{"id":62007,"date":"2022-10-22T00:01:00","date_gmt":"2022-10-21T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62007"},"modified":"2022-02-23T09:01:05","modified_gmt":"2022-02-23T08:01:05","slug":"reale-virtualitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/22\/reale-virtualitaet\/","title":{"rendered":"Reale Virtualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Der moderne Flaneur sitzt vor dem Bildschirm. Ihn schl\u00e4gt nicht weniger als die Welt in ihren Bann. Bilder und W\u00f6rter halten ihn gefangen\u2026 Wie Goethes dichterisches Ich schlendert der Flaneur im Internet \u2019so f\u00fcr sich hin\u2018 und l\u00e4sst die Gedanken, die an diesem oder jenem Gegenstand h\u00e4ngenbleiben, schweifen; vor ihm er\u00f6ffnet sich eine Flut an Verkn\u00fcpfungen, die in Wellen wieder \u00fcber ihm zusammenschlagen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alain Claude Sulzer<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Novellen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34359\"><em>Cyberspasz, a real virtuality<\/em><\/a> setzt A.J. Weigoni die im Band <a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/literatur\/literatur\/rezensionen\/rezension_weigoni_zombies.php\">Zombies<\/a> begonnenen Erforschungen der Trivialmythen fort. Definierte dieser Romancier mit den <a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/theo-breuer-weigoni.htm\">Vignetten<\/a> die Literaturgattung Novelle neu und analysierte zugleich den Somnambulismus der Welt, so oszillieren diese Novellen zwischen dem mokanten Blick einer zuweilen herzlich boshaften Zeitgenossenschaft und der Ekstase einer ins Innere der Erscheinungen zielenden Sehnsucht, zwischen den Wonnen der Gew\u00f6hnlichkeit und ihrer argw\u00f6hnischen Begutachtung. Die \u201eunerh\u00f6rte Begebenheit\u201c ist nicht in jeder dieser Novellen felsenfest verankert, Weigonis Fingerspitzengef\u00fchl ist es, das Unerh\u00f6rte nahtlos in die Geschichte einzukitten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Steht das K\u00fcrzel WWW nicht l\u00e4ngst auch f\u00fcr World Wide War?<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dematerialisierung und sinnliche Erfahrung sind keine Gegens\u00e4tze mehr. Die Dystopie ist somit erschreckend nah an die Realit\u00e4t heranger\u00fcckt. Der Firnis unserer Zivilisation ist hauchd\u00fcnn in terrorisierten Gro\u00dfst\u00e4dten vegetieren verrohte Menschen. <em>Wir fressen einander nicht<\/em>, postulierte Georg Christoph Lichtenberg, <em>wir schlachten uns blo\u00df<\/em>. In \u00bbDer gro\u00dfe Wurf\u00ab liegt jenseits der Kompromisse und jenseits des Spiels von Ich\u2013Entw\u00fcrfen und den Problemen damit nur die Dystopie. W\u00e4hrend f\u00fcr das 20.\u00a0Jahrhundert der Abschied von Utopien konstatiert wurde, gilt f\u00fcr das 21.\u2009Jahrhundert das gleiche f\u00fcr Dystopien. Eine Kontrollgesellschaft braucht keine r\u00e4umlichen Arrangements. Das Subjekt mutiert zu einem <em>Superpanoptikum<\/em>. Die ersehnte Zuflucht existiert nur zum Schein; sie ist immer schon bedroht. Im 21. Jahrhundert haben wir es einerseits mit der Emanzipierung der Maschinen zu tun und andererseits mit der Neudefinition des Menschen, sp\u00e4testens wenn die Maschinen nicht nur schneller und ausdauernder und intelligenter sind, sondern auch so etwas wie einen eigenen Willen und eine kybernetische Seele aufweisen k\u00f6nnen, kurzum: die Sch\u00f6nheit des Irrationalen begreifen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Prekarier aller L\u00e4nder \u2013 verkabelt Euch!<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine neue Generation von Searchbots steht an, intelligente Agenten, die Verhaltensmuster in den Aktionen der Benutzer beobachten und auswerten; sie programmieren sich selbst. Je h\u00e4ufiger der Anwender einen lernf\u00e4higen Bot benutzt, desto besser kann der digitale Diener auf die Gewohnheiten und W\u00fcnsche seines Herrn eingehen. Dem Leser wird eine ganze Bandbreite der M\u00f6glichkeiten geboten, die naturgem\u00e4\u00df zahlreiche Gelegenheiten zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine bereitstellt. Das \u201edigitale Panoptikum\u201c kennt nicht nur unsere \u00e4u\u00dferen Lebensumst\u00e4nde, sondern kann direkt in unsere Seele blicken. Der Emanzipationsgedanke f\u00fcr die Maschine ist umso aktueller, als eine Position um den Hirnforscher Wolf Singer erahnen l\u00e4\u00dft, wie weit in dessen Vorstellungen der Mensch vornehmlich nach mechanischen Kriterien funktioniert und demzufolge als willensunfreie Maschine konditioniert ist. Die programmierte Maschine kann in einer solchen Sicht durchaus an einen programmierten Menschen erinnen.\u00a0Das Netz ist sowohl Emanzipationsmedium als auch Herrschaftsmedium.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das Morgen ist schon im Heute vorhanden, aber es maskiert sich als harmlos.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Robert Jungk<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Cyberspasz, a real virtuality<\/em> stellt die Frage nach einer Technik, die sich nicht mehr zwischen den Menschen und die Welt stellt, sondern zu einer in beide Richtungen durchl\u00e4ssigen Membran geworden ist. Weigoni stellt existenzielle Fragen nach dem Wesen der Wirklichkeit. <a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/literatur\/rezensionen\/buchkritik_weigoni_cyberspasz.php\"><em>Cyberspasz<\/em><\/a> spiegelt die entfesselten Welten des Digitalzeitalters. Der \u00b4virtual reality` zieht Weigoni in diesen Novellen die reale Virtualit\u00e4t der Poesie vor und pl\u00e4diert f\u00fcr die Ver\u00e4nderbarkeit der Welt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p align=\"center\">* * *<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Vor 10 Jahren erschien: <strong>Cyberspasz, a real virtuality<\/strong>, Novellen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2012.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermonatge: Jesko Hagen<\/p><\/div>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt Artikel von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a>, aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/09\/alles-klappt-in-ihrem-leben-doch-nichts-gluckt\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt-2\/\">fixpoetry<\/a>. Betty Davis sieht darin eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/26\/eine-ebenso-poetische-wie-praezise-geschichtsprosa\/\">pr\u00e4zise Geschichtsprosa<\/a>. Margaretha Schnarhelt erkennt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/30\/cyberzomb\/\">hybride Prosa<\/a>. Enrik Lauer deutet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/01\/der-cyberspace-als-wille-und-vorstellung\/\">Schopenhauer<\/a> im Internet. In einem Essay betreibt KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\">dystopische Zukunftsforschung<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n<\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der moderne Flaneur sitzt vor dem Bildschirm. Ihn schl\u00e4gt nicht weniger als die Welt in ihren Bann. 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