{"id":61829,"date":"2009-07-30T00:01:40","date_gmt":"2009-07-29T22:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=61829"},"modified":"2022-02-20T14:05:02","modified_gmt":"2022-02-20T13:05:02","slug":"begegnungen-mit-hilde-domin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/07\/30\/begegnungen-mit-hilde-domin\/","title":{"rendered":"Ich will dich \u2013 Begegnungen mit Hilde Domin"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein Dokumentarfilm | Sendung zum 100. Geburtstag<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 27. Juli w\u00e4re Hilde Domin 100 Jahre alt geworden. Zum runden Geburts\u00adtag strahlen WDR, SWR, 3sat und RBB derzeit einen Doku\u00admentar\u00adfilm aus, der die bei Drehbeginn 95j\u00e4hrige auf poetische, sehr pers\u00f6nliche und unkonventionelle Weise n\u00e4her bringt. Gezeigt wird ein sensibles Portrait auf Augenh\u00f6he, das sich von der Bedeutung der gro\u00dfen Dichterin ber\u00fchren, nicht aber zu vorder\u00adgr\u00fcndiger Ver\u00adneigung verf\u00fchren l\u00e4sst. Gedreht wurde es von Anna Ditges, einer 1978 geborenen Filme\u00admacherin, die in den Jahren 2004 bis 2007 an dem Projekt gearbeitet hat. Dies zun\u00e4chst aus eigenem Antrieb und ohne technische oder finanzielle Unter\u00adst\u00fctzung durch Fern\u00adsehanstalten. Anna Ditges sei, wie man auf der informativen <a href=\"http:\/\/www.ichwilldich-derfilm.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Film-Homepage<\/a> erf\u00e4hrt, in einer Buch\u00adhandlung zuf\u00e4llig auf Domins Gedicht\u00adband \u201eNur eine Rose als St\u00fctze\u201c gesto\u00dfen. Dieser habe so nachhaltig auf sie gewirkt, dass der Entschluss gereift sei, Kontakt mit der Dichte\u00adrin aufzunehmen, um diese in ihrer Heidelberger Wohnung f\u00fcr Filmaufnahmen zu besuchen. Die, laut Presse\u00admappe, von Journalisten als unzug\u00e4nglich und arrogant gef\u00fcrchtete Grande Dame der deutschen Nach\u00adkriegs\u00adliteratur, sei der unbekannten Film\u00adschaf\u00adfenden schon beim ersten Kennenlernen neugierig, vertrauens\u00advoll und mit gro\u00dfem Wohlwollen begegnet. \u00dcber einen Zeitraum von zwei Jahren sei w\u00e4hrend regelm\u00e4\u00dfiger Aufenthalte in Heidelberg sowie gemeinsamer Urlaubs- und Lesereisen, etwa 130 Stunden Filmm\u00adaterial belichtet worden. Dieses spiegele das 20. Jahrhundert in den Lebens\u00aderinnerungen der Dichterin wieder und konserviere gleich\u00adzeitig deren Alltag der letzten Jahre authentisch und ohne Weichzeichner: <em>Es fehlen die \u00fcblichen gl\u00e4ttenden Bilder. Anna Ditges hat einen sehr eigen\u00adwilligen Blick, eine ausgepr\u00e4gte drama\u00adturgische Intuition, und sie hat sich auf das beschr\u00e4nkt, worauf es ihr ankommt: die Domin. Da gibt es keine Ablen\u00adkung, keine harmo\u00adnisierenden Zwischen\u00adschnitte. Der Film ist gewisser\u00adma\u00dfen jenseits aller Regeln ent\u00adstanden<\/em>\u201c, kommentiert Felix Kuballa, selbst Autor zahl\u00adreicher TV-Doku\u00admen\u00adtationen und drei\u00adfacher Grimme-Preis\u00adtr\u00e4ger, die Arbeit der jungen Kollegin. Er hat die Film\u00adentstehung als feder\u00adf\u00fchrender WDR-Redakteur in der letzten Phase des Projektes begleitet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em>Intensit\u00e4t und Wirklichkeit<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich will dich<\/em> ist ein Film, der durch seine sensitive, famili\u00e4re Sichtweise fasziniert. Wahrscheinlich h\u00e4tte auch eine Enkelin oder Urenkelin Hilde Domin in atmosph\u00e4risch \u00e4hnlichen Bildern festgehalten. Enkelkinder gibt es jedoch nicht, da die Dichterin und ihr 1988 verstorbener Ehemann Erwin Walter Palm kinderlos blieben. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr erf\u00e4hrt man im Film. Ebenso die Antwort auf die, zun\u00e4chst respektlos erscheinende Frage, ob Palm ein guter Liebhaber gewesen sei. Sie ist Ausdruck und Beleg f\u00fcr das besondere Vertrauensverh\u00e4ltnis, das w\u00e4hrend der Dreh\u00adarbeiten zwischen Hilde Domin und Anna Ditges gewachsen ist. Dies war m\u00f6glich, weil Ditges alleine gearbeitet hat und bei Ihren Besuchen in Heidelberg wie eine Familien\u00adangeh\u00f6rige in der Wohnung der Dichterin lebte. Nichts wurde arrangiert oder f\u00fcr ein perfektes Bild gesch\u00f6nt. Selbst kleine Missgeschicke, die andernorts der Schere zum Opfer gefallen w\u00e4ren, blieben erhalten und stehen so f\u00fcr Intensit\u00e4t und Wirk\u00adlichkeit. Die entstandene Bindung zwischen Domin und Ditges war allerdings, das sp\u00fcrt man im Filmverlauf immer wieder, auch deshalb m\u00f6glich, weil selbst eine so angesehene Schrift\u00adstellerin wie Hilde Domin, seit dem Tod ihres Ehe\u00admannes und mit fort\u00adschrei\u00adtendem Alter, immer einsamer wurde. Die junge Filme\u00admacherin war eine er\u00adfri\u00adschende Abwechslung, in den ansonsten von Einsamkeit bestimmten letzten Lebens\u00adjahren. Die Besuche von Ditges, so scheint es, waren f\u00fcr Hilde Domin wie Besuche eines lange vermissten Enkelkindes. F\u00fcr dessen Anwesen\u00adheit nahm die Literatin auch die gelegent\u00adlich als aufdringlich empfundene Beobachtung durch die Kamera auf sich. Hilde Domin hat Anna Ditges vermutlich unbewusst als Quasi-Enkelin gesehen. Die Dreharbeiten fanden dadurch in einer Atmosph\u00e4re statt, die Spannung aus Offenheit und Anspannung aus Differenzen bezieht, die sich zuweilen aus Offenheit ergeben. Stille Melancholie durchzieht den Film dabei ebenso, wie die in der Wohnung der Dichterin allgegenw\u00e4rtigen Rosen. Hilde Domin, die am 22. Februar 2006 starb, geht in dieser beeindruckenden Dokumentation auch als Mensch unter die Haut.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sendetermine:<br \/>30.7.2009, 23:45 Uhr im SWR<br \/>30.7.2009, 22:50 Uhr im RBB<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=28066&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Andreas-Noga.jpeg\" alt=\"\" width=\"159\" height=\"234\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Qualit\u00e4t von Andreas Noga als Lyriker und Performer lesen sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/15\/bewegung-ins-offene\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO widmet dem Gedicht auch in diesem Jahr den genauen Blick, das aufmerksame, geduldige, ins Denken gedrehte Lesen und Wiederlesen, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Ein Dokumentarfilm | Sendung zum 100. 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