{"id":61750,"date":"2020-03-29T00:01:00","date_gmt":"2020-03-28T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=61750"},"modified":"2021-01-17T16:13:03","modified_gmt":"2021-01-17T15:13:03","slug":"ein-museum-wird-35","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/03\/29\/ein-museum-wird-35\/","title":{"rendered":"Ein Museum wird 35"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Das Museum f\u00fcr Fotokopie (M.F.F.) widmet sich der Geschichte der Fotokopie und der Copy Art. Es ist Mitbegr\u00fcnder des seit 2013 vom gleichnamigen Verein betriebenen Makroscope \u2013 Zentrum f\u00fcr Kunst und Technik, welches sich gegen\u00fcber vom Rathausturm im Zentrum der M\u00fclheimer Innenstadt befindet. Im Makroscope finden regelm\u00e4\u00dfig Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Vortr\u00e4ge und Workshops statt. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Synergien zwischen Technik und Kunst sichtbar zu machen und zu vermitteln.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Damals, als die Fotokopierer die alten B\u00fcro-Vervielf\u00e4ltiger abl\u00f6sten, hatten sicher viele B\u00fcroangestellte klammheimlich einmal die Hand, das Gesicht oder gar das Hinterteil \u00fcber die Glasscheibe gehalten und den Knopf gedr\u00fcckt: \u201e<em>This is a delicate piece of machinery <\/em>&#8230;\u201c ermahnte Ned, der Xerox-Mitarbeiter in der Kultserie \u201eMad Men\u201c (Staffel 2\/Folge 1) die verdutzte Peggy. \u201e&#8230;<em>you don&#8217;t bang on the buttons, you don&#8217;t sit on the glass. If you want it to work, you got to treat it with respect!<\/em>\u201c. F\u00fcr die in den Sixties spielende Serie hatte man den ersten Kopierautomaten \u201eXerox 914\u201c von 1960 ins Studio geholt. Xerox 914, das ist der Urahn aller heutigen Laserkopierer- und -Drucker. Und schon 1961 beim allerersten TV-Werbespot f\u00fcr diesen Kopierer hatte Klein-Debbie, die das kinderleichte Fotokopieren demonstrieren sollte, spontan ihre Puppe auf das Vorlagenglas gelegt und xerokopiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute dagegen, wo in vielen Haushalten ein Multifunktions-Ger\u00e4t steht und vorwiegend als Drucker, aber auch als Kopierer, Scanner oder Fax dient, wissen viele Besitzer rein gar nichts von den \u201eau\u00dferplanm\u00e4\u00dfigen\u201c M\u00f6glichkeiten dieser n\u00fctzlichen Gadgets.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass aber diese, und die vielen andere Geschichten aus der B\u00fcrokultur nicht vergessen werden, daf\u00fcr sorgt seit nunmehr 35 Jahren der Copy-K\u00fcnstler Klaus Urbons in M\u00fclheim an der Ruhr. \u201eXerolore \u2013 die heimliche spontane Nutzung der Fotokopierer macht zwar nur einen recht kleinen Teil des Archivs aus,\u201c sagt der Museumsgr\u00fcnder \u201esie ist aber trotzdem wichtig, denn auch etliche K\u00fcnstler*innen begannen in den sechziger Jahren mit den ersten Kopierautomaten zu experimentieren und deren Gestaltungsspielraum zu untersuchen. Beispielsweise der K\u00fcnstler \/ Designer Bruno Munari in Mailand. Neben Joseph Beuys, Anna und Bernhard Blume, Helen Chadwick, Pati Hill, David Hockney, Lieve Prins, Sigmar Polke, Sonia Sheridan, Wolfgang Tilmanns, Timm Ulrichs und Andy Warhol, gab und gibt es eine ganze Reihe weniger bekannter, aber nicht weniger guter K\u00fcnstler*innen, die sich der Copy Art zumindest f\u00fcr einige Zeit intensiv widmeten. \u201eDieser Teil der Kunst- und Medienge- schichte wird noch immer eher stiefm\u00fctterlich behandelt,\u201c erkl\u00e4rt Urbons, \u201edas hat auch mit dem negativen Image von Kopien zu tun. Damit tut sich der kommerzielle Kunstbetrieb recht schwer. Der Witz ist, dass K\u00fcnstler*innen mit dem Kopierer Originale produzieren, die tats\u00e4chlich Unikate sind.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Museum f\u00fcr Fotokopie (M.F.F.) sammelt seit seiner Er\u00f6ffnung am 29.3.1985 Copy Art, und ebenso die Tools: die Kopierger\u00e4te und Kopiermaterialien. Es erforscht zudem die Geschichte der beiden Bereiche. An die tausend Kunstwerke und rund 150 Kopierer sind da- bei zusammen gekommen. Vier B\u00fccher \u00fcber die im Museums geleistete Forschung- und Vermittlungsarbeit wurden bisher publiziert: 1991 Copy Art \u2013 Kunst &amp; Design mit dem Foto- kopierer; 1994 Elektrografie \u2013 Analoge und digitale Bilder (beide bei DuMont); 2016 Edith Werde \u2013 wie eine Erfinderin aus dem Rheinland die Welt ver\u00e4nderte (Edition Makroscope); 2018 Magie der Kopie \u2013 Chester F. Carlson und die Xerografie (dt.\/engl. Edition Makro- scope bei Amazon); 2020 erscheint: Von der analogen Kopie zum digitalen Workflow \u2013 Geschichten eines Wandels in Technik und Kunst (Edition Makroscope).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinsam mit Jan Ehlen, Jerome Kr\u00fcger und Gabriele Klages gr\u00fcndete Urbons 2014 das \u201eMakroscope\u201c (makroscope.eu) als Zentrum f\u00fcr Kunst und Technik in M\u00fclheim. Nach einem jahrelangen Dornr\u00f6schenschlaf ohne eigene R\u00e4ume konnte dort, auch dank verschiedener F\u00f6rderungen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), der Leonard-Stinnes-Stiftung und des Investitionsfonds der Bezirks-Regierung D\u00fcsseldorf, die \u00f6ffentliche Museumsarbeit wieder aufgenommen und auf eine neue Ebene gebracht werden. Die Neuausrichtung der weltweit einmaligen Sammlung des M.F.F. manifestiert sich in enger Verbundenheit mit anderen Gewerken im geschichtstr\u00e4chtigen Makroscope-Haus, das seit 2018 Eigentum des gleich- namigen Vereins ist. Gebaut als Hotel Terminus, dann Stadtb\u00fccherei und Nazi-Hauptquartier und schlie\u00dflich Schreibwarengesch\u00e4ft, beherbergt das Haus heute Ateliers, K\u00fcnstlerwoh- nungen sowie Veranstaltungs- und Prober\u00e4ume. Im Museum finden regelm\u00e4\u00dfig Vortr\u00e4ge, Workshops und Ausstellungen statt. Seit 2018 ist Mari Lena Rapprich als Kuratorin und K\u00fcnstlerin in unterschiedlichen Projekten und Ausstellungskonzepten mit an Bord. Ziel des Museums ist es, die Kunst- und Technikgeschichte stets mit aktuellen Inhalten zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So widmete man sich 2016 der Erfinderin Edith Weyde, die 1938 bei Agfa in Leverkusen das erste erfolgreiche der modernen Kopierverfahren entwickelt hatte. Agfa Copyrapid, besser bekannt als \u201eBlitzkopie\u201c war ein unglaublicher Welterfolg. Edith Weydes Erfindung bildete \u00fcbrigens auch die Grundlage f\u00fcr Edwin H. Lands Polaroid Sofortbildverfahren. Das erste Buch \u00fcber das weitgehend unbekannte Leben und Werk der Edith Weyde erschien in der eigens gegr\u00fcndeten Edition Makroscope im Rahmen des Shiny Toys-Festivals (shinytoys.eu). Zur Ausstellung steuerte \u201eDoc\u201c Florian Kaps, Mitbegr\u00fcnder der Polaroid-Re-birthFirma Impossible ein gro\u00dfformatiges Test-Polaroid bei, und auch die erste Polaroid- so- wie die erste Impossible-Kamera wurden zusammen mit Polaroid-Kunst pr\u00e4sentiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 2018 fand eine gro\u00dfe internationale Copy Art-Ausstellung in der CEPA Gallery in Buffalo\/NY statt, bei der Urbons als Kurator und das M.F.F. als Leihgeber mitwirkte. Unter dem Titel \u201eFast, Cheap &amp; Easy &#8211; the Copy Art Revolution\u201c versammelte diese Ausstellung die Werke von mehr als 100 K\u00fcnstler*innen von den Sechzigern bis in die Gegenwart. Der stilecht per Kopierer produzierte Katalog kann weiterhin kostenlos <a href=\"http:\/\/copymuseum.de\/media\/CEPA_FCE_PRINT_SM.pdf\">heruntergeladen<\/a> werden<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des Jubil\u00e4umsjahres am 29.3.2020 wird das Museum eine neue eigene Webpr\u00e4senz bekommen. Diese soll den Einblick in die derzeit laufende, erstmalige Digitalisierung der Kunst- und Technik-Sammlung sowie die internationale Zug\u00e4nglichkeit in deutscher und englischer Sprache erm\u00f6glichen. Und kurz darauf, am 23.4.2020, wird ein weiteres, vom LVR gef\u00f6rdertes Buch ver\u00f6ffentlicht: \u201eVon der analogen Kopie zum digitalen Workflow\u201c. Urbons liefert hierin eine Dokumentation der fast vergessenen Geschichte der modernen B\u00fcrokopie, aus globalen und lokalen Blickwinkeln betrachtet. Wie in jeder Publikation spielt auch hier die Kunst eine wichtige Rolle. Besonderes Highlight: Die \u201eGlobal-Art-Fusion\u201c von 1985, eine Gemeinschaftsaktion via Faxger\u00e4t von Beuys in D\u00fcsseldorf, Higashiyama in Tokyo und Warhol in New York, initiiert von dem Schweizer K\u00fcnstler Ueli Fuchser.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im M.F.F. wurden und werden neue Formate entwickelt, zum Beispiel der Tattoo-Brunch im Rahmen der \u201eKind of Copy\u201c getauften Ausstellungsreihe, bei der das Augenmerk auf dem Kohlepapier lag. Wer denkt, dass dieses kaum noch gebraucht wird, irrt sich gewaltig. Tattoo-K\u00fcnstler nutzen die \u201eCarbon Papers\u201c, um ihre Entw\u00fcrfe auf die Haut zu \u00fcbertragen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits zum zweiten Mal erschien die \u201eM.F.F. Edition\u201c, eine Box mit Copy Art-Originalen zur F\u00f6rderung der Museumsarbeit. J\u00fcrgen O. Olbrich aus Kassel nutzte in der aktuellen Edition \u201eOn Hands On\u201c Papiere mit gepr\u00e4gter Blindenschrift. Dadurch wurde jedes Blatt zum Original, obwohl der alte OKI einfach \u201enur\u201c kopierte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Urbons h\u00e4lt Experimental-Vortr\u00e4ge zur Kunst, Geschichte und Kultur der Kopie, bastelte etliche Videos f\u00fcr Vimeo &amp; YouTube und bietet gemeinsam mit Gabriele Klages und Mari Lena Rapprich Workshops und Kurse zu verschiedenen Copy-Themen an. F\u00fcr Besuche ist das Museum donnerstags von 16 bis 19 Uhr sowie auf Verabredung zug\u00e4nglich. Der Eintritt ist frei.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuelle Informationen ab heute online auf\u00a0<a href=\"http:\/\/museum-fotokopie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">museum-fotokopie.de<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>The Magic of Copies<\/strong>: Chester F. Carlson and the Invention of Xerography Paperback \u2013 2018<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=7000&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Chester-F.-Carlson_Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"250\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Blitzkopie: Ausz\u00fcge aus einem <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_QgH653mvQY\">Interview<\/a> mit Dr. Edith Weyde 1988<br \/>Das kleine Helferlein &#8211; <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/clips\/helferlein.mp3\">H\u00f6rfilm<\/a> auf MetaPhon<br \/>Xerografie: Erstes <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GeKf2L6jK4c\">Remake<\/a> des Astoria-Experiments zum 70j\u00e4hrigen Xerografie-Jubil\u00e4um 2008<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Museum f\u00fcr Fotokopie (M.F.F.) widmet sich der Geschichte der Fotokopie und der Copy Art. 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