{"id":61781,"date":"2016-10-28T00:01:00","date_gmt":"2016-10-27T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=61781"},"modified":"2022-02-23T12:01:25","modified_gmt":"2022-02-23T11:01:25","slug":"von-den-massgaben-der-theorie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/10\/28\/von-den-massgaben-der-theorie\/","title":{"rendered":"Von den Ma\u00dfgaben der Theorie"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Claas Morgenroths \u201eLiteraturtheorie\u201c, Karl Wagners \u201eModerne Erz\u00e4hltheorie\u201c und Bernd Stieglers \u201eTheorien der Literatur- und Kulturwissenschaften\u201c geben \u00dcberblick und Hintergrund<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Wissenschaft ist es wie mit einem gelungenem Interview, einem gr\u00fcndlich recherchierten Artikel: Es ist grunds\u00e4tzlich gut, im Speziellen auch den Hauch eines breiter angelegten Hintergrunds nicht verleugnen zu m\u00fcssen. In den urspr\u00fcnglichen Magisterstudieng\u00e4ngen der deutschen respektive europ\u00e4ischen philosophischen Fakult\u00e4ten war dieses Relikt universaler Bildung in einer sch\u00f6nen Kurve geronnen \u2013 der Geistes-, Kultur- beziehungsweise philologische Wissenschaftler als umfassend aufgestellte intellektuelle Person, als Pers\u00f6nlichkeit des akademischen wie wirklichen Lebens, die noch das alte Ideal vermittelte und festigte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hat sich im Zuge der Vereinheitlichung und der daraus folgenden, vor allem f\u00fcr den Kanon der philosophischen F\u00e4cher prek\u00e4ren Vereinzelung ge\u00e4ndert. Wen es nun universal gel\u00fcstet, der studiert wenigstens doppelt. \u00dcberblick ist gefragt, und im Zuge der Semesterwochenstunden-Ballung nach M\u00f6glichkeit auf schnelle und stringente Weise. Da ist es gut, bew\u00e4hrte Standartwerke und solche, die eben den Vorteil einer fixen Hintergrundbildung erm\u00f6glichen, bei der Hand zu haben. Um eben solche Kompendien handelt es sich bei Claas Morgenroths <em>Literaturtheorie<\/em>, Bernd Stieglers <em>Theorien der Literatur- und Kulturwissenschaften<\/em> sowie Karl Wagners Anthologie <em>Moderne Erz\u00e4hltheorie<\/em>, die mittlerweile in einer zweiten, erweiterten und aktualisierten Ausgabe vorliegt und Stimmen zum Thema sammelt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztere ist dabei das am einfachsten strukturierte Buch. Gro\u00dfe Vertreter der Literatur und der Erz\u00e4hlwissenschaft kommen, stratigrafisch geordnet von Henry James bis Antonia S. Byatt, zu Wort, eruieren ihren Blick auf die Felder des Narrativen wie der Narratologie \u2013 ihre Ausf\u00fchrungen sind im besten Sinne Heranf\u00fchrungen an das Wesen des Erz\u00e4hlens und des \u2013 inneren wie empirischen \u2013 Nachdenkens dar\u00fcber. Wagner bezeichnet die Auswahl als \u201everzwickt einfach\u201c. Gro\u00dfe Stimmen kommen dabei zu Geh\u00f6r: die Erz\u00e4hlerneuerin Ilse Aichinger, Jorge Luis Borges, Alfred D\u00f6blin, die Denkerneuerer Roland Barthes und Theodor W. Adorno. Entstanden ist ein aufschlussreiches Kompendium, wie sich die Narratologie zu einer ernsthaften Wissenschaft entwickelte und sich die Herangehensweisen um das 20. Jahrhundert \u00e4nderten. Ein sch\u00f6ner Stichwort- und Zitatgeber f\u00fcr die einschl\u00e4gige Aufsatzkultur zum Metier zumal.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Einf\u00fchrung in die Literaturtheorie bietet das gleichnamige Werk von Claas Morgenroth. Die literaturtheoretischen Erw\u00e4gungen seit Platon und Aristoteles bis zu den Gender Studies werden in zehn Gro\u00dfkapiteln referiert und gegeneinandergestellt. Dass sich angesichts der h\u00f6chst unterschiedlichen Denk- und Forschungsans\u00e4tze sowohl ungeahnte Einkl\u00e4nge wie auch harsche Konkurrenzen und Dissonanzen ergeben, wird triftig gezeigt und in der jeweiligen Untersuchungsrichtung gedeutet. Die weite F\u00e4cherung beweist dabei zugleich die immanente Schwierigkeit, sich einer Kunst wie der Literatur mit wissenschaftlichen Mitteln zu n\u00e4hern. Die Vielzahl der Blicke indes kann man auch als Versuch einer zunehmend sich verdichtenden, wenngleich nie zu Ende kommenden Quadratur des Kreises auffassen: Die Irratio, die jedem Kunstwerk unweigerlich innewohnt, jener r\u00e4tselhafte Rest wird in immer feinerer N\u00e4herung umschlungen, ohne ihn je ganz auszudeuten. Die Vehemenz dieser Ann\u00e4herung ist, wie das Buch zeigt, tief und beeindruckend.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch etwas knapper, daf\u00fcr umso reicher mit Beispielen und Vignetten ausgestattet, kommt Bernd Stieglers <em>Theorien der Literatur- und Kulturwissenschaften<\/em> daher. Das Buch ist die Verschriftlichung einer dreizehnteiligen Vorlesung zum Thema; es arbeitet mit Abbildungen, Referenztexten, zugleich sp\u00fcrt man dem Werk noch ein Verhallen m\u00fcndlicher Darbietung nach, was es in gewisser Hinsicht lebendiger und als Einf\u00fchrung nachgerade ideal macht. Am Beispiel der gro\u00dfen Denker der Neuzeit wird ein \u00dcberblick gegeben, wie sich die Geisteslehren \u00fcber die Jahrhunderte und Jahrzehnte ihrem jeweiligen Gegenstand n\u00e4hern. F\u00fcr ein einf\u00fchrendes Studium der Materie ist es sicherlich das empfehlenswerteste und vollst\u00e4ndigste Buch. Alle drei Werke liegen in erschwinglichen Broschuren vor.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-61784\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Cover.jpeg\" alt=\"\" width=\"135\" height=\"194\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Cover.jpeg 270w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Cover-209x300.jpeg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Cover-260x373.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Cover-160x229.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 135px) 100vw, 135px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Literaturtheorie<\/strong>. Eine Einf\u00fchrung von Claas Morgenroth. <br \/>UTB f\u00fcr Wissenschaft, Stuttgart 2016.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch das KUNO-Portr\u00e4t des Lyrikers\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel.<\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claas Morgenroths \u201eLiteraturtheorie\u201c, Karl Wagners \u201eModerne Erz\u00e4hltheorie\u201c und Bernd Stieglers \u201eTheorien der Literatur- und Kulturwissenschaften\u201c geben \u00dcberblick und Hintergrund &nbsp; Mit der Wissenschaft ist es wie mit einem gelungenem Interview, einem gr\u00fcndlich recherchierten Artikel: Es ist grunds\u00e4tzlich gut, im Speziellen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/10\/28\/von-den-massgaben-der-theorie\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":99806,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[794,2450],"class_list":["post-61781","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-andre-schinkel","tag-claas-morgenroth"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61781","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61781"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61781\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99843,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61781\/revisions\/99843"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99806"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}