{"id":61705,"date":"2020-09-17T00:01:00","date_gmt":"2020-09-16T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=61705"},"modified":"2022-02-17T14:25:34","modified_gmt":"2022-02-17T13:25:34","slug":"isolde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/17\/isolde\/","title":{"rendered":"ISOLDE"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe den Nektar saurer Kirschen aus seiner hohlen Hand getrunken, die Krone aus Meer- schaum unterm Baum abgelegt, der meine Mutter beschattet, und bald ihn. Wie haben wir gebl\u00fcht und geblutet durch unsere offenen Herzen. Unsere M\u00fcnder waren Fr\u00fcchte, voll, fern und dunkelrot. Komm doch,und k\u00fcss mich wieder. Das Nimmermeer schleift uns die bunten Scherben rund, umsp\u00fclt mir meine wunden F\u00fc\u00dfe, und ich schmecke das Salz der Jahre, die mir in den Haaren h\u00e4ngenwie die See unter der Zunge. Meine H\u00e4nde halten sein gestrandetes Gesicht so, wie es war, nicht, wie es sein sollte, und mein Kopf ruht an seiner geschlossenen Brust, in der ein Kirschkern keimt. Denn meine Sehnsucht nach ihm ist sauerkirschkerngro\u00df.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Jenseits BlassBlau<\/strong>, von Julia Kulewatz. Edition Roter Drache 2020<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-61702\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Blass_blau_Cover-681x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"256\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Bernhard Hennen nennt Julia Kulewatz in seinem Vorwort &#8222;die Poetin der deutschen Phantastik&#8220;. So sprechen die hier versammelten Kurzgeschichten mit der Weisheit siebenj\u00e4hriger Kinder, lassen die Liebe durchsichtig werden und erwecken zartgr\u00fcne Jungfrauen aus den Leibern uralter Drachen, die \u00fcber die Menschen wachen. Wir werden auf abenteuerliche Entdeckungs- reisen geschickt, bei denen es nicht weniger zu verlieren und zu gewinnen gibt als eine neue Perspektive auf uns selbst und die uns umgebende, fantastische Wirklichkeit. Dabei ver- fl\u00fcssigen sich Raum und Zeit in den Schritten barf\u00fc\u00dfiger Nixen. Mit der Virtuosit\u00e4t ihrer bild- gewaltigen Sprache entf\u00fchrt uns die Autorin in die allumfassenden Tiefen des Ozeans, der zugleich Rettung und Vernichtung ist. Dabei verfl\u00fcssigen sich Raum und Zeit in den Schritten gefl\u00fcgelter Nixen, die erzwungene Wolkenformationen zu entr\u00e4tseln suchen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich habe den Nektar saurer Kirschen aus seiner hohlen Hand getrunken, die Krone aus Meer- schaum unterm Baum abgelegt, der meine Mutter beschattet, und bald ihn. Wie haben wir gebl\u00fcht und geblutet durch unsere offenen Herzen. 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