp; Sie schlugen die sch\u00e4bigfleckige Decke des Vergessens \u00fcber die zu dieser Zeit get\u00e4tigten teuren Fehlk\u00e4ufe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Viel Wind um nichts<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur die wenigen Kenner, die sich an die gro\u00dfen Namen gehalten hatten, an Richter, Penck, Immendorf, Baselitz, L\u00fcppertz, Polke, Trockel und Kiefer, k\u00f6nnen sich bis heute die H\u00e4nde reiben. Alles andere war Kunst aus zweiter Reihe. (Jetzt wird es wieder ein grollendes Aufmurren geben, man k\u00f6nne doch nicht die und den vergessen. Nein, das mache ich auch nicht, aber es gibt nun einmal zwei Seiten der Kunst, zum einen sie als solche, zum anderen den Kunstmarkt. Und der diktiert letztlich, was in die Museen kommt, wer nicht. Kein musealer Kurator hat den Mut oder die Kraft, unbekannte K\u00fcnstler auszustellen, auch wenn er sie noch so gut findet. Er oder sie wird sich immer auf den Markt verlassen, und der wird nun einmal bestimmt von Galerien und Sammlern, von Spekulanten und dem halbseidenen Treiben auf den gro\u00dfen Kunstmessen.) Wer kennt denn von Ihnen noch die damals gehypten Jungen Wilden, diese lustigen Farbenspritzer und Kleckerer, die viel Wind um wenig Inhalt machten? Endlich mal malen, was so gerade anstand, ohne nachzudenken. Das ist nicht gemein, wie jetzt vielleicht unterstellt werden k\u00f6nnte, diese K\u00fcnstler konnten selber nichts daf\u00fcr, man hatte sie einfach benutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Selbstvermarkungsstrategien?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele junge K\u00fcnstler hatten Anfang der neunziger einfach keine Lust mehr auf den willf\u00e4hrigen Umgang mit ihrem Werk und wollten eigenst\u00e4ndig werden, andere hatten ihre Galerien verloren und mussten selber auf die Beine kommen. Sie wussten damals wie heute, dass sie keine Chande auf dem Markt haben werden, solange jedenfalls, wie Sammler vor allem auf die m\u00f6glichen Wertsteigerungen achten, solange wie Privatmenschen lieber Kunstdrucke an den W\u00e4nden haben und das gesparte Geld lieber f\u00fcr neue Fernseher oder teure Schuhe ausgeben, die man nur eine Saison tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kunst und Spiel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Bad Godesberg gab es zum Beispiel zwischen 1988 und 1991 eine regelm\u00e4\u00dfige Zusammenkunft von Industriellen und Bundespolitikern. Man traf sich zum privaten Roulettespiel in einer privaten Wohnung, die Ums\u00e4tze waren beachtlich und nebenbei wurden auch Bilder verkauft, die ein junger K\u00fcnstler dort aufgeh\u00e4ngt hatte. Ein m\u00f6glicher Ansatz f\u00fcr Selbstvermarktung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Siegener Modell<\/strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6211\" title=\"Einladungskarte: Kunst von der Rolle 1994\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle1-300x154.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"154\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle1-300x154.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle1-1024x525.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einigen St\u00e4dten bildeten sich durch Zusammenschluss dieser etwas frustrierten Artisten sogenannte Kunstkaufh\u00e4user, in denen auch bekannte K\u00fcnstler unter anderen Pseudonymen ihre \u00e4sthetische Ware zum kleinen Preis feilboten. Exemplarisch soll eine m\u00f6gliche Entwicklung einmal anhand der idyllischen Provinzstadt Siegen erhellt werden. Dort hatte sich in den achtziger Jahren die Kunstabteilung der Universit\u00e4t m\u00fchsam einen kleinen Namen gemacht und irgendwann wollten die Studierenden ihr eigenes Ding drehen. Einer der Professoren (Daniel Hees) veranstaltete regelm\u00e4\u00dfig einmal im Monat ein gemeinsames Kochen. Er war der ganz vern\u00fcnftigen Meinung, dass ein K\u00fcnstler auch kochen k\u00f6nnen muss; schon allein deshalb, weil er oder sie es sich kaum leisten kann, ins Restaurant zu gehen. Es wurden regelm\u00e4\u00dfig neue Sachen ausprobiert, die \u00fcbrigens oft aber nicht immer gut schmeckten, sei es , weil die roten Linsen versalzen waren, sei es ,weil irgendjemand der Meinung war, dass man unbedingt Sardellen und viel Knoblauch ins Bulgur geben m\u00fcsse. Gut waren auf jeden Fall jedes Mal die zu trinkenden Weine, denn bei der Auswahl gab es immer ein wichtiges Kriterium, sie durften niemals billig schmecken. In solchen geselligen Runden werden oft sch\u00f6ne Ideen geboren, die man leider viel zu oft wieder vergisst. Dieses Mal hatte die Idee \u201eKunst von der Rolle\u201c zu verkaufen jedoch das unversch\u00e4mte Gl\u00fcck, dass jemand so einiges auf das Makulaturpapier geschrieben hatte, welches als Tischdecke diente. Beim Aufr\u00e4umen am n\u00e4chsten Tag wurden die Kritzeleien entdeckt, die Teilnehmer angesprochen. Man fand sich wieder zusammen, organisierte und entdeckte einen angemessenen Ort, die Villa Waldrich. Veranstaltet wurde dies offiziell als Ausstellung der Universit\u00e4t, bei der die Besucher tats\u00e4chlich Meterware Kunst von der Rolle kaufen konnten (Nele B\u00e4umer, Stephanie Wiebusch, Susanne Skalski, Ralf Gablik) andere K\u00fcnstler dachten die Idee weiter, ihre Rollenware wurde so gro\u00df, dass sie tats\u00e4chlich unverk\u00e4uflich war (Benno Derda, Thomas Kellner, Alexia Krauth\u00e4user, Haimo Hieronymus) oder es handelte sich um Videokunst (Barbara Steffen). Aber ein erster Schritt an den Kunstmarkt war getan. Einige der K\u00fcnstler hatten ihren ersten kommerziellen Erfolg. Tats\u00e4chlich, die Idee schlug Wurzeln und sollte sp\u00e4te Fr\u00fcchte tragen. Doch dazu in den folgenden Artikeln.<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle31.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6214 aligncenter\" title=\"1994_KunstvonderRolle3\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle31-1024x274.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"122\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle31-1024x274.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle31-300x80.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1994_KunstvonderRolle31.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23600\">Essay<\/a> \u00fcber den Wandel des Museums.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Zeit reif ist, dann liegen die Ideen in der Luft, dann werden sie von verschiedenen Seiten aufgegriffen und realisiert. 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