{"id":62078,"date":"2020-06-01T00:01:00","date_gmt":"2020-05-31T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62078"},"modified":"2021-04-02T11:02:26","modified_gmt":"2021-04-02T09:02:26","slug":"was-bitteschoen-ist-eigentlich-christlich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/01\/was-bitteschoen-ist-eigentlich-christlich\/","title":{"rendered":"Was, bittesch\u00f6n, ist eigentlich christlich?"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Inzwischen gehen die gelehrten Religionsdeuter davon aus, dass es rund 33.000 rechtlich eigenst\u00e4ndige christliche Religionsgemeinschaften oder Kirchen gibt. <\/em><\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Friedrich Wilhelm Graf, G\u00f6tter Global (2014)<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><br \/>Mitte des 14. Jahrhunderts schrieb Giovanni Boccaccio seine stilpr\u00e4gende Novellensammlung \u201eDas Dekameron\u201c, ein von charmantem Witz und Realismus gepr\u00e4gtes Meisterwerk der Renaissance. Darin enthalten ist eine kurze prosaische Erz\u00e4hlung, die gut 400 Jahre sp\u00e4ter Lessing zu seinem ber\u00fchmten Drama \u201eNathan der Weise\u201c inspirierte und in der deutschen Aufkl\u00e4rung geradezu zum Paradebeispiel f\u00fcr gelebte religi\u00f6se Toleranz und Aufgeschlossenheit wurde: die Ringparabel.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das, was Boccaccio im sp\u00e4tmittelalterlichen Florenz zu Papier brachte, war damals nicht weniger als heute alles andere als opportun, stellte er sich doch tats\u00e4chlich die ungeheuerliche Frage, welche der drei abrahamitischen Religionen der Vorrang geb\u00fchrt. In katholischen Ohren muss das wie blanke Blasphemie geklungen haben. Sein Verfasser: ein S\u00fcnder, Ketzer, eindeutiger Kandidat f\u00fcr Dantes Purgatorium. Den M\u00f6rdern des Messias den Vorrang einr\u00e4umen? Oder gar den gottlosen Schl\u00e4chtern aus den W\u00fcsten Arabiens? Und doch \u2013 Boccaccio nahm sich ganz unverfroren die Freiheit, an exponierter Stelle, in der dritten Geschichte des ersten Tags, ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Toleranz der verschiedenen monotheistischen Religionen untereinander zu halten, die wir heute so schmerzlich vermissen:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>\u201eJedes der V\u00f6lker glaubt seine Erbschaft, sein wahres Gesetz und seine Gebote zu haben, damit es sie befolge. Wer es aber wirklich hat, dar\u00fcber ist, wie \u00fcber die Ringe, die Frage noch unentschieden.\u201c<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Unentschieden bis heute. Weil nicht zu entscheiden. Sagt eine Minderheit, die sich selbst als religi\u00f6s tolerant und aufgekl\u00e4rt empfindet. Die \u00fcberwiegende Mehrzahl der rund 4 Milliarden Vertreter der drei monotheistischen Weltreligionen aber, und zumindest darin sind sie sich v\u00f6llig einig, widerspricht der Ansicht mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Entschiedenheit. Denn auch heute noch h\u00e4lt sie einzig das f\u00fcr wahr, woran jeweils <em>sie<\/em> glaubt. Es gibt f\u00fcr sie nur eine Wahrheit: <em>die eigene<\/em>. Alles andere als die eigene Sicht der Dinge ist H\u00e4resie. Blasphemie. Frevel. G\u00f6tzenkult. Und wie mit dem zu verfahren ist, der nicht dem rechten Pfad des Glaubens folgen will, ist dann letztlich immer nur eine Frage der jeweiligen Stimmungslage und Machtverh\u00e4ltnisse. Da reicht die Bandbreite von g\u00fctiger Gleichg\u00fcltigkeit bis hin zu blutr\u00fcnstiger Rache. Immer schon, seit Jahr und Tag.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Christentum. Judentum. Islam. Zu Boccaccios Zeiten war die Welt, zumindest was die Religionen betraf, noch halbwegs in Ordnung. Sicherlich, es gab auch damals schon Sunniten, Schiiten und Charidschiten, Katholiken, Orthodoxe und Kopten. Und auch im Judentum lagen sich diverse divergierende Str\u00f6mungen bisweilen in den Haaren. Aber alles in allem war es doch eine durchaus \u00fcberschaubare Situation mit recht klaren Fronten und Abgrenzungen. Geradezu paradiesische Zust\u00e4nde im Gegensatz zu heute. Insbesondere, was das Christentum betrifft:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">\u201eInzwischen gehen die gelehrten Religionsdeuter davon aus, dass es nun rund 33.000 rechtlich eigenst\u00e4ndige christliche Religionsgemeinschaften oder Kirchen gibt.&#8220;<\/span> <\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dreiunddrei\u00dfigtausend. Das, was Friedrich Wilhelm Graf hier beschreibt, ist nichts weniger als die vollst\u00e4ndige Fraktalisierung des Christentums in eine un\u00fcberschaubar gewordene Anzahl von \u201eChristent\u00fcmern\u201c. 33.000 christliche Religionsgemeinschaften, von denen im Zweifelsfall jedes einzelne Kirchenvolk \u201eseine Erbschaft, sein wahres Gesetz und seine Gebote zu haben\u201c glaubt, damit es von allen befolgt wird.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das g\u00e4be der Ringparabel nicht nur mathematisch gesehen eine mithin exponentielle Dimension, das wirft auch eine geradezu satirisch anmutende, grunds\u00e4tzliche Frage auf: Wovon reden wir hier eigentlich, wenn wir von \u201a<em>christlich\u2019<\/em> reden? Haben alle 33.000 tats\u00e4chlich eine gemeinsame oder zumindest konsensf\u00e4hige Vorstellung davon? Sind sich alle darin einig, was eine Kultur zu einer \u201a<em>christlichen\u2019<\/em> Kultur macht und welche Werte \u201a<em>christliche\u2019<\/em> Werte sind? Und was ist mit dem endzeitlichen Schreckensszenario, das derzeit auf s\u00e4chsischen Montagsdemonstrationen und diversen Wahlveranstaltungen deutschlandweit radikal-nationalistisch als \u201emuslimischer Migrationstsunami\u201c apostrophiert wird, dem unweigerlich der Untergang unserer abendl\u00e4ndischen Kultur und christlichen Werte folgen wird \u2013 Werte, von denen keiner so recht wei\u00df, um welche es sich eigentlich handelt?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201aBibeltreue\u2019 vielleicht, wie sie evangelikale Christen gerne predigen und damit nichts anderes meinen als <em>ihr<\/em> wortgetreues, streng konservatives Verst\u00e4ndnis der Bibel? Oder die Werte, die die Bergpredigt uns lehrt? Ist es allein der Glaube an Gott, aus dem sich alle anderen Werte ableiten? Sind es eher allgemeine Tugenden? Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, N\u00e4chstenliebe? Sind die christlichen Werte also wom\u00f6glich gar nicht origin\u00e4r christlich? Das w\u00fcrde zumindest die Ansicht des muslimischen CDU-Politiker B\u00fclent Arslan nahelegen: \u201eWenn man sich die Werte ansieht, die im CDU-Grundsatzprogramm enthalten sind, dann sind das alles Werte, die man als aufgekl\u00e4rter Muslim auch im Islam wieder finden kann: Gerechtigkeit, Freiheit, die Bedeutung der Familie.\u201c Christliche Werte in \u00dcbereinstimmung mit islamischen Werten? Der Koran also doch nicht menschenfeindlich? Was wohl Frau Steinbach entsetzt dazu twittern w\u00fcrde? Und was Ted Cruz, der Liebling der<em>Evangelikalen<\/em>und letzte Ausfahrt des republikanischen Establishments vor Donald Trump? Oder die erzkonservative, altkonfessionelle lutherische Bekenntniskirche, der auch die ehemalige Familienministerin Kristina Schr\u00f6der angeh\u00f6rt? Gibt es denn nicht wenigstens so etwas wie einen kleinsten gemeinsamen Nenner, einen verbindlichen Kanon christlicher Werte unter Kopten, griechisch-\/bulgarisch-\/serbisch-\/russisch-Orthodoxen, Syrisch-Katholischen, Maroniten, Thomaschristen, Evangelikalen, Kreationisten, Neo-Baptisten, Pfingstlern, Katholiken, Alt-Katholiken, Reformierten und Protestanten?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein. Gibt es nicht. Zumindest keinen mit Werten, die f\u00fcr sich allein beanspruchen k\u00f6nnen, als rein \u201a<em>christlich\u2019<\/em> zu gelten. Gerade, wenn man wei\u00df, dass der Islam, zumindest in seiner mekkanischen Phase, so Hamed Abdel-Samad, ganz ausdr\u00fccklich \u201edas friedliche Zusammensein mit Andersgl\u00e4ubigen\u201c betont. Ja, es kommt noch schlimmer, ist doch der Islam uns historisch gesehen deutlich n\u00e4her, als so manchem lieb sein d\u00fcrfte: Der Koran ist, nach Christoph Luxenberg, vermutlich ein dem Syro-Aram\u00e4ischen entlehnter Begriff, \u201a<em>qiryan\u2019<\/em>. Es bezeichnete, so Abdel-Samad, \u201edas Liturgiebuch &#8230;, das die syrischen Christen in der Kirche f\u00fcr ihre Gebete in Mohammeds Zeit benutzten\u201c. Und weiter vermutet Luxenberg in seiner korankritischen Analyse, dass eben dieser Koran sogar \u201echristliche Urspr\u00fcnge hat\u201c, die \u201esich aber im Laufe der Zeit entwickelt und verselbst\u00e4ndigt\u201c haben. So gesehen ist es kaum verwunderlich, dass die heilige Schrift des Islam Jesus, so Navid Kermani, \u201edas Wort Gottes\u201c nennt. Und nur <em>ihn<\/em>. Nicht aber Mohammed. Auch steht seine jungfr\u00e4uliche Geburt, die unbefleckte Empf\u00e4ngnis Marias, f\u00fcr den Moslem au\u00dfer Frage. Issa ben Maryam, Jesus, Sohn der Maria, ist nicht, wie der letzte aller Propheten, gezeugt, sondern allein das Ergebnis eines sch\u00f6pferischen Akts. Ein Imperativ Gottes: <em>Sei!<\/em> Der Sufismus schlie\u00dflich, die spirituell-mystische Str\u00f6mung innerhalb des Islam, geht sogar noch einen radikalen Schritt weiter. F\u00fcr sie ist Jesus Mensch, \u201eder zum \u201aruhullah\u2019 wurde, zum \u201aGeist Gottes\u2019, wohingegen Mohammed \u201arasulullah\u2019 blieb: \u201aGesandter Gottes\u2019, also von Gott unterschieden\u201c.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedarf also bereits die Signatur \u201achristlich\u2019 einer kritischen Bestandsaufnahme, so ist das bei der Zuschreibung \u201echristliches Abendland\u201c vollends der Fall. Denn was genau ist damit gemeint, wo doch unsere christliche Historie und Kultur selbst noch bis ins fr\u00fche Mittelalter eine in weiten Teilen morgenl\u00e4ndische war? Die Heimat der biblischen \u00dcberlieferung: Ur. Harran. \u00c4gypten. Kanaan. Babylon. Jud\u00e4a. Samaria. Augustinus, Sohn einer Berberin. Die \u00f6kumenischen Konzile der Alten Kirche, bis zum letzten 787 in Nic\u00e4a, fanden ausnahmslos in Kleinasien statt. Lange, bevor Rom zum unangefochtenen geistigen Zentrum des Christentums wurde, waren Alexandria, Antiochia und Konstantinopel der Ewigen Stadt darin mindestens ebenb\u00fcrtig. Armenien, 301 das erste Land, welches das Christentum zur Staatsreligion machte. Und heute noch gibt es von \u00c4thiopien \u00fcber Syrien bis zum Irak eine durchgehende christliche Tradition, die deutlich \u00e4lter ist als die Mitteleuropas.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufkl\u00e4rung und das Primat der Vernunft \u2013 ein abendl\u00e4ndisches Ph\u00e4nomen? Auch solch eine popul\u00e4re Lesart, die leider nicht ganz zutreffend ist. Bassam Tibi weist nicht ohne Grund darauf hin, dass zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert, beginnend mit Avicenna (Ibn Sina), geradezu ein \u201eislamischer Rationalismus\u201c geherrscht hat, der mit Averroes (Ibn Ruschd) in al-Andalus seine Bl\u00fcte fand. Eben dieser Ibn Ruschd ist der wesentliche Vermittler der aristotelischen Philosophie, ohne ihn w\u00e4re die gesamte Scholastik von Albertus Magnus \u00fcber Thomas von Aquin bis hin zu Wilhelm von Ockham und, in ihrer geisteshistorischen Konsequenz, auch die Aufkl\u00e4rung kaum denkbar. Diese geistige Bl\u00fcte des Islam fand ihr j\u00e4hes Ende erst \u201ein der Eroberung und Pl\u00fcnderung der Metropole Bagdad durch die Mongolen 1258\u201c (Ulrich Rebstock).<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201a<em>Sagen\u2019<\/em> und \u201a<em>Meinen\u2019<\/em> sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Darauf hat der englische Sprachphilosoph H.P. Grice aufmerksam gemacht. Wenn 33.000 Religionsgemeinschaften \u201achristlich\u2019 und \u201achristliche Werte\u2019 sagen, meinen sie noch lange nicht dasselbe. Und wenn auf den diversen Montagsdemonstrationen und in allabendlichen Talk-Shows xenophobe, ewiggleiche Blut und Boden geschw\u00e4ngerte Stereotypen skandiert werden und damit theatralisch der Untergang unserer \u201achristlichen\u2019 Kultur und Werte beschworen wird \u2013 was meinen diese selbsternannten Apologeten des Abendlands dann wohl damit? \u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bedeutung eines Wortes ist keine simple lexikalische Kategorie, sie ist \u201esein Gebrauch in der Sprache\u201c (L. Wittgenstein). Jede Gruppierung konstituiert so ihren eigenen Soziolekt. Auch diese. Und diese sogar ganz gezielt und intentional. Insbesondere bei solchen abendl\u00e4ndischen Kernbegriffen. Dabei geht sie in ihrem ganz und gar nicht herrschaftsfreien Diskurs im Sinne unserer unheiligen propagandistischen Tradition noch einen perfiden Schritt weiter: Sie versucht \u00fcber den redundanten und penetranten Gebrauch dieser Begrifflichkeiten den von ihnen definierten, streng konservativ konnotierten Bedeutungsgehalt als f\u00fcr alle verbindlich zu erkl\u00e4ren. \u201a<em>Christlich\u2019<\/em> w\u00e4re somit am Ende genau das, was Pegida und AfD damit meinen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur konsequent, dass die Damen Petry, von Storch, Schr\u00f6der und Steinbach in diesem sprachlichen Kontext ihr wertkonservatives Frauenbild zur verbindlichen deutschen Heilsperspektive zu verkl\u00e4ren versuchen. Und in ihrem \u00dcbereifer nicht wahrnehmen, dass sie damit dem Frauenbild eines moderat konservativen Islam weit n\u00e4her stehen als dem der aufgekl\u00e4rten, emanzipierten Gesellschaft des Westens. Aber das ist wieder ein anderes Thema&#8230;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong> von Stefan Oehm, KUNO 2020<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44273&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KUNO-e1505588144923.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Die <em>Essays <\/em>von Stefan Oehm auf KUNO kann man als eine Reihe von Versuchsanordnungen betrachten, sie sind undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er betrachtet diese Art des Textens als Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen gehen die gelehrten Religionsdeuter davon aus, dass es rund 33.000 rechtlich eigenst\u00e4ndige christliche Religionsgemeinschaften oder Kirchen gibt. Friedrich Wilhelm Graf, G\u00f6tter Global (2014) Mitte des 14. 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