{"id":62075,"date":"2016-01-06T00:01:42","date_gmt":"2016-01-05T23:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62075"},"modified":"2023-03-23T15:31:06","modified_gmt":"2023-03-23T14:31:06","slug":"ein-hoax","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/01\/06\/ein-hoax\/","title":{"rendered":"Ein Hoax?"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Das Wort <i>Hoax<\/i> ist zum ersten Mal 1796 belegt. Seine Herkunft ist nicht eindeutig nachgewiesen, es wird jedoch vermutet, dass es sich von <i>Hocus<\/i> ableitete, welches wiederum eine Verk\u00fcrzung von <i>Hocus Pocus<\/i> (\u201eHokuspokus\u201c) war. Fr\u00fche Beispiele f\u00fcr die Verwendung des Begriffs finden sich bei der Berichterstattung \u00fcber den Berners Street Hoax von 1810.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><br \/>Das Christentum ist in akuter Gefahr. Und damit wir, das christliche Abendland und mit ihm die christlichen Werte. Was wir derzeit erleben, ist eine \u201eV\u00f6lkerwanderung nach Europa\u201c. Eine \u201eFl\u00fcchtlingsinvasion\u201c, ein \u201emuslimischer Migrationstsunami\u201c. So dr\u00e4ut es bereits in den einschl\u00e4gigen, radikal-nationalistischen Foren und Blogs. Ganz offen, ganz aktuell. Und ganz ungeniert. Perfide setzt, so dort der Tenor, der Islam \u201ebei seinem dritten Versuch, das christliche Abendland zu okkupieren &#8230; die Waffen der mitleidserregenden Bilder\u201c ein, mit denen die deutsche Regierung und die \u201esie unterst\u00fctzenden, weitgehend gleichgeschalteten Medien\u201c nun systematisch die \u201edeutschen Gutmenschen durch monatelange Gehirnw\u00e4sche auf Empathie\u201c programmiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\">Es ist \u201edas Reptil Merkel\u201c, das den Deutschen \u201eden finalen migrantiven Todessto\u00df zu setzen\u201c versucht. Denn \u201edas Reptil besteht nur aus L\u00fcge und Grausamkeit, diese Kreatur hat nichts mehr mit einem Menschen zu tun.\u201c Und die in Griechenland gestrandeten Fl\u00fcchtlinge sind mitnichten Fl\u00fcchtlinge, sondern reine \u201eWohlstandsreisende\u201c. Sollten \u201edie Kinder der Reiseparasiten jetzt grausam zugrunde gehen, hat das unmenschliche Reptil (das) allein zu verantworten\u201c. Was ja fast schon wieder ein Gl\u00fcck f\u00fcr uns w\u00e4re, w\u00fcrden doch sonst \u201edie von Tillich und Merkel Hereingeholten &#8230; in der BRD vergewaltigen, Kinder sch\u00e4nden, rauben, morden und sich sonst mit Verbrechen die Zeit vertreiben\u201c.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\">Als w\u00e4re unsere \u201emigrantive Ausrottung\u201c nicht schon Unheil genug, erf\u00e4hrt man in diesen Foren und Blogs auch, wer eigentlich hinter der prognostizierten Abschaffung des Euro-Bargelds und der \u2013 in der Tat ja \u00e4u\u00dferst bedenklichen \u2013 Datensammelwut von Google, Amazon, Facebook &amp; Co., die diversen Geheimdienste von NSA \u00fcber GCHQ bis FSB nicht zu vergessen, steckt. Es werden hier alle Puzzleteile sorgsam in eins gef\u00fcgt und ein intentionaler, kausaler Zusammenhang hinterlegt. Wer hernach als zentrale, weltverschw\u00f6rerische Steuerungseinheit zur Ausl\u00f6schung unserer abendl\u00e4ndischen Kultur identifiziert wird? Man glaubt es kaum, es ist ein alter Bekannter: \u201edas internationale Finanzjudentum\u201c.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\">Der ewige Jude. Scheint einfach nicht totzukriegen zu sein. Und jetzt macht er auch noch gemeinsame Sache mit dem Muselmanen, der in dem gewaltigen muslimischen Migrationstsunami Europa flutet. V\u00f6llig klar, dass da \u201eanst\u00e4ndige, ethnische Deutsche\u201c ins Visier der Ermittlungsbeh\u00f6rden geraten m\u00fcssen, \u201enur weil sie \u00f6ffentlich die Holocaust-L\u00fcge entlarven\u201c. Aber es besteht Hoffnung, denn der \u201ebereits zum Untermenschen heruntergesch\u00e4ndete deutsche Mensch steht noch einmal auf\u201c. Und am Ende des Kampfes wird \u201edas k\u00fcnftige Deutsche Reich nur von ethnischen Deutschen und authentischen Europ\u00e4ern besiedelt werden\u201c.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\">Die Sozialpsychologie wei\u00df seit langem, dass T\u00e4ter auf ganz menschlich-allzumenschliche, intuitive Rechtfertigungsstrategien setzen, nach der sie, wie Steven Pinker sagt, sogar \u201e<em>ehrlich<\/em> an ihre Version der Geschichte (glauben), wonach sie das unschuldige, seit langem leidende Opfer\u201c sind. Dies ist hier nicht anders. Ja, es ist sogar geradezu der Prototyp dieses Argumentationsstereotyps: Der T\u00e4ter handelt in reiner Notwehr, die vermeintlichen Opfer entpuppen sich als die eigentlichen T\u00e4ter. Und damit, vice versa, die T\u00e4ter als die wahren Opfer. Durch diese Umkehrung der Verh\u00e4ltnisse wird in einer Art Befehlsnotstand vorauseilend alles gerechtfertigt, was folgen mag \u2013 alle Folgen haben demnach die Opfer, die als T\u00e4ter entlarvt wurden, zu verantworten. Selber schuld.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\">Durch die vollst\u00e4ndig gelungene Internalisierung dieses Argumentationsmusters, bis hinein in die tausendj\u00e4hrigen Begrifflichkeiten, glauben diese \u201aanst\u00e4ndigen Deutschen\u2019, v\u00f6llig unbelastet von jedem Selbstzweifel, ganz aufrichtig an die unumst\u00f6\u00dfliche, historische G\u00fcltigkeit ihrer Annahmen und Analysen. Fast schon notwendigerweise muss ihnen da jedwede gegenteilige Argumentation als schlagender Beweis f\u00fcr ihre Richtigkeit erscheinen. Eine perfekt gelungene Strategie und hermetisch geschlossene, monadische Denkstruktur: Es werden aus der Sicht des \u201aseit langem leidenden Opfers\u2019 streng monoperspektivisch nur noch die Fakten wahrgenommen, die genau in die eigene Argumentationskette passen. Ein konsistente Best\u00e4tigung der eigenen Position, Prognosen und Urteile ist die zwangsl\u00e4ufige Folge. Self-fullfilling prophecy der perfiden Art.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\">Wer sich jetzt leicht wohlig-schaudernd wie bei einem skandinavischen Sonntagabendkrimi im Zweiten zur\u00fccklehnt und meint, dies sei ein randst\u00e4ndiges Ph\u00e4nomen, das ihn nicht weiter betrifft, sollte sich seiner Sache nicht allzu sicher sein. Denn auch wenn hier Argumentationen und Begrifflichkeiten in einer Form auftreten, die zur G\u00e4nze in geradezu grotesker Weise mit den propagandistischen Argumentationen und Begrifflichkeiten eines Joseph Goebbels \u00fcbereinstimmen, hei\u00dft es durchaus nicht, dass es sie nicht auch sprachlich und argumentativ als gut vertr\u00e4gliche, leicht verdauliche und bildungsb\u00fcrgerlich h\u00fcbsch angerichtete Kost gibt.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\">Die Sorge der B\u00fcrger, die die Frage umtreibt, ob es denn die Sache wirklich wert sei, \u201edie Rettung von Menschen aus einem Kulturraum, der uns Christen und Mitteleurop\u00e4er traditionell verachtet oder gar hasst\u201c, in welcher Form auch immer weiter zu betreiben, wo dies letztlich aber doch nur \u201eUnfrieden, Gewalt und Kosten bringt und unsere Lebensqualit\u00e4t absenkt\u201c, muss ernst genommen, bedacht und bew\u00e4ltigt werden. Dringend, bevor es zu sp\u00e4t ist. Aber die vielen durchaus zu Recht besorgten und ver\u00e4ngstigten B\u00fcrger, die eine solche Frage seit Monaten immer dr\u00e4ngender umtreibt, sollten sich ihrerseits in einer ruhigen Minute, selbstkritisch und in aller Ernsthaftigkeit, einmal die Frage stellen, wie weit sie denn de facto noch von jenen v\u00f6lkischen Denkmustern entfernt sind.<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Menschen mit einer vorgefassten Meinung lassen sich fast nie von gegenteiligen Informationen \u00fcberzeugen. Fakten dringen nicht mehr zu ihnen durch \u2013 und sie interessieren viele Menschen auch nicht mehr.&#8220; <br \/><\/em>Es bleibt nur inst\u00e4ndig zu hoffen, dass der SWR-Intendant Peter Boudgoust mit dieser Ansicht voll umf\u00e4nglich unrecht hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Essays<\/strong> von Stefan Oehm, KUNO 2016<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44273&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KUNO-e1505588144923.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>Essays <\/em>von Stefan Oehm auf KUNO kann man als eine Reihe von Versuchsanordnungen betrachten, sie sind undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er betrachtet diese Art des Textens als Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192 <\/strong>In 2013 unternahm Constanze Schmidt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/gedankenspaziergaenge\/\"><em>Gedankenspazierg\u00e4nge<\/em><\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 Gleichfalls in 2013 versuchte KUNO mit Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/02\/mit-essays-licht-ins-dasein-bringen\/\">mehr Licht ins Dasein zu bringen<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>In 2003 stellte KUNO den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/01\/der-essay-als-versuchsanordnung\/\">Essay als Versuchsanordnung <\/a>vor.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort Hoax ist zum ersten Mal 1796 belegt. Seine Herkunft ist nicht eindeutig nachgewiesen, es wird jedoch vermutet, dass es sich von Hocus ableitete, welches wiederum eine Verk\u00fcrzung von Hocus Pocus (\u201eHokuspokus\u201c) war. Fr\u00fche Beispiele f\u00fcr die Verwendung des&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/01\/06\/ein-hoax\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":100363,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2074],"class_list":["post-62075","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-stefan-oehm"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62075","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62075"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62075\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104549,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62075\/revisions\/104549"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100363"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62075"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62075"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62075"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}